Kunstwerk des Monats

Das ifa schickt seit mehreren Jahrzenten Kunst auf Ausstellungstourneen um die ganze Welt. Nach ihrer jahrelangen Reise werden die Ausstellungen aufgelöst und die Werke werden in den Kunstbestand des ifa überführt. Im Laufe der Zeit hat sich ein Bestand von 23.000 Werken angesammelt.

Mit der Reihe "Kunstwerk des Monats" soll der Zugang zur Sammlung erweitert werden. Es wird jeden Monat ein Werk digital auf dieser Seite und auch regelmäßig analog bei einer Veranstaltung in der ifa-Galerie Stuttgart gezeigt und vorgestellt.

Depot des ifa; Foto: Maximilian Bauer
2022 November
Carlfriedrich Claus
Reflexion unbewusster TV-Wirkungen
1979

Kaltnadel, Ätzung
148 x 196 mm

Carlfriedrich Claus, Reflexion unbewusster TV-Wirkungen, 1979 © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Ameisenrennen wird umgangssprachlich die Bildstörung auf einem analogen Fernsehbildschirm genannt. Es ist das Rauschen, bevor ein klares Bild auf dem Gerät erscheint. An einigen Stellen in der Zeichnung verdichten sich die grauen Liniengeflechte zu dunkleren Stellen, die ersten Informationen scheinen erkennbar. Claus setzte sich mit dem Verhältnis zwischen Sprache und Schrift und deren Verbindung zum Körper und zu den unbewussten Einflüssen des Autors auf den Schreibprozess auseinander.

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2022 Oktober
Ruth Wolf-Rehfeldt
Spheres of Interest
1975

Zinkografie
21,5 x 30 cm

© ifa, Courtesy die Künstlerin; Foto: Victoria Tomaschko

„Interest“, „Interest“, „Interest“. Diesen Begriff tippte die Künstlerin Ruth Wolf-Rehfeldt mit ihrer Schreibmaschine der Marke Erika auf die erste Zeile des Blattes, dreimal wiederholt sie das Wort in der Zeile mit weitem Abstand. Die Schreibmaschinengrafiken von Ruth Wolf-Rehfeldt können der Konkreten Poesie zugeordnet werden.­

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2022 September
Jürgen Böttcher / Strawalde
Nr. 19
1992

Acrylfarbe, Stoff auf weißem Karton
140 x 100 cm

Jürgen Böttcher, Nr. 19, 1992 © VG Bild-Kunst, Bonn 2022; ifa

Die Collage ist für eine Arbeit auf Papier mit den Maßen 140 x 100 cm relativ groß. Der Duktus ist großzügig, die Pinselstriche sind aus dem Arm, mit dem ganzen Körper, ausgeführt. Strawalde arbeitet immer ausgehend vom Material, reflektiert und respektiert das jeweilige Medium. Die Arbeiten auf Papier und Karton führen in Strawaldes künstlerischem Schaffen neben der Malerei und den Filmen ein eigenes Leben. In ihrer inhaltlichen Lesbarkeit bleibt die Zeichnung offen. Strawalde verfolgt mit seiner Arbeit kein bestimmtes Konzept, er will keine Geschichten erzählen.

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2022 August
Rebecca Horn
Paradies Witwe
1977

Drei Farbfotografien
Je 28 x 35,5 cm

Rebecca Horn, Paradies Witwe, 1977 © VG Bild-Kunst, Bonn 2022
Rebecca Horn, Paradies Witwe, 1977 © VG Bild-Kunst, Bonn 2022
Rebecca Horn, Paradies Witwe, 1977 © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Zwischen einem dichten, dunklen Hahnenfederkleid blitzt ein nackter Rücken hervor. Auf dem zweiten Bild der Fotoserie von Rebecca Horn (*1944) ist die kastenförmige Federhülle nicht weiter geöffnet, gewährt aber den Blick auf den Vorderkörper einer nackten Frau. Auf dem dritten Bild ist das Federkleid geschlossen. Die unbedeckte Rückenansicht wird für die Betrachterin über einen Spiegel sichtbar.

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2022 Juli
Karin Sander
o. T. 1993, Nr. 64
1993

Buntstift, Heftklammern auf Papier
21 x 29,7 cm

Karin Sander, o. T. 1993 Nr. 64, 1993 © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Eine rote Buntstiftlinie über die in regelmäßigen Abständen Heftklammern getackert sind, so als würde die Linie auf dem Blatt fixiert werden müssen. Die Arbeit war der Beginn einer Auseinandersetzung mit alltäglichen Büromaterialien, die die Künstlerin seit den 1990er Jahren stetig weiterführte. Mittlerweile gibt es rund 1500 dieser Arbeiten, die Karin Sander unter dem Sammelbegriff “office works” zusammenfasst.

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2022 Juni
Horst Bartnig
zweihundertsechsundfünfzig striche, Blatt I aus computergrafik-serie, Blatt I – IV
1982

Strichätzung, Handdruck
34,9 cm x 34,9 cm

zweihundertsechsundfünfzig striche, Blatt I aus computergrafik-serie, Blatt I – IV, 1982 © Horst Bartnig 2022

Horst Bartnig entwirft seine Werke auf der Grundlage von einfachen geometrischen Elementen. Im Kunstwerk ist es ein kurzer Strich, der auf sehr einfache Weise variiert wird. Bartnig zog durch die Darstellung von Strukturen mathematischer Prinzipien zunächst die Aufmerksamkeit von Naturwissenschaftler:innen auf sich. In der Kunstszene der ehemaligen DDR stand er mit seiner Position allein dar und wurde als “Ausnahmekünstler” bezeichnet.

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2022 Mai
Hannah Höch
Flucht
1931

Collage aus Magazinen und Papier
23 x 18,4 cm

Hannah Höch, Flucht, 1931 © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Flucht betitelt Hannah Höch ihre Collage aus dem Jahr 1931. Brandaktuell klingt der Begriff, der leider in den letzten Jahren immer mehr an Relevanz gewonnen hat. Vielleicht änderte sich die Richtung der Fluchtbewegungen seither. Hannah Höch gestaltet in ihrer Collage komplizierte und widersprüchliche Gedankengänge, die sich den herkömmlichen Begriffen entziehen.

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2022 April
Marcel Broodthaers
24 Images Seconde
1970

35 mm s/w-Filmstreifen und Bleistift auf Karton
50 x 65cm

Marcel Broodthaers, 24 Images Seconde, 1970 © VG Bild-Kunst, Bonn 2022; ifa

Was scheint wie eine Arbeit aus der Bildredaktion, zur Produktion verarbeitet, ist eine Anspielung auf mehrerlei Ebenen: die Signatur, Geste des Künstlers zur eigenen Verewigung, ist Mittelpunkt der inhaltlichen Schöpfung. Einst individuell und unnachahmlich steht sie jedoch im Zeitalter technischer Reproduzierbarkeit im Kontext Film plötzlich als unendlich wiederholbar, generisch und mechanisch da.

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2022 März
Robert Rehfeldt
Ohne Titel
1989

Mail Art Plakat, Druckgrafik
64 x 44 cm

Robert Rehfeldt, ohne Titel, 1989 © VG Bild-Kunst, Bonn 2022; ifa

“Die im Schatten leben” geht als Schlagzeile zwischen den vielen anderen im überladenen typografischen Chaos des Plakates regelrecht unter. Wachsame Augen, manche davon schauen uns durch eine Taucherbrille an, behalten den Durchblick. Robert Rehfeldt verhandelte in seinem als Collage gestalteten Plakat von 1989 die Idee der Mail Art, Kunst also, die per Post verschickt wird.

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2022 Februar
Gerhard Altenbourg
Das Ei des Formalisten
1955

Aquarell, Tempera auf Karton
63,5 x 89,5 cm

Gerhard Altenbourg, Das Ei des Formalisten, 1955 © VG Bild-Kunst, Bonn 2022; ifa

Filigrane Linienzeichnungen stehen neben malerischen Flächen. Abstrakte und figürliche Darstellungen gehen ineinander über. Die farbenstarke Aquarellzeichnung wird von einem erdigen Rotton dominiert. Das “Ei des Formalisten” steht fest eingebaut im Zentrum zwischen den zwei Seitenflügeln des verwinkelten Gebäudes. Es hat keine Möglichkeit auf die ein oder andere Seite zu kippen.

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2022 Januar
Käthe Kollwitz
Selbstbildnis
1924

Holzschnitt
21 x 30 cm

Käthe Kollwitz, Selbstbildnis, 1924 © ifa

Als bedeutende Vertreterin des Expressionismus hat Käthe Kollwitz ihre Kunst in den Dienst einer konkreten gesellschaftlichen Verantwortung gestellt. Sie machte mit ihren ausdrucksstarken Arbeiten auf die Armut und die sozialen Probleme aufmerksam. Und noch heute erzählen ihre Zeichnungen ganz direkt vom Schrecken dieser Zeit.  

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2021 Dezember
Maria Eichhorn
Kinderwerkstatt
1992

6 Tische, 36 Sitzwürfel, Papier, Farbstifte, Filzstifte (Stabilo)
70 x 160 x 100 cm (Tische); 38 x 38 x 38 cm (Stühle)

Maria Eichhorn, Kinderwerkstatt, 1992 © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; ifa

Maria Eichhorn versetzte mit ihrer Arbeit „Kinderwerkstatt“ von 1992 eine eben solche in den Ausstellungsraum des Künstlerhauses Stuttgart. Nach Vorgaben der Künstlerin entstanden Tische und Sitzgelegenheiten, bemalt in den Grundfarben Gelb, Rot, Blau und den Komplementären Lila, Grün und Orange bemalt wurde.

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