Kunstwerk des Monats

2021 Oktober
Nam June Paik
Lächelnder Buddha (Buddha Looking at Old Candle TV)
1992

Metall-Monitor, Bronze, Kerze
55 x 55 x 48 cm

Nam June Paik, Lächelnder Buddha (Buddha Looking at Old Candle TV), 1992 © Estate of Nam June Paik

„Das Fernsehen hat uns ein Leben lang attackiert, jetzt schlagen wir zurück.“ 

Nam June Paik, von dem dieses Zitat stammt, holt zum Gegenschlag aus, indem er einen Buddha aus Bronze vor einen kleinen alten Fernseher setzt. Der Buddha betrachtet darin eine brennende Kerze. Die Kerze leuchtet jedoch nicht als Abbild auf dem Bildschirm, sondern steht ganz real, angezündet im entkernten Gehäuse des Gerätes. 

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2021 September
Isa Genzken
Hof
1990

Beton, Stahlgestell
258 x 66 x 76 cm

Isa Genzken, Hof, 1990 © VG Bild-Kunst 2021, Bonn; ifa; Foto: Bernd Borchardt

In Augenhöhe steht eine Betonstruktur auf einem dünnen Gestell aus Stahlrohr. Drei Wände bilden einen fast quadratischen Raum, der nur auf einer Seite und nach oben hin offen ist, eine Art “Hof” also.
Seit dem Ende der 1980er Jahre produzierte Isa Genzken, die 1948 geboren wurde, eine Reihe dieser Betonskulpturen.

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2021 August
Martin Kippenberger
We don’t have problems with depressions, as long, as they don’t get in fashion
1986

Fotografie
500 x 600 mm

Martin Kippenberger, We don’t have problems with depressions, as long, as they don’t get in fashion, 1986 © Estate of Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Cologne

„Die einen reden, das mach ich auch mit Vorliebe, ne, lieber als malen, malen dauert zu lange, deswegen hab ich’s auch sein lassen. Lieber reden, reden kommt gut.“ (Martin Kippenberger)

Martin Kippenberger (1953-1997) – ein polarisierender Künstler, dessen Namen alle kennen. Aber wer kann schon wirklich sein Werk beschreiben? Er selbst hat sich bereits seit seiner Jugend als Künstler bezeichnet, doch bis er als solcher anerkannt werden sollte, mussten Jahrzehnte vergehen.

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2021 Juli
Herta Günther, geb. Bauer
Jorinde und Joringel
1957

Radierung
19,5 x 29,7 cm

Herta Günther, "Jorinde und Joringel", 1957, © (Herta Günther) VG Bild-Kunst Bonn, 2021

Im Verwirrspiel der Blätter verirren sich Jorinde und Joringel, ein junges Liebespaar, im Dickicht. Sie kommen dem alten Schloss der Erzzauberin viel zu nah. Joringel erstarrt solange, bis Jorinde von der alten Hexe, in eine Nachtigall verwandelt, ins Schloss gesperrt ist. Als Schafhirte träumt Joringel von einer Blume, mit deren Hilfe er Jorinde vom Zauber befreien kann.

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2021 Juni
Joseph Beuys
So kann die Parteiendiktatur überwunden werden
1971

Bedruckte Plastiktüte aus Polyäthylen mit Informationsmaterial und Filzobjekt
75 x 51,5 cm

So kann die Parteiendiktatur überwunden werden, 1971, © (Joseph Beuys) VG Bild-Kunst Bonn, 2021

Das Statement "So kann die Parteiendiktatur überwunden werden", das Beuys über seine Aktion für ein System der direkten Demokratie stellte, klingt in heutigen Ohren wie eine Forderung der Querdenker-Szene. Und viele, die sich zurzeit auf solchen Veranstaltungen tummeln, hätte man zu Beuys' Lebzeiten sicher auch in seinem Umfeld finden können.

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2021 Mai
Joseph Beuys
Information über Energiekörper
1957

Bleistift und Eisenchlorid auf Papier
17,5 x 27 cm

Information über Energiekörper, 1957, © (Joseph Beuys) VG Bild-Kunst Bonn, 2021

Skizzenhaft angelegte Linien hin zu einem Fluchtpunkt öffnen einen Raum, die Idee einer Landschaft. Ein kokonartiger Körper schwebt dominierend im Blatt. Er wird von verwischten Linien aus Eisenchlorid verstärkt. Andere graue Wischspuren laufen auf den Körper zu und in ihn hinein. Im Inneren befindet sich eine weitere runde Form, die eine Art Zentrum der Arbeit bildet.

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2021 April
Franz Erhard Walther
Zeichnungen zum 1. Werksatz

Bleistift, Wasserfarbe, Deckfarbe, Öl (beidseitig)

Form gegen Material (zu Nr. 49, 1. Werksatz), 28 x 21.6 cm, 1996 © (Franz Erhard Walther) VG Bild-Kunst Bonn, 2021
Handlungsaufriß (zu Nr. 57, 1. Werksatz), 29,7 x 20,9 cm, 1969 © (Franz Erhard Walther) VG Bild-Kunst Bonn, 2021

Das Verhältnis von Körper, Material, Zeit und Raum steht im Zentrum des Werkes von Franz Erhard Walther. Es sind diese grundsätzlichen Kategorien, die der Künstler seit den 1960er Jahren, beginnend mit seinem 1. Werksatz (1963 - 1969) auf eine neue und ganz eigene Weise bearbeitet.

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2021 März
Katharina Sieverding
MATON
1969

Farbfotografie
190 x 125 cm

Katharina Sieverding, "MATON", 1969 © (Katharina Sieverding) VG Bild-Kunst Bonn, 2021

Monumental vergrößert das Close-up eines Gesichts; nur der neutral geschlossene Mund, die Nase und leicht nach oben blickende Augen sind abgebildet. Die einzelnen visuellen Schichten scheinen wie mit einem Röntgengerät durchleuchtet zu sein. Die Bildinformationen sind grob gekörnt in schwarz und rot auf den Bildträger eingeschrieben.

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2021 Februar
Thomas Ruff
Aus: Junge Leute
1984

Farbfotografie, Fotopapier
Je 26,9 x 20,9 cm

Thomas Ruff, Aus: Junge Leute, 1984-87, © (Thomas Ruff) VG-Bild Kunst Bonn, 2021
Thomas Ruff, Aus: Junge Leute, 1984-87, © (Thomas Ruff) VG-Bild Kunst Bonn, 2021
Thomas Ruff, Aus: Junge Leute, 1984-87, © (Thomas Ruff) VG-Bild Kunst Bonn, 2021
Thomas Ruff, Aus: Junge Leute, 1984-87, © (Thomas Ruff) VG-Bild Kunst Bonn, 2021
Thomas Ruff, Aus: Junge Leute, 1984-87, © (Thomas Ruff) VG-Bild Kunst Bonn, 2021

Gesichter vor neutralen, einfarbigen Hintergründen. Weiches Licht. Nüchtern. Die Aufnahmen erinnern an Passfotos. Die Porträtierten sind im Profil, im Halbprofil oder in Frontalansicht zu sehen. Doch was geben die Menschen, die hier fotografiert wurden, von sich preis? Thomas Ruff, einer der bekanntesten Schüler von Bernd und Hilla Becher, ging bei seiner Serie streng konzeptuell vor: Jede porträtierte Person schaut mit neutralem Gesichtsausdruck in die Kamera. Der soziale Umraum wird ausgeblendet, es bleiben das Aussehen und die Kleidung. Aber welche Rückschlüsse auf die Persönlichkeit können gezogen werden?

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2021 Januar
Katharina Fritsch
Panther und Regal mit 8 Figuren
1992

Polyester, Farbe, Holz, Gips
90cm Höhe, Ø 160cm und 240 x 100 x 100cm 1992/94

Katharina Fritsch, "Panther und Regal mit 8 Figuren", 1992/94 © (Katharina Fritsch) VG Bild-Kunst Bonn, 2020

Konspirativer Zirkel oder Moment der Entladung vor dem gegenseitigen aufeinander losgehen?

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2020 Dezember
(e.) Twin Gabriel
Limonade. Von Afrika
1996

Planktonzucht, Wasserbecken, Ytongsteine, Quecksilberdampflampen
Je 80 x 80 x 80 cm

(e.) Twin Gabriel, Limonade. Von Afrika, 1996, Foto: John Hammond © (Twin Gabriel) VG Bild-Kunst Bonn, 2020

Fünf weiße würfelförmige Sockel, mit jeweils einem grünen Kubus gleicher Größe darauf platziert, stehen in einer Reihe nebeneinander. Über jedem Kubus hängt eine silberne Lampe, die eine trübe grüne Flüssigkeit erleuchtet: Plankton. Formal erinnert der Aufbau an eine serielle Skulptur in der Tradition des Minimalismus, doch scheinen die Betrachterinnen und Betrachter vielmehr einem naturwissenschaftlich inspirierten Experiment beizuwohnen. Das Plankton, für den musealen Kontext nach wie vor eher unüblich, ist lebendig. Die Materialien des Kunstwerks stammen nicht aus einem klassischen Künstlerbedarfsladen, sondern aus dem Baumarkt. Der Sockel besteht aus handelsüblichen Ytongsteinen, die Kuben sind aus einfachem Glas konstruierte Aquarien.

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2020 November
Helga Paris
Winsstraße mit Taube
1970

Schwarz-Weiß-Fotografie Silbergelatineabzug
26 x 38,5 cm

Helga Paris, Winsstraße mit Taube, 1970er Jahre, Foto © Helga Paris

Ein Straßenzug verliert sich im Nebel. Vereinzelt gehen Menschen auf den breiten Gehwegen. Präsent hängt ein Werbeschild an der von der Zeit angefressenen Fassade: "Werner Wendt, Hutformen Modellbau, Hof parterre". An der Straße parkt, Wagen an Wagen, das fast immer gleiche Automodell. Eine Taube fliegt ins graue Nichts.

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