The Event of a Thread | Das Ereignis eines Fadens

Elisa van Joolen & Vincent Vulsma

Elisa van Joolen (*1983) lebt als Designerin, Künstlerin und Wissenschaftlerin in Amsterdam. Sie erhielt 2006 ihren BA an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam und 2012 den MFA am Parsons in New York City. 2016 nahm sie am Artist-in-Residence-Programm Iaspis in Stockholm teil. Ihr Designansatz zeichnet sich durch interventionistische Strategien und Umgestaltung aus. Ihre Projekte reflektieren oft die spezifischen gesellschaftlichen Kontexte und sind auf Kollaboration und Partizipation angelegt. Sie exponieren relationale Aspekte von Kleidung und subvertieren den Prozess der Bedeutungsproduktion. Van Joole's Werk wurde mit dem Han Nefkens Award (2016) und dem Fulbright Award (2010) ausgezeichnet und für den Dutch Design Award (2013) und den New Material Award (2014) nominiert. Sie nahm an Ausstellungen an der Arnhem Fashion Biennial, dem Museum Boijmans van Beuningen in Rotterdam, der New York Fashion Week, der 5. Design-Biennale in Florianopolis, dem Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg, dem OCAT Art Terminal in Shenzhen und am West Bund Art Center in Shanghai teil.

Vincent Vulsma
(*1982) studierte von 2002 bis 2006 an der Gerrit Rietveld Akademie in Amsterdam und nahm zwischen 2006 und 2008 am De Ateliers in Amsterdam teil. Einzelausstellungen waren u.a. "A Sign of Autumn" am Stedelijk Museum Bureau Amsterdam (2011) und "ARS NOVA E5305-B" in der Galerie Cinzia Friedlaender, Berlin (2009). Vulsma nahm an Gruppenausstellungen im Musée d’Art Moderne, Paris (2013); dem Museum Abteiberg, Mönchengladbach (2013); De Vleeshal, Middelburg (2013); Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf (2012) und Stedelijk Museum Amsterdam (2012) teil. Er war Stipendiat der Villa Romana, Florenz (2011) und der Arts Initiative Tokyo (2014). Seine Arbeit erkundet die Spannungen zwischen autonomer Kunst und gesellschaftspolitischen Beziehungen, die ihrer Produktion zugrunde liegen. Wichtiger Ausgangspunkt seiner Recherchen sind die Geschichte und Ökonomie kultureller Aneignung.

Elisa van Joolen & Vincent Vulsma: Technik, 2012–2013, Navajo Indian Gewebe, ca. 1890; Pendleton Indian Trade Blanket, ca. 1910; Ikea, Lappljung Ruta; Bernhard Willhelm, Chevron Print; Foto: Uwe Walther, © Elisa van Joolen & Vincent Vulsma
Technik, 2012–2013, Navajo Indian Gewebe, Übergangsperiode, ca. 1890, handgewebt, Naturwolle; Pendleton Indian Trade Blanket, J. Capps & Sons Tribute #2, basierend auf Originalentwurf, ca. 1910, Filzbindung, reine Schurwolle und Baumwolle, hergestellt in den USA; Ikea, Lappljung Ruta, Design Anna Evferlund, maschinengewebt, Polypropylen, hergestellt in Ägypten; Bernhard Willhelm, Chevron Print; Sweater, AW 2012/2013, Strickware, Baumwolle und Mohair, hergestellt in Belgien; Kleiderständer, Dimensionen variabel; Foto: Uwe Walther, © Elisa van Joolen & Vincent Vulsma

Die Gemeinschaftsarbeit Technik stellt vier verschiedene Textilstücke gegenüber: eine handgewebte Decke der Navajo aus den 1890er-Jahren, ein Remake einer sogenannten Indian-Trade-Decke der Firma Pendleton aus den 1910er-Jahren, einen in großer Stückzahl produzierten Ikea-Teppich aus den 2010er-Jahren und einen Strickpullover aus der Herbst-Winter-Kollektion 2012/13 des deutschen Modedesigners Bernhard Willhelm. Das sogenannte Navajo-Muster, das sich aus kunstvollen geometrischen Formen in leuchtenden Farben zusammensetzt, ist das verbindende Motiv dieser Gebrauchstextilien aus ganz verschiedenen Zeiträumen und Kontexten. Das Originaldesign sowie spätere Aneignungen und Wiederaneignungen bilden ein Leitmotiv in der Installation. Elisa van Joolen und Vincent Vulsma führen vor Augen, wie hochfunktionelle Materialien und Muster durch verschiedene kulturelle Kontexte migrieren und wie Formen den historischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Wandel überleben. Die Arbeit verweist auch auf die Veränderungen der Produktionsverfahren und damit verbundener Verschiebungen des sozioökonomischen Gefüges.