UNTIE TO TIE

Invisible

Es ist das visuell Wahrnehmbare, das heute maßgeblich die Vorstellung von der uns umgebenden Welt bestimmt: Unsere Gesellschaft ist geprägt von einem unaufhörlichen Bilderstrom. Infolge der Konzentration auf das Visuelle ist alles Unmanifestierte, also all das, was nicht in Erscheinung tritt und sich der visuellen Sinneswahrnehmung entzieht, aus der kollektiven Vorstellung verbannt worden: Die Dimension des Spirituellen hat hierdurch für unsere Belange an Bedeutung verloren.

Die Ausstellung "Invisible" lädt dazu ein, die Grenzen des Sichtbaren wieder miteinzubeziehen. Die gezeigten künstlerischen Strategien greifen auf unterschiedliche Weise das Unmanifestierte spiritueller Dimensionen auf, indem sie sich mit Ritualen, Praktiken und Mythen auseinandersetzen, die im Alltag der Künstlerinnen und Künstler verankert sind. So schafft das Kunst- und Forschungsprojekt Attokoussy von Leila Sadel, Zainab Andalibe, Mohammed Laouli und Abdessamad El Montassir in Zusammenarbeit mit Le Cube aus Rabat in seinen Arbeiten Möglichkeitsräume zur Reflexion und Neuinterpretation marokkanischer Riten und Glaubensformen.

Indem der Westen seine "universellen" Codes und Standards durchsetzte, wies er dem Unmanifestierten eine untergeordnete Wichtigkeit zu. Doch einhergehend mit einem neuerlich aufkommenden Bedürfnis nach Spiritualität werden in den westlichen Gesellschaften nun vielfältige Versuche unternommen, diesen Bereich der möglichen Erfahrung wieder in den Alltag zu integrieren.

Der Blick in "Invisible" auf Beispiele des afrikanischen Kontinents zeigt, dass der Dialog zwischen der spirituellen und der materiellen Dimension zuweilen kontrovers geführt, jedoch nie unterbrochen wurde. Die Herausforderung hierbei ist, diese Koexistenz in eine dynamische Kontinuität zu übertragen, ohne sich in eine überholte, traditionalistische Vision eines (oft selbst-)exotisierten Afrikas verstricken zu lassen. In seinem 2017 erschienen Essay "Reinventing African Modernity" bestärkt Blondin Cissé, an verloren gegangene Traditionen anzuknüpfen: "Es geht nicht länger um die Frage, ob man sich dem Dilemma zwischen dem Selbst und dem Anderen hingeben möchte oder darum, ob man dem Konzept einer erobernden und entfremdenden westlichen Moderne zustimmt, sondern darum, eine wirkliche Emanzipationsstrategie zu verfolgen". Diese Strategie entfaltet sich durch die Wiederaneignung spiritueller Traditionen und deren Einbindung in zeitgenössische Realitäten, um so das Sichtbare und das Unsichtbare wieder zu vereinen.

Die Ausstellung "Invisible" wurde ursprünglich für die "Dakar Biennale 2018" konzipiert. An den Kontext der ifa-Galerie Berlin angepasst, ist die Ausstellung im Rahmen des Forschungs- und Ausstellungsprogramms "Untie to Tie" mit neuen Werken zu sehen. Das transdisziplinäre Programm "Untie to Tie" reflektiert die mentalen und territorialen kolonialen Vermächtnisse in zeitgenössischen Gesellschaften und ihre Auswirkungen auf Bewegung, Migration und Umwelt.

Kuratorin: Alya Sebti
Kuratorische Assistenz: Nikola Hartl

Künstlerinnen und Künstler

ifa-Galerie Berlin

Linienstraße 139/140
10115 Berlin
Tel. +49.30.284491.40
fischer(at)ifa.de

Dienstag – Sonntag 14 – 18 Uhr
Montag und an Feiertagen geschlossen

Vom 24.12.2018 – 1.1.2019 bleibt die Galerie geschlossen

Ausstellungsdauer

12.10.2018 – 03.02.2019