Cover ifa-Studie: Die Rolle von religiösen Akteuren in der Covid-19-Pandemie

Die Rolle von religiösen Akteuren in der COVID-19-Pandemie

Neue ifa-Studie in Kooperation mit den Universitäten Leipzig und Münster

Stuttgart/Berlin, 25.05.2021 ­- Religionsgemeinschaften spielen eine Schlüsselrolle in der erfolgreichen Bewältigung des Infektionsgeschehens: als zivilgesellschaftliche Partner von Regierungen, internationalen Organisationen wie der WHO, als Agenturen der karitativen und seelsorgerischen Hilfe sowie als Ressource der Hoffnung und Kontingenzbewältigung – so das Ergebnis einer Studie des ifa in Zusammenarbeit mit den Universitäten Leipzig und Münster.
Sie untersuchte die Rolle religiöser Gemeinschaften in der pandemischen Situation. Die Resultate zeichnen sukzessive Anpassungsprozesse an die veränderten Umstände nach und skizzieren gleichermaßen die Gefahren radikaler, fundamentalistischer Zweige verschiedener Konfessionen, die sich wissenschaftlichen Erkenntnissen und Methoden oft verschließen. Im Falle eines Zusammenschlusses religiöser und politischer Akteure gegen wissenschaftliche Expertise, schreiben die Autor:innen, würde dieser Aspekt noch verstärkt. Dabei seien religiöse Haltungen und Ressourcen bis zu einem gewissen Grad prädestiniert, Verschwörungstheorien entgegenzuwirken, weil diesen primär emotional, emphatisch und sozialpsychologisch statt rein sachlich oder rational begegnet werden müsse.

Dr. Alexander Yendell von der Universität Leipzig und Co-Autor der Untersuchung, betont: „Religionsgemeinschaften können dazu beitragen, das Leid für die Opfer zu lindern und sie können die Pandemie eindämmen, indem sie für das Virus sensibilisieren. Sie können die Krise aber auch verschärfen, wenn […] Konflikte durch die Verbreitung von religiös konnotierten Verschwörungstheorien entstehen.“
Carolin Hillenbrand vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ an der Universität Münster, Mitverfasserin, ergänzt: „Unsere umfangreichen politischen Handlungsempfehlungen zeigen konkrete Schritte und Wege auf, wie politische und religiöse Akteure konstruktiv zusammenarbeiten können, um eine Gesundheitskrise wie die Corona-Pandemie besser bewältigen zu können“. Prof. Dr. Oliver Hidalgo vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Münster fügt hinzu: „Wo die wirksame Einbindung religiöser Akteure im Kampf gegen das Virus misslungen ist, dort war zumeist ein besonders heftiger Verlauf der Coronakrise zu beobachten.“

Die in der ifa-Edition Kultur und Außenpolitik neu erschienene Studie „Die Rolle von religiösen Akteuren in der COVID-19-Pandemie. Eine theoriegeleitete empirische Analyse mit politischen Handlungsempfehlungen“ präsentiert die wichtigsten Entwicklungen, Adaptionsprozesse und offenen Problemkreise und erstellt schließlich politische Handlungsempfehlungen für politische und religiöse Akteure weltweit.

Dr. Alexander Yendell ist Soziologe und forscht am Leipzig Research Centre Global Dynamics für das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt zu den Themen religiöse Pluralität, Islamfeindlichkeit, Antisemitismus, Rechtsextremismus, politischer Protest, Gewalt und soziale Ungleichheit. Er ist Sprecher der Sektion Religionssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie.

Prof. Dr. Oliver Hidalgo ist Politikwissenschaftler und forscht an den Universitäten in Münster und Regensburg zu Fragen der Politischen Theorie und Ideengeschichte, Demokratietheorie, dem Verhältnis von Politik und Religion (mit einem Schwerpunkt auf den Herausforderungen religiöser Pluralität im demokratischen Rechtsstaat), Integration und Populismus. Er ist Sprecher des Arbeitskreises Politik und Religion der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW).

Carolin Hillenbrand hat Politikwissenschaft und Theologie studiert (M.A.) und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ an der Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) Münster sowie Doktorandin der Graduiertenschule. In ihrer Doktorarbeit untersucht sie die Rolle der Religion für den gesellschaftlichen Zusammenhalt aus empirisch-vergleichender Perspektive. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Religionssoziologie, Kohäsions- und Sozialkapitalforschung, Religion und nachhaltigen Entwicklung sowie Friedens- und Konfliktforschung. Darüber hinaus ist sie Gastwissenschaftlerin an der Humboldt-Universität zu Berlin und angegliedert an das dortige Forschungsprojekt „Religious Communities and Sustainable Development“ (RCSD).

Die Studie entstand im Auftrag des Auswärtigen Amtes im Rahmen des ifa-Forschungsprogramms „Kultur und Außenpolitik“ und ist online unter doi.org/10.17901/akbp1.09.2021 zum kostenlosen Download verfügbar. Das Interview mit den Autor:innen ist zudem im ifa-Blog abrufbar.

Im ifa-Forschungsprogramm "Kultur und Außenpolitik" untersuchen Expert:innen aktuelle Fragestellungen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik, kurz AKBP. Es setzt dadurch Themenschwerpunkte und erarbeitet Empfehlungen zur Stärkung und Weiterentwicklung internationaler Kulturbeziehungen. Die Forschungsergebnisse werden in Fachgesprächen, auf internationalen Tagungen und in öffentlichen Diskussionen reflektiert und in der Reihe ifa-Edition Kultur und Außenpolitik sowie den Impulspapieren ifa-Inputs veröffentlicht.
Informationen finden Sie online unter www.ifa.de  

Über das ifa
Das ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) ist Deutschlands älteste Mittlerorganisation und feierte 2017 sein 100-jähriges Bestehen. Es engagiert sich weltweit für ein friedliches und bereicherndes Zusammenleben von Menschen und Kulturen. Das ifa fördert den Kunst- und Kulturaustausch in Ausstellungs-, Dialog- und Konferenzprogrammen und agiert als Kompetenzzentrum der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Es ist weltweit vernetzt und setzt auf langfristige, partnerschaftli-che Zusammenarbeit.

Das ifa wird gefördert vom Auswärtigen Amt, dem Land Baden-Württemberg und der Landeshauptstadt Stuttgart. www.ifa.de 

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