Die Mauer der Straflosigkeit durchbrechen



Pamela Capizzi arbeitet seit 2014 für TRIAL International. Heute leitet sie die Aktivitäten zu Burundi als nationale Koordinatorin. Während eines Trainings für lokale Menschenrechtsanwältinnen und -anwälte 2016 forderten die burundischen Behörden sie auf, das Land zu verlassen. Im Interview spricht sie über Polizeigewalt in Burundi.

Ein Mann mit offenkundigen Schmerzen wird von der burundischen Polizei auf einem Polizeiauto festgehalten
Polizeigewalt, Burundi, © Landry Nshimiye/TRIAL International 2017

ifa: Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1962 gab es in Burundi diverse Staatsstreiche und gewaltsame Auseinandersetzungen. Im Bürgerkrieg (1993 - 2006) starben 300.000 Zivilistinnen und Zivilisten. Seit 2015 steckt das Land in einem weiteren Zyklus von Gewalt. Was haben Sie in den vergangen fünf Jahren beobachtet?

Pamela Capizzi: Der aktuelle Gewaltkreislauf begann im April 2015, als der damalige Präsident Pierre Nkurunziza für eine dritte, umstrittene Amtszeit kandidierte. Die mehrheitlich friedlichen Proteste wurden brutal niedergeschlagen. Bis zum heutigen Tage mussten tausende Journalistinnen und Journalisten, Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger und Oppositionelle ins Exil gehen. In einem Klima der totalen Straflosigkeit ist die Bevölkerung weiterhin Angst, Missbrauch und grassierenden Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Im Juni starb Nkurunziza, wenige Tage vor den äußerst umstrittenen Wahlen. Sein Tod gibt Burundi die Chance, ein neues Kapitel in der Geschichte aufzuschlagen und Licht auf die Verbrechen der Vergangenheit zu werfen.

ifa: Wie trägt Ihre Projektarbeit dazu bei, dass Opfer Gerechtigkeit erlangen?

Capizzi: TRIAL International sondiert neue Wege für die Opfer. Die Organisation führt strategisch eine begrenzte Anzahl an Prozessen, um juristische Präzedenzfälle zu schaffen. Dies wird durch Advocacy-Arbeit flankiert: Trotz der Brutalität der Menschenrechtsverletzungen ist diese Krise in den Medien kaum sichtbar und bei Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern wenig bekannt. Wir schulden es den Opfern, ihren Stimmen Gehör zu verschaffen und sicherzustellen, dass die internationale Gemeinschaft die rechtliche Verantwortung in Burundi im Auge behält. Darüber hinaus unterstützt TRIAL International Anwältinnen und Anwälte sowie Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger und schafft Räume, in denen Überlebende begleitet werden, ihre Bedürfnisse auszudrücken.


Über TRIAL

Die Nichtregierungsorganisation TRIAL International setzt sich gegen die Straflosigkeit von Völkerrechtsverbrechen in Burundi ein und begleitet Opfer dabei, Zugang zur Justiz zu erlangen. Um Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren und Verfahren vor nationalen und supranationalen Institutionen einzuleiten, werden Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte und Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger unterstützt. Damit leistet TRIAL International einen Beitrag zur nachhaltigen Etablierung einer Kultur der Gerechtigkeit. TRIAL wird von zivik gefördert.

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