Die Wirkung des Bauhauses vor 100 Jahren war weltumspannend – und sie strahlt bis heute. Nach Tourneestationen in Südamerika und den USA wird die Ausstellung nun durch Beiträge mit regionalen Schwerpunkten erweitert: Arbeiten aus Buenos Aires, Casablanca, Mexiko-Stadt, Moskau, Santiago de Chile sowie Stuttgart, aber auch die Rezeptionsgeschichte des Bauhauses in den USA und ihre Rückwirkung nach Europa machen deutlich, dass das Bauhaus keine exklusive Unternehmung war, sondern es in vielen Gegenden der Welt Bewegungen gab, die sich als Motoren einer gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Neuentwicklung verstanden.

Im ersten Teil konzentriert sich die Ausstellung in acht Kapiteln auf die Jahre 1919 bis 1933 aus der Innenperspektive in Weimar, Dessau und Berlin: „Das Schwebende“ zeigt, wie man sich motivisch mit der Schwerelosigkeit beschäftigte. Das Kapitel „Experiment“ stellt Objekte vor, die das Ergebnis einer Material- und Raumforschung sind. Das „Gesamtkunstwerk“ nimmt die Synthese aller Künste, aber auch von Kunst und Wissenschaft sowie von Kunst und Gebrauchsgegenstand in den Blick. Unter der Überschrift „Gemeinschaft“ zeigen zentrale historische Objekte die Feste und das Leben am Bauhaus. Die weltanschauliche Ausrichtung des Bauhauses wird im Kapitel „Der neue Mensch“ deutlich. Während „Kunst, Handwerk, Technik“ die Werkstätten und ihre Produkte präsentiert, zeigt „Radikale Pädagogik“ Aufbau und Lehre am Bauhaus. Transkulturelle Bezüge werden in der Sektion „Begegnungen“ deutlich.

Der zweite Teil fokussiert das Bauhaus aus einer globalen Perspektive: Künstlerinnen und Künstler aus Buenos Aires, Casablanca, Mexiko-Stadt, Moskau, Santiago de Chile und den USA begegneten den Bauhaus-Akteuren aus jeweils eigener Motivation und verleibten sich Inhalte ein, um sie unter anderen Vorzeichen erneut hervorzubringen – ein transkultureller Prozess, der sich beispielsweise vor einem politisch-nationalen Hintergrund in Santiago de Chile, als Antwort auf die rasante Industrialisierung in Mexiko-Stadt oder in postkolonialer Hinsicht in Casablanca ereignete.

Der Ausstellungstitel „Die ganze Welt ein Bauhaus“ geht auf ein Zitat von Fritz Kuhr aus dem Jahr 1928 zurück. Er war von 1923 bis 1927 Student am Bauhaus, Mitarbeiter in der Werkstatt für Wandmalerei von 1928 bis 1929 und unterrichtete anschließend bis 1930 Zeichnen am Bauhaus.

Kurator

Boris Friedewald

Kuratorinnen und Kuratoren der Beiträge zu regionalen Schwerpunkten

Enrique X. de Anda Alanís, Mexiko-Stadt
Silvia Fernández, Buenos Aires
Margret Kentgens-Craig, USA
Alexander Klee, Stuttgart
Salma Lahlou, Casablanca
David Maulen, Santiago de Chile
Christiane Post, Moskau

Kurator für den Beitrag des ZKM

Peter Weibel

Tourneeausstellungen weltweit

Mit seinen vielfältigen Ausstellungs- und Veranstaltungsprogrammen zur zeitgenössischen Kunst verbindet das ifa die deutsche Kunstszene mit international tätigen Kulturschaffenden und bildet Kooperationen und Netzwerke. Die vielfach in Ko-Kreation entwickelten Projekte schaffen lokale Begegnungsplattformen, ermöglichen internationale Perspektiven auf weltweit relevante Themen und stellen fundierte Wissensspeicher dar. Interessierten Museen stellt das ifa darüber hinaus Leihgaben zur Verfügung.

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