In jüngerer Vergangenheit lieferte Victor Cha, der frühere, für das Weiße Haus tätige Chef für asiatische Angelegenheiten, in „Beyond the Final Score“ (2009) einen der wenigen Insiderberichte über Sportdiplomatie und stellte dar, dass Sport wichtig ist, weil er Möglichkeiten für Interventionen bieten und weniger abgehoben sein kann als manche Formen der Diplomatie. Der Bericht des britischen Oberhauses über „Persuasion and Power in the Modern World“ (2014) verwies auf die Notwendigkeit, Taktiken der Hard und Soft Power auszubalancieren, und erkannte dabei die Rolle, die Sport spielen kann.
Es gibt eine Unmenge an bedeutenden Arbeiten, von denen wir lernen können. Sie zeigen, dass Sport wichtig ist, weil er (1) universal attraktiv ist und somit Sprach- und Kulturgrenzen überbrückt; (2) in der Lage ist, Wohlfühlfaktoren zu generieren – wenn auch nur zeitweise; (3) die Gespräche zwischen Ländern fördert, die am Rande von Sportereignissen stattfinden und (4) die Kriminalitäts- und Suizidraten verringern kann.
Sport kann Türen öffnen für Menschen, Communitys und Universitäten, und [...] Ländern dabei helfen, miteinander zu kommunizieren.
Allgemein gesagt, gibt es drei weit gefasste Aussagen zu Sport, Kultur und Außenpolitik: Eine ist nach außen gewandt und besagt, dass Sport zu den größeren Zielen von Kultur-und Außenpolitik beiträgt. Eine ist nach innen gewandt und verweist darauf, wie Sportorganisationen, Agenturen, Klubs und Institutionen ihre eigene interne Kultur- und Außenpolitik durch Sport verwirklichen und aushandeln. Und eine stellt eine Mischung aus beiden dar.
Es ist fantastisch, im Bereich Sport zu arbeiten, weil er so viele Menschen erreicht. Er kann in viele interessante Entdeckungsräume hineinführen. Sport kann Türen öffnen für Menschen, Communitys und Universitäten, und, so behaupte ich, Ländern dabei helfen, miteinander zu kommunizieren. Er ist eine Sprache für sich.
Die Rolle der Kunst ist seit Langem anerkannt und wird in der europäischen Kultur als wertvolles soziales Werkzeug gefeiert. Sport sollte in Bezug auf die europäischen Kulturbeziehungen den gleichen Status erhalten. Er sollte in seiner Bedeutung nicht geringer geschätzt werden als Kunst oder Musik, die in den Debatten und Vorgehensweisen zur europäischen Kultur oftmals bevorzugt werden. Sport kann eine gesellschaftliche, kulturelle und populäre Kraft sein, doch wir müssen mehr darüber wissen, wo und wann und unter welchen Umständen. Die Sprache rund um Sport, Kultur und Außenpolitik ist ein überfüllter Raum. Viel zu überfüllt, wenn Sie mich fragen. Wir hören von Hard Power, Soft Power, Kulturdiplomatie, Kulturbeziehungen, Kulturpolitik, Außenpolitik und Public Diplomacy.
Wir brauchen eine neue Sprache für die Kulturbeziehungen, wenn nicht sogar einen neuen Modus operandi. Kulturbeziehungen wollen, wie der Name schon sagt, eine Beziehung herstellen. Das Medium des Austauschs ist die Kultur. Und geschaffen wird dabei eine Beziehung: etwas, das auf Gegenseitigkeit beruhen sollte, was aber nicht immer der Fall ist. Viel ist geschrieben worden über den Beitrag des Sports zur Hard und Soft Power. Es gibt zunehmend Belege für die Anerkennung der Existenz der Kulturbeziehungen innerhalb dieses „Spektrums der Hard und der Soft Power“, aber innerhalb dieses Kontexts müssen wir verstehen, was funktioniert, welche Hilfsmittel verfügbar sind und wie wir Sport und andere Aspekte der Kultur besser nutzen.
Sport kann eine gesellschaftliche, kulturelle und populäre Kraft sein, doch wir müssen mehr darüber wissen, wo und wann und unter welchen Umständen.
Regierungen können Länder attraktiver machen durch politische Vorgehensweisen, Diplomatie, Verteilung von Ressourcen, inklusive einer Entwicklungshilfe für den Sport und dies können auch nichtstaatliche Institutionen und Vertretungen tun, die unterhalb der formalen Regierungsebene arbeiten. Wenn wir Hard und Soft Power betrachten als das, was ein Land mit dem anderen tut, dann würde ich behaupten, dass wirksame internationale Kulturbeziehungen jedoch weit darüber hinausgehen.