Sechs junge Menschen stehen und sitzen auf einer Dachterrasse und arbeiten an Plakaten, die auf dem Boden liegen.
ifa-Talentstipendiatin Weronika Koston während eines Workshops für junge Menschen aus den deutschen Minderheiten in Polen.

Talente der Zukunft

Junge Menschen engagieren sich für die deutschen Minderheiten

Ob Jugendarbeit, kreative Medien oder nachhaltige Bildungsangebote – drei junge Frauen zeigen, wie sie ihr zivilgesellschaftliches Engagement durch das ifa-Talentstipendium erweitern. Ihre Projekte verbinden Generationen, fördern Sprache und Kultur und bringen Schwung in die Arbeit der deutschen Minderheiten.

Strukturen, die bleiben: Weronika Koston hat schon früh gemerkt, dass engagierte Jugendliche viel bewirken können: Seit ihrer Kindheit bringt die 25-Jährige sich ehrenamtlich in Nachwuchsorganisationen der deutschen Minderheit in Polen ein. Ab 2018 war sie beim Bund der Jugend der Deutschen Minderheit (BJDM) aktiv und übernahm später auch den Vorsitz. 

Je länger sie in der Jugendarbeit aktiv war, desto klarer wurde ihr eine Herausforderung: „Junge Menschen sind zwar oft mit ganzem Einsatz dabei, doch durch neue Lebensphasen, Studium und Umzüge fehlt ihrem Engagement oft die Kontinuität“, stellt sie fest. Oft mangelt es den Institutionen auch am Zugang zu modernen Methoden und Tools, die junge Menschen in ihrer Lebensrealität abholen. Genau hier wollte Weronika ansetzen.

Professionelle Trainings stärken Gemeinschaft in der deutschen Minderheit

Als ifa-Talentstipendiatin wollte Weronika all das, was sie bereits freiwillig leistet, auf ein professionelles Level heben – als Trainerin, Moderatorin und Prozessbegleiterin. "Gute Trainings können Menschen stärken, Strukturen verändern und Gemeinschaft wachsen lassen", findet sie. 

Dafür besuchte sie unterschiedliche Fortbildungsmodule und lernte Tools und Methoden kennen, die professionelle Trainer:innen brauchen. Dazu gehörten zum Beispiel Bottom-Up-Ansätze, um Trainingsbedarfe zu erkennen oder Quizformate und Reflexionsübungen für die Gestaltung interaktiver Workshops. Besonders prägend war für sie der Moment, in dem ihr erster eigener Workshop vor einer realen Gruppe stattfand. Sie merkte, dass die Tools, die sie zuvor gelernt hatte, bei den Teilnehmenden gut ankamen.

Gute Trainings können Menschen stärken, Strukturen verändern und Gemeinschaft wachsen lassen.

Weronika Koston, ifa-Talentstipendiatin
Foto von Weronika Koston, die an einer bunt bemalten Wand lehnt
ifa-Talentstipendiatin Weronika Koston

Mit ihrem neuen Know-how möchte Weronika künftig genau das weitergeben, was sie selbst so wertvoll findet: Motivation, Klarheit, Zusammenarbeit. Für Jugendliche der deutschen Minderheit will sie zukünftig Workshops in Bereichen wie Leadership, Projektmanagement oder Teamarbeit anbieten. Für lokale Institutionen plant sie, Trainings zu Themen wie dem Wissensaustausch zwischen Generationen zu organisieren.

Das ifa-Talentstipendium wird gefördert aus Mitteln der Geschwister-Lechtenberg-Stiftung. Es ermöglicht engagierten Alumni der Stipendienprogramme für deutsche Minderheiten, individuelle Talente auszubauen. Die erworbenen Kenntnisse werden im Anschluss direkt bei den Organisationen der deutschen Minderheiten im östlichen Europa und Zentralasien eingebracht.

Kunst und Sprache für alle Generationen zugänglich machen

Foto von Heidi Vàgyi wie sie die Handflachen nach oben hebt. Darauf schweben jeweils Gegenstände.
ifa-Talentstipendiatin Heidi Vàgyi

Diesen Schritt wagte auch Heidi Vàgyi aus Pécs in Ungarn und nutzt das Stipendium für ein ganz besonderes Talent: Als ifa-Stipendiatin produzierte sie Animationen und Kurzfilme zu deutsch­sprachigen Gedichten, vor allem von Autor:innen der deutschen Minderheit in Ungarn. Die Idee dahinter: Menschen jeden Alters einen neuen Zugang zu Sprache und Kunst zu eröffnen.

 "Die deutsche Sprache verdient mehr Sichtbarkeit, denn immer weniger junge Menschen aus der deutschen Minderheit wachsen in Ungarn zweisprachig auf", sagt Heidi. Für sie steht fest: Kunst – besonders Literatur und Film – verdient mehr Sichtbarkeit. Sie möchte Gedichtfilme und Animationen für unterschiedliche Altersgruppen, in denen die Literatur deutschsprachiger Schriftsteller:innen aus Ungarn zum Leben erweckt werden, produzieren.

Der Umgang mit dem Medium ist für Heidi nichts Neues: Gerade hat sie ihr Filmstudium abgeschlossen. Zuvor arbeitete sie beim deutschen Minderheitenradio und -fernsehen in Ungarn.

Die deutsche Sprache verdient mehr Sichtbarkeit, denn immer weniger junge Menschen aus der deutschen Minderheit wachsen in Ungarn zweisprachig auf.

Heidi Vàgyi, ifa-Talentstipendiatin

"Das Talentstipendium eröffnet neue Perspektiven"

Als sie die Ausschreibung für das Talentstipendium sah, war für sie klar, dass das die Chance ist, ihre Vision weiterzuentwickeln. Mit dem Stipen­dium konnte sie genau die Bereiche vertiefen, die sie für die Umsetzung benötigte: In Budapest belegte sie Kurse in Kalligrafie sowie im Zeichnen und Malen. In Rom tauchte sie in internationale Film- und Fotokurse ein, verbesserte ihre Schnitttechniken und lernte neue Sichtweisen aus aller Welt kennen.

All das will sie nun in ihr Engagement für die deutsche Minderheit in Ungarn einbringen. Mit ihren Gedichtanimationen möchte sie die Litera­tur der Minderheit sichtbarer machen. Ihre Werke sollen über einen geplanten YouTube-Kanal und durch Kooperationen mit Schulen verbreitet werden. 

"Das Talentstipendium eröffnet neue Perspektiven und ermöglicht individuelle Weiterbildung. Das kann echten Schwung in die Arbeit für die deutschen Minderheiten bringen", so Heidi.

Mehrere junge Menschen arbeiten an einem Gestell aus Drähten für eine Videoproduktion
Heidi Vàgyi während ihrer Arbeit an einem Beitrag für Animationen und Kurzfilme in Ungarn.

Jugendliche, die sich engagieren und zum Beispiel Gruppen leiten wollen, brauchen Struktur, Begleitung und gute Schulungsangebote.

Franziska Riemer, ifa-Talentstipendiatin

Diesen Aufschwung spürt auch Franziska Riemer, die seit fast zwölf Jahren in Rumänien lebt und dort für die Evangelische Kirchengemeinde arbeitet, eine Gemeinschaft, die stark von den Siebenbürger Sachsen geprägt ist. Ihr Engagement für die deutsche Minderheit begleitet ihren Alltag: in der Kinder- und Jugendarbeit, in Projekten wie der Kinderspielstadt Bekokten und in ihrem Unterricht. 

"Jugendliche, die sich engagieren und zum Beispiel Gruppen leiten wollen, brauchen Struktur, Begleitung und gute Schulungsangebote", sagt Franziska. Deshalb möchte sie Methoden etablieren, die Jugendarbeit professioneller, nachhaltiger und zukunftsfähiger machen.

Franziska Riemer mit einer Handpuppe
ifa-Talentstipendiatin Franziska Riemer im Rahmen ihrer Arbeit für die Evangelische Kirchengemeinde in Rumänien.

Das Talentstipendium als Entwicklungschance

Das Talentstipendium war für sie eine Chance, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Für ihr Stipendium hat sie sich ein vielfältiges Fortbildungsprogramm zusammengestellt: Sie hospitierte bei der Kinderspielstadt „Stutengarten“ in Stuttgart, besuchte eine umfangreiche Methoden-Weiterbildung, nahm regelmäßig Coaching-Sessions wahr und plante ein Seminar zu Gruppendynamik und Teambuilding. So kombiniert sie praktische Einblicke mit theoretischem Wissen und reflektiert dabei auch ihre eigene Rolle und Herangehensweise in der Arbeit mit jungen Menschen.

Auch für Franziska ist das Talentstipendium ein echtes Entwicklungsprogramm: Es erweitert Perspektiven, verbindet Menschen und gibt Energie für neue Projekte. "Ich empfehle es allen, die ihr Engagement für die Gemeinschaft vertiefen und professioneller gestalten möchten."