Nina Huber bei der Ausstellung Wolfgang Tillmans: Fragile in Kinshasa, Kongo auf einem Stuhl sitzend mit den Ausstellungskatalogen in der Hand; Foto: Michel Katompa
Nina Huber bei der Ausstellung Wolfgang Tillmans: Fragile in Kinshasa, Kongo; Foto: Michel Katompa/ Goethe Institut Kinshasa

Von Ljubljana nach Mumbai – Ausstellungen unterwegs

Nina Huber schickt das ifa auf Weltreise: Von Stuttgart aus organisiert sie weltweit Tournee-Ausstellungen mit Kunst aus Deutschland. Mit der Ausstellungsarbeit im Ausland möchte das ifa internationale Perspektiven eröffnen und lokale Begegnungsplattformen schaffen. Durch die Kooperation mit Institutionen und Kulturschaffenden am jeweiligen Ort verbinden sich aktuelle Diskussionen zeitgenössischer Kunst aus Deutschland mit lokalen Fragestellungen. Begleitende Vermittlungs- und Bildungsangebote wie Vorträge, Führungen oder Workshops intensivieren diesen Dialog. Wir haben Nina fünf Fragen zu ihrer Arbeit gestellt.

1. Was genau machst Du beim ifa?

Nina Huber: Ich bin in der Abteilung Kunst im Bereich Tourneeausstellungen für derzeit vier Ausstellungsprojekte zuständig: Otto Dix, Future Perfect, Wolfgang Tillmanns: Fragile und Rosemarie Trockel. Wir konzipieren diese Ausstellungen und bringen sie anschließend auf mehrjährige Tournee. Bei einer Neuproduktion übernehme ich die komplette Planung und Vorbereitung: Ich spreche mit den Kuratorinnen und Künstlern konzeptionell über den Inhalt, den Aufbau und die Durchführung der Ausstellung. Außerdem begleite ich die Werkauswahl, koordiniere die Kistenproduktion, den Katalog, die Ausstellungsgraphik, die Begleitveranstaltungen und die Drucksachen. Es folgt die Tourneeplanung und die Durchführung jeder einzelnen Station. Dabei habe ich das Glück immer wieder mit neuen Partnerinnen zusammenarbeiten zu dürfen. Um eine Ausstellung beispielsweise von Ljubljana nach Mumbai zu bringen, muss ich mich auch viel mit dem Transport und Zollangelegenheiten auseinandersetzen. Die Logistik und Terminabsprachen sind ein großer Teil meiner Arbeit. Ein Highlight für mich ist, wenn ich dann selbst zur Eröffnung einer Ausstellungsstation reisen kann. Dort lerne ich die lokale Kunst- und Kulturszene persönlich kennen und kann neue Kontakte und Netzwerke knüpfen. 

2. Mit welchen Menschen hast Du in deinem Arbeitsalltag zu tun?

Nina: Viel Kontakt habe ich zu unseren externen Kuratoren und mit den Künstlerinnen unserer Ausstellungen, deren Teams sowie den Ausstellungstechnikerinnen. Ich betreue zum Beispiel gerade unsere neue Ausstellung von Wolfgang Tilmans. Für dieses Projekt arbeite ich eng mit dessen Studio in Berlin zusammen. Außerdem kooperieren wir mit den lokalen Goethe-Instituten. Mit ihrer Unterstützung bereite ich die meisten Stationen vor. Darüber hinaus stehe ich aber auch in direktem Austausch mit den Museen, in denen wir ausstellen. Dieser Personenkreis weitet sich oft noch aus und es kommen Graphiker oder andere Künstlerinnen mit ins Spiel. In der Ausstellung von Future Perfect gibt es beispielsweise eine Arbeit von Antje Majewski, zu der bei jeder Station ein neuer Text hinzugefügt wird. An jedem Ausstellungsort wird also ein lokaler Autor gesucht, der auf Majewski’s Werk reagiert. Die Autorinnen schreiben in ihrer Landessprache. Hier schließe ich Verträge ab, mache einen Zeitplan mit dem Autor, kümmere mich um die Übersetzung und das Lektorat des Textes und schließlich auch um die graphische Gestaltung. So setzt sich jede Ausstellung an jeder Station immer wieder wie ein neues Puzzle zusammen. 

3. Computer einschalten, Kaffee kochen, E-Mails checken – Wie sieht ein ganz normaler Tag im Büro bei dir aus?

Nina: Da meine internationalen Partner und ich häufig mit Zeitverschiebungen arbeiten, habe ich vormittags und gerade montags viele Mails abzuarbeiten. Freitags ist es generell etwas ruhiger, deswegen versuche ich diesen Tag zu nutzen, um zukünftige Tourneen strategisch zu planen und kommende Stationen vorzubereiten. Einen wichtigen Teil meiner Arbeitszeit bin ich mit Telefongesprächen oder E-Mail-Korrespondenz mit externen Partnern beschäftigt. Als Projektleiterin besteht ein Großteil meiner Arbeit aus Organisation. Es gibt aber auch Momente, in denen ich mich kreativ verwirklichen kann. Zum Beispiel wenn ein neuer Katalog vorbereitet wird, wenn es um die graphische Gestaltung geht oder Vermittlungsprogramme entwickelt werden. Im Moment ist es so, dass die aktuelle Ausstellung von Wolfgang Tillmans, die seit Januar auf Tournee ist, den größten Teil meines Arbeitstages beansprucht. Sie reist auf dem afrikanischen Kontinent und hat drei Stationen dieses Jahr in Kinshasa, Nairobi und Johannesburg. Das erfordert genaue und detaillierte Absprachen. 

4. Warum hast Du dich damals auf die Stelle beworben?

Nina: Ich habe Kulturwissenschaften und Sinologie studiert und mich in meinem Master auf das Kuratieren von Ausstellungen im kulturhistorischen Bereich spezialisiert. Während des Studiums und im Anschluss habe ich im Weltkulturen Museum in Frankfurt gearbeitet. Dort haben wir viele internationale Künstler eingeladen, um neue Strategien zu entwickeln, mit einer ethnologischen Sammlung umzugehen. So bin ich in Berührung mit zeitgenössischer Kunst gekommen. Während meiner Arbeit dort habe ich gemerkt, dass meine Stärken und Fähigkeiten in der Organisation und Planung liegen. Ich habe mich in der Mittlerposition gesehen, in der man Menschen zusammen bringt und Abläufe koordiniert. Die Ausschreibung zu meiner jetzigen Stelle am ifa kam zu einem guten Zeitpunkt. Damals gingen gerade zwei Ausstellungen, an denen ich in Frankfurt gearbeitet habe, auf kleine Tourneen. Somit hatte ich genau in diesem Bereich schon einige Erfahrungen gesammelt und mein Profil passte gut zu der Tätigkeit hier.  

5. Was war dein Berufs-Highlight?

Nina: Mein bisher schönster Moment am ifa war, als ich zur Premiere der Tillmans-Ausstellung nach Kinshasa reisen konnte und zusammen mit dem Künstler und dem Aufbauteam bei den letzten Installationstagen dabei war. Ich habe gesehen, was diese Ausstellung für die Menschen vor Ort bedeutet und die Aufregung vor der Eröffnung deutlich gespürt. Wenn dann interessierte Besucher kommen, begeistert sind und sich freuen - das ist ein schönes Gefühl. Es waren viele junge Kunststudierende dort, für die Fotografie oder abstrakte beziehungsweise konzeptuelle Kunst nicht auf dem Lehrplan steht. Zu sehen, dass Kunst eine universelle Sprache ist, zu der Menschen überall auf der Welt einen Zugang finden können, wodurch ein Austausch entsteht – dafür machen wir unsere Arbeit. Wir laden die Ausstellung eben nicht einfach irgendwo ab und dann steht sie da zwei Monate, bevor wir sie wieder abbauen. Bei solchen Gelegenheiten vor Ort wird deutlich, dass die eigene Arbeit Sinn ergibt und Menschen berührt. Es war sehr bereichernd für mich, diese Bestätigung direkt zu erfahren und nicht nur von einem Berichtsbogen abzulesen.

Das Gespräch führte Marie Neumann

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