Tableau von Kudzanai Chiruai

Kudzanai Chiurai, Genesis [Je n’isi isi] VII, 2016, Courtesy of the artist and the Goodman Gallery / Owner

Kudzanai Chiurai: Genesis [Je n’isi isi] – We Live in Silence

ifa-Galerie Stuttgart | 31.01.2019 | 19.00 – 21.00 Uhr

Ausstellungseröffnung | Kudzanai Chiurai inszeniert bildgewaltige, großformatige Tableaus. Er setzt sich darin mit der afrikanischen Geschichte und deren kolonialen Vermächtnissen auseinander. Bis heute sind die Gesellschaften, ihre Geschichte und Politik durch die Einflüsse der Kolonisation geprägt. Beginnend in der frühen Neuzeit waren es vor allem politische Akteure des 19. Jahrhunderts und des viktorianischen Zeitalters, welche Geografie, Handel, Besiedelung und Mission in den Dienst einer imperialen Idee stellten.

In Fotoserien wie „Genesis [Je n’isi isi]“ widmet sich der in Harare, Simbabwe, geborene Künstler diesem Erbe. So bezieht sich Kudzanai Chiurai auf Reiseberichte und Darstellungen des schottischen Missionars und Afrikaforschers David Livingstone (Blantyre, 1813–1873, Chitambo), der als erster Europäer weite Teile Südafrikas bereiste und durch seine Entdeckung der Viktoriafälle berühmt wurde. Durch seine Popularität wurde er in Großbritannien zur Symbolfigur des Forschungsreisenden, der der Kolonisierung den Weg ebnete. Kudzanai Chiurai inszeniert in seinen fotografischen Bühnenbildern verschiedene Situationen aus den Reiseberichten, ändert jedoch das Personal: Der Figur des europäischen Entdeckers werden Protagonisten der afrikanischen Vergangenheit gegenüber gestellt. Kudzanai Chiurai setzt damit der tradierten europäischen Erzählung eine eigene Geschichtsschreibung entgegen.

Auch in seinem Film „We Live in Silence“ beschäftigt er sich mit Formen der so bezeichneten Gegenerinnerung. Motive aus Filmen und der Kunstgeschichte werden übereinander montiert; Archivmaterial aus der Anthropologie trifft auf Bilder der Zeitgeschichte, die aus den Medien stammen. Sie werden mit Schauspielern und Performern nachgestellt, so dass in seinem Werk alternative Erinnerungsbilder sowie Zukunftsvisionen entstehen.

Kudzanai Chiurai, 1981 in Simbabwe geboren, war der erste farbige Student, der an der Universität von Pretoria studierte und mit dem Bachelor of Fine Arts abschloss. Er wurde ein Jahr vor der Ablösung von dem von Weißen regierten Rhodesien und der Unabhängigkeit Simbabwes geboren; seine frühen Arbeiten setzten sich mit dem politischen, ökonomischen und sozialen Kampf in seinem Heimatland auseinander.

In den letzten fünf Jahren hatte er unter anderem Einzelausstellungen in der Goodman Gallery in Kapstadt, der National Gallery of Zimbabwe, Harare, Zimbabwe, dem Zeitz Museum of Contemporary Art Africa in Kapstadt, dem Museum of Contemporary African Diasporan Arts, New York und der Kunstahal Rotterdam. Er war unter anderem beteiligt an Ausstellungen der 13th Biennale of Contemporary African Art, Dakar, Senegal, des Museum of Contemporary Photography, Chicago, des Centro Cultural Banco do Brasil Rio de Janeiro, Rio de Janeiro, der Biennale in Venedig, der Fondation Louis Vuitton, Paris, dem Lagos Photo Festival, Nigeria, dem Guggenheim Museum, Bilbao, dem Vitra Design Museum, Weil am Rhein, dem Museum für Moderne Kunst, Frankfurt und der Walther Collection, Ulm.

Ausstellungszeitraum 01.02. – 23.03.2019

Begleitprogramm
Künstlergespräch mit Kudzanai Chiurai: 01.02.2019, 16:30 – 18:00
Workshop „Family? Happy Family!“ mit dem Kinder- und Familien-Zentrum Rosenstein: 05.02.2019, 12:30 – 14:00
Workshop „Geschichte, Geschichten“: 10.02.2019, 16:00 – 17:30
Führung und Kunstgespräch mit der Kunsthistorikerin Andrea Welz: 14.02.2019, 16:00 – 17:00

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