Ukraine: Informationen, Initiativen und Projekte

Praktische Hilfe, wissenschaftliche Analysen und Einblicke

Der Krieg mitten in Europa verursacht nicht nur unvorstellbares menschliches Leid und Zerstörung, er zerreißt auch mühevoll gepflegte Netzwerke. Deshalb engagiert sich das ifa weiterhin und mit zusätzlichen Programmen für den Dialog zwischen deutschen und osteuropäischen Künstler:innen. 

Die Martin Roth-Initiative startete 2024 ein Projekt zur Stärkung ukrainischer Künstler:innen durch eine Online- und Offline-Residenz mit Workshops, einem Treffen in Deutschland und einer Publikation.
Das ifa-Mentoringprogramm richtete sich 2023 gezielt an ukrainische kunst- und kulturschaffende Frauen und Personen aus der LGBTQIA+ Community aus dem östlichen Europa, dem Kaukasus oder Zentralasien. 
Im Jahr 2022 wurden zwei Projekte erfolgreich durchgeführt: Die Kulturhilfe Ukraine vernetzte geflüchtete Künstler:innen und Kulturschaffende aus der Ukraine mit Kulturinstitutionen aus Baden-Württemberg und das Mentoring-Programm "Mind the Gap" half geflüchteten Frauen aus der Ukraine zusammen mit Mentorinnen aus den deutschen Minderheiten in ihren Zufluchtsländern Fuß zu fassen und Anschluss zu finden.

Dieser ganze Mentoring-Prozess hat mir wirklich gezeigt, dass das kul­tu­relle Leben im Allgemeinen und mein Engagement in den kulturellen Projekten nicht aufgehört haben.

Sofiia Yukhymova, Kunst- und Kulturmanagerin, gefördert durch das ifa-Mentoring Programm

Gleichzeitig ist aber auch die wissenschaftliche Seite des ifa von großer Bedeutung: Durch die analytische Brille der Außenkulturpolitik kann besser verstanden werden, wie dieser Krieg abläuft, welche dramatischen Auswirkungen er hat und wie ein Weg zum Frieden aussehen könnte. Aus den ifa-Netzwerken geben Expert:innen und Aktivist:innen vor Ort wertvolle Einblicke in die Situation und ihre Auswirkungen auf die Menschen in der Ukraine.

ifa-Projekte seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine

Residenz für ukrainische Künstlerinnen

Zur Stärkung ukrainischer Künstlerinnen in der Ukraine setzte die Martin Roth-Initiative (MRI) 2024/2025 eine sechsmonatige hybride Residenz zur Stärkung des Austauschs, des feministischen künstlerischen Diskurses und der Resilienz ukrainischer Künstlerinnen in der Ukraine auf. Den Auftakt bildeten ab Oktober 2024 ein Online-Part mit Workshops, Diskussionen und Impulsen externer Referentinnen. Im März 2025 folgte ein einwöchiges Offline-Treffen aller Teilnehmerinnen in Deutschland. Das Projekt war ausdrücklich als Freiraum für offenen Austausch, künstlerische Weiterarbeit und Perspektiventwicklung in einem sicheren Umfeld konzipiert.

Aus mehr als 95 Bewerberinnen wurden durch ein unabhängiges Gremium 20 Teilnehmerinnen für die Residenz ausgewählt. Zu ihnen gehörten bildende Künstlerinnen, Schriftstellerinnen, Filmregisseurinnen und Theatermacherinnen aus verschiedenen Regionen der Ukraine. Das gemeinsame Arbeiten und Denken förderten das Entstehen einer nachhaltig solidarischen Gemeinschaft von Künstlerinnen, die sich bis heute trifft und den Diskurs lebendig hält.

Das Online-Programm umfasste Vorträge und Workshops zu feministischer Kunsttheorie, Diskussionen über die (Un-)Fähigkeit über den Krieg zu sprechen und Gespräche über den politischen Charakter von Kunst als Archiv der Erfahrungen.

Group photo of the artists.
Group photo of the artists, Photo: Oksana Briukhovetska

Während der einwöchigen Offline-Residenz lebte die Gruppe gemeinsam in Zeitz bei Leipzig. Das Programm umfasste Gruppenreflexionen, Diskussionen und Workshops zur Resilienzstärkung sowie selbstorganisierte Inhalte und Formate. Das Büro für Internationale Angelegenheiten der Stadt Leipzig hatte die Teilnehmerinnen nach Leipzig eingeladen (Leipzig ist Partnerstadt von Kyjiw) und einen Tag intensiven Austauschs und Workshops mit Leipziger Künstler:innen und Kulturtätigen organisiert.

Parallel zum Residenzprogramm arbeiteten die Teilnehmerinnen an eigenen künstlerischen Projekten, die in Zeitz zu einem gemeinsamen Buchprojekt weiterentwickelt wurden. Die Beiträge spiegeln die unterschiedlichen Erfahrungen, die das Leben im Krieg, das Frausein und Künstlerinsein, persönliche und kollektive Traumata und zwangsläufig hinterfragte Identitäten mit sich bringen. Auf beeindruckende Weise dokumentiert die fertige Publikation "Meaning after loss" ein Stück gemeinschaftlich gestützter Selbstermächtigung und ist selbst eine Form der Wiedergewinnung der Deutungshoheit über individuelle und kollektive Narrative geworden.

Mentoringprogramm Ukraine

Das Mentoringprogramm unterstützte geflüchtete Frauen und Mitglieder der LGBTIQA+ Community aus der Ukraine, die im Kunst- und Kulturbereich tätig sind. Um in einem neuen Land anzukommen, dort Netzwerke bilden und ihre Tätigkeiten weiter ausführen zu können, wurden sie mit Mentor:innen aus den verschiedenen Zufluchtsländern zusammengebracht. Die Tandems trafen sich sowohl virtuell als auch vor Ort und entwickelten gemeinsam Strategien, mit denen die Mentees sich weiterentwickeln konnten. Hierbei entstanden nicht nur wertvolle Verbindungen, sondern auch neue Freundschaften.

Ein wichtiger Gedanke, der das Programm begleitete, ist das Prinzip der feministischen Außenpolitik: Dauerhafter Frieden kann nur erreicht werden, so legen Studien nahe, wenn alle Bevölkerungsgruppen und vor allem auch Frauen mit in den Prozess einbezogen werden. In das gemeinsame Abschlussseminar des Mentoringprogramms 2023 wurde deshalb ein feministisches Netzwerkevent integriert, durch das die Teilnehmenden sich intensiv austauschen und zusätzliche Verbindungen aufbauen konnten.

Kulturhilfe Ukraine

Anlaufstelle und Netzwerk für geflüchtete Kulturschaffende

Die Kulturhilfe Ukraine am ifa startete als Kontaktstelle für geflüchtete Kultur- und Kunstschaffende aus der Ukraine sowie Kulturorganisationen aus Baden-Württemberg, die in Kooperation mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg organisiert wurde. Im Februar 2023 wurde das Projekt vorerst abgeschlossen, eine Fortsetzung ist angedacht. Unzählige Künstler:innen und Kulturschaffende haben über das ifa ihr Netzwerk mit baden-württembergischen Kultureinrichtungen ausbauen können, künstlerische Projekte wurden erfolgreich durchgeführt, statt tatenlos abzuwarten konnten Geflüchtete wieder ihren Berufungen nachgehen und ihre Eindrücke von Krieg und Flucht künstlerisch verarbeiten.

Netzwerken, andere Geflüchtete treffen, Perspektiven entwickeln

So vielseitig die Menschen sind, die sich bis Projektende 2023 an die Kulturhilfe Ukraine gewandt haben, so vielseitig sind ihre künstlerischen Betätigungsfelder: Schauspielerei, Illustration, Architektur, Bildhauerei und Malerei sind nur einige davon. Auf mehreren Netzwerktreffen, Workshops und bei den Tagen des offenen Ateliers beim Kunstverein Wagenhallen in Stuttgart wurden Bekanntschaften geschlossen, Pläne geschmiedet und wertvolles Know-How für Projekte in Deutschland gesammelt. Ein besonderes Highlight wurde die Veranstaltung "Die geflüchtete Seele. Ukrainische Kunst und Kultur angesichts des Krieges" in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie Bad Boll, die auch als Video verfügbar ist.

Mentoringprogramm "Mind the Gap"

Helfen, wo Hilfe benötigt wird

Das Mentoringprogramm "Mind the Gap" unterstützte geflüchtete Frauen aus der Ukraine dabei, sich in einem neuen Land zurechtzufinden. Eine erste Gruppe konnte bis Dezember 2022 begleitet werden. Dafür brachte es sie vor Ort im Rahmen eines Mentorings mit Vertreterinnen der deutschen Minderheiten in ihren Zufluchtsländern zusammen. Über das Projekt entstanden wertvolle Freundschaften.

Ein wichtiger Gedanke, der das Programm begleitete, ist das Prinzip der feministischen Außenpolitik: Dauerhafter Frieden kann nur erreicht werden, so legen Studien nahe, wenn alle Bevölkerungsgruppen und vor allem auch Frauen mit in den Prozess einbezogen werden. Deshalb beschäftigte sich die abschließende Podiumsdiskussuion mit dem Thema: "Frauen in Kriegszeiten – zwischen Überlebenskampf und feministischer Außenpolitik".

Das ifa ist nicht nur über das Mentoring-Programm "Mind the Gap" in die Arbeit mit Geflüchteten aus der Ukraine eingebunden. Auch ifa-Kulturmanagerinnen in Osteuropa engagierten sich mit ihren Gastorganisationen direkt vor Ort für die Aufnahme und Versorgung von zehntausenden Menschen oder als ifa-Alumni mit eigenen Initiativen in Deutschland. Mehr gibt es im Youtube-Video mit Kateryna Wiedergold in Böblingen und im Artikel über Julia Taips in Transkarpatien.