The Event of a Thread | Das Ereignis eines Fadens

Andreas Exner

Andreas Exner (*1962) lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Er ist seit 2006 Dozent am Institut für Kunstpädagogik der Goethe Universität Frankfurt a.M., im Bereich Plastik und künstlerische Raumkonzepte. Nach einer Druckerlehre studierte er von 1988 bis 1993 an der Städelschule in Frankfurt a.M. Der Maler und Bildhauer erhielt u. a. 1995 ein DAAD-Stipendium für einen Aufenthalt in Florenz, 1996 das Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds und 2003–2004 das Londoner Atelierstipendium der Hessischen Kulturstiftung. Seminare hat er u.a. an der École Supérieure des Arts Décoratifs de Strasbourg und am Victorian College of the Arts in Melbourne gegeben. Zusammen mit der Kuratorin Zylvia Auerbach gründete er im Jahr 2000 den KANN-Verlag für unabhängige Künstlerpublikationen.

Andreas Exner: Aldi-Vorhang, 1999, Stoff, genäht; Foto: Uwe Walter, © (Andreas Exner) VG Bild-Kunst Bonn, 2017
Aldi-Vorhang, 1999, Stoff, genäht; Foto: Uwe Walter, © (Andreas Exner) VG Bild-Kunst Bonn, 2017

Was für eine schräge Näherei. Der Ausdruck "angewandte monochrome Malerei" scheint beinahe unumgänglich. Stoffteile sind hier zu einem großen Vorhang zusammengenäht: zu einem Aldi-Vorhang. 1970 entwarf der konstruktiv-konkrete Maler und Grafiker Günter Fruhtrunk das Design für die Plastiktüte von Aldi Nord. Er wurde dafür kritisiert: die Nähe von Kunst und Kommerz war Anfang der 1970er Jahre verdächtig und Aldi in dieser Zeit noch nicht hoffähig. Aldi, eine der marktführenden globalen Discounterketten, wurde 1946 in Deutschland gegründet und prägt wie kaum ein anderer das Verhältnis zum Konsum in einer möglichst billigen Warenwelt, in der von Hand gefertigte Produkte keinen Platz mehr haben. Die überall im Alltag sichtbare Aldi-Tüte ist zu einer Art Landschaftsbild Deutschlands in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geworden. Der Aldi-Vorhang überführt das Plastiktüten-Design wieder zurück in stoffliche Malerei. Andreas Exner verwendet einfache Mittel, um den Blick auf Alltagsobjekte und -Designs zu lenken und sich zu fragen, inwieweit Gestaltung in die Gesellschaft hineinwirken kann und wie andererseits alltägliche Formen in das Designvokabular eingehen.

http://www.andreasexner.net