(c) Heide Hinrichs, Foto: Uwe Walther

Heide Hinrichs Semikoerper, Foto: Uwe Walther

The Event of a Thread. Das Ereignis eines Fadens. Globale Erzählungen im Textilen.

Fine Arts Centre, Sheikh Abdullah Al Salem Cultural Center | Kuwait-Stadt | 07.12.2018 – 12.01.2019

Ausstellung | Im Mittelpunkt stehen das Textile in der Kunst und Fragen wie: Welche Bedeutungen und Botschaften tragen Gewebe in sich? Welchen kulturellen Stellenwert besitzen Stoffe? Und wie lassen sie sich ‚lesen‘? Was erzählt Gewebe von seiner Herkunft, seiner Bedeutung, seiner sozialen Rolle? Welche tradierten Techniken haben sich Künstlerinnen und Künstler angeeignet, abstrahiert, verschoben oder wieder ins Leben zurückgeholt?

Die Bauhaus-Künstlerin Anni Albers beschrieb 1965 „das Ereignis eines Fadens“ als etwas multilineares, ohne Anfang und Ende, und meint damit im übertragenen Sinne eine Möglichkeit, Beziehungen und Zusammenhänge immer wieder neu zu betrachten und zu strukturieren. Diesen neu-ordnenden Blick veranschaulichen die in der Ausstellung versammelten Objekte, Installationen und Videoessays. Sie erschließen hier Kontexte von Textilien, ihre spezifische Qualität und Geschichte. Die Werke zeigen dabei auch immer, wie das Textile mit den unterschiedlichsten Aspekten unseres Lebens verbunden ist. So macht z.B. Vincent Vulsma in seiner Arbeit „Technik“ (2012) ausgehend von einer historischen Decke der Navajo-Indianer sichtbar, wie deren Muster in verschiedene Designs – von der Decke zum Teppich bis hin zum Modestück – in verschiedene Bedeutungs- und Warenkreisläufe überführt wurde.

In Textilien berühren sich Tradition und Gegenwart, Kunst und Kunsthandwerk, treffen lokale Formen des Wissens und globale Beziehungen aufeinander. Es gibt kaum eine Region, in der sich das Textile nicht vielschichtig in die Kultur- und Industriegeschichte eingeschrieben hätte. So erzählt ein Stoff auch davon, welche Materialien wann und wo wichtig wurden, wie Techniken migrierten und sich weiterentwickelten. Die in der Ausstellung versammelten Werke beleuchten den vielschichtigen Umgang der Künstlerinnen und Künstler mit den Eigenschaften von Geweben. Sie verknüpfen persönliche und ästhetische Geschichten mit jenen über die sozialen und ökonomischen Verhältnisse in einer globalisierten Welt.

Der Bauhausraum
Die Beziehungen von Handwerk und künstlerischem Medium lassen sich insbesondere am historischen Beispiel der Weberei am Bauhaus untersuchen. Ein für die Ausstellung konzipierter „Bauhausraum“ ist deshalb der historischen Textilwerkstatt am Bauhaus gewidmet. Er veranschaulicht in sechs Kapiteln die außergewöhnliche Erfolgsgeschichte dieser Werkstatt: Erzählt wird von den Menschen, die die Werkstatt ausmachten, von den Geweben und Stoffen, die dort geschaffen wurden und von dem, was heute in Archiven und Museen davon erfahrbar und nachvollziehbar bleibt. In einem gestalteten Display können neu gewebte Gebrauchsstoffe, die an die des Bauhauses erinnern, betrachtet und ertastet werden. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei zum einen Gunta Stölzl, der ersten Werkmeisterin und späteren Leiterin der Textilwerkstatt am Bauhaus in Dessau, sowie der Textilgestalterin Otti Berger, die über „Stoffe im Raum“ nachdachte.

Konzept und künstlerische Recherche: Judith Raum in Zusammenarbeit mit Jakob Kirch, Pascal Storz und den Architekten s.t.i.f.f.
Kuratorin: Susanne Weiß in Zusammenarbeit mit Inka Gressel, ifa
Künstlerinnen und Künstler: Ulla von Brandenburg, Noa Eshkol, Andreas Exner, Uli Fischer, Zille Homma Hamid, Heide Hinrichs, Olaf Holzapfel, Christa Jeitner, Elisa van Joolen & Vincent Vulsma, Karen Michelsen Castañon, Eva Meyer & Eran Schaerf, Judith Raum, Franz Erhard Walther

Ausstellungseröffnung: 6.12.2018, 19 Uhr

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