Josef Hartwig (Figuren), Joost Schmidt (Verpackung), Das Bauhaus Schachspiel, Modell XVI, 1924, © (Josef Hartwig) VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: A. Körner, bildhübsche Fotografie, Institut für Auslandsbeziehungen

„Die ganze Welt ein Bauhaus“ feiert Deutschlandpremiere




Stuttgart/Berlin, 12.08.2019 – Die Wirkung des Bauhauses vor 100 Jahren war weltumspannend – und sie strahlt bis heute.

Mit der Ausstellung „Die ganze Welt ein Bauhaus“ zeigt das ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) in Zusammenarbeit mit dem ZKM, wie das Bauhaus zum Inbegriff einer gestalterischen und sozialen Radikalerneuerung wurde. Diese ifa-Tourneeausstellung wird in Karlsruhe durch Beiträge mit regionalen Schwerpunkten erweitert uns erstmalig präsentiert. Arbeiten aus Buenos Aires, Casablanca, Mexiko-Stadt, Moskau, Santiago de Chile, Weimar, Dessau und Berlin sowie Stuttgart und Karlsruhe, aber auch die Rezeptionsgeschichte des Bauhauses in den USA und ihre Rückwirkung nach Europa machen deutlich, dass das Bauhaus keine exklusive Unternehmung war, sondern es in vielen Gegenden der Welt Bewegungen gab, die sich als Motoren einer gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Neuentwicklung verstanden.

Im ersten Teil konzentriert sich die Ausstellung in acht Kapiteln auf die Jahre 1919 bis 1933 aus der Innenperspektive in Weimar, Dessau und Berlin: „Das Schwebende“ zeigt, wie sich Bauhäuslerinnen und Bauhäusler motivisch mit der Schwerelosigkeit beschäftigten und Glas und Skelettbau zum visionären Entwurfsziel wurden. Das Kapitel „Experiment“ stellt Objekte vor, die sowohl das Ergebnis einer Material- und Raumforschung waren, die auf Maß, Proportion und Befragung der Materialgrenzen, aber auch auf Vervielfältigung und Serialität angelegt waren. Das „Gesamtkunstwerk“ nimmt die Synthese aller Künste, aber auch von Kunst und Wissenschaft sowie von Kunst und Gebrauchsgegenstand in den Blick. Unter der Überschrift „Gemeinschaft“ zeigen zentrale historische Objekte die Feste und das Leben am Bauhaus. Die weltanschauliche Ausrichtung des Bauhauses wird im Kapitel „Der neue Mensch“ deutlich. Hier werden Menschenbilder präsentiert, die sich in politisch-radikalen Ausrichtungen bewegten. Während „Kunst, Handwerk, Technik“ die Werkstätten und ihre Produkte präsentiert, zeigt „Radikale Pädagogik“ Aufbau und Lehre am Bauhaus. Transkulturelle Bezüge werden in der Sektion „Begegnungen“ deutlich, die am Bauhaus durch Vorträge, zahlreiche Besucher und Besucherinnen aus aller Welt, völkerkundliche Bestände in der Bauhaus-Bibliothek in Weimar, aber auch durch die Suche nach neuen Formen erkundet wurden. (Kurator: Boris Friedewald)

Der zweite Teil fokussiert das Bauhaus aus einer globalen Perspektive. Der Blick wechselt von Deutschland in der Zeit der Weimarer Republik auf die international agierenden Avantgarden, die in den 1920er Jahren Antworten auf die Umbruchprozesse der Gesellschaft fanden: Buenos Aires, Casablanca, Mexiko-Stadt, Moskau, Santiago de Chile, Chicago und New York. Künstlerinnen und Künstler begegneten dem Bauhaus und seinen Akteuren aus jeweils eigener Motivation und verleibten sich Inhalte ein, um sie unter anderen Vorzeichen erneut hervorzubringen – ein transkultureller Prozess, der sich beispielsweise vor einem politisch-nationalen Hintergrund in Santiago de Chile, als Antwort auf die rasante Industrialisierung in Mexiko-Stadt oder in postkolonialer Hinsicht in Casablanca ereignete. Der Titel „Die ganze Welt ein Bauhaus“ fungierte hier als Forschungsauftrag an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die das Bauhaus und vor allem die Aneignung seiner Konzepte, Überlegungen und Verfahren in einem globalen Kontext untersuchten. (Kuratorinnen und Kuratoren: Enrique X. de Anda Alanís, Silvia Fernández, Margret Kentgens-Craig, Alexander Klee, Salma Lahlou, David Maulen, Christiane Post, Peter Weibel)

Der Ausstellungstitel „Die ganze Welt ein Bauhaus“ geht auf ein Zitat von Fritz Kuhr aus dem Jahr 1928 zurück. Er war von 1923 bis 1927 Student am Bauhaus, Mitarbeiter in der Werkstatt für Wandmalerei von 1928 bis 1929 und unterrichtete anschließend bis 1930 Zeichnen am Bauhaus.

Zur Ausstellung liegen eine deutsche und englischsprachige Broschüre vor.
Ein Katalog erscheint in deutscher und englischer Ausgabe im Hirmer Verlag im Oktober 2019.

Künstlerinnen und Künstler – Weimar, Dessau, Berlin und weltweit (Auswahl):
Marianne Ahlfeld-Heymann, Anni Albers, Josef Albers, Gertrud Arndt, Leo Baron, Rudolf Baschant; Herbert Bayer, Heinrich-Siegfried Bormann, Marianne Brandt, Marcel Breuer, Edmund Collein, Erich Consemüller, Christian Dell, Friedl Dicker, Franz Ehrlich, Lyonel Feininger, T. Lux Feininger, Carl Flieger, Walter Gropius, Josef Hartwig, Florence Henri, Hubert Hoffman, Johannes Itten, Ernst Kállai, Wassily Kandinsky, Peter Keler, Paul Klee, Kurt Kranz, Fritz Kuhr, Mikhail Larinov, Otto Lindig, Gerhard Marcks, Carl Marx, Hannes Meyer, Ludwig Mies van der Rohe, Moses Mirkin, Else Mögelin, Lucia Moholy, László Moholy-Nagy, Johann Niegemann, Richard Oelze, Lisbeth Oestreicher, Walter Peterhans, Grete Reichardt, Hajo Rose, Oskar Schlemmer, Arthur Schmidt, Joost Schmidt, Kurt Schmidt, Lothar Schreyer, Umbo (Otto Umbehr), Theo van Doesburg, Iwao Yamawaki, Wladimiro Acosta, Anton Anděl, Pompeu Audivert, Nassim Azarzar, Catherine Bauer, Michael van Beuren, Sheldon Cheney, Horacio Coppola, Víctor Delhez, Ėl' Lisickij, Juan Legarreta, Hugh Ferriss, Mathias Goeritz, Moisej Ginzburg, Iosif Grušenko, George Howe, Adolf Hölzel, Abdellatif Laabi, Nikolaj Ladovskij, Ivan Leonidov, William Lescaze, Vladimir Majakovskij, Alejo Martínez, Mohamed Melehi, Franz Möller, Richard J. Neutra, Mustapha Nissaboury, Juan O’Gorman, Victoria Ocampo, Carlos Isamitt, Ljubov' Popova, Alberto Prebisch, Xul Solar, Grete Stern, Aleksandr Rodčenko, Vladimir Tatlin, Joseph Tokayer, Antonio Vilár, Vincent Weber

Künstlerische Leitung ifa: Valérie Hammerbacher
Kurator der Ausstellung „Die ganze Welt ein Bauhaus“ für die Tournee: Boris Friedewald

Kuratorinnen und Kuratoren der Beiträge zu regionalen Schwerpunkten für die Ausstellung im Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe:
Enrique X. de Anda Alanís: Mexiko-Stadt
Silvia Fernández: Buenos Aires
Margret Kentgens-Craig: Bauhaus Rezeption in den USA, 1919–1939
Alexander Klee: Stuttgart
Salma Lahlou: Casablanca
David Maulen: Santiago de Chile
Christiane Post: Moskau

Kurator für den Beitrag des ZKM | Zentrum für Kunst und Medien für die Station im ZKM | Karlsruhe: Peter Weibel
Szenografie: Studio Ilke Penzlien mit Peter Kortmann und Robert Müller
Grafik: HIT

Eine Ausstellung des ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) in Kooperation mit dem ZKM | Zentrum für Kunst und Medien

Gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württembergs im Rahmen von 100 Jahre Bauhaus

Pressefotos senden wir Ihnen gerne auf Anfrage.

Eröffnung 25.10.2019, 19:00 Uhr, ZKM | Zentrum für Kunst und Medien, Lorenzstraße 19, 76135 Karlsruhe
Ausstellungsdauer 26.10.2019–16.02.2020