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Das Cover der ifa Studie zur künstlerischen Freiheit ist dreimal nebeneinander zu sehen.

Die Einschränkung von Demokratie und Menschenrechten bedroht Kulturschaffende weltweit

Neue Studie des ifa bietet Anstoß für internationale Debatten zur künstlerischen Freiheit

Stuttgart/Berlin, 12.06.2024. Heute beginnt in Brüssel die zweitägige Konferenz "Unity in Cultural Diversity", organisiert vom Europäischen Auswärtigen Dienst und dem EU-finanzierten Projekt "The Cultural Relations Platform", die sich mit der künstlerischen Freiheit, Menschenrechten und der Rolle der internationalen kulturellen Beziehungen in Europa und der Welt auseinandersetzt.  

Eine zentrale Diskussionsgrundlage dazu liefert die neue Studie "The Fragile Triangle of Artistic Freedom: A Study of the Documentation and Monitoring of Artistic Freedom in the Global Landscape" des ifa – Institut für Auslandsbeziehungen. Die von Sara Whyatt und Ole Reitov verfasste Studie adressiert die aktuellen Herausforderungen, die sich künstlerischer Freiheit auf globaler Ebene stellen und zielt darauf ab, das weitere Verständnis von Entscheidungsträger:innen, Geldgeber:innen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und der Öffentlichkeit zu dieser Thematik zu befördern. 

Gitte Zschoch, Generalsekretärin des ifa – Institut für Auslandsbeziehungen: "Der Schutz von Menschenrechten ist zentraler Kern der Arbeit des ifa. Dazu zählt insbesondere die Unterstützung künstlerischer Freiheit. Über Verstöße gegen die Kunstfreiheit und Beispiele von Zensur wird international immer noch zu wenig berichtet. Es gibt nur wenige in diesem Bereich tätige zivilgesellschaftliche Organisationen. Die neue Studie des ifa-Forschungsprogramms liefert zentrale Erkenntnisse zu diesem Thema und hilft, unsere Arbeit noch zielgenauer auszurichten, z.B. im Hinblick auf Kulturschaffende in illiberalen Kontexten. Es freut mich, dass sie darüber hinaus international als Debattengrundlage dient." 

 

Zentrale Ergebnisse der Studie

Positive Entwicklungen 

  • Das Verständnis für die Bedeutung der künstlerischen Freiheit und ihre menschenrechtliche Grundlage für eine Demokratie sind insgesamt in der internationalen Gemeinschaft gewachsen. 

  • Zwischenstaatliche und regionale Gremien, wie der Europarat oder die UNESCO, heben die künstlerische Freiheit vermehrt in ihrer Berichterstattung und Politikgestaltung hervor. 

  • Mehr zivilgesellschaftliche Organisationen beobachten und fördern die künstlerische Freiheit in den Bereichen Kultur, Medien- und Menschenrechte, was zu einer Zunahme der veröffentlichten Berichte führt. Ebenso ist die Anzahl globaler, regionaler und nationaler Konferenzen zum Thema gestiegen. 

  • Mehr Künstler:innen sind sich ihrer Rechte bewusst und beteiligen sich an deren Verteidigung. Auch die Forschung zur künstlerischen Freiheit nimmt zu. 

 

Negative Entwicklungen 

  • Der Abbau von Demokratie und Menschenrechten in der ganzen Welt ist eine zunehmende Bedrohung für die künstlerische Freiheit. 

  • Zunehmend eingeschränkter Raum für zivilgesellschaftliche Debatten, die Tendenz zu rechtsextremer Politik und Populismus sowie der Einfluss religiöser und anderer Interessengruppen haben umfängliche Auswirkungen auf die kreative Freiheit und die beteiligten Akteur:innen – von Regierungen bis hin zu Fördermittelgebern. 

  • Die Mittel der Repression haben nicht nur zugenommen, sondern sich auch verändert, sodass Verstöße teilweise unentdeckt bleiben. Dazu zählen u.a. die Zertifizierung von Filmen, die Genehmigungsverfahren öffentlicher Veranstaltungen, der Entzug von Fördermitteln und das Verbot von Kunstveranstaltungen insbesondere zu LGBTQIA+ oder Minderheitenthemen. 

  • Selbstzensur betrifft Künstler:innen, Agent:innen, Betreiber:innen von Veranstaltungsorten, künstlerische Leiter:innen und andere Schlüsselakteur:innen der Kulturwirtschaft. 

  • Die Prekarität des Berufs führt dazu, dass Künstler:innen die Auseinandersetzung mit schwierigen Themen fürchten, da dies zum Verlust wichtiger Unterstützung und Finanzierung führen kann. 

  • Zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich für die künstlerische Freiheit in autoritären Ländern einsetzen, werden vermehrt als "ausländische Agenten" gelabelt, die Menschenrechte als ein "westliches Projekt" vorantreiben, um einen Regimewechsel anzustreben. 

  • Es mangelt an langfristiger finanzieller Unterstützung durch Fördermittelgeber:innen für die Unterstützung der künstlerischen Freiheit – wie Monitor-Organisationen oder Einrichtungen zu rechtlicher Unterstützung und Information. Die Fokussierung auf Projektfinanzierung statt auf Kernaktivitäten nimmt zu, was mangelnde Nachhaltigkeit verstärkt. 

 

Mehr zum Thema "Künstlerische Freiheit"

Die Autor:innen der Studie Sara Whyatt und Ole Reitov waren bereits zum Thema "Supporting Artistic Freedom" im ifa-Podcats "Die Kulturmittler:innen" zu Gast. 

Im Forum Kultur und Außenpolitik bietet das ifa forschungsbasiertes Wissen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis aus dem Feld der Auswärtigen Kulturpolitik und internationalen Kulturbeziehungen. Der aktuelle Schwerpunkt liegt passend zur Studie auf "Freiheit im Exil"

 

Über das ifa 

Das ifa – Institut für Auslandsbeziehungen setzt sich gemeinsam mit Partnern weltweit ein für die Freiheit in Kunst, Forschung und Zivilgesellschaft. Es gibt Aktivist:innen, Künstler:innen und Wissenschaftler:innen eine Stimme, fördert Kooperationen und verfolgt seine Ziele verstärkt mit europäischen Partnern. Basierend auf seinen Kernkompetenzen Kunst, Forschung und Zivilgesellschaft baut das ifa Netzwerke auf, um nachhaltige Wirkung zu erzielen. Das ifa wird gefördert vom Auswärtigen Amt, dem Land Baden-Württemberg und der Landeshauptstadt Stuttgart. www.ifa.de 

  

Pressekontakt 

ifa – Institut für Auslandsbeziehungen 
presse(at)ifa.de 
Miriam Kahrmann: +49 151 2645 5509 
Theresa Brüheim: +49 162 1001121