Text "Die ganze Welt als Bauhaus"

Im April 2019 jährt sich das Jubiläum der Gründung des Bauhauses zum 100sten Mal. In seiner wechselvollen Geschichte ist die Schule zum gefeierten und zugleich umstrittenen Symbol moderner Gestaltung und avantgardistischer Lebenshaltung geworden. Obwohl sie nur von 1919 bis 1933 und an verschiedenen Standorten (Weimar, Dessau, Berlin) bestand, verkörpert sie wie keine andere Institution den Geist des Aufbruchs und der Moderne. Wie gelang es dem Bauhaus, das während seiner gesamten Existenz rund 1.300 Studierende ausbildete, derart wirkungsvoll zu agieren und zum Inbegriff einer radikalen Erneuerung in sozialer, gestalterischer und didaktischer Hinsicht zu werden? Was macht die Bauhaus-Welt aus, deren Schöpfungen bis heute produziert werden? Die Ausstellung "Die ganze Welt ein Bauhaus" bezieht sich auf ein Zitat des Bauhausschülers und -lehrers Fritz Kuhr (1928). In vielerlei Hinsicht ist es für die Ausstellung programmatisch: Zum einen spielt es mit der Verwischung der Grenzen zwischen Kunst, Handwerk und Technik, die als ganze Welt der Gestaltung von Walter Gropius als Entwurfsziel proklamierte und welche die soziale Praxis aller beeinflussen sollte. So nimmt es andererseits den Tourneecharakter zum Anlass um nicht nur den Verflechtungen sondern den Modernen vor Ort nachzugehen und sich selbst als lernende Plattform zu verstehen. Hierfür werden jeweils Kuratoren eingeladen, welche den Avantgarden in Argentinien und Mexiko nachgehen. 

"Die ganze Welt ein Bauhaus" untersucht dieses Phänomen umfangreich in acht verschiedenen Kapiteln, die sich auf das Jahr 1919 bis 1933 konzentrieren: "Das Schwebende" zeigt nicht nur, wie sich die Bauhäusler motivisch mit der Schwerelosigkeit beschäftigten, sondern wie Glas und Skelettbau die Architektur entmaterialisierten und der Stuhl als Luftsäule zum visionären Entwurfsziel wurde. Das Kapitel Experiment stellt die Objekte vor, welche sowohl das Ergebnis einer Material- und Raumforschung waren, welche auf Maß, Proportion und Befragung der Materialgrenzen aber auch auf Vervielfältigung und Serialität angelegt waren. Während das "Gesamtkunstwerk" die Synthese aller Künste, aber auch von Kunst und Wissenschaft und von Kunst und Leben in den Blick nahm, zeigen zentrale historische Objekte, die Feste und das Leben am Bauhaus unter der Überschrift Gemeinschaft. Dass das Bauhaus nicht nur linksutopisch ausgerichtet war, wird im Kapitel Der neue Mensch deutlich. Hier werden neue Menschenbilder gezeigt, welche sich durchaus auch in politisch-radikalen weltanschaulichen Ausrichtungen bewegten. Während "Kunst, Handwerk, Technik" die Werkstätten und ihre Produkte präsentiert, zeigt "Radikale Pädagogik" Aufbau und Lehre am Bauhaus. Transkulturelle Bezüge werden im Bereich Begegnungen deutlich. Denn Kulturbegegnungen wurden am Bauhaus durch Vorträge, zahlreiche Besucher aus aller Welt, umfangreiche Bestände in der Bauhaus-Bibliothek, aber auch in der Suche nach neuen Formen erkundet. So gab es beispielsweise persönliche Beziehungen zur Moskauer Kunstschule Whutein sowie auch die Bestrebung von Mies van der Rohe durch Partnerinstitute in USA das Bauhaus zu internationalisieren.

Das Bauhaus hat in den wenigen Jahren seines Bestehens, die Fragen, welche nach der rasanten Industrialisierung in Deutschland aufgeworfen wurden, aufgegriffen. Prägende Künstler der Moderne lehrten an dieser Schule und verbreiteten das Erbe nach ihrer Migration in viele Teile der Welt. Die Ausstellung präsentiert anhand von Fotos, Arbeiten auf Papier, Dokumenten, Filmen, Texten und Objekten die Entstehung und Ausgestaltung der Schule, die später zu einer Quelle für die Geschichtsschreibung und Popularisierung der Moderne wurde.

Künstlerinnen und Künstler (Auswahl): 

Marianne Ahlfeld-Heymann; Anni Albers; Josef Albers; Mordecai Ardon; Gertrud Arndt; Leo Baron; Rudolf Baschant; Herbert Bayer; Heinrich-Siegfried Bormann; Marianne Brandt; Marcel Breuer; Edmund Collein; Erich Consemüller; Christian Dell; Friedl Dicker; Franz Ehrlich; Lyonel Feininger; T. Lux Feininger; Carl Flieger; Walter Gropius; Josef Hartwig; Florence Henri; Hubert Hoffman; Johannes Itten; Ernst Kállai; Wassily Kandinsky; Peter Keler; Paul Klee; Kurt Kranz; Fritz Kuhr; Mikhail Larinov; Otto Lindig; Gerhard Marcks; Carl Marx; Hannes Meyer; Ludwig Mies van der Rohe; Moses Mirkin; Else Mögelin; Lucia Moholy; László Moholy-Nagy; Johann Niegemann; Richard Oelze; Lisbeth Oestreicher; Walter Peterhans; Grete Reichardt; Hajo Rose; Oskar Schlemmer; Arthur Schmidt; Joost Schmidt; Kurt Schmidt; Lothar Schreyer; Kurt Schwerdtfeger; Umbo (Otto Umbehr;); Theo van Doesburg; Iwao Yamawaki

Kurator: Boris Friedewald
Szenografie: Studio Ilke Penzlien mit Peter Kortmann und Robert Müller
Grafik: HIT

Die nächsten Termine:

31.10.2018 – 15.12.2018
Mexiko-Stadt, Mexiko

Rahmenprogramm von ifa-Seite

Eröffnung: Pressevorbesichtigung und Eröffnung, 30.10.2018
16.02.2019 – 21.04.2019
Elmhurst, USA

Im Rahmen Deutschlandjahr in den USA

Rahmenprogramm von ifa-Seite

Eröffnung: Pressevorbesichtigung und Eröffnung, 15.2.2019

Partner in Argentinien

Logo der Deutschen Botschaft Buenos Aires
Goethe-Institut Buenos Aires
Logo des Argentinischen Kulturministeriums

Gefördert von

Logo des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Baden-Württemberg

Im Rahmen von