Auf Jugendkultur folgte Weinkultur



Bis 2003 war Josef Sporrer ifa-Kulturassistent beim Deutschen Forum in Rumänien. Land und Leute gefielen ihm so gut, dass er gleich dortblieb und seitdem an der Grenze zur Ukraine Wein anbaut. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen mit der deutschsprachigen Minderheit und darüber, was ihm an Rumänien besonders gut gefällt.

Der ehemalige ifa-Kulturassistent Josef Sporrer zwischen seinen Weinstöcken im Norden Rumäniens
Der ehemalige ifa-Kulturassistent Josef Sporrer zwischen seinen Weinstöcken im Norden Rumäniens, © Josef Sporrer

ifa: Josef, Sie stammen ursprünglich aus Niederbayern und waren in den Jahren 2001 bis 2003 als ifa-Kulturassistent beim Deutschen Forum in Rumänien tätig. Was hat Ihnen dort so gut gefallen, dass Sie bis heute geblieben sind?

Josef Sporrer: Ich reiste 1996 zum ersten Mal nach Rumänien und war sofort begeistert. Nach meinem Agrarmanagement-Studium in Freising bei München wollte ich unbedingt zurück. Und dann bin ich während meiner Diplomarbeit auf das Institut für Auslandsbeziehungen gestoßen, das einen Kulturassistenten bzw. eine Kulturassistentin für die deutsche Minderheit im rumänischen Satu Mare suchte. Ich habe mein Herz an das Land verloren und lebe seither hier, baue Wein an und halte Bienen.  

ifa: Nun liegt Ihre Entsendezeit schon länger zurück. Welche Erinnerungen an Ihre Arbeit in Satu Mare sind immer noch präsent?

Sporrer: Besonders prägend waren von Anfang an die Offenheit der Menschen und die gute Atmosphäre bei der Arbeit. Das Deutsche Forum ist eine Organisation, die die Menschen der deutschen Minderheit innerhalb Rumäniens kulturell und politisch verbindet und nach außen vertritt. Ich wurde von einem deutschsprachigen Kinderchor empfangen, der mich als Neuling aus Deutschland mit deutschen Volksliedern und religiösem Liedgut begrüßte. Ich war tief bewegt von dem sängerischen Können dieser jungen Menschen.   

ifa: Inwieweit konnten Sie den Menschen etwas für diesen warmen Empfang zurückgeben?

Sporrer: Ich war vor allem mit Jugendarbeit in der deutschsprachigen Minderheit befasst. So habe ich zum Beispiel die Schülerzeitung der deutschen Schule organisiert und war Mitinitiator der ersten "Deutschen Kulturtage Satu Mare" – eine Tradition, die anschließend über viele Jahre fortgeführt wurde. Auch der erwähnte Kinderchor begleitete mich weiterhin. Mit den jungen Leuten habe ich eine Tournee durch meine alte Heimat in Bayern organisiert. Ich erinnere mich noch an Auftritte in Altersheimen, bei denen den Senioren die Tränen gekommen sind, weil sie viele Lieder noch aus ihrer Jugend kannten.

ifa: Nach der Jugendkultur, die Sie mitgestaltet haben, ging es fortan vor allem um Weinkultur. Wie kam es dazu?

Sporrer: Es war klar, dass ich in Rumänien bleiben wollte – und so knüpfte ich an meine Erfahrungen aus dem Studium an. Ich habe an der Grenze zur Ukraine den für mich idealen Ort für Weinbau gefunden, Flächen entwildert und urbar gemacht. Heute verkaufe ich einen Teil meiner Trauben an Winzerinnen und Winzer vor Ort und produziere mehrere tausend Liter Wein pro Jahr, von denen der Großteil hier im Land getrunken wird, auch von der deutschen Minderheit. Bis heute bin ich vielen Menschen von damals freundschaftlich verbunden. Und gelegentlich nehme ich auch an Kulturveranstaltungen des Deutschen Forums teil.


Interview von Holger Lühmann

In der Welt zuhause: 25 Jahre Entsendeprogramm

Von Deutschland aus in die Welt – um sich am Zielort wie zuhause zu fühlen. Das ist möglich im Entsendeprogramm des Bereichs "Integration und Medien" des Instituts für Auslandsbeziehungen. Seit 25 Jahren entsendet das ifa in Stuttgart Redakteurinnen und Redakteure sowie Kulturmanagerinnen und Kulturmanager in die deutschsprachigen Minderheiten Mittel- und Osteuropas.

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