Eröffnung: Joël Andrianomearisoa. MEASURES LULLABIES AND WHISPERS

kuratiert von Meriem Berrada und Alya Sebti

06. Jun 2024
19:00 - 21:00 Uhr
ifa-Galerie Berlin
Linienstraße 139/140
10115 Berlin

Joël Andrianomearisoa begibt sich für die Ausstellung in der ifa-Galerie Berlin auf die Spuren seiner Erinnerungen und lässt sich von dem Wiegenlied inspirieren, das ihm seine Großmutter vor dem Schlafengehen vorgesungen hat, Iny Hono Izy Ravorombazaha [der weiße Vogel]. Die Worte sind vielleicht vergessen, aber der Körper erinnert sich an den Rhythmus und die Schwingungen. Andrianomearisoa nutzt diese Zwischenräume, um sie mit neu erdachten Liedtexten zu füllen.

MEASURES LULLABIES AND WHISPERS ist eine Einladung, den Rhythmus von Schlafliedern und die Kraft der Erinnerung zu erkunden. Die beruhigenden Melodien, die von einer Generation an die nächste weitergegeben werden, erinnern an die tief verwurzelte Verbindung und das Gefühl von Zugehörigkeit. Das Wesen von Schlafliedern, von den Gefühlen der Intimität, die sie hervorrufen, bis hin zu ihrer heilenden Kraft, ist Andrianomearisoas Ausgangspunkt für seine poetischen Erkundungen in dieser ortsspezifischen Installation. 

Andrianomearisoas Umgang mit Poesie und Architektur ermöglicht ganz neue Wege, indem er eine neue architektonische Aufteilung im Ausstellungsraum schafft. Die Besucher:innen werden von Worten auf einer monumentalen Wand empfangen, die an das Wiegenlied seiner Kindheit erinnern und hinter dem sich ein neuer geschützter Raum auftut.

Andrianomearisoa setzt seine poetische Erkundung mit Textilien fort, die mit einer traditionellen madagassischen Technik bestickt wurden. Die Arbeit MANIFESTE D’UNE RUPTURE, für die er mit Handwerker:innen aus seiner Heimatstadt Antananarivo zusammengearbeitet hat, erweitert die technischen Grenzen traditioneller Stickerei durch die Verwendung von Raphia, einer für Madagaskar typischen Palmfaser. Der chromatische Minimalismus, die Verwendung ähnlicher Farbtöne, macht das Lesen der gestickten Worte dabei fast unmöglich. Althergebrachte Gesten werden hier zu Formen des Geschichtenerzählens. 

Der eindringliche Rhythmus des Wiegenliedes lockt die Besucher:innen in den hinteren Teil des Raumes, wo erstmals eine eigens für die Ausstellung in Auftrag gegebener Film zu sehen ist. Der Film wurde ausschließlich in Antananarivo gedreht und stellt den Beginn einer neuen künstlerischen Praxis im Werk Andrianomearisoas dar. PLEASE SING ME MY SONG BEFORE YOU GO verwebt Prozesse des Schreibens auf Materialien und Architektur in einer Bildsprache, die den räumlich-zeitlichen Rahmen des Erzählens zum Verschwimmen bringt. Der Film wird bei der Eröffnung am 6. Juni 2024 uraufgeführt. 

Die Ausstellung wurde kuratiert von Meriem Berrada und Alya Sebti und ist Teil des transdisziplinären Projekts Untie to Tie der ifa-Galerie Berlin, das 2017 als Ausstellungs- und Forschungsplattform zu kolonialen Strukturen in zeitgenössischen Gesellschaften ins Leben gerufen wurde.

Joël Andrianomearisoa geboren 1977 in Antananarivo, Madagaskar; lebt und arbeitet in Paris, Antananarivo und Magnat-l’Étrange. 2019 vertrat Andrianomearisoa Madagaskar erstmalig auf der 58. Biennale in Venedig. Seine Arbeiten wurden international ausgestellt, unter anderem im Museum of African Contemporary Art Al Maaden, Marrakesch (2022), Palais de Tokyo, Paris (2021), MAXXI, Rom (2018), Hamburger Bahnhof, Berlin (2010), Smithsonian National Museum of African Art, Washington DC (2015) und im Centre Pompidou, Paris (2005). 

Die ifa-Galerie Berlin dankt dem Haus der Kulturen der Welt (HKW) für die Kollaboration bei diesem Projekt.

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Die Galerien des ifa in Stuttgart und Berlin zeigen zeitgenössische Kunst aus einem globalen Blickwinkel. Die Welt aus einer Vielfalt und Pluralität von Perspektiven zu betrachten und neu zu erzählen, ist dabei zu einer Arbeitsweise geworden, mit der die ifa-Galerien emanzipatorische Prozesse, Interaktionen und künstlerische Räume gestalten. Im Zentrum steht dabei die Entwicklung von langfristigen Beziehungen mit Künstler:innen, Partner:innen und Besucher:innen. Die Ausstellungen und Vermittlungsprogramme entstehen in einer gemeinschaftlichen Arbeitsweise, in der globale Verflechtungen aufgespürt und in einer anderen Erzählweise neu zusammengesetzt werden.

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