The Event of a Thread | Das Ereignis eines Fadens

Noa Eshkol

Noa Eshkol (1924–2007) wuchs in einem Kibbuz in Palästina auf, das kollektive Arbeiten wurde zu einem zentralen Aspekt in ihrem Werk als Künstlerin, Tänzerin und Tanztheoretikerin. Nach ihrem Studium der Musik in Tel Aviv und Tanz an der dortigen Tehila-Ressler-Schule zog sie 1946 nach London, um mit Rudolf von Laban und Lisa Ullmann an dem Art of Movement Studio in Manchester zu studieren. Anschließend wechselte sie an die Sigurd Leeder School of Dance in London. 1950 ging sie nach Israel zurück und unterrichtete an verschiedenen Schulen und Universitäten Bewegung und Tanz. 1954 gründete sie die Noa Eshkol Chamber Dance Group, um ihre Bewegungsstudien mit einer kleinen Anzahl von Tänzerinnen und Tänzern umzusetzen. Die 1958 zusammen mit dem Architekten Avraham Wachman entwickelte Eshkol-Wachman Movement Notation ist ein System, das Körperbewegungen in Linien, Zahlen und Symbole überführt und in einer Rasterstruktur aufzeichnet. 1973 begann sie Wandteppiche aus textilen Resten herzustellen. Ihre Werke wurden in den letzten Jahren in internationalen Ausstellungen präsentiert, unter anderem im Israel Museum, Jerusalem (2011); LACMA, Los Angeles; The Jewish Museum, New York; TBA21, Wien (2012); Musée d'Art Moderne, Paris; in den Opelvillen Rüsselsheim (2013); Museum of Contemporary Art, Tokio (2014) und auf der 20. Sydney-Biennale (2016). 2016 hatte sie eine große Einzelausstellung im Badischen Kunstverein Karlsruhe.

Noa Eshkol: Desert Landscape With Birds, 1990er Jahre, Baumwolle, Polyester, Zellulose, Lurex; Foto: Uwe Walther, © Noa Eshkol
Desert Landscape With Birds, 1990er Jahre
Noa Eshkol: Arab Village at Night, 1982, Patchwork, verschiedene Stoffe; Foto: Uwe Walther, © Noa Eshkol
Arab Village at Night, 1982

Zwei Patchworks, verschiedene Stoffe; Fotos: Uwe Walther, © Noa Eshkol

Als ein Mitglied ihrer Tanzkompanie, der Noa Eshkol Chamber Dance Group, zum Militärdienst während des Jom-Kippur-Krieges eingezogen wurde, begann die Choreografin Wandteppiche aus gefundenen oder zusammengetragenen Stoffstücken zu fertigen. Über die Jahre stellte Eshkol Kollagen aus einer Bandbreite von Materialien und Mustern, von Kufiyas bis hin zu Überbleibseln von Uniformen, her: Aufwändige figurative oder abstrakte Kompositionen, die ihre Tänzer später gemeinsam mit ihr zusammennähten. Ihre ungewöhnlichen Wandbehänge beleuchten eine einzigartige Beziehung zwischen moderner Kunst und Tanz. Während Eshkols Tanzkompositionen systematisch strukturiert sind, wirken ihre textilen Kompositionen spontan und in immer überraschenden Farben und Formen (The Eshkol-Wachmann Movement Notation Center, Holon).

http://noaeshkol.org