Stickerei mit Ansichten des Desi-Trainingscenters, Foto: Günter König

Kleider machen Orte




Dipdii Textiles, Bangladesch | Studio Anna Heringer

Stuttgart, 30. September  2019 – Dipdii Textiles – das sind Stoffe, Gewebe und Gewirke „made in Bangladesh“. Sie sind nicht nur wunderschön, sondern entstehen auch in einem ganz besonderen Herstellungsprozess: Die Unikate werden partizipativ, zukunftsfähig, dezentral und basierend auf der lokalen Textiltradition von Hand produziert. Dipdii Textiles bietet eine Alternative zur Massenproduktion und Ausbeutung in den Fabriken in den Städten und trägt dazu bei, die Lebensqualität in den Dörfern zu verbessern und somit die Landflucht zu verringern. Das Label Dipdii Textiles wurde von Studio Anna Heringer, der Designerin Veronika Lena Lang und der gemeinnützigen lokalen Organisation Dipshikha gegründet.

Getragene und gebrauchte Saris werden in übereinander liegenden Schichten verarbeitet. So entstehen Decken mit einzigartigen, lebendigen Oberflächen, und jedes textile Werk erzählt auch ein Stück Fami-liengeschichte. Durch Upcycling in Handarbeit entstehen Shirts, Westen und Kissenbezüge, die in einem Pop-Up-Store in der Ausstellung zu erwerben sind.

Die Arbeit der Architektin und Initiatorin des Projekts, Anna Heringer, zeichnet sich durch ein besonderes Gespür für Formgebung und Materialität aus. Sie interessiert sich nicht nur für die Umsetzung ihrer Archi-tektur-Entwürfe, sondern auch für die Lebensumstände der zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer sowie für die ökonomischen und kulturellen Bedingungen der Orte, an denen sie baut. Lagepläne, Grundrisse und Ansichten der Architekturen, die Anna Heringer und Partner in Rudrapur im Norden Bangladeschs reali-sierten, wurden schließlich von den Frauen aus dem Dorf als Motive entdeckt und auf die Stoffdecken ge-stickt. So entstanden neue, außergewöhnliche Darstellungen von Anna Heringers Architektur – ebenso farbig, vielschichtig und sinnlich wie die Textilien aus Rudrapur.

Pressevorbesichtigung: Donnerstag, 17. Oktober 2019, 11 Uhr
Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 17. Oktober 2019, 19 Uhr
Werkstattgespräch: Freitag, 18. Oktober 2019, 16.30 Uhr
Ausstellungsdauer: 18. Oktober 2019 – 5. Januar 2020

Öffnungszeiten: Di – So 12 – 18 Uhr
Montags, am 24. & 31.12.2019 und am 01.01.2020 geschlossen
Der Eintritt ist frei

Veranstaltungen

Vortrag
Anna Heringer
Schönheit = Nachhaltigkeit
Mittwoch, 16. Oktober 2019, 19 Uhr
Universität Stuttgart, Keplerstraße 17, K2, Tiefenhörsaal 17.02
in Kooperation mit der Schwarzbrotreihe an der Universität Stuttgart

Anna Heringer reagiert als Architektin auf die entscheidenden Fragen unserer Zeit: Wie können wir ressourcenschonend, sozial tragfähig und zukunftsweisend bauen und leben? Bereits früh machte sie Erfahrungen mit Entwicklungsarbeit in der NGO Dipshikha in Bangladesch und entwickelte dabei einen Ansatz, der sich auch in ihrem architektonischen Werk widerspiegelt: Vorhandenes nutzen, anstatt externe Abhängigkeiten zu produzieren. Sie erhielt 20017 u.a. den Aga Khan Award for Architecture und lehrte u.a. an der Universität Stuttgart, der TU München, an der ETH Zürich und an der Harvard Universität. Als Honorarprofessorin des UNESCO Chair of Earthen Architecture, Building Cultures and Sustainable Development präsentiert sie anhand ihrer Arbeiten, wie menschliche Designkultur und traditionelle Werkstoffe als emanzipatorisches Potential wirken können.

Werkstattgespräch
Freitag, 18. Oktober 2019, 16.30 – 18 Uhr

Anna Heringer und Kalpana Roy sprechen und diskutieren bei einem Aperitif über Architektur, Design und Herstellung der Textilien in Rudrapur. In Englisch mit deutschen Übersetzungen

Präsentation und Diskussion
Wer macht meine Kleider?
5 lokale Modelabel aus Stuttgart: Kipepeo Clothing, [eyd] humanitarian clothing, wiederbelebt, KVINNA und macarons stellen sich vor
Samstag, 23. November 2019, 15.30 – 17.30 Uhr
in der ifa-Galerie Stuttgart, Charlottenplatz 17, 70173 Stuttgart

Im Rahmen der Ausstellung „Kleider machen Orte“ stellen sich fünf Designer und Labels der lokalen „Fashion Revolution“ vor: Kipepeo, [eyd], wiederbelebt, Kvinna und macarons achten auf sozial-ökolo-gische Produktionsbedingungen, und ihre Kollektionen überzeugen mit gutem Design. Von hippen T-Shirts über zeitloser Damen-, Herren- und Kindermode bis hin zu Taschen aus naturbelassenem Leder findet sich in Stuttgart eine stetig wachsende Bandbreite an innovativen, fair, kooperativ und nachhaltig arbeitenden Modelabels. Vision, Entstehungsgeschichte und Arbeitsweise der Labels sowie über deren Produktions-bedingungen erfahren Sie direkt von den Designern: Seien Sie neugierig auf futurefashion.de und lernen Sie bei einem Aperitif lokale Akteure kennen.

Vortrag
Gisela Burckhardt
Todschick – edle Labels, billige Mode
Donnerstag, 28. November 2019, 19 Uhr im Weltraum des ifa

Dicht gedrängt saßen tausende Näherinnen und arbeiteten, als das Gebäude der Textilfabrik in Bangladesch einstürzte. Die Textilexpertin und Autorin recherchierte und analysierte die Bedingungen, unter denen Textilien und Kleidung hergestellt wird. Nicht nur die Billigware wird unter unmenschlichen Bedingungen produziert, sondern auch scheinbar hochwertige Mode von teuren Labels. Die Aktivistin Gisela Burckhardt setzt sich für die Verbesserung von Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie weltweit ein.

Ausstellungsgespräche
Zu Architektur- und Textilgesprächen mit einer Führung durch die Ausstellung mit der Kunsthistorikerin Andrea Welz sowie zu einem Aperitif laden wir Sie herzlich ein am

Donnerstag, 24. Oktober 2019,
Freitag, 29. November 2019 ,
Donnerstag, 12. Dezember 2019,
und am Samstag, 4. Januar 2020, jeweils um 16 Uhr.

Für sehbehinderte und blinde Menschen finden spezielle Führungen statt am 26. Oktober 2019 um 14 Uhr, und nach Terminabsprache. Anmeldung  unter Tel. 0711.2225.161 oder alber(at)ifa.de

Workshops
von und mit Menja Stevenson und Hartmut Landauer
am Sonntag, 10. November 2019, 16 – 17.30 Uhr
„Upcycling-Atelier“
Ein Workshop für den Verein für Internationale Jugendarbeit (VIJ), interessierte Jugendliche, junge Erwachsene und Jugendliche Geflüchtete von und mit Hartmut Landauer

Was bedeutet „Made in Bangladesh“? Meistens Ausbeutung, Umweltverschmutzung und billige Qualität der Kleidung. Wir erleben in der Ausstellung über das Fair Fashion-Projekt von Anna Heringer, dass es auch anders geht! Wir hinterfragen unser Konsumverhalten und werden uns unserer Verantwortung als Konsumenten bewusst. Im Anschluss eröffnen wir ein Upcycling-Atelier für Taschen: Wir verarbeiten mitgebrachte Kleidungsstücke zu Taschen, wobei jedes Teil ein Unikat mit seiner persönlichen Geschichte wird.

Am Mittwoch, 23. Oktober 2019, findet das „Upcycling-Atelier“ mit dem Kinder- und Familienzentrum Rosenstein von 12.15 – 13.45 Uhr statt.

„Kleider machen Orte“
ist eine Ausstellung und ein Pop-Up-Store:

Shirts, Westen und Kissenbezüge sind in der Ausstellung zu erwerben; mit Ihrem Kauf unterstützen Sie die  Näherinnen und Stickerinnen in Rudrapur!