Nancy Naser Al-Deen liebt das Fahrradfahren. Auch wenn ihre Heimatstadt Beirut sehr hügelig ist und jede Fahrt eine Qual bedeutet. © ifa/Kuhnle
Nancy Naser Al-Deen liebt das Fahrradfahren. Auch wenn ihre Heimatstadt Beirut sehr hügelig ist und jede Fahrt eine Qual bedeutet; Foto: ifa/Kuhnle

Geschichten, die hängen bleiben

"Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen", wusste bereits der Dichter Matthias Claudius. Zustimmen würden ihm ganz bestimmt die mehr als 70 internationalen Stipendiatinnen und Stipendiaten, die mit dem CrossCulture Programm (CCP) jedes Jahr nach Deutschland kommen. Nach ihrem Deutschlandaufenthalt nehmen sie neben ihrer Berufserfahrung auch unzählige Eindrücke und Geschichten mit in ihre Heimat. Was verbinden sie mit Deutschland oder dem CrossCulture Programm? Das haben wir vier Stipendiatinnen aus Georgien und dem Libanon bei einem unserer Vernetzungsworkshops gefragt.

Von Wolfgang Kuhnle

Mariam Chkhaidze

Juli - August 2018
Heimatorganisation: ADAMI Media Prize for Cultural Diversity in Eastern Europe, Tiflis, Georgien
Gastorganisation: Leipziger Dok-Filmwoche, Leipzig

Geht ins Ohr, bleibt im Kopf: CCP fellow Mariam  wird sich noch lange an einen bekannten Song aus den 90er-Jahren erinnern; Foto: ifa/Kuhnle
Geht ins Ohr, bleibt im Kopf: CCP fellow Mariam
wird sich noch lange an einen bekannten Song aus
den 90er-Jahren erinnern; Foto: ifa/Kuhnle

"Sobald ich zukünftig ein ganz bestimmtes 90er-Jahre Lied von 'Crowded House' hören werde, werde ich mich an meinen CCP-Aufenthalt erinnern. Bevor ich in Georgien in den Flieger nach Deutschland stieg, hatten wir wochenlang konstante Höchsttemperaturen von über 40 Grad Celsius. Deshalb habe ich mich sehr darauf gefreut, endlich etwas Abkühlung zu bekommen – wenn auch nur um ein paar wenige Grad. Als ich in Leipzig ankam, war die Wetterprognose noch vielversprechend. Doch mit jedem Tag stiegen auch dort die Temperaturen. Die Kolleginnen und Kollegen meiner Gastorganisation witzelten bereits: 'Everywhere you go you always take the weather with you.'"

Nancy Naser Al Deen

Juli - September 2018
Heimatorganisation: Ashkal Alwan, The Lebanese Association for Plastic Arts, Beirut, Libanon
Gastorganisation: raumlabor Berlin, Berlin

'Warum tust du dir das an?': Nancy Naser Al-Deen stellt  nicht nur Fragen, sondern weiß auch, warum sie die  tägliche Herausforderung annimmt; Foto: ifa/Kuhnle
'Warum tust du dir das an?': Nancy Naser Al-Deen stellt
nicht nur Fragen, sondern weiß auch, warum sie die
tägliche Herausforderung annimmt; Foto: ifa/Kuhnle

"Mit meiner CCP-Zeit in Berlin verbinde ich die Tatsache, wie einfach und bequem ich mit dem Fahrrad von A nach B gelange. Der Schlüssel in meiner Hand ist das Symbol dafür. Meine Heimatstadt Beirut ist äußerst hügelig. Auch wenn ich dort täglich Fahrrad fahre ist es eine ständige Herausforderung. Immer und immer wieder stelle ich mir die Frage: „Warum tust du dir das an?“. Schlussendlich komme ich zu der Erkenntnis, dass es bei der täglichen Fahrradfahrt auch darum geht, ein Stück von der Stadt zurückzuerobern. Wir – die Radfahrer von Beirut – haben ebenso das Recht, die Straßen der Stadt zu nutzen. Genauso wie die vielen Autofahrer."

Josiane Atallah

Juli - September 2018
Heimatorganisation: Teach for LebanonDonner Sang Compter, Beirut, Libanon
Gastorganisation: Malteser Hilfsdienst e.V., Mainz

Tickets für die Ewigkeit: Josiane sammelt Erinnerungen  und klebt sie in ihr Notizbuch; Foto: ifa/Kuhnle
Tickets für die Ewigkeit: Josiane sammelt Erinnerungen
und klebt sie in ihr Notizbuch; Foto: ifa/Kuhnle

"Dieses kleine Notizbuch war noch leer als ich in Deutschland ankam. Das erste, das ich darin einklebte, war mein Flugticket von Beirut nach Frankfurt. Ich liebe es, Gegenstände wie Karten oder Tickets meiner Reise aufzuheben und sie darin einzukleben. So werden sie mich noch lange das Erlebte erinnern. In diesem Buch finden sich Tickets meines Besuchs im Disneyland Paris oder Eintrittskarten für das Landesmuseum in Mainz. Auf einer Seite habe ich mehrere Federn eingeklebt. Sie erinnern mich daran, wie groß und unterschiedlich diese Welt ist. Wie Vögel ziehen wir von einem Ort zum anderen und lernen dabei stets dazu."

Mariam Baindurashvili

August - Oktober 2018
Heimatorganisation: Union "Step To The Future", Gori, Georgien
Gastorganisation: Caritas Stuttgart / Lagaya Stuttgart

Bei Mariam kommt Farbe in's Spiel! Für sie wird  die Welt umso bunter, je mehr unterschiedliche  Menschen zusammenkommen; Foto: ifa/Kuhnle
Bei Mariam kommt Farbe in's Spiel! Für sie wird
die Welt umso bunter, je mehr unterschiedliche
Menschen zusammenkommen; Foto: ifa/Kuhnle

"Ich habe ein Bild mitgebracht, das eine Freundin nach meinen Gedanken für mich gezeichnet hat. Es zeigt viele farbige Straßen, die vor einer skizzierten Weltkarte verlaufen. Damit möchte ich ausdrücken, dass wir – die unterschiedlichsten Menschen, die hier beim Workshop zusammenkommen – die Farbe und die Diversität in die Welt tragen. Einige Straßen auf dem Bild sind eng ineinander verschlungen. Eine schöne Analogie zum CrossCulture Programm, wie ich finde. Auch hier entstehen neue "Kreuzungen" und Netzwerke, die den Aufenthalt in Deutschland noch lange überdauern werden."

Institut für Auslandsbeziehungen
CrossCulture Programm

Charlottenplatz 17
70173 Stuttgart
Fax +49.711.2225.195
crossculture(at)ifa.de