Laufende Projekte

Expertinnen und Experten

Kulturpolitik und Europa in der Welt

Kultur, laut verschiedener EU-Minister, "ist ein wesentlicher Bestandteil der internationalen Beziehungen der EU." Die EU will die kulturelle Zusammenarbeit mit ihren Partnerländern intensivieren und eine globale Ordnung fördern, die auf der Grundlage von Frieden, Rechtsstaatlichkeit, Meinungsfreiheit und gegenseitigem Verständnis und Respekt für grundlegende Werte basiert. Die zentralen Werte Europas werden jedoch zunehmend im In- und Ausland angefochten, während die Agenda 2030 der Vereinten Nationen und der technologische Wandel wie die Digitalisierung die internationale kulturelle Zusammenarbeit vor neue Herausforderungen stellen. Diese Studie wird untersuchen, ob die europäische Kulturdiplomatie den Herausforderungen eines komplexeren globalen Umfelds gewachsen ist. Wie können Synergien zwischen nationaler und europäischer Kultur- und Bildungspolitik gestärkt werden? Wie können Praktiker und politische Entscheidungsträger wirksamer daran arbeiten, Rechte und Freiheiten zu bewahren und zu fördern?

Gijs de Vries ist Visiting Senior Fellow an der London School of Economics and Political Science (LSE). Er war Mitglied der Regierung der Niederlande und Vorsitzender der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa im Europäischen Parlament. Er war auch der Vertreter der Niederlande beim Konvent über die Zukunft Europas. Gijs de Vries war Vorsitzender des Europäischen Integrations- und Bürgerprogramms des European Policy Centre, Mitbegründer des European Council on Foreign Relations und Mitglied der European Cultural Foundation. Desweiteren war er Senior Member des St. Antony's College in Oxford und Dozent für internationale Beziehungen an der Universität Leiden.

Deutsch-ukrainische Kulturbeziehungen

Wie haben sich Kunst und Kultur in der Ukraine seit dem Euromaidan entwickelt, wie verarbeiten – oder forcieren – ukrainische Kulturschaffende die rasante, oft widersprüchliche Entwicklung in ihrem Land? Wie hat der Konflikt in der Ostukraine die Kunstszene verändert, und welches Selbstverständnis spiegelt sich in der zeitgenössischen ukrainischen Kunst und Kultur?
Das Projekt „Deutsch-ukrainische Kulturbeziehungen“ verfolgt das Ziel, aktuelle Strömungen, zentrale Akteure und Institutionen der ukrainischen Kulturszene zu beschreiben sowie Kooperationen und Partnerschaften zwischen deutschen und ukrainischen Kulturakteuren aufzuzeigen. Im Kontext der Frage nach Zielen der auswärtigen Kulturpolitik der Bundesrepublik werden die politische Relevanz und Handlungspotenziale analysiert. Die Studie schließt mit Empfehlungen zur zukünftigen Ausgestaltung der deutsch-ukrainischen Kulturbeziehungen.

Dr. Susann Worschech ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Masterstudiengang Europa-Studien an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Ihre Forschungsschwerpunkte sind Zivilgesellschaft in postsozialistischen Ländern, Demokratisierung, Populismus und Europäisierung. In ihrer mit dem Klaus-Mehnert-Preis ausgezeichneten Dissertation analysierte sie Geberstrategien und Kooperationsmuster der externen Demokratieförderung in der Ukraine. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit engagiert sie sich in verschiedenen Initiativen zu den Themen Ukraine, Außenpolitik und lokale Entwicklung.
Kontakt: worschech(at)ifa.de

Auf Humboldts Spuren: Kulturbeziehungen zu Lateinamerika

Anlässlich des Humboldtjubiläums im Jahr 2019 untersucht dieses Projekt das Potenzial Humboldts für die deutsche Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik sowie die Chancen und Herausforderungen einer diesbezüglichen Themensaison in Lateinamerika. Unbestritten ist, dass der preußische Gelehrte auch heute noch für die internationalen Kultur- und Wissenschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und den Ländern seiner Expedition - Venezuela, Kuba, Kolumbien, Ecuador, Peru und Mexiko - eine große Bedeutung hat. Die Frage ist jedoch, welche Projekte und Veranstaltungsformate sich für welche Länder am besten eignen und an welcher Stelle Kommunikationsbedarf besteht. Der Blick auf die historischen Rahmenbedingungen seiner Forschungsreise soll hierbei einerseits zum besseren Verständnis seiner Leistung im zeitgenössischen Kontext beitragen sowie andererseits die Ursachen für die länderspezifische Humboldtrezeption erläutern, sodass die Gestaltung von Aktivitäten diesen regionalen Unterschieden angepasst werden kann.

Porträtfoto von Sandra Rebok

Dr. Sandra Rebok ist Wissenschaftshistorikerin und hat viele Jahre am Institut für Geschichte am Consejo Superior de Investigaciones Cientificas in Madrid gearbeitet. Inzwischen ist sie freiberuflich tätig und forscht in Spanien, Deutschland und den USA zu wissenschaftlichen Netzwerken, zur Globalisierung des Wissens und zu transnationaler Wissenschaftskooperation im 19. Jahrhundert. Seit über 20 Jahren hat sie sich insbesondere auf die Alexander von Humboldt-Forschung konzentriert, ist Autorin mehrerer Bücher und zahlreicher Artikel zu Humboldt und hat drei seiner Werke auf Spanisch herausgegeben. Darüber hinaus hat sie langjährige Erfahrung im Bereich der Wissenschaftskommunikation, vor allem in der Kuratierung von Ausstellungen.
Kontakt: rebok(at)ifa.de

Schnittflächen von Kultureller und Interkultureller Bildung im internationalen Vergleich

Die Studie untersucht die Diversität von Kultur- und Bildungsbegriffen an ausgewählten Beispielen im Hinblick auf die Schnittstelle von „Interkultureller Bildung“ und „Kultureller Bildung“. Dabei werden zunächst Möglichkeiten, wie Interaktionen von ‚Kulturen‘ beschrieben werden können, und ihre Relevanz für die Kulturelle Bildung untersucht. Die Fragen, inwiefern es regional oder durch bestimmte politische Systeme bedingte Ansätze und inwiefern es universell relevante Ansätze gibt, führen zu einem Mapping, das vor allem die non-formale Bildung berücksichtigt. Hierbei wird die besondere Bedeutung internationaler Bildungskooperationen im Zentrum stehen. Aus der Reflexion ausgewählter Vorhaben werden Kriterien zur Evaluation und zur Entwicklung von Vorhaben ebenso entwickelt wie Empfehlungen zur Umsetzung.
Das Forschungsprojekt wird gefördert durch die Stiftung Mercator.

Dr. Ernst Wagner ist Dozent und Forscher am UNESCO-Lehrstuhl für Kulturelle Bildung der Universität Erlangen. Er studierte Kunst und lehrte an Gymnasien. Er arbeitete am Institut für Schulqualität, München (verantwortlich für Kunst, Film und Theater). Er promovierte in Kunstgeschichte an der LMU München und beschäftigt sich mit Visual Literacy, Kompetenzen, Kulturelle Bildung in Bezug auf Bildung für nachhaltige Entwicklung/Kulturerbe/Interkulturelle Kommunikation/Global Citizenship Education - im Kontext der UNESCO. Er ist Honorarprofessor an der Hong Kong University of Education.

Immaterielles Kulturerbe in Gefahr

Immaterielles Kulturerbe (IKE) ist zunehmend sozialen, wirtschaftlichen und politischen Zwängen ausgesetzt, die seine Existenz bedrohen. Dabei bilden migrationsgeprägte, politische Veränderungen, sowie repressive Regierungsformen weitere Herausforderungen für den Schutz von IKE. Besonders davon betroffen sind vulnerable Bevölkerungsgruppen, welche u.a. indigene Völker und Minderheiten umfassen: diese weisen im post-kolonialen Kontext nur geringe Ressourcen auf, um kulturelle Selbstbestimmung zu leben. Neue IKE-Schutzmechanismen zum Erhalt, zum Schutz und zur Weiterentwicklung sind daher gefragt, auch mit Hinblick auf Generationenbeziehungen. Regionalen Organisationen wie der EU kommt daher bei der Begründung und Beobachtung der Einhaltung von IKE-Schutzmaßnahmen eine besondere Rolle zu.

Dr. Jessika Eichler, ist eine interdisziplinäre Wissenschaftlerin und Beraterin mit Felderfahrung aus Europa und Lateinamerika. Dabei liegen ihre Schwerpunkte auf den Rechten indigener Völker und Minderheiten in entwicklungspolitischen Kontexten. Trotz des ausgeprägten wissenschaftlichen Hintergrundes, blickt sie auf Erfahrung mit vielen Akteuren zurück, u.a. NGOs, das Auswärtige Amt, das Goethe-Institut und die GIZ. Dies erlaubte ihr, einen Policy-orientierten Ansatz zu entwickeln, sowie lokale Situationen zu verstehen, die von rechtlichen und sozio-politischen internationalen Entwicklungen geprägt sind.
Kontakt: jessika.eichler(at)ifa.de 

Die Rolle der Kultur in einem gespaltenen Europa

Der Aufschwung von populistischen, extremistischen und euroskeptischen Parteien gefährdet die Europäische Union. Das Forschungsprojekt untersucht, inwiefern der Kultursektor eine Rolle in der Eindämmung dieser inneren Bedrohung für die europäische Idee spielen kann und entwickelt Kulturpolitiken für die europäische Ebene, um darauf zu reagieren. Dies erfordert nicht nur ein Verständnis für den wachsenden Erfolg solcher nach innen gerichteter Akteure, ihrer Agenden und Strategien, sondern auch zu identifizieren, welche Position der Kultursektor in diesem Kontext einnehmen kann. In Anbetracht dessen entwickelt das Projekt mögliche Szenarien neuer Formen von kultureller Kooperation in Europa.

Mafalda Dâmaso berät und forscht an der Schnittestelle Kultur und Internationale Beziehungen. Sie hat kürzlich Ihre Doktorarbeit zur visuellen Rethorik der Vereinten Nationen bei der Glodsmiths University of London eingereicht und forscht vergleichend zur Kulturpolitik der Europäischen Union. Dâmaso hat in mehreren europäischen Ländern im Kultursektor, in der Kreativiundustrie und in Think Tanks beraten und gearbeitet, ebenso als Dozentin in der Hochschul-  und Weiterbildung sowie im öffentlichen und privaten Sektor. 
Kontakt: mafalda.damaso(at)ifa.de  

Kreativwirtschaft International

Kreativwirtschaft wird in allen Ländern sowie der EU als Wachstumstreiber und Jobmotor angesprochen. Parallel stellt Kultur und Kreativität als strategische "Soft-Power"-Ressource eine immer wichtigere Grundlage internationaler Beziehungsarbeit, AKBP und Diplomatie dar. Folgende Fragestellungen stehen im Vordergrund: In welcher Form ist die Kreativwirtschaft in ausgesuchten Ländern (Kanada, Großbritannien, Frankreich, die Niederlande, Finnland, Schweden, Österreich) Bestandteil der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik und/oder der Außenwirtschaftspolitik? Mit welchen finanziellen Mitteln wird dort Internationalisierung der heimischen Kreativwirtschaft dieser Länder im internationalen Kontext gefördert? Was sind die zentralen Ziele bzw. Zielgruppen und Formen einer solchen Förderung der heimischen Kreativwirtschaft im internationalen Kontext als Teil der Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik dieser Länder? Was sind bei den analysierten Ländern die zentralen Ziele bzw. Zielgruppen und Formen der Förderung der heimischen Kreativwirtschaft als Teil der Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik? Auf der Basis dieses Vergleichs werde erste Implikationen für mögliche Internationalisierungsprozesse der deutschen Kultur- und Kreativwirtschaft im Rahmen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik (AKBP) abgeleitet. Bestandteil der Ergebnisse sind auch erste Benennungen von Potenziale für Internationalisierungsprozesse und internationale Kooperationen aus der Sicht der veränderten bundesdeutschen Kultur- und Kreativwirtschaftsstruktur.

Bastian Lange; Foto: privat

Dr. Bastian Lange ist Stadt- und Wirtschaftsgeograph. Seit mehr als 20 Jahren forscht und publiziert er zu Fragen der Entstehung neuer Orte und der Transformation von Märkte und Akteurstypen. Er unterstützt und berät Kommunen, Länder, Ministerien und die Europäische Kommission mit partizipativen Methoden bei der Umsetzung nachhaltiger Entwicklungs-perspektiven für Stadt und Region sowie neue Märkte und Internationalisierungsprozesse.
Kontakt: bastian.lange(at)ifa.de