Foto: Geraldine Juárez. Wealth Transfer. 2018 Reissue. 7 inch vinyl.
Foto: Geraldine Juárez. Wealth Transfer. 2018 Reissue. 7 inch vinyl.

UNTIE TO TIE

For the Record

Movement.Bewegung #1

Musik wird in spezifischen kulturellen Kontexten produziert und bildet eine wichtige Grundlage für die Entstehung persönlicher und kollektiver Identitäten. Sie stellt symbolische Verbindungen zu Orten und Kulturen her und hilft, Migrations- und Vertreibungsgeschichten zu bewahren, seien es jene der alten Imperien, der kolonialen Regime oder der neuen globalen kapitalistischen Unterfangen. Sie beschwört Erzählungen aus ferner Vergangenheit herauf, lässt verloren gegangene Stimmen wieder aufleben und hat die Kraft, eine virtuelle Zukunft zu imaginieren.

Musikalische Werke sind Zeugnisse der Bewegung von Menschen, des Wissensaustauschs und wirtschaftlicher Veränderungen. Sie sind Ausdruck widerständiger Aktivitäten und fungieren als Mittel, Räume und Systeme neu auszuloten.

Die Ausstellung "For the Record" präsentiert Künstlerinnen und Künstler, die Musik als diskursiven Raum verstehen, innerhalb dessen eigene Erfahrungen artikuliert und gesellschaftliche Verhältnisse unter den fortdauernden kolonialen, imperialen und kapitalistischen Bedingungen behandelt werden.

Musik spiegelt den Aufbau der Gesellschaft wider, so der französische Wirtschaftswissenschaftler und Kulturphilosoph Jacques Attali, und ermöglicht es, die Welt als Ganzes wahrzunehmen. Doch hierfür sind Aufmerksamkeit und Bewusstsein erforderlich. "For the Record" widmet sich dem (Zu-)Hören als Akt der Achtsamkeit. Ziel ist es, die Aufmerksamkeit auf vernachlässigte Geschichten und Erfahrungen zu lenken und gleichzeitig neue Denkräume zu schaffen.

Die Kuratorin

Bhavisha Panchia ist Kuratorin und Forscherin im Bereich audiovisuelle Kultur. Ihr besonderes Interesse gilt anti- und dekolonialen Praktiken, globalen Nord-Süd-Beziehungen, der Produktion und Verbreitung von (digitalen) Medien sowie dem Tech-Kolonialismus, einschließlich der Bedeutung von Klang und Musik in Hinblick auf diasporische Formationen. Sie kuratierte die Ausstellungen "Buried in the Mix" in der MEWO Kunsthalle Memmingen (2017–2018), "what is left of what has left" im CCS Bard in New York (2016) und ist Gründerin des Labels "Nothing to Commit Records", das als Publikationsplattform agiert und sich der Produktion von und Wissensverbreitung über Kunst, Literatur und Musik des Globalen Südens verschrieben hat.

ifa-Galerie Berlin

Linienstraße 139/140
10115 Berlin
Tel. +49.30.284491.40
fischer(at)ifa.de

Dienstag – Sonntag 14 – 18 Uhr
Montag und an Feiertagen geschlossen

Ausstellungsdauer

02.06. – 30.09.2018 

Kooperationspartner

Logo der KfW

Curators in Residence

Bhavisha Panchia ist Stipendiatin des Programms "Curators in Residence" der KfW Stiftung in Zusammenarbeit mit dem ifa. Das Programm bietet Nachwuchskuratorinnen und -kuratoren aus Lateinamerika, Afrika, dem Nahen Osten und Asien die Möglichkeit, drei Monate in Berlin zu verbringen und fördert damit den interkulturellen und diskursiven Austausch in der Ausstellungsorganisation. Ziel ist es, ein kritisches Bewusstsein für postkoloniale Diskurse zu stärken sowie die Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe anzuregen.