Teilnehmende des CRISP-Planspiels in Berlin, 9. November 2017 (Foto: ifa/Renner)
Teilnehmende des CRISP-Planspiels in Berlin, 9. November 2017 (Foto: ifa/Renner)
Teilnehmende des CRISP-Planspiels in Berlin, 9. November 2017 (Foto: ifa/Renner)
Teilnehmende des CRISP-Planspiels in Berlin, 9. November 2017 (Foto: ifa/Renner)
Teilnehmende des CRISP-Planspiels in Berlin, 9. November 2017 (Foto: ifa/Renner)
Teilnehmende des CRISP-Planspiels in Berlin, 9. November 2017 (Foto: ifa/Renner)
Teilnehmende des CRISP-Planspiels in Berlin, 9. November 2017 (Foto: ifa/Renner)

Ein Blick hinter die Maske

Ein Nachbericht von Farhan Jamalvy. CrossCulture Programm Stipendiat 2017

"Der Mensch ist am wenigsten er selbst, wenn er in seinem eigenen Namen spricht. Gib‘ ihm eine Maske und er wird dir die Wahrheit sagen", beobachtete Oscar Wilde. Auf eine besondere Art und Weise bewirken Planspiele genau das: sie geben ein bestimmtes Szenario vor und kreieren maskierte Protagonisten, die sich für die Transformation von Konflikten einsetzen.

Die Stipendiaten/-innen des CrossCulture Programms (CCP), ein Förderprogramm des ifa (Institut für Auslandsbeziehungen), haben demnach am 9. November 2017 im Rahmen des Planspiels "Transolvia" verschiedene Identitäten angenommen. Das Planspiel wurde von der Berliner NRO CRISP (Crisis Simulation for Peace e.V.) entwickelt und angeleitet.

Rollentausch

24 Stipendiaten/-innen aus 18 Ländern und vier verschiedenen Kontinenten übernahmen die Verantwortung für die Zukunft des fiktiven Landes Transolvia. Ziel war es, die Stabilität und Demokratie in dem jungen Land zu fördern. Dabei sollten einige diplomatische Fragestellungen bei den Teilnehmenden für Kopfzerbrechen sorgen: Wie kann es gelingen, unterschiedliche Interessen zu hören, zu moderieren und pragmatisch zu einer demokratischen Lösung zu kommen? Wie können vor allem die Interessen einer vielschichtigen Zivilgesellschaft artikuliert werden? Welche Koalitionen können gebildet werden, um die Ziele möglichst vieler Parteien zu verwirklichen?

Die Herausforderung lag nun darin, die Antworten auf diese Fragen aus dem Blickwinkel einer anderen Person zu finden. Das bedeutet, den Teilnehmenden wurde nicht nur ein neuer Name und Geschlecht zugewiesen, sondern auch ihre Ideologie, ihre politische Einstellung und die Glaubensrichtung entsprach nicht der in der Realität.

Sobald die Rollenzuweisung akzeptiert und die neue Realität geschaffen war, schien es selbstverständlich, dass ein junger Mann eine Frau mittleren Alters verkörperte. Ohne das äußerliche Erscheinungsbild anzupassen, repräsentierten die Teilnehmer nun authentisch ihre neuen Charaktere.

Interessensaustausch

Zu Beginn des Spiels wurden die Teilnehmer/-innen in drei Gruppen aufgeteilt. Darunter waren einerseits die internationalen Geberinstitutionen vertreten, andererseits unterschiedliche staatliche Akteure aus Transolvia und die nationale Presse – alle darum bemüht, ihre Reformen durchzusetzen.

Der europäische Förderausschuss versprach, 100 Millionen Euro Fördermittel für die Entwicklung in Transolvia einzusetzen. Um die Transparenz bei der Fördermittelvergabe zu sichern, erstellte der Ausschuss einen Treuhandfonds für die Demokratie im Land. Er forderte die lokalen Stakeholder auf, ihre Interessen zu bündeln und einen Kompromiss für die Vergabe der Fördergelder auszuhandeln. Jedoch durfte eine weitere Gruppe nicht unterschätzt werden: BASTA, eine regierungskritische, dissidente Jugendbewegung, die sich auf Demonstrationen für soziale Reformen einsetzte.

Auf dieser Grundlage initiierten das Kabinett des Premierministers und die Opposition einen Dialog und verhandelten über ein Abkommen. Die Zivilgesellschaft rang um einen Entwurf für die Regulierung der im Land aktiven NRO. Nebenbei führten BASTA und andere regimekritische Stimmen ihre Proteste in den Straßen Transolvias fort. Das "Darun News Network" interviewte alle Teilhabenden und übertrug Nachrichtensendungen über die neuesten Entwicklungen im Land.

Gewinner und Verlierer

Schlussendlich verkündete der Förderausschuss seine Entscheidung: mit der Hälfte der 100 Millionen Euro wurde die Infrastruktur des Landes vorangetrieben, während der Rest zwischen den Sektoren Gesundheit, Bildung und Soziales aufgeteilt werden sollte. Die Zuteilung der Gelder verlief nicht zu Gunsten der lokalen Stakeholder und hinterließ eine enttäuschte Zivilgesellschaft.

Es ertönten Glocken. Die Teilnehmer/-innen nahmen ihre unsichtbaren Masken ab und wurden wieder sie selbst. In einer anschließenden Feedbackrunde wurden die Ergebnisse des Planspiels evaluiert.

Eine facettenreiche Methode zum Austausch von Gedanken und Meinungen wurde spielerisch umgesetzt. Über 80% der Teilnehmenden äußerten sich positiv über das Planspiel und würden es jederzeit gerne wiederholen.

Über den Autor

Farhan Jamalvy, CrossCulture Fellow 2017 (Foto: ifa/Kuhnle)

Farhan Jamalvy ist seit 2015 Leiter der Karachi Film School in Pakistan. Zuvor war er bereits über 15 Jahre als Journalist, Drehbuchautor und Produzent tätig. Sein CrossCulture Praktikum macht er derzeit an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Durch seine Arbeit dort möchte er seine Kenntnisse als unabhängiger Produzent und Dozent ausbauen.

Stimmen zum Planspiel

Sahar Abi-Rafeh, Libanon (Foto: ifa/Kuhnle)

"Das Simulationsspiel war eine unglaublich realistische und aufschlussreiche Erfahrung. Die Probleme in 'Transolvia' spiegelten sehr gut die Situation meines Heimatlandes Libanon wider. Es fiel mir daher leicht in meine Rolle zu schlüpfen. Das Beste war für mich, zu sehen, wie die Zivilgesellschaft zusammenarbeitete, um eine Änderung der Gesetzgebung zu erwirken. Diese Szene war ein Augenöffner in Bezug auf die positive Kraft der Zivilgesellschaft und die Wirkung einer solchen Zusammenarbeit im Umgang mit der Regierung."

Sahar Abi-Rafeh, Libanon

Athmane Bessalem, Algerien (Foto: ifa/Kuhnle)

"Das Planspiel war eine tolle Chance für Reflexion und Diplomatie. Es half mir und der Gruppe dabei, viele neue Bereiche kennenzulernen: Kommunikation, Projektvorschläge, konstruktive Kritik und aktives Zuhören. Das Spiel war sehr realistisch und spiegelte unseren Lebensalltag als junge Aktivisten erstaunlich genau wider. Der wichtigste Punkt ist jedoch, dass uns das Spiel dabei half, viele Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven wahrzunehmen."

Athmane Bessalem, Algerien

Institut für Auslandsbeziehungen
CrossCulture Programm

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crossculture(at)ifa.de