Interkultureller Dialog ist ein wirkungsvolles Instrument ziviler Krisenprävention, weil er verbindet und Verständnis schafft, wo Misstrauen oder Feindbilder dominieren. In Konfliktregionen ermöglicht Kulturarbeit Begegnung auf Augenhöhe und stärkt gesellschaftliche Resilienz, indem sie Austausch, Teilhabe und kreative Kooperation fördert.
Die ifa-Studie "Kulturtätige aus Belarus, Russland und der Ukraine" zeigt eindrücklich, wie transnationale Zusammenarbeit trotz Krieg, Repressionen und Exil fortbesteht. Sie beleuchtet Herausforderungen wie Traumatisierung, bürokratische Hürden, digitale Sicherheit und politische Risiken. Die Studie macht zugleich deutlich, welche Potenziale in gemeinsamer Kulturarbeit liegen und empfiehlt u. a. den vor allem finanziellen Ausbau von Schutz- und Förderprogrammen, die stärkere Einbindung von Diaspora-Gruppen sowie den systematischen Aufbau stabiler transnationaler Netzwerke.
Tigran Amiryan, Semiologe, Gründer und Direktor des Cultural and Social Narratives Laboratory, erweitert diese Perspektive in seiner Studie "Die 'Umsiedlung' der russischen Kulturszene" um die kulturellen und politischen Strukturen in Armenien und Georgien. Er zeigt, wie Migration kulturelle Praktiken und Narrative verändert, wie neue Partnerschaften entstehen und wo gleichzeitig Spannungsfelder sichtbar werden.
In der Podcastfolge "Russian Cultural Actors in the Southern Caucasus" vertieft Amiryan diese Beobachtungen und führt sie mit konkreten Beispielen aus seiner Forschung zusammen. Er macht deutlich, wie stark politische Rahmenbedingungen, historische Konflikte und postimperiale Narrative die Zusammenarbeit zwischen lokalen und migrierten Kulturschaffenden beeinflussen. Gerade im südkaukasischen Kontext zeigt sich, wie fragil Dialogprozesse sein können – und warum kulturelle Rechte, transparente Integrationsregeln und langfristig moderierte Austauschräume entscheidend sind, damit Kooperation gelingt, ohne lokale Gemeinschaften zu marginalisieren.