Seit 2009 verleiht das ifa einen Preis an Personen oder Organisationen, die mit ihrem wissenschaftlichen, sozialen, gesellschaftlichen, künstlerischen, oder unternehmerischen Engagement Herausragendes für Frieden, Völkerverständigung und den Dialog der Kulturen leisten bzw. geleistet haben.

Der "ifa-Preis für den Dialog der Kulturen" geht auf die Initiative des Fördervereins für das ifa zurück. Namensgeber der Auszeichnung war bis 2019 Theodor Wanner (1875–1955), auf dessen Initiative 1917 das Deutsche Ausland-Institut (DAI), das heutige ifa, gegründet wurde.

Schirmherr des ifa-Preises ist der Bundesaußenminister. Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro fließt zweckgebunden direkt in ein von der Preisträgerin bzw. dem Preisträger ausgewähltes kultur- und friedenstiftendes Projekt. Die Preisträgerin oder der Preisträger wird durch ein künstlerisches Preisobjekt geehrt. In Kooperation mit dem Steidl Verlag wird jeweils ein Porträtband veröffentlicht.

Die Auswahl der Preistragenden erfolgt durch Mehrheitsentscheidung einer Jury, die durch den Vorstand des Fördervereins und das ifa gebildet wird. Die Jury ist in ihrer Auswahl frei.



ifa-Preis 2021 – Igor Levit


Der international gefeierte Pianist und Hochschulprofessor Igor Levit erhielt in Anerkennung eines über Grenzen wirkenden künstlerischen und gesellschaftspolitischen Engagements den ifa-Preis für den Dialog der Kulturen 2021.
Die Auszeichnung wurde am 14. September 2021 im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung im Allianz Forum Pariser Platz in Berlin vergeben. Claudia Roth, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, hielt die Laudatio. Schirmherr des Preises ist Bundesaußenminister Heiko Maas.

Igor Levit © Felix Broede, Sony Classical
Igor Levit © Felix Broede, Sony Classical

Aus der Begründung der Preisjury:

Die Jury des Preises zeigte sich nachhaltig von seinem politisch-gesellschaftlichen Engagement beeindruckt: von seiner entschiedenen Haltung und persönlichem Mut im Widerstand gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus. Wie wenige andere Künstler der Gegenwart versteht Levit es, sowohl durch seine Kunst als auch durch seine politische Botschaft die Herzen der Menschen zu bewegen und sie zu einem offenen, dem Verstehen der Anderen und der Verständigung mit ihnen dienenden Gespräch zu ermutigen. In Zeiten, in denen die liberale Demokratie und ihre Botschaft von Individualität und Freiheit unter extremen Druck steht, scheint dies wichtiger als je zuvor.

Die New York Times beschreibt Igor Levit als einen der "bedeutendsten Künstler seiner Generation".  1987 in Nizhni Nowgorod geboren, siedelte Igor Levit im Alter von acht Jahren mit seiner Familie nach Deutschland um. Sein Klavierstudium in Hannover absolvierte er mit der höchsten Punktzahl in der Geschichte des Instituts. Er ist Künstlerischer Leiter der Kammermusikakademie und des Standpunkte Festival des Heidelberger Frühlings. Im Frühjahr 2019 erfolgte der Ruf als Professor für Klavier an seine Alma Mater, der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

Igor Levit ist unter anderem "Artist of the Year 2020" der Gramophone Classical Music Awards, Musical America's "Recording Artist of the Year 2020". Im November 2020 erfolgte die Nominierung für einen Grammy in der Kategorie "Best Classical Instrumental Solo".

Als Empfänger des mit seiner Auszeichnung verbundenen Preisgelds hat Igor Levit die Beratungsstelle HateAid ausgewählt. HateAid unterstützt Opfer von digitaler Gewalt – d.h. Menschen, die online beleidigt, verleumdet oder bedroht werden – unter anderem durch kostenlose Beratungsangebote und Prozesskostenfinanzierung. Stifter des diesjährigen Preisgeldes in Höhe von 10.000 Euro ist die BAO Stiftung von Prof. Dr. Brigitte Oetker und Dr. Arend Oetker.

 

Höhepunkte der Veranstaltung im Video

Zum Clip

Bildergalerie Preisverleihung 2021

 

 

ifa-Kolloquium 2021

Kultur + Freiheit

Im Rahmen der Verleihung des ifa-Preises für den Dialog der Kulturen 2021 an Igor Levit fand erstmals das ifa-Kolloquium zur Diskussion und Vertiefung von zukunftsrelevanten Themen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik statt.
Mit dem Thema "Kultur + Freiheit" nahm die Pilotveranstaltung Bezug auf den im Frühjahr 2021 in Kooperation mit dem Steidl-Verlag erschienenen Band "Kultur und Freiheit – Beschreibung einer Krise".
In drei jeweils halbstündigen Sessions wurde je eine Position des Bandes durch die:den jeweilige:n Autor:in vorgestellt und mit einem externen Gast diskutiert.

Weitere Informationen und Programm hier.

Panel 1: Freiheit unter Beschuss

Eine klassisch gewordene Formel unterscheidet zwei Freiheitsbegriffe – die Freiheit von etwas und die Freiheit zu etwas.
Kunst verarbeitet die Spannungen, die sich in beiden Dimensionen der Freiheit ergeben: der Behauptung eines individuellen Raumes der Autonomie, und der Bestimmung einer Richtung für das eigene Wirken.
Diskussion mit:
Marie Rosenkranz, Kulturwissenschaftlerin
Can Dündar, Journalist
Moderation: Roland Bernecker

© ifa

Panel 2: Kunst der Freiheit

Der Stellenwert der Freiheit zeigt sich besonders deutlich in der Sphäre der Kunst und Kultur. Die Freiheitsgrade künstlerischer Produktion sind ein Seismograph individueller und kollektiver Freiheiten insgesamt – der Meinungsfreiheit, Wissenschaftsfreiheit, Bewegungsfreiheit und der Freiheit, bestehende Normen in Frage zu stellen. Kultur ist zugleich Reproduktion von Codes als auch Stimulus zur kritischen Selbstreflexion und der Hinterfragung kollektiver Wahrnehmungen.
Diskussion mit:
Julia Grosse, Künstlerische Leiterin, ContemporaryAnd
Tobias Knoblich, Kulturwissenschaftler und -politiker
Moderation: Ronald Grätz

© ifa

Panel 3: Laboratorien der Subjektivität

Der Begriff des Individuums ist ein unmittelbarer Gradmesser dafür, was wir uns selbst zutrauen wollen. Einschränkungen der Freiheit sind Eingeständnisse unseres Misstrauens in die Fähigkeit und den Willen Einzelner, gute Entscheidungen zu treffen. In welchem Maße und von wem werden Freiheiten zugestanden und gesichert, oder eingeschränkt und abgesprochen?
Diskussion mit:
Annemie Vanackere, Künstlerische Leitung HAU Hebbel am Ufer
Bernd Scherer, Intendant Haus der Kulturen der Welt Berlin
Moderation: Roland Bernecker

© ifa

Die ganze Veranstaltung auf Twitter:

Bisherige Preisträger:innen

  • 2019: Federica Mogherini
    • Preisträgerin: Federica Mogherini, ehemalige Hohe Vertreterin der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik
    • Laudatio: Heiko Maas, Bundesminister des Auswärtigen
    • Preisgeldempfänger: Rondine Cittadella della Pace

     

    Federica Mogherini, ehemalige Hohe Vertreterin der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik und Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, erhielt den Theodor-Wanner-Preis 2019 aufgrund ihres Engagements für Frieden und Verständigung sowie insbesondere für ihre Strategie zur Stärkung der Kultur in den Außenbeziehungen der Europäischen Union.
    Federica Mogherini hat für das Preisgeld 2019 die Organisation "Rondine Cittadella della Pace" ausgewählt, die sich auf der ganzen Welt für die Vermeidung bewaffneter Konflikte einsetzt und eine eigene Methode zur kreativen Transformation von Konflikten entwickelt hat.

    Federica Mogherini, © ifa / Wolfgang Borrs

  • 2017: Silvia von Schweden
    • Preisträgerin: Silvia Königin von Schweden
    • Laudatio: Sigmar Gabriel, Bundesminister des Auswärtigen
    • Preisgeldempfänger: Sociedade Beneficente Alemã

     

    Silvia Königin von Schweden engagiert sich nachhaltig für benachteiligte und missbrauchte Kinder. Sie gründete die World Childhood Foundation und ist Schirmherrin von mehr als 60 Vereinigungen, Projekten und Veranstaltungen. Nicht zuletzt ihr Engagement für Demenzkranke und der von ihr eingerichtete Fonds zugunsten der Forschung auf dem Gebiet des Behindertensports sind inspirierende Beispiele dafür, wie eine Persönlichkeit des Zeitgeschehens ihre besondere gesellschaftliche Position auch auf internationaler Ebene umsichtig und überzeugend nutzt, um vielen Menschen zu helfen. Ihr umfangreiches soziales Engagement und ihr unermüdlicher Einsatz für die Menschenrechte wurde mit dem Theodor-Wanner-Preis 2017 gewürdigt.

    Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro spendete Königin Silvia der Sociedade Beneficente Alemã (Deutscher Hilfsverein) in São Paulo. Der Verein bietet eine qualifizierte ganzheitliche Betreuung von älteren Menschen mit kognitiver Abhängigkeit an. Außerdem werden pädagogische und kulturelle Programme in einem Elendsviertel von São Paulo für 320 Kinder und Jugendliche angeboten.

    Silvia Königin von Schweden, © ifa / Wolfgang Borrs

  • 2016: Human Rights Watch
    • Preisträger: Human Rights Watch, unabhängige Nichtregierungsorganisation
    • Laudatio: Dr. Bärbel Kofler, Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe
    • Preisgeldempfänger: Global Coalition to Protect Education from Attack

     

    Im Jahr 2016 verlieh das ifa den Theodor-Wanner-Preis für Frieden, Freiheit und Menschenrechte erstmalig an eine Organisation, und zwar an Human Rights Watch. Im Zentrum der Arbeit dieser global aktiven Nichtregierungsorganisation steht die Wahrung der Menschenrechte als Voraussetzung für eine weltweit gerechte und freie Gesellschaft. Human Rights Watch hat sich mit unermüdlichem  Einsatz zu einer unüberhörbaren Stimme für Gerechtigkeit in den Gesellschaften dieser Welt entwickelt.

    Als Preisgeldempfänger hat Human Rights Watch die Global Coalition to Protect Education from Attack bestimmt. Das Preisgeld kommt dabei deren Attack on Schools Program zugute. Entgegengenommen wurde es von Zama Coursen-Neff, Geschäftsführerin der Children's Rights Division von Human Rights Watch.

     

  • 2014: Ernesto Cardenal
    • Preisträger: Ernesto Cardenal, Politiker und Theologe
    • Laudatio: Prof. Dr. Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestags
    • Preisgeldempfänger: Pan y Arte / Solentiname

     

    Den Theodor-Wanner-Preis 2014 verlieh das ifa an Ernesto Cardenal. Im Zentrum seines Lebenswerks stehen immer wieder die Kultur und das Kulturschaffen als Grundlage und Nährboden für Gerechtigkeit und Freiheit in jeder Gemeinschaft. Mit seinem Engagement hat er das Bewusstsein der Welt für die Rolle der Kultur in der Gesellschaft nachhaltig beeinflusst.

    Ernesto Cardenal hat das Preisgeld zwei Organisationen zugedacht: Pan y Arte und Solentiname. Pan y Arte (Brot und Kunst) ist eine international tätige Hilfsorganisation, die derzeit vier Projekte in Nicaragua unterstützt. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen Kinder und Jugendliche, die durch Musizieren und Malen, Schreiben und Lesen, Tanzen und Theaterspielen gefördert und gestärkt werden. Die Stiftung Solentiname, in der sich Ernesto Cardenal auch selbst engagiert, konnte Bewohnern des nicaraguanischen Inselarchipels Solentiname Land und Wohnraum geben und die Infrastruktur verbessern. Sie fördert auch das traditionelle Kunsthandwerk, das für die Bewohner eine wichtige Einkommensquelle ist.

    Ernesto Cardenal, © ifa / Wolfgang Borrs

  • 2013: Yoko Ono
    • Preisträgerin: Yoko Ono, Künstlerin
    • Laudatio: Dr. Guido Westerwelle, Bundesminister des Auswärtigen
    • Preisgeldempfänger: PAWA254

     

    Nicht nur durch ihre Kunst, sondern vor allem durch ihre unermüdlichen Unterstützung verschiedenster Projekte und Wohltätigkeitsinitiativen setzt sich Yoko Ono seit Jahrzehnten für eine gerechtere Welt ein. Neben der Stiftung eines eigenen Friedenspreises "LennonOno Grant for Peace" engagiert sie sich fortwährend für Frieden, Menschenrechte und Gleichberechtigung und unterstützt Kampagnen wie "Imagine There's No Hunger" oder "Make Some Noise", gemeinsam mit Organisationen wie Amnesty International oder Hard Rock International.

    © ifa / Wolfgang Borrs

    Yoko Ono gab das Preisgeld in Höhe von 10.000€ an die kenianische Organisation PAWA254.  Die soziale Plattform für junge kenianische Künstler, Journalisten, Artisten, Musiker und Schreiber, die unter der Leitung des bekannten Fotoaktivisten Boniface Mwangi steht , konnte bis heute über 10.000 junge Menschen erreichen, die ihren Beitrag zum Austausch und zur Versöhnung  leisten.  Boniface Mwangi wurde weltbekannt, nachdem er während der Unruhen in seinem Land zwischen 2007 und 2008 Tausende von Fotos schoss, die die Gräueltaten dokumentierten.  Als Weg zur Aussöhnung gründete er die Stiftung Picha Mtaani, die mit seinen Bildern durch Kenia tournierte und die Aussöhnung zwischen den Ethnien anstieß.


  • 2011: Jacques Delors
    • Preisträger: Dr. h.c. Jacques Delors, ehem. Präsident der Europäischen Kommission
    • Laudatio: Dr. h. c. Hans-Dietrich Genscher, Bundesminister des Auswärtigen a. D.
    • Preisgeldempfänger: Notre Europe

     

    "Es geht nicht nur darum, Nationen zu verbinden, es geht auch darum, eine lebendige Gemeinschaft mit lebendigem Profil zu schaffen."

     

    Als Präsident der Europäischen Kommission schuf Jacques Delors die Grundlagen für die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion und gilt daher als einer der maßgeblichen Architekten des "Europäischen Hauses". Neben der wirtschaftlichen Integration setzte er jedoch in gleichem Maße auf die soziale Dimension Europas im Sinne eines interkulturellen und völkerverbindenden Friedensprojekts. Für sein herausragendes Engagement ehrte ihn das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) mit dem Theodor-Wanner-Preis 2011.
    Dem Gedanken der europäischen Einheit folgend, gründete Jacques Delors 1996 die unabhängige Studien- und Forschungseinrichtung "Notre Europe", die er auch als Empfänger des Preisgeldes auswählte. Ziel der mittlerweile zu Institut Jacques Delors umbenannten Stiftung ist es, aktuelle Debatten innerhalb Europas durch Analysen und Empfehlungen zu unterstützen und die aktive Partizipation der Zivilgesellschaft am europäischen Aufbauprozess sowie das Entstehen eines europäischen öffentlichen Raumes zu fördern.

    Jacques Delors, Ronald Grätz (v.l.n.r.), © ifa / Wolfgang Borrs

  • 2010: Carla del Ponte
    • Preisträgerin: Carla del Ponte, Juristin
    • Laudatio: Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Jutta Limbach, Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts a. D.
    • Preisgeldempfänger: Fondazione Falcone

     

    Es existiert kaum ein internationaler Straftatbestand, für dessen Aufklärung sich Carla Del Ponte nicht engagierte. Wegen Völkermords, Kriegsverbrechen, Waffenschmuggel und Korruption ermittelte die Schweizer Bundesanwältin und langjährige Chefanklägerin der Internationalen Strafgerichtshöfe für das ehemalige Jugoslawien und Ruanda mit großem persönlichem Einsatz. So ermöglichte sie nicht nur die Durchsetzung des Völkerrechts, sondern schuf auch die Grundlage für eine künftige Verständigung verfeindeter Bevölkerungsgruppen. Für dieses außergewöhnliche Engagement im Sinne des Dialogs der Kulturen wurde Carla Del Ponte mit dem Theodor-Wanner-Preis 2010 ausgezeichnet.

    © ifa / Wolfgang Borrs

    Das Preisgeld in Höhe von € 5000 kommt der Fondazione Falcone zugute. Die Stiftung führt den Einsatz Giovanni Falcones gegen organisierte Kriminalität und mafiöse Strukturen fort. Der italienische Ermittlungsrichter, der 1992 bei einem Bombenanschlag ums Leben kam, hatte in den 1980er Jahren bei der Verfolgung grenzübergreifender Verbrechen eng mit Carla Del Ponte zusammengearbeitet.


  • 2009: Daniel Barenboim
    • Preisträger: Dr. h. c. Daniel Barenboim, Dirigent
    • Laudatio: Dr. h.c. Joschka Fischer, Bundesminister des Auswärtigen a. D.
    • Preisgeldempfänger: West-Eastern-Divan Orchestra

     

    Mit der Entscheidung der Jury würdigte der Förderverein für das Institut für Auslandsbeziehungen das jahrelange und intensive Engagement Daniel Barenboims für den Dialog der Kulturen. Das von Barenboim mitbegründete und geleitete West-Eastern Divan Orchestra trägt entscheidend zur Völkerverständigung bei und macht immer wieder deutlich, dass mithilfe von Kunst und Kultur ein gemeinsames Miteinander über Nationengrenzen hinaus möglich ist. Folgerichtig wurde es vom Preisträger auch zum Empfänger des Preisgeldes bestimmt.

    © ifa / Wolfgang Borrs