Organisation

Das ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) ist Deutschlands älteste Mittlerorganisation. Es engagiert sich weltweit für ein friedliches und bereicherndes Zusammenleben von Menschen und Kulturen. Das ifa fördert den Kunst- und Kulturaustausch in Ausstellungs-, Dialog- und Konferenzprogrammen und agiert als Kompetenzzentrum der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Es ist weltweit vernetzt und setzt auf langfristige, partnerschaftliche Zusammenarbeit.
Das ifa wird gefördert vom Auswärtigen Amt, dem Land Baden-Württemberg und der Landeshauptstadt Stuttgart.

Überblick

Alumni

ifa-Alumni sind ehemalige Geförderte, Entsandte, Expertinnen und Experten, die sich weltweit für Kulturaustausch, Dialog und Verständigung engagieren. Sie sind künstlerisch, kuratorisch und im Kulturmanagement tätig, forschen zu Kultur und Außenpolitik und setzen sich für die Kunst-, Meinungs- und Informationsfreiheit ein. Die zurzeit mehr als tausend Alumni zu vernetzen, damit sie gemeinsam neue Initiativen und Projekte entwickeln können, sieht das ifa als eine wichtige Aufgabe.

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Besucherprogramm der Bundesrepublik Deutschland

Das Besucherprogramm der Bundesrepublik Deutschland bietet den Teilnehmenden die Möglichkeit, sich während einer 1-wöchigen Reise über aktuelle gesellschaftspolitische Themen auszutauschen und zu vernetzen.

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Förderverein

Der Förderverein wurde 2006 mit dem Ziel gegründet, das ifa bei der Wahrnehmung seiner zahlreichen Projekte zu unterstützen.

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Jobs und Karriere

Aktuelle Stellenausschreibungen, Forschungsprojekte und Praktikumsplätze

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Organigramm


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Theodor-Wanner-Preis

Seit 2009 verleiht das ifa den Theodor-Wanner-Preis an Personen, die mit ihrem wissenschaftlichen, sozialen, gesellschaftspolitischen, künstlerischen, unternehmerischen oder finanziellen Engagement Herausragendes im Sinne des Dialogs der Kulturen leisten.

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Total Glokal

In der Veranstaltungsreihe „Total Glokal. Stuttgarter Weltgespräche“ greift das ifa aktuelle Fragestellungen zur Wechselwirkung von Globalem und Lokalem auf.

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Vortragsprogramm der Bundesregierung

Das Ziel des seit 1995 vom ifa umgesetzten Vortragsprogramms der Bundesregierung ist die Vermittlung eines aktuellen und vielschichtigen Deutschlandbildes im Ausland.

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Leitbild

  • Unser Verständnis

    Das Institut für Auslandsbeziehungen engagiert sich im Kulturaustausch für ein friedliches und bereicherndes Zusammenleben von Völkern, Staaten und Religionen. Kulturen sind veränderlich, beweglich und durchlässig, aber auch bewahrend und begrenzend. Sie können Quelle von Konflikten sein oder deren Umgestaltung ermöglichen.
    Kulturaustausch ist Friedensarbeit. Frieden und Gerechtigkeit, der Erhalt der Lebensgrundlagen und der Kulturen der Menschheit sowie ein vereintes Europa sind unsere großen Herausforderungen. Menschenrechte, die Freiheit des Ausdrucks und der Information sind Grundlage und Ziel unserer Arbeit.
    Dialog ist Wertschöpfung aus kultureller Vielfalt. Im Dialog haben Menschen die Möglichkeit, sich umfassend und gleichberechtigt an offener und folgenreicher Zukunftsgestaltung zu beteiligen. Dafür bringen wir Menschen zusammen.


  • Unser Handeln

    Das ifa initiiert den interkulturellen Dialog. Es befördert den Kultur- und Kunstaustausch in Ausstellungs-, Begegnungs-, Dialog-  und Konferenzprogrammen. Es trägt zum Friedenserhalt durch zivile Konfliktbearbeitung und zur kulturellen Vielfalt durch die Förderung kultureller Minderheiten bei.
    Das ifa ist Kompetenzzentrum der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Es vernetzt Themen aus der Praxis mit Wissenschaft und Medien. Es initiiert, analysiert, moderiert und dokumentiert Diskussionen und Fragen der internationalen Kulturbeziehungen.
    Das ifa weckt das Interesse an Deutschland im Ausland. Es vermittelt innovative Positionen aus Deutschland durch Austauschprogramme, Ausstellungen, Publikationen, Vortragsreisen und Besucherprogramme.


  • Unsere Arbeitsweise

    Das ifa ist weltweit tätig und europäisch eingebunden. Es arbeitet in Netzwerken der Kultur und Bildung, der Medien, der Zivilgesellschaft und der Politik und setzt auf zukunftsorientierte Zusammenarbeit.
    Das ifa arbeitet zielgruppenspezifisch. Es richtet sich vor allem an junge Menschen, Medien- und Kulturschaffende und an Wissenschaftler. Wir kooperieren mit kulturellen Institutionen, Nichtregierungsorganisationen und Entscheidungsträgern aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft.
    Das ifa ist ein verlässlicher Partner. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfüllen ihre Aufgaben mit interkultureller Kompetenz und sind in ihrer Arbeit hohen Qualitätsansprüchen verpflichtet.


Personen und Gremien

Präsident des ifa

Seit dem 1. Oktober 2018 ist Prof. Dr. Dr. h.c. Ulrich Raulff Präsident des ifa (Institut für Auslandsbeziehungen).
Ulrich Raulff, geboren 1950 in Hülseberg bei Meinerzhagen, studierte Philosophie und Geschichte an der Philipps-Universität Marburg und schloss im Oktober 1977 seine Promotion ab. Von 1978 bis 1993 war er freiberuflich als Übersetzer und Mitarbeiter von mehreren deutschen Medien tätig. 1995 habilitierte er an der Humboldt-Universität zu Berlin im Fach Kulturwissenschaft. Seit 1994 war er Redakteur im Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, seit 1997 Ressortchef und seit 2001 Leitender Redakteur im Feuilleton der „Süddeutschen Zeitung“. Von 2004 bis 2018 war er Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach.

ifa-Präsident Ulrich Raulff, Foto: ifa / Constant Formé-Bècherat
Foto: ifa / Constant Formé-Bècherat

Generalsekretär des ifa

Ronald Grätz, geb. 1958 in São Paulo, ist seit September 2008 Generalsekretär des ifa. Er studierte Germanistik, katholische Theologie und Philosophie in Tübingen und Frankfurt am Main. Von 1989 bis 1992 war er als Programmlehrkraft der IOM in São Paulo tätig sowie als Vize-Direktor einer UNESCO-Projektschule. In Barcelona arbeitete er als Lehrbeauftragter an der Universitat de Barcelona und als Sprachlehrer am Goethe-Institut (1994–1998). Es folgten Positionen am Goethe-Institut als Leiter der Programmarbeit für die Region Osteuropa/Zentralasien in Moskau (1998–2002), als Referent des Vorstands in der Zentrale in München (2003–2006) und als Leiter des Goethe-Instituts Portugal (2006–2008).

ifa-Generalsekretär Ronald Grätz, Foto: ifa / Victoria Tomaschko
Foto: ifa / Victoria Tomaschko

Gremien

Das Präsidium

Das Präsidium legt die Leitlinien und Schwerpunkte für die Tätigkeit des ifa fest und fasst Beschlüsse über Planungen sowie Projekte von besonderer Bedeutung. Es ist mitunter auch für die Wahl und Abberufung des Präsidenten und Generalsekretärs zuständig. Die Sitzungen des Präsidiums finden mindestens zweimal jährlich statt. Die Amtszeit eines Präsidiumsmitglieds beträgt drei volle Geschäftsjahre, wobei eine zweimalige Wiederwahl möglich ist.

  • Mitglieder
    • Prof. Dr. Götz Adriani, Direktor der Kunsthalle Tübingen i.R., 2. Vizepräsident
    • Dr. jur. Bernt Graf zu Dohna, Chefsyndikus i.R. der Robert-Bosch GmbH, 1. Vizepräsident
    • Petra Drexler, Referatsleiterin 606, Auswärtiges Amt
    • Dr. Ursula Eid, Parlamentarische Staatssekretärin a.D.
    • Dr. Andreas Görgen, Ministerialdirektor, Leiter der Abteilung Kultur und Kommunikation, Auswärtiges Amt
    • Dr. Fabian Mayer, Kulturbürgermeister, Stadt Stuttgart
    • Prof. Dr. Dr. h.c. Ulrich Raulff, Präsident, ifa
    • Prof. Dr. Joachim Rogall, Vorsitzender der Geschäftsführung, Robert Bosch Stiftung GmbH
    • Dr. Claudia Rose, Ministerialdirigentin, Leiterin der Kunstabteilung, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst
    • Susanne Weber-Mosdorf, ehemalige Stv. Generaldirektorin World Health Organization

Der Beirat der Alexander Rave-Stiftung

Der Beirat der Alexander Rave-Stiftung entscheidet über die Mittelverwendung der Stiftung – die Vergabe von Stipendien zur Förderung von Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Aus-und Fortbildung sowie des Heimatgedankens. Das zweimal jährlich tagende Gremium wird für einen Zeitraum von vier Jahren berufen.

  • Mitglieder
    • Dr. jur. Bernt Graf zu Dohna, Chefsyndikus i.R. der Robert-Bosch GmbH
    • Ronald Grätz, Generalsekretär, ifa
    • Dr. Ulrike Groos, Direktorin, Kunstmuseum Stuttgart
    • Susanne Weber-Mosdorf, ehemalige Stv. Generaldirektorin World Health Organization
    • Prof. Dr. Dr. h. c. Ulrich Raulff, Präsident ifa als ständiger Gast

Der Forschungsbeirat

Der Forschungsbeirat des ifa tagt zu Entwicklungen der internationalen Kulturbeziehungen und konzipiert Forschungsthemen mit. Er bringt politische, wissenschaftliche und zivilgesellschaftliche Perspektiven ein und stärkt so Forschung und Forschungskommunikation zur Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik in seiner Relevanz und Nachhaltigkeit.

  • Mitglieder
    • Prof. Dr. Helmut Anheier, ehemaliger Präsident der Hertie School of Governance
    • Petra Drexler, Leiterin des Referats 606, Auswärtiges Amt
    • Dr. Barbara Göbel, Direktorin des Ibero-Amerikanischen Instituts, Berlin
    • Ronald Grätz, Generalsekretär des ifa, Stuttgart
    • Sebastian Körber, stellvertretender Generalsekretär und Leiter der Abteilung Medien des ifa, Stuttgart
    • Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn
    • Jan Melissen, PhD, Senior Research Fellow, Netherlands Institute of International Relations 'Clingendael' und Senior Fellow International Relations and Diplomacy, Institute of Security and Global Affairs, Leiden University
    • Dr. Verena Metze-Mangold, ehemalige Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission
    • Prof. Dr. Caroline Y. Robertson-von Trotha, Direktorin des Zentrums für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale (ZAK), Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Vorsitzende des WIKA (Wissenschaftlicher Initiativkreis Kultur und Außenpolitik)
    • Dr. Odila Triebel, Leiterin des Bereichs Dialog und Forschung „Kultur und Außenpolitik“, ifa, Stutttgart
    • Dr. Helga Trüpel, ehemalige MEP und stellvertretende Vorsitzende im Ausschuss für Kultur und Bildung

Der Redaktionsbeirat der Zeitschrift KULTURAUSTAUSCH

Der Redaktionsbeirat der Zeitschrift KULTURAUSTAUSCH tagt einmal jährlich, um Feedback zu den im Vorjahr erschienenen Ausgaben zu geben und Themen für die kommenden vier Ausgaben zu diskutieren. Die Mitglieder aus Kultur und Politik bringen dank ihrer weitreichenden Expertise verschiedenste Blickwinkel ein und unterstützen damit die Vielfalt des Heftes.

  • Mitglieder
    • Johannes Ebert, Generalsekretär, Goethe-Institut, München
    • Prof. Dr. Naika Foroutan, stellvertretende Institutsdirektorin des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM), Humboldt-Universität zu Berlin
    • Jenny Friedrich-Freksa, Chefredakteurin KULTURAUSTAUSCH, ifa, Berlin
    • Theo Geißler, Verleger, ConBrio Verlag, Regensburg
    • Ronald Grätz, Generalsekretär des ifa, Stuttgart
    • Frau Ebba Scholl, VLRin, stv. Leiterin Referat 600 Strategie und Planung, Auswärtiges Amt
    • Sebastian Körber, stellvertretender Generalsekretär und Leiter der Abteilung Medien des ifa, Stuttgart
    • Jagoda Marinić, Schriftstellerin und Journalistin, Heidelberg
    • Evelyn Roll, Journalistin, Berlin
    • Dr. Claudia Schmölders, Kulturwissenschaftlerin, Berlin
    • Aleš Šteger, Lyriker und Autor, Ljubljana

Der Kunstbeirat

Der zweimal jährlich tagende Fachbeirat berät das ifa in Fragen zeitgenössischer Kunst sowie in der Ausstellungsarbeit. Die Mitglieder sind für drei Jahre bestellt und können zweimal wiedergewählt werden.

Geschichte des ifa

  • Die Gründung

    Am 10. Januar 1917 wurde in Stuttgart der Vorläufer des heutigen Instituts für Auslandsbeziehungen gegründet. Das Museum und Institut zur Kunde des Auslanddeutschtums und zur Förderung deutscher Interessen im Ausland, das noch im selben Jahr in Deutsches Ausland-Institut (DAI) umbenannt wurde, ging vor allem auf die Idee und den Einsatz des Stuttgarter Unternehmers Theodor Wanner (1875–1955) zurück. Das Institut wurde gemeinsam vom Deutschen Reich, vom Königreich Württemberg und der Stadt Stuttgart getragen. Bei der feierlichen Eröffnung des Instituts nannte es der württembergische König Wilhelm II. „ein Werk des Friedens inmitten des Kriegs“.


  • Nachkriegszeit und Weimarer Republik: die Aufbauphase

    Nach dem Kriegsende 1918 war das DAI bemüht, das ruinierte Ansehen Deutschlands in der Welt und die soziale Stellung der Auslandsdeutschen zu verbessern. So war das Institut in der Folge vor allem für die Beratung von Auswanderungswilligen, für die Betreuung von Auslandsdeutschen, aber auch für die Organisation von Ausstellungen und die Herausgabe einer Zeitschrift verantwortlich. Der wissenschaftliche Charakter des Instituts wurde darüber hinaus durch eine auslandskundliche Fachbibliothek, den Presse-und Nachrichtendienst sowie sein umfangreiches Archiv gestärkt. Geleitet wurde das DAI in dieser Zeit von Theodor Wanner und dem Staatswissenschaftler und Publizisten Fritz Wertheimer (1884–1968). Letzterer wurde am 1. Oktober 1918 als Generalsekretär eingesetzt.
    In der Zeit der Weimarer Republik wurde das DAI in mehrere, nach Regionen und Zuständigkeitsbereichen unterteilte, Sachabteilungen gegliedert. 1926 entstand außerdem ein Nordamerika-Referat. In den Jahren 1926/1927 hatte das Institut etwa 50 Angestellte. Untergebracht war das DAI seit dem Frühjahr 1925 in einem ehemaligen, vom Architekten Paul Schmitthenner umgebauten, Waisenhaus am Stuttgarter Charlottenplatz. Das Gebäude wurde 1924 als „Haus des Deutschtums“ eingeweiht. Neben den Räumlichkeiten für die verschiedenen Abteilungen umfasste der Komplex ein Rundfunkstudio. Dieses nutzten Wanner und Wertheimer, um eigene DAI-Rundfunkbeiträge zu produzieren, die meist über den Südfunk ausgestrahlt wurden. Darüber hinaus erschienen im DAI neben der von Wertheimer herausgegebenen Halbmonatsschrift Der Auslandsdeutsche einige Buchreihen und wissenschaftliche Handbücher.
    Ab 1928 hatte das DAI mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. In der Folge mussten vor allem die Ausstellungsaktivitäten eingeschränkt werden. Doch wurde die Arbeit des Instituts auch von den politischen Unsicherheiten und Unruhen im Land beeinträchtigt. So sah sich die Geschäftsführung des DAI beispielsweise immer wieder Angriffen von Seiten der aufstrebenden rechtsradikalen Kräfte ausgesetzt.


  • In der Zeit des Nationalsozialismus

    Die Machtübertragung an die Nationalsozialisten hatte für das DAI tiefgreifende Konsequenzen. Am 7. März 1933 wurde der Sitz des Instituts von der SA besetzt. Das DAI wurde gleichgeschaltet. Fritz Wertheimer, der 1938 nach Brasilien emigrierte, wurde aufgrund seiner jüdischen Abstammung abgesetzt. Und auch der Gründer und Vorstandsvorsitzende Theodor Wanner wurde seines Amtes enthoben. Ihn ersetzte der Stuttgarter NSDAP-Oberbürgermeister Karl Strölin (1890–1963). Zum Institutsleiter wurde Richard Csaki (1886–1943) ernannt, der sein Amt allerdings schon 1941 an den Nationalsozialisten Hermann Rüdiger (1889–1946) abgab. Unter der neuen Führung wurde das Institut zweckentfremdet.
    Die Aufgaben und Zuständigkeiten wandelten sich grundlegend. Sie wurden 1934 in der Broschüre Neue Aufgaben des Deutschen Ausland-Instituts beschrieben. Demnach sollte sich das Institut in Zukunft vor allem darum kümmern, die nationalsozialistische Weltanschauung unter den Auslandsdeutschen zu verbreiten und sie gegebenenfalls zu Soldaten des Dritten Reichs auszubilden. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich das DAI zu einem Planungszentrum der Volkstumspolitik des Hitler-Regimes. Auf dem Programm standen die Propagierung der deutschen „Rassenpolitik“ und die „Eindeutschung“ ausländischer Gebiete. So war das DAI unter anderem an der Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von Umsiedlungen in den eroberten osteuropäischen Gebieten beteiligt. Es bestanden eine enge Zusammenarbeit und ein reger Informationsaustausch mit der Gestapo, der NSDAP und dem Außenpolitischen Amt der NSDAP.
    Wie wichtig das DAI für die neuen Machthaber war, zeigt die stetige Vergrößerung, die das Institut unter der Herrschaft der Nationalsozialisten erfuhr. Zählte das DAI 1926/1927 noch etwa 50 Angestellte, so stieg diese Zahl bis zum Kriegsausbruch 1939 auf 157 an. Gleichzeitig wurde auch der Etat kontinuierlich erhöht. Zu den Geldgebern zählte ab 1935 auch das Propagandaministerium.


  • Nachkriegszeit und Neugründung

    Das DAI war im Dritten Reich keineswegs unbelastet geblieben. Dennoch waren die Alliierten gegenteiliger Ansicht und ließen das Institut fortbestehen. Sie waren durch Leumund-Bekundungen und geschönte Darstellungen ehemaliger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter getäuscht worden. Am 5. Juli 1949 wurde die Neugründung beschlossen. Das Deutsche Auslands-Institut wurde in Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) umbenannt. 1951 erfolgte die offizielle Wiederaufnahme der Tätigkeiten des Instituts. Bundespräsident Theodor Heuss bezeichnete das Institut in einer Rede, die er anlässlich der Wiedereröffnung hielt, als „Elementarschule für den Verkehr mit dem Ausland“, einem „Umschlagplatz“ im kulturellen Geben und Nehmen. Franz Thierfelder (1896–1963) sollte den Neuanfang als Generalsekretär des ifa in die Wege leiten. Doch war der Kulturpolitiker aufgrund seiner ideologischen Schriften zur Zeit des Dritten Reiches umstritten. Tatsächlich aber legte Thierfelder, der die Entnazifizierung unbeschadet überstanden hatte, seine alten Vorstellungen ab. Nach seiner Vorstellung sollte sich das Institut von nun an vor allem dafür einsetzen, „Fremdes“ verständlich zu machen und dem Ausland die eigene Kultur näher zu bringen. Die vom Institut propagierte Abkehr von der Vergangenheit wurde im Auswärtigen Amt positiv aufgenommen und mit finanzieller Unterstützung honoriert. Dies sicherte das langfristige Fortbestehen des ifa.


  • Der Neuanfang

    Der Neuanfang des ifa gestaltete sich schwierig. Der Ruf des Instituts war nach der NS-Zeit lädiert; viele Kontakte, zum Beispiel nach Osteuropa, waren weggebrochen; es begann die Zeit des Kalten Krieges. Hinzu kamen die Konkurrenz zu anderen Mittlerorganisationen wie dem Goethe-Institut, ein geringerer finanzieller Spielraum als zuvor und die eingeschränkte Sichtbarkeit im Ausland, die auch auf die damalige Außenpolitik zurückzuführen war, die der Kultur kaum Bedeutung zumaß. Der Wirkungsgrad des ifa blieb in dieser Zeit entsprechend begrenzt. Die Tätigkeiten des Instituts bestanden in der Auswandererberatung, der Herausgabe einer eigenen Zeitschrift (1951–1962 Mitteilungen, ab 1962 Zeitschrift für Kulturaustausch und seit 2006 KULTURAUSTAUSCH – Zeitschrift für internationale Perspektiven), dem Ausbau der hauseigenen Bibliothek, dem Auslandsversand von Büchergaben und der Organisation von Ausstellungen. Erst nach und nach wurden die Beziehungen zu anderen Ländern wieder enger, der gesellschaftliche Einfluss des ifa steigerte sich. Mit der eigenen Position während des Nationalsozialismus begann sich das Institut allerdings erst ab den 1960er-Jahren auseinanderzusetzen. Im Mai 1971 wurde die spätere ifa-Galerie in Stuttgart, 1980 die ifa-Galerie in Bonn eröffnet. Anfang der siebziger Jahre ging außerdem die Vermittlung von Ausstellungen deutscher Kunst ins Ausland in die alleinige Verantwortung des ifa über.


  • Das ifa und der Mauerfall

    Der Mauerfall und die deutsch-deutsche Einigung zogen auch für das ifa bedeutende Veränderungen nach sich. Aufmerksamkeit erregte dabei vor allem die Übernahme der DDR-Kunstsammlung des ehemaligen ZfK (Zentrum für Kunstausstellungen) durch das ifa. In der Zeit der innerdeutschen Teilung stellte das ZfK das ostdeutsche Pendant zum ifa dar. Es war unter anderem für die Organisation von Ausstellungen im In-und Ausland und den Kulturaustausch der DDR verantwortlich. Die Kunstsammlung des ZfK umfasste Druckgrafiken, Papierarbeiten, Fotografien und Malereien zahlreicher ostdeutscher Künstlerinnen und Künstler. Als das Zentrum Ende 1990 aufgelöst wurde, besaß es etwa 10.500 Werke. Diese sollten nun, gemäß den Vereinbarungen der Einheitsverträge, in den Bestand des ifa übergehen. Doch stieß der Plan in den Gebieten der ehemaligen DDR auf großen Widerstand. Empört äußerten sich ostdeutsche Medien über die „feindliche Übernahme“ durch das Stuttgarter Institut. In der Folge forderte ein Zusammenschluss mehrerer ostdeutscher Museen die Übergabe diverser Kunstwerke in die eigenen Sammlungen. Unter dem Druck der Museen und der Medien wurden einen Monat vor der Übernahme des ehemaligen ZfK-Bestandes 219 museumswürdige Kunstwerke an mehrere ostdeutsche Museen übergeben.


  • Wiedervereinigung

    Nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung weitete das ifa seine Aktivitäten auch auf die neuen Bundesländer aus. So bemühte man sich konsequent um den Ankauf von Kunstwerken ostdeutscher Künstlerinnen und Künstler und um deren Ausstellung. Darüber hinaus wurde 1991 eine ifa-Galerie in Berlin eröffnet. Außerdem arbeitete das ifa intensiv daran, seine Sichtbarkeit im Ausland und im außenpolitischen Gefüge Deutschlands zu verbessern. Dies konnte auch mit Hilfe diverser Förderprogramme (unter anderem zivik – Zivile Konfliktbearbeitung, das CrossCulture Programm, und Kunstförderung), mehrerer Tourneeausstellungen, eines Forschungsprogramms, der Fachbibliothek  für Auswärtige Kultur-und Bildungspolitik, der Zeitschrift KULTURAUSTAUSCH sowie zahlreicher Publikationen erreicht werden. Die Transformationsprozesse innerhalb Europas nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ hatten auch für das ifa Konsequenzen. Es begann sich verstärkt für den Schutz von Minderheiten und für die Stärkung des europäischen Einigungsprozesses einzusetzen. Außerdem rückten die Intensivierung des europäisch-islamischen Dialogs und die Förderung internationaler Friedensprojekte sowie humanitärer Hilfe in den Fokus. Ausdruck fanden die neuen Bestrebungen auch im Theodor-Wanner-Preis, der im Jahr 2009 vom ifa ins Leben gerufen wurde, um Persönlichkeiten und Organisationen zu würdigen, die sich in herausragender Weise für den Dialog der Kulturen, für Frieden und Völkerverständigung engagieren. Heute sieht sich das ifa als international agierender „Kulturmittler“, als Kompetenzzentrum für internationale Zusammenarbeit und Kunstaustausch. Mit seinen Tätigkeiten, Fördermaßnahmen und zahlreichen Projekten stellt sich das Institut den Herausforderungen der heutigen, globalisierten, sich stetig verändernden Welt.


Das ifa wird gefördert durch

Kontakt

Generalsekretariat des ifa

Charlottenplatz 17
D-70173 Stuttgart

Telefon: +49.711.22.25.116