Der Wandel der Witzfigur zum Autokraten



Der hip klingende Name, den die Mainstreamintelligenz der Retrolust an der Totalität schließlich verpasste, lautet "Populismus". Der Begriff, so die türkische Autorin, verschleiert die rechten ideologischen Inhalte der betreffenden Bewegungen und umgeht zugleich die beunruhigende Frage nach der dubiosen Sehnsucht des Ich, zu einem Wir zu verschmelzen. "Populismus" zeichnet ein Porträt der Verrückten, die als Zerrbilder charismatischer Führerfiguren die Massen mobilisieren.

Porträtaufnahme der Journalistin Ece Temelkuran
Ece Temelkuran; Foto: Sedad Suna

Selbst wenn Trump oder Erdoğan morgen gestürzt würden oder Nigel Farage nie zum Meinungsführer aufgestiegen wäre, gäbe es die Millionen aufgehetzter Menschen weiterhin, und sie wären auch weiterhin bereit, den Befehlen ähnlicher Gestalten Folge zu leisten. Wir Türken haben die schreckliche Erfahrung gemacht, dass man den Anhängern solcher Leute auch im Privatleben nicht einmal dann entkommt, wenn man sich bewusst aus allem Politischen heraushält. Mit ihren eigenen Werten bewaffnet warten sie nur darauf, jeden zur Strecke zu bringen, der anders ist als sie. Man sollte besser früher als später akzeptieren, dass es sich dabei nicht nur um etwas handelt, was der Gesellschaft von den oft absurd anmutenden politischen Führerfiguren oder den digitalen Geheimoperationen des Kremls aufgezwungen wird, sondern dass das Ganze auch aus der Basis erwächst und sich die derzeitige Malaise nicht auf die Führungsetagen der Macht in Washington oder Westminster beschränken wird. Die haarsträubenden moralischen Vorstellungen der hohen Politik sickern bis ins kleinste Dorf und sogar bis in die bewachten Wohnsiedlungen hinein. So entsteht ein neuer Zeitgeist, ein historischer Trend, der die Banalität des Bösen in das Böse der Banalität verwandelt. Mag das Phänomen in jedem Land eine andere Gestalt annehmen – seine Auswirkungen betreffen uns alle.

"Wie können wir Ihnen helfen?" Die Frau im Publikum faltet emphatisch die Hände, während sie mir die Frage stellt. Ihre ratlose Miene signalisiert eine Mischung aus Mitleid und echter Sorge. Nur zwei Monate nach dem fehlgeschlagenen Putsch sitze ich im September 2016 anlässlich einer Lesung aus meinem Buch "Euphorie und Wehmut – Die Türkei auf der Suche nach sich selbst" in London auf einem hell erleuchteten Podium und versuche insgeheim herauszufinden, was alles in der Frage steckt. Offensichtlich bin ich in den Augen dieser Frau ein bedürftiges Opfer, und offensichtlich hat sie großes Vertrauen in die Immunität ihres Landes gegen die politische Misere, die mein Land ruiniert hat. Vor allem aber ist sie trotz des Brexit-Votums fest davon überzeugt, Großbritannien könnte noch immer irgendwem helfen. Ihre fehlende Einsicht in die Tatsache, dass wir alle im gleichen politischen Irrsinn versinken, provoziert mich. Erst nach mehreren Sekunden gelingt es mir, alle diese Gedanken in eine nicht übermäßig aggressive Antwort zu packen. "Jetzt fühle ich mich wie ein Pandababy, das auf einen Internetpaten wartet."

Weil zu diesem Zeitpunkt noch viele glauben, Donald Trump könne die Präsidentenwahl unmöglich gewinnen, weil so mancher noch allen Ernstes hofft, das Brexit-Referendum werde schon nicht zu einem tatsächlichen EU-Austritt führen, und weil die Mehrheit der Europäer die neuen Wortführer des Hasses als eine vorübergehende Erscheinung betrachtet, entlockt mein zynischer Scherz den Zuschauern nicht einmal ein Lächeln. Nachdem der Rubikon überschritten ist, wage ich mich noch ein Stück weiter vor und sage: "Ob Sie es glauben oder nicht – das, was in der Türkei passiert ist, blüht Ihnen erst noch. Dieser politische Irrsinn ist ein globales Phänomen. Und deshalb gebe ich die Frage an Sie zurück: Wie kann ich Ihnen helfen?"

Damals beschloss ich, die politischen und sozialen Ähnlichkeiten diverser Länder zusammenzufassen, um das allen gemeinsame Muster des erstarkenden Rechtspopulismus sichtbar zu machen, und zwar mit Hilfe von Geschichten. Denn durch Geschichten lassen sich meiner Ansicht nach nicht nur menschliche Erfahrungen am besten vermitteln, sondern auch Krankheiten der menschlichen Seele am besten bekämpfen. Die Verwandlung des Populisten-Führers von einer Witzfigur in einen furchteinflößenden Autokraten vollzieht sich meiner Erkenntnis nach in Schritten, mit denen er die gesamte Gesellschaft seines Landes von Grund auf korrumpiert. Diese Schritte sind für jeden Möchtegern-Diktator leicht durchzuführen und werden aus diesem Grund von den Andersdenkenden ebenso leicht übersehen, wenn sie die Anzeichen nicht zu erkennen lernen. Die Beschäftigung mit den spezifischen Umständen der einzelnen Länder würde mehr Zeit erfordern, als wir uns leisten können; es gilt ein auf alle zutreffendes Muster zu beschreiben und herauszufinden, wie es gemeinsam zu durchbrechen wäre. Das gelingt nur, indem man die Erfahrungen der Länder, die dem Irrsinn bereits ausgesetzt sind, mit den Erfahrungen westlicher Länder verbindet, die ihm derzeit noch widerstehen. Jetzt ist Zusammenarbeit gefragt – und damit ein weltumspannendes Gespräch.

Es ist Mai 2017. Erst in London, dann in Warschau spreche ich über mein Buch "Euphorie und Wehmut" und berichte einer sehr heterogenen Zuhörerschaft, wie das wahre Volk von meinem Land Besitz ergriffen und den Rest, das angeblich nicht wahre Volk, in den politischen und sozialen Würgegriff genommen hat. Die Leute nicken besorgt und immer lautet ihre erste Frage: "Woher kommt eigentlich dieses wahre Volk?" Sie kennen den Begriff, weil das politisierte und mobilisierte Ressentiment der Provinz seinen großen Auftritt auf der Weltbühne in unterschiedlichen Ländern mit der im Grunde immer gleichen Behauptung eingeläutet hat: "Wir sind eine Bewegung, eine neue Bewegung des wahren Volkes jenseits von und über allen politischen Lagern." Jetzt möchten viele wissen, wer dieses wahre Volk ist und warum es diese Bewegung in die hohe Politik geschafft hat.

Sie sprechen darüber wie von einer Naturkatastrophe, die ja auch erst nach ihrem plötzlichen Ausbruch berechenbar wird. Damit erinnern sie mich an die Leute, die sich jeden Sommer aufs Neue über die Hitzewelle in Skandinavien wundern und erst dann wieder an die im Winter zuvor gelesenen Berichte über den Klimawandel denken. Ich erkläre ihnen, dass uns dieses "neue" Phänomen schon seit geraumer Zeit begleitet.

Im Juli 2017 brach ein gigantischer Eisbrocken von der Antarktis ab. Tagelang zeigten die Nachrichtensender das träge dahintreibende schneeweiße Ungetüm, majestätisches Flaggschiff unseres Zeitalters, das uns in seiner knarzenden Eissprache aus den Bildschirmen der Welt entgegenraunte: "Die Zeit der Spaltung ist gekommen. Alles Festgefügte bricht weg, alles zerfällt." Die Geschichte unserer Gegenwart wurde damals nicht von einem Gespenst, sondern von einem massiven Monstrum erzählt, und sie handelte davon, dass auf dem gesamten Planeten vom Größten bis zum Kleinsten nichts so bleiben würde, wie es war. Die Vereinten Nationen, diese riesige machtlose Institution zur Erhaltung des Weltfriedens, bröckelten bereits, und die kleinste Einheit, die menschliche Seele, durchläuft einen beispiellosen Zersetzungsprozess. Ein und dieselbe Sekunde birgt ganze Jahrhunderte in sich: Die wenigen Reichen schaffen sich unverseuchte Lebensräume, um ihr Dasein zu verlängern, während gleichzeitig im Jemen zehntausende Kinder an Cholera sterben, einer Krankheit aus der Zeit vor dem 20. Jahrhundert.

Leise schrie der Eisberg: "Die Mitte hält nicht stand." Die an den unterschiedlichsten Orten entstandenen fortschrittlichen Bewegungen – von den Protesten anlässlich der WTO-Konferenz in Seattle 1999 bis hin zu den Unruhen auf dem Tahrir-Platz in Kairo 2011 – waren eine Reaktion auf die gegenwärtige Zeit der Zersplitterung. In einer Welt, in der immer mehr Menschen reden, aber immer weniger gehört werden, wollten sie der restlichen Menschheit mit körperlichem Einsatz beweisen, dass wir uns ungeachtet aller Differenzen zusammenschließen können und müssen, um dem Zerfallsprozess gemeinsam entgegenzutreten und zu verhindern, dass alles auseinanderbricht. Sie klagten Würde und Gerechtigkeit ein und forderten die Welt auf, sich bewusst zu machen, dass der globale Lauf der Dinge nur durch eine Gegenbewegung umgekehrt werden kann. Sie zeigten, dass Rückzug nicht die einzige mögliche Reaktion auf den globalen Hoffnungsverlust ist. Angesichts der Spaltungstendenzen schufen sie neue, mutmachende Modelle eines zeitlich begrenzten, losen Zusammenschlusses von Menschen auf öffentlichen Plätzen nach dem Motto "Vereint halten wir die Mitte!"

Leise schrie der Eisberg

Nach und nach wurden jedoch viele dieser Bewegungen niedergeschlagen, marginalisiert oder vom bestehenden politischen System geschluckt und konnten ihre Ziele aus diversen, durchaus verständlichen Gründen nicht erreichen – noch nicht. Doch immerhin wurden sie deutlich gehört, als sie der Welt verkündeten, dass sich die repräsentative Demokratie (von den Finanzinstitutionen missbraucht und sozialer Gerechtigkeit beraubt) in ihrer größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg befinde. Heute erleben wir die Reaktion vieler ganz anderer Menschen auf ganz ähnliche Ängste. Diese Menschen haben einen begrenzteren Wortschatz, kleinere Träume für die Welt und weniger Zutrauen in das gemeinsame Überleben aller. Auch sie behaupten, den Status quo verändern zu wollen – allerdings in Richtung einer Welt, in der sie zu den wenigen Glücklichen gehören werden, die sich unter der Führung eines starken Mannes behaupten. Nicht zufällig ist "Mauer", ob im wörtlichen oder übertragenen Sinn, zum Schlagwort erstarkender rechtspopulistischer Bewegungen geworden. "Ja, die Welt spaltet sich", heißt es, "und wir, das Volk, werden uns einen Platz auf der Sonnenseite der Trennmauer verschaffen." Es geht ihnen nicht darum, danebenzustehen und zuzusehen, wie Babys im Mittelmeer sterben, sondern sie selbst wollen nicht ebenfalls sterben. Der Schrei, der aus der Provinz in die Großstädte hallt, ist der Hilferuf von Menschen, die aus Angst, im stetig ansteigenden Meer des Zerfalls zu ertrinken, ihr Interesse am Überleben anderer hintanstellen und sich lieber rücksichtslos bewegen.

Im Gegensatz zu politischen Parteien, die innerhalb der Wirklichkeit agieren und das Spiel spielen, ohne sich zu bewegen, verheißen politische Bewegungen immer eine Veränderung vom Realen zum Möglichen. In Ländern von der Türkei bis zu den USA, darunter hoch entwickelte Staaten mit scheinbar starken demokratischen Institutionen wie Frankreich, Großbritannien und Deutschland, scharen sich Menschen hinter dreisten, skrupellosen Populisten, um sich gemeinsam zu bewegen und die von ihnen als Establishment bezeichnete Wirklichkeit, also das Spiel selbst, anzugreifen, das sie als dysfunktional und korrupt empfinden. Die Volksbewegung verkörpert den neuen Zeitgeist; sie verspricht, den mit Brackwasser gefüllten Sumpf auszutrocknen, zu dem die Politik angeblich verkommen ist, und den Menschen auf diese Weise ihre Würde zurückzugeben. Mit anderen Worten: Les invisibles, die Massen, denen lange unterstellt wurde, sie interessierten sich nicht für Politik und Weltgeschehen, entziehen dem derzeitigen repräsentativen System weltweit ihr vermeintliches Einverständnis. Und das klingt so, als würde ein Eisbrocken von der Antarktis abbrechen. Weil das fragile Ich natürlich überfordert ist, wenn es den Lauf der Ereignisse ändern soll, erlebt das Wir ein Comeback in Politik und Ethik. Dieses Comeback ist der Kern des globalen Phänomens, das wir gerade erleben. Das Wir will das Festland der politischen Sprache verlassen, will sie demontieren und eine neue Sprache für das Volk erschaffen. Wer wissen möchte, wer das Volk ist, muss nach dem Wir fragen. Warum will ich nicht mehr ich, sondern nur noch wir sein? Schon in seinem Erstlingswerk „So werden Sie erfolgreich“ erwähnt Donald Trump die "wahrheitsgemäße Übertreibung", die ihn später ins Weiße Haus bringen sollte. Bestimmt war er stolz darauf, gezeigt zu haben, dass man amerikanischer Präsident werden kann, ohne ein einziges anderes Buch als das eigene gelesen zu haben. Trump kannte eben eine einfache Wahrheit über den Menschen, die von den meisten ignoriert wird: Trotz des seit Jahrzehnten gepriesenen Individualismus braucht der Durchschnittsmensch auch heute noch einen Hirten, der ihn zur Größe führt. Trump wusste, wie demütigend und enttäuschend das Gefühl ist, nur Mittelmaß zu sein in einer Welt, in der man angeblich sein kann, was immer man sein will.

Außerdem war ihm klar, dass der Aufruf zum Zerreißen der imaginären Ketten, die das Volk angeblich am Erreichen seiner wahren Größe hindern, bei seinen Unterstützern in jedem Fall Anklang finden würde, ganz egal, wie absurd er sich für die anhören mochte, die tatsächlich werden können, was sie wollen. "Es liegt nicht an euch", erklärte er. "Sie hindern uns daran, groß zu sein." Er gab den Leuten ein ordentliches Hassobjekt, und sie gaben ihm ihre Stimmen. Und sobald er im Namen des Wir sprach – was im Lauf der Geschichte schon oft geschah – , war man bereit, sich für ihn aufzuopfern. Die Amerikaner wissen ja, dass sich mit den Worten "Wir, das Volk", wie sie in ihrer Verfassung stehen, ein neues Land aufbauen und ganze Imperien in die Knie zwingen lassen. Und nicht einmal die auf ihre Gefühlsarmut so stolzen Briten sind immun gegen den Reiz des Wir.

"Wir haben gegen die multinationalen Konzerne, die großen Handelsbanken, die große Politik, haben gegen Lügen, Korruption und Betrug gekämpft … [Dies ist] ein Sieg des Volkes, ein Sieg der ganz normalen Leute, ein Sieg der Anständigen." Das Zitat klingt zwar wie ein Ausschnitt aus der Antrittsrede, die Salvador Allende, der marxistische Präsident Chiles, nach seinem Wahlsieg 1970 hielt, stammt jedoch von Nigel Farage, dem früheren UKIP-Vorsitzenden (UK Independence Party, dt. Partei für die Unabhängigkeit des Vereinigten Königreichs), und, nebenbei bemerkt, selbst ehemaligen Banker, der diese Worte im Juni 2016 nach dem Brexit-Referendum äußerte und dabei ebenfalls den uralten Trick anwendete, in "Volkes" Namen zu sprechen.

Allerdings fragten sich am selben Tag viele weltoffene Londoner, die Farage aus seinem flammenden Narrativ stillschweigend ausgeschlossen hatte, wer denn dieses Volk sei und warum es einen solchen Groll gegen die Großstädte und die Gebildeten hege.

Die Älteren unter ihnen hörten da bereits ein erstes Echo aus früheren Jahrzehnten. Nach der fürchterlichen Erfahrung des Zweiten Weltkriegs rechnete kaum noch jemand damit, dass es die Massen je wieder danach gelüsten würde, zu einer Einheit zu verschmelzen. Nur allzu gern glaubte man, mit der Freiheit zu kaufen, zu lieben und zu glauben, wen oder was man will, wären sie vollauf zufrieden. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang wurde das Wort Ich sowohl von der dauergrinsenden Marktwirtschaft und ihren Anhängern als auch vom herrschenden politischen Diskurs und der Mainstreamkultur propagiert.

Jetzt aber ist das Wir zurückgekehrt, der eigentliche Kern der Bewegung, der ihr den revolutionären Anstrich verleiht, und auf dieses plötzliche Wiedererwachen waren viele nicht vorbereitet. Die Stimme des Wir erhob sich so unerwartet und laut, dass besorgte Kritiker nur mit Mühe zeitgemäße politische Begriffe fanden, mit denen sich das Phänomen beschreiben oder bekämpfen lässt.

Hektisch sammelte der kritische Mainstream historische Munition, die jedoch ungünstigerweise größtenteils aus der Nazizeit stammte. "Faschismus" klang überholt und sogar kindisch, und "Autoritarismus" oder "Totalitarismus" waren zu mausgrau für dieses Technicolormonster in einer neoliberalen Welt. Dafür wurden in den letzten Jahren hastig Selbsthilfebücher mit Orwell-Zitaten verfasst, und Hannah Arendts Buch "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft" steht nach 68-jähriger Pause plötzlich wieder auf den Bestsellerlisten. Der hip klingende Name, den die Mainstreamintelligenz der Retrolust an der Totalität schließlich verpasste, lautet "Populismus".

Der Begriff "Populismus" passt gut zur heutigen Zeit. Er verschleiert die rechten ideologischen Inhalte der betreffenden Bewegungen und umgeht zugleich die beunruhigende Frage nach der dubiosen Sehnsucht des Ich, zu einem Wir zu verschmelzen, zeichnet ein meisterhaftes Porträt der Verrückten, die als Zerrbilder charismatischer Führerfiguren die Massen mobilisieren, und disqualifiziert die Massen selbstbewusst als getäuschte, ungebildete Menschen.

Seltsame Frucht

Außerdem ignoriert er die Vorgeschichte, die verraten könnte, wie es zu dem Schlamassel kam. Ganz zu schweigen von dem Problem, dass sich die Populisten selbst nicht als solche bezeichnen. In einer angeblich postideologischen Welt erheben sie den Anspruch, jenseits von Politik und über allen politischen Institutionen zu stehen. Auch die politische Theorie ist für den neuen Kampf noch nicht gerüstet.

Eine Schwierigkeit besteht darin, dass die Kritiker des Phänomens im "Populismus" die seltsame Frucht der aktuellen demokratischen Praxis erkannten. Bei näherer Betrachtung stellte sich nämlich schnell heraus, dass diese Wunde nicht urplötzlich am Staatskörper aufgetaucht war, sondern dass es sich dabei um das mutierte Kind einer verkrüppelten repräsentativen Demokratie handelte. Obendrein entstand dank rechter Spindoctors ein neues ontologisches Problem. Akademiker, Journalisten und Bildungsbürger fanden sich im Lager der Feinde des Volkes und als Teil des korrupten Establishments wieder und erlebten, dass ihre Kritik an diesem politischen Phänomen und sogar ihre sorgsam formulierten Kommentare darüber vom Volk und den Strategen der Bewegung als repressiv bezeichnet wurden. Der Umgang mit ihrem neuen Status als "repressive Elite", wenn nicht gar als "Faschisten", fiel ihnen schwer – hatte doch mancher von ihnen sein Leben der Emanzipation eben dieser Menschen gewidmet, die jetzt nur mehr Verachtung für sie empfanden. Zu ihnen zählte auch meine Großmutter.

"Bezeichnen die mich jetzt als Faschistin, Ece?" Das fragte mich meine Großmutter, Angehörige der ersten Lehrergeneration in der jungen türkischen Republik, eine überzeugte Säkulare, die viele Jahre lang Kindern auf dem Land Lesen und Schreiben beigebracht hatte, als wir eines Abends im Jahr 2005 eine Fernsehdebatte mit AKP-Strategen verfolgten. "Die haben doch gerade etwas von Faschisten gesagt, oder?"

Noch ehe ich ihr die Besonderheiten der neuen politischen Narrative erklären konnte, rief sie: "Was soll das heißen, repressive Elite? Ich bin nicht elitär. Ich habe gehungert und gelitten als Dorflehrerin in den fünfziger Jahren!" Sie hatte die eben noch abwehrend vor der Brust verschränkten Arme in die Luft gereckt und verkündete mit erhobenem Zeigefinger, fast, als stünde sie vor einer Schulklasse: "Gleich morgen gehe ich in die nächste Geschäftsstelle der Partei und sage denen, dass ich genauso zum Volk gehöre wie sie." Was sie auch wirklich tat – nur um fassungslos zurückzukehren und sich auf ihren müden 80-jährigen Beinen zum Bett zu schleppen, weil sie so fertig war, dass sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben mitten am Tag hinlegen musste. "Die sind so anders, Ece. Die sind so …", war das Einzige, was ich ihr entlocken konnte. Trotz ihrer großen Eloquenz fiel ihr kein treffendes Adjektiv ein.

Die Szene kam mir wieder in den Sinn, als ich 2017 in Harvard einen Vortrag hielt und mich hinterher eine Amerikanerin, schätzungsweise Mitte 70, zögernd ansprach. Da sie offenbar zu den Menschen gehörte, die andere nur sehr ungern mit ihren persönlichen Angelegenheiten behelligen, erzählte sie mir eine Kurzversion ihrer Lebensgeschichte. Sie hatte in den 1960er Jahren als Angehörige des Peace Corps den Kindern eines abgelegenen türkischen Dorfs Englisch beigebracht, war danach eine sehr engagierte Highschoollehrerin in den USA gewesen und absolvierte nun im Ruhestand ein Seniorenstudium in Harvard. Dass sie – in ihrem Fall von Trump-Wählern – als Angehörige der "repressiven Elite" bezeichnet wurde, machte sie ebenso fassungslos wie Jahre zuvor meine Großmutter. "Ich versuche Respekt zu haben", sagte sie und beklagte, dass Respekt in Europa "Mangelware" sei. Sie behauptete, nur Respekt könne Europa retten.

Erdoğan wiederum überschüttete die türkische Politik mit Unmengen von "Respekt", nachdem er 2002 an die Macht gelangt war, und demonstrierte den Türken wiederholt, dass Respekt nicht mehr verdient werden musste, sondern uneingeschränkt eingefordert werden konnte. Kam der Verdacht von Wahlfälschung auf, mahnte er ebenso Respekt für "mein Volk und seinen Willen" an, wie er ihn für Gerichtsurteile beanspruchte, die seine Gegner ins Gefängnis brachten. Als das Verfassungsgericht entschied, inhaftierte Journalisten freizulassen, die ihn kritisiert hatten, hieß es dagegen: "Ich respektiere dieses Urteil nicht und werde mich nicht daran halten." Wie für Orbán ist Respekt auch für Erdoğan eine Einbahnstraße; er wird nur entgegengenommen, nie entgegengebracht.

"Im Grunde will Putin Respekt", schrieb die Russlandexpertin Fiona Hill, heute nationale Sicherheitsbeauftragte der US-Regierung, in einem Beitrag, der Februar 2015 auf der Website der Brookings Institution erschien. "Und zwar Respekt im altmodischen, knallharten Sinn."

"Du kommst zu mir und sagst: 'Verschaff mir Gerechtigkeit!' Aber du zeigst mir keinen Respekt." Dieses Zitat stammt nicht von einem weiteren respektbesessenen Politiker, sondern von Don Corleone in der Eingangsszene des Films "Der Pate". Man kommt da leicht durcheinander, denn der globale Kreislauf gegenseitiger Respektbekundungen (Geert Wilders respektiert Farage, Farage respektiert Trump, Trump respektiert Putin, und dann geht alles von vorn los – so ähnlich, wie sich einst Hitler und Stalin ihres jeweiligen Respekts versicherten) gleicht heutzutage einem nationenübergreifenden Gespräch zwischen Mafiosi.

Bei den Ausmaßen, die das aus Respekt gewobene Netz zwischen autoritären Anführern mittlerweile angenommen hat, könnte man glatt vergessen, wie klein die ganze Farce begann, nämlich mit einer scheinbar harmlosen Bitte. Die "gewöhnlichen" Leute verwandelten sich in das Volk, indem sie um ein bisschen Political Correctness ersuchten: "Haben wir keinen Respekt verdient?"

Doch wenn Respekt zur politischen Ware wird, hat das weitreichende Folgen. Sobald das Volk eine politische Bewegung bildet, lautet die anfängliche – rhetorische – Frage: "Zählen denn unsere Überzeugungen, unsere Lebensweise, unsere Entscheidungen gar nicht?" Da die Antwort keinesfalls Nein lauten darf, können die Anführer der Bewegung als respektable, gleichwertige Teilnehmer am politischen Diskurs in die Öffentlichkeit und auf die politische Bühne treten. Als nächstes Schlagwort folgt Toleranz – Toleranz gegenüber Unterschieden. Dann werfen die Meinungsmacher, nachdem sie bemerkt haben, dass die öffentliche Polarisierung zu sozialen Spannungen führt, den Begriff sozialer Friede in die Debatte – einen Begriff, der so vernünftig und beruhigend klingt, dass sich niemand dagegen aussprechen will. Mit zunehmendem Erfolg der Bewegung gehen Respekt und Toleranz in den Besitz ihrer Mitglieder über, sodass nur noch sie anderen beides zugestehen können. Gleichzeitig reizt der Anführer die Waffenruhe des "sozialen Friedens" voll aus, indem er bei jedem neuen von ihm (oder ihr) provozierten Streit Toleranz und Respekt einfordert.

Allerdings wird der Respekt irgendwann zur Mangelware. In der Türkei erfolgte der unmerkliche Umschwung in der Wahlnacht 2007, als die AKP-Regierung bestätigt worden war. Damals sagte Erdoğan noch: "Auch wer uns nicht gewählt hat, gehört zur Türkei", was für viele politische Journalisten klang, als wollte ein mitfühlender Vater alle unter seine Fittiche nehmen, um den sozialen Frieden zu wahren. Dann begann Erdoğan allerdings, wie ein Mafiaboss zu reden. Er stellte die Forderung nach Respekt ein und legte die Messlatte höher, indem er von europäischen Spitzenpolitikern bis hin zu Kleinstadthonoratioren so ziemlich alle ermahnte, jeder müsse wissen, "wo sein Platz ist".

Als diese Warnung nicht mehr genügte, kamen die Drohungen. Während einer diplomatischen Auseinandersetzung mit Deutschland und den Niederlanden, in der es um das Verbot von Auftritten türkischer Politiker ging, die für das Verfassungsreferendum und damit für erweiterte Machtbefugnisse des türkischen Präsidenten werben wollten, sagte Erdoğan am 11. März 2017: "Wenn Europa so weitermacht, wird sich bald kein einziger Europäer mehr in irgendeinem Land der Welt sicher auf der Straße bewegen können." Mit seiner gegen einen ganzen Kontinent gerichteten Drohung war er zum grausamen Michael Corleone aus dem Film "Der Pate II" geworden.

Selbst in Ländern, die erst seit Kurzem ähnliche soziale und politische Prozesse erleben, wird der geschilderte Ereignisablauf bereits als stereotyp empfunden. Die Erkenntnis, dass die Logik der gegenwärtigen Identitätspolitik diese Prozesse fördert, ist jedoch relativ neu und wird kaum erörtert. Im 21. Jahrhundert ist es für rechtspopulistische Formationen sehr viel leichter geworden, Respekt einzufordern, weil sie sich in die schusssichere politische Membran einer kulturellen und politischen Identität hüllen und von einer politischen Korrektheit profitieren, die kritische Kommentatoren entwaffnet. Außerdem lässt sich mit einem unangreifbaren Identitätsnarrativ der Spieß wunderbar umdrehen, denn nun ist die Lampe des Vernehmers auf die Kritiker der Bewegung gerichtet statt auf die Bewegung selbst, und die Kritiker fragen sich: "Bringen wir ihnen womöglich nicht genug Respekt entgegen und sind sie deshalb so wütend?" Während die Opposition um einen Ausgleich bemüht ist, beginnt die Bewegung bohrende Fragen zu stellen: "Seid ihr sicher, dass ihr uns nicht aus schierer Arroganz einschüchtert? Seid ihr sicher, dass das keine Diskriminierung ist?"

Wir wissen alle, was passiert, wenn selbstzweiflerischer Intellekt auf rücksichtslose, offen zutage liegende Ignoranz trifft. Wer an das Offensichtliche glaubt, für den ist das Grundbedürfnis des Hinterfragens nichts anderes als das Fehlen einer Antwort, und peinliches Schweigen angesichts dreister Schamlosigkeit versteht er als stumme Bewunderung. Dann setzt sich die politisierte Dummheit stolz an den Tisch zu den Mitgliedern des gesamten politischen Spektrums, versucht, die anderen unter ausgiebigem Ellenbogeneinsatz zu dominieren, und fragt immer wieder: "War dein Arm wirklich da, wo er hingehört?" Und die Opposition muss sich bis zur Unkenntlichkeit verbiegen, um die neuen Regeln zu befolgen und am Tisch sitzen bleiben zu dürfen.

"Wir empfinden wachsendes Unbehagen, wenn Menschen unsere Freiheit missbrauchen, um hier alles kaputtzumachen." Das sind die Worte eines niederländischen Politikers, aber nicht die des berüchtigten Ausländerhassers Geert Wilders. Das Zitat stammt von seinem politischen Gegner Mark Rutte, dem Ministerpräsidenten der Niederlande und Vorsitzenden der mitte-rechts angesiedelten liberalen Partei VVD, und ist seinem am 23. Januar 2017 veröffentlichten Brief "An alle Niederländer" entnommen. Obwohl sich der Aufruf scheinbar an alle richtete, die "unsere Freiheit missbrauchen", zielte er in Wahrheit auf die Einwanderer. Ruttes Widerstand gegen den Rechtspopulismus wurde völlig verdreht, weil er sich gezwungen sah, die Sorgen des Volkes, der ganz normalen, anständigen Leute demonstrativ zu teilen. Offenbar hatte er das Gefühl, Entgegenkommen zeigen zu müssen, um weiterhin am Kopf der politischen Tafel sitzen zu dürfen. Demselben Mann jubelten zwei Monate später die niederländischen Liberalen zu, weil er Wilders in der Wahl geschlagen hatte. Wenn auch widerwillig, akzeptierten viele niederländische Wähler die neue Realität, in der das geringste Übel die einzige Wahl ist, die man noch hat. Das künstlich erzeugte Wir ist mittlerweile stark genug, um nicht nur die Anhänger der Bewegung zu mobilisieren und zu beflügeln, indem es ihnen das Gefühl gibt, endlich wieder Teil eines großen Ganzen zu sein, sondern auch um den übrigen Politikbetrieb zu beeinflussen, indem es so lange an der Opposition herumzerrt, bis sie sich unwiderruflich verändert hat. Das Wir erschafft eine neue Normalität, die alle dem Irrsinn näherbringt.

Normale, anständige Leute

"Wir sind auch Muslime!" So lauteten die üblichen Eingangsworte sozialdemokratischer Teilnehmer an Fernsehdebatten in den ersten Jahren nach der Regierungsübernahme der AKP in der Türkei. So, wie man zum Wir gehörte – zum Volk, zu den "normalen, anständigen Leuten" – , wenn man in Großbritannien den Brexit befürwortete oder in den Niederlanden ein bisschen Rassismus akzeptierte, galt man in der Türkei als zugehörig, wenn man ein konservativer sunnitischer Muslim aus der Provinz war. Kaum hatten die ursprünglichen Besitzer des Wir die Parameter festgelegt, beteuerte jeder, ebenfalls zu beten – wenn auch im Privaten, ganz für sich. Schon bald kursierten in der öffentlichen Debatte für die meisten bis dato völlig unbekannte arabische Wörter, und Sozialdemokraten konkurrierten trotz ihres begrenzten religiösen Wissens mit den "wahren Muslimen". Die AKP-Strategen setzten eiligst neue religiöse Konzepte in Umlauf und brachten ihre Kritiker ständig mit unvermuteten Fragen nach irgendwelchen alten Schriften in Bedrängnis.

Fragt sich, was passiert, wenn man alle diese Tests besteht und sich als ebenso "wahr" erweist wie die Fragesteller. Ich selbst durfte das einmal erleben. Nachdem ich mich 2013 während der Arbeit an meinem Roman "Was nützt mir die Revolution, wenn ich nicht tanzen kann" mehr als ein Jahr lang mit dem Koran beschäftigt hatte, war ich auf alle Fragen vorbereitet. Als der Roman erschien, wurde ich zu einer Talkshow mit einer Parteistrategin der AKP als weiterem Gast eingeladen, einer Dame mit Kopftuch – die klassische Fernsehfarce, bei der es möglichst zum Zickenkrieg zwischen einer säkularen und einer religiösen Frau kommen soll.

Nachdem ich die Sure, aus der der Titel meines Romans stammte, auf Arabisch zitiert hatte und auf die Fragen eingegangen war, die mir die Frau über den Koran stellte, sagte sie mit gönnerhaftem Lächeln: "Gut gemacht!" und wies mich damit höflich darauf hin, dass ich in der Kunst, die sie meisterhaft beherrschte und gewissermaßen als ihr Eigentum betrachtete, bestenfalls als Lehrling gelten konnte. Leute wie ich, daran ließ sie keinen Zweifel, waren höchstens am äußersten Rand des Volkes anzusiedeln. Wir würden immer der verachteten Elite angehören – und wenn wir uns auf den Kopf stellten.

Jeder Aufenthalt in einem der vom Volk frequentierten Pubs des Nigel Farage, jede Teilnahme an einer Grillparty von Trump-Anhängern würde unweigerlich mit einem ähnlich gönnerhaften Lächeln und zusätzlich vielleicht mit einem demütigenden Klaps auf die Schulter enden: "Wird schon noch, Kleine!"

Es ist ein interessanter, aber nur selten erwähnter Aspekt dieses Prozesses, dass die enttäuschten, zynisch gewordenen Bürger, die der Bewegung eigentlich kritisch gegenüberstehen, angesichts der durcheinandergeratenen Sitzordnung klammheimliche Freude empfinden und sich über die schockierten Mienen des Establishments amüsieren. Sie wissen, dass die starke Unzufriedenheit der vernachlässigten Massen irgendwann zu einer ebenso starken politischen Reaktion führen wird, und trauen es der Bewegung zu, eines Tages als das lang ersehnte Korrektiv der herrschenden Ungerechtigkeit zu wirken – bis ihnen ihr Irrtum klar wird. "[…] daß der Liquidator nicht ganz im Unrecht sei, [dies] ist der geheime Glaube der Epoche Kafkas und Hitlers […]" schrieb der Germanist J. P. Stern vor vielen Jahrzehnten.

Das grenzenlose Selbstbewusstsein der Bewegung ist demnach nicht ausschließlich eigenes Verdienst; auch die Unschlüssigen und so mancher Gegner steigern deren Selbstvertrauen durch die eigenen Bedenken. Was, bitte schön, ist falsch daran, auf die Korruptheit des Establishments hinzuweisen? Indem sie ihre ideologischen Ziele vage formuliert und den Ton moderat hält, verführt die Bewegung mit der Möglichkeit, die diversen Ideale oder Enttäuschungen bei ihr unterzubringen. Was, bitte schön, ist falsch daran, ein anständiger Mensch zu sein und zum Volk zu gehören?

Das unscharfe Narrativ und das allumfassende Wir ermöglichen es dem Anführer der Bewegung, zuvor undenkbare widersprüchliche Allianzen mit rechten wie mit linken politischen Kräften zu schmieden.

Aufgrund der ideologischen Formlosigkeit der Bewegung erhält er außerdem finanzielle Mittel aus den extremen Bereichen des sozialen Spektrums, also von den Ärmsten wie von den Reichsten. Am allerwichtigsten aber ist: Weil der Anführer von Ausbeutung, Ungleichheit, Ungerechtigkeit und Bewusstsein spricht und sich damit hinsichtlich Wortwahl und Referenz sowohl bei rechter als auch linker Politik bedient, sagen sich immer mehr verbitterte, von Selbstzweifeln geplagte Menschen, aber auch der eine oder andere prominente Meinungsmacher: "Eigentlich ganz vernünftig, das alles!" Oder lässt sich etwa leugnen, dass große Teile der Gesellschaft vergessen und abgehängt sind?

"Ich verstehe nicht, warum die gewonnen haben. Glauben Sie mir, kein einziger Fahrgast hat gesagt, dass er sie wählen wird. Aber wer hat sie dann gewählt?" Diese Sätze zielen nach dem zweiten Wahlsieg der AKP in jedem Gespräch mit einem Taxifahrer. "Wer hat sie eigentlich gewählt?", lautete daraufhin der Anfangssatz mancher Zeitungskolumne. Weder die Taxifahrer noch die meisten Kolumnisten konnten sich erklären, warum der Erfolg der Bewegung trotz wachsender Bedenken anhielt. Nachdem ich die Frage mehrmals gehört hatte, antwortete ich einem Taxifahrer mit einem Satz, den ich kurz darauf an den Anfang meiner eigenen Kolumne stellte: "Die fahren offenbar alle mit dem Bus."

In London werden sich viele Leute nach dem Brexit-Referendum dasselbe gefragt haben. Wäre ich eine britische Kolumnistin, hätte ich meinem Kommentar die Überschrift "Der wütende Kabeljau besiegt die europäischen Ideale" gegeben. Zu den Leave-Wählern gehörten nämlich auch schottische Fischer, die schon seit Jahren sauer sind, weil auch ihre Kollegen aus anderen europäischen Ländern in schottischen Gewässern fischen dürfen, und die sich zusätzlich über europäische Angelegenheiten aufregen, von denen Schottland so gut wie gar nicht betroffen ist. In Ungarn und Polen, wo der Rechtspopulismus den politischen Diskurs bestimmt, gab es analog dazu seit jeher die "arrogante Brüsseler Elite" beziehungsweise "die verdammten Deutschen", die sowohl ein besseres Leben für die "normalen" Leute verhindern, als auch der wahren "Größe" der Nation im Weg stehen.

Ich weiß, diese Bemerkungen haben etwas von der Herablassung eines kosmopolitischen, nicht wahren Menschen; ebenso klar ist mir, dass hinter den neuen Bewegungen das reale, starke Gefühl steht, Opfer zu sein. Viele ihrer Anhänger müssen ja wirklich mit dem Bus fahren und mitansehen, wie ihr Fish 'n' Chips immer teurer wird, weshalb es dem griechischen Wirtschaftswissenschaftler und ehemaligen Finanzminister Yanis Varoufakis zufolge müßige Gehirnakrobatik für Intellektuelle wäre, würde man diese Bewegungen nur "psychoanalytisch, kulturell, ethnologisch, ästhetisch und natürlich in ihrem Bezug zur Identitätspolitik" analysieren. Ich stimme ihm zu, wenn er schreibt, dass "der permanente Klassenkampf, der seit Ende der 1970er Jahre gegen die Armen geführt wird", bewusst aus dem Narrativ entfernt und aus der globalen Mainstreamdebatte herausgehalten wurde.

Erfundene Opferrollen

Man kann die rechtspopulistischen Bewegungen auch als neu entwickelte temporeiche Vehikel für die Reichen betrachten, als ein Mittel, das es der herrschenden Klasse ermöglicht, die Regulierungen der freien Marktwirtschaft loszuwerden, indem es die gesamte Politik über den Haufen wirft. Schließlich stehen hinter diesen Bewegungen wahre Opfer und echtes Leid. Aber sie gründen eben nicht ausschließlich auf echtem Leid, sondern auch auf frei erfundenen Opferrollen, die der Bewegung die meiste Energie verschaffen und ihr Alleinstellungsmerkmal ausmachen. In der Türkei beruhte die erfundene Opferrolle auf der Behauptung, religiöse Menschen würden von der säkularen Elite des Establishments unterdrückt und gedemütigt. In den Augen der Brexiteers besteht sie darin, dass man ihnen die Größe des Vereinigten Königreichs geraubt hat, in den Augen der Trump-Wähler darin, dass ihnen die Mexikaner die Jobs wegnehmen.

Die polnischen Rechtspopulisten fühlen sich als Opfer, weil die Nazis ihrer Ansicht nach ohne jegliches polnische Zutun auf polnischem Boden Verbrechen gegen die Menschlichkeit begingen und die Welt die tapfere Gegenwehr des Landes nach dem Überfall der Deutschen 1939 nicht genug würdigt, während in Deutschland für die AfD feststeht, dass die "faulen Griechen" die hart arbeitenden wahren Europäer ausnutzen. Eigentlich ist der Inhalt aber egal, weil er sich später ohnehin ständig verändert und je nach Bedarf und Ziel der Bewegung ausgetauscht wird, wobei sich die Masse jedem neuen Narrativ auch dann anpasst, wenn es in Widerspruch zu den Anfängen der Bewegung steht.

In der Türkei war die Gülen-Bewegung, ein überstaatliches religiöses Netzwerk unter der Führung eines Imams, der zurzeit in Pennsylvania lebt, integraler Bestandteil von Erdoğans Bewegung, bis sie über Nacht für terroristisch erklärt wurde. Dieselben AKP-Minister und Parteimitglieder, die dem Imam Fetullah Gülen kniend die Hand geküsst hatten, konnten ihn 24 Stunden später gar nicht genug verteufeln, und kein einziger Erdoğan-Anhänger stellte den plötzlichen Sinneswandel infrage. Ebenso wenig fanden es die Trump-Wähler seltsam, als das FBI, während der Untersuchung des Skandals um Hillary Clintons E-Mails noch Trumps bester Freund, plötzlich als "infam" galt, weil es die Frage aufwarf, ob sich Trumps Wahlkampfteam mit der russischen Regierung abgesprochen hatte. Fox News bezeichnete das FBI plötzlich als "kriminelle Clique" und sprach von einem möglichen Staatsstreich.

Dabei konnte getrost davon ausgegangen werden, dass die Trump-Unterstützer der neuen Linie folgen würden, fühlten sie sich doch vom respektlosen Establishment genauso schikaniert wie ihr Idol. Sobald die Identifikation der Massen und der Bewegung mit dem Anführer einsetzt, spielt es keine Rolle mehr, dass sich die erfundene Opferrolle inhaltlich ständig ändert. Und wenn sich der Anführer als Meister der "harmlosen Übertreibung" erweist, wird der Inhalt vollends unwichtig.

Doch warum, könnte man fragen, gingen die Massen unter Ausblendung der gesamten Weltgeschichte gegen ihre eigenen Interessen und gegen offensichtlich völlig falsche Ziele vor – gegen die armen Mexikaner statt gegen die großen Billiglohn-Unternehmen, gegen die französischen Fischer statt gegen die Härten der freien Marktwirtschaft, gegen die Medien statt gegen die Armutsursachen? Warum wollten sie sich an so abwegigen Gruppen rächen? Wieso forderten sie den Respekt der Bildungselite, nicht aber den der Besitzer multinationaler Konzerne? Und warum glaubten sie dabei an einen Mann, nur, weil er scheinbar "einer von ihnen" war? Irgendwie kindisch, könnte man meinen. Und das stimmt. Deshalb müssen solche Anführer die Menschen unbedingt infantilisieren. Die Infantilisierung der Massen durch Infantilisierung der politischen Sprache ist enorm wichtig. Man kann die Leute mittels Infantilisierung des gemeinsamen politischen Narrativs leichter mobilisieren und ihnen dann alles Mögliche versprechen.

" … und dann scharte Chávez auf einem Berggipfel seine treuen Freunde unter einem Feigenbaum um sich, und alle schworen auf die Bibel. So begann die Revolution." Der venezolanische Botschafter in der Türkei unterstrich seine Schlussworte mit einer eingeübten Handbewegung Richtung Himmel, von wo die unumstößliche Wahrheit offenbar gekommen war. Einige Sekunden lang blieb sein Finger theatralisch zur Decke der Juristischen Fakultät der Universität Ankara gereckt. Nach dem Ende seines Vortrags war es nun an mir, meinen Diskussionspartner zu fragen, wie es die Venezolaner geschafft hatten, eine Revolution auf die Beine zu stellen.

In den Barrios von Caracas

Das war 2007, ein Jahr nach der Veröffentlichung von "We are Making a Revolution Here, Señorita!", mehreren Interviews, die ich in den Barrios von Caracas geführt hatte, um zu recherchieren, wie sich die Basisbewegung lange vor Hugo Chávez’ Präsidentschaft in den Kommunen organisiert hatte. Deshalb war ich mir sehr sicher, dass mythische Elemente wie Himmelsbotschaften und Feigenbäume auf einem Berggipfel dabei in Wahrheit keine Rolle gespielt hatten. Überzeugt, Seine neben mir sitzende Exzellenz würde gleich Vernunft walten lassen, erwiderte ich nichts, sondern lächelte den Mann nur fragend an, spürte aber schon bald, dass sich mein Gesicht zur verzweifelten Grimasse eines rationalen Menschen verzog, der sich einem wahrhaft Gläubigen gegenübersieht.

Weil es bereits zu spät war, um sein Märchen als Unfug abzutun, sagte ich nur: "So war es aber nicht." Angespannt schweigend fixierten wir uns – ich ihn mit großen, er mich mit glasigen Augen – , bis ich ihn, nun nicht mehr sarkastisch, sondern ehrlich neugierig fragte: "Und das wissen Sie auch, oder?" Als seine Miene starr blieb, wurde mir mit einem zwischen Mitleid und Furcht schwankenden Gefühl bewusst, dass dieser hochgebildete Diplomat das Märchen nicht freiwillig erzählte. Der Name Hugo Chávez hatte damals bereits Eingang in die "Hall of Fame der großen Populisten" gefunden. Der Mann kriminalisierte jede kritische Stimme als Feind des Volkes und behauptete nicht nur, der einzige Repräsentant des Staates zu sein, sondern der Staat selbst. Er setzte zweckdienliche Geschichten in die Welt, die er zu Bestandteilen der offiziellen Historie erklärte, infantilisierte ein ganzes Land und erklärte die menschliche Intelligenz zum Verbrechen gegen den "Proceso", den umfassenden Umwandlungsprozess, der das Land in den sogenannten Sozialismus beziehungsweise in dessen von ihm, Chávez, maßgeschneiderte Version überführen sollte. Der Botschafter wirkte wie ein müder kleiner Junge, der das Ende des Märchens herbeisehnt, um endlich schlafen gehen zu können. Ich ahnte damals nicht, dass wir uns in der Türkei schon wenig später täglich mit Märchen herumschlagen und die Realität von Ereignissen würden beweisen müssen, die jeder mit eigenen Augen gesehen hatte.

"Amerika wurde angeblich 1492 von Columbus entdeckt. In Wahrheit erreichten muslimische Seefahrer den Kontinent bereits 1178, also 314 Jahre zuvor. In seinem Schiffstagebuch erwähnt Columbus eine Moschee auf einem Berg an der kubanischen Küste." Diese Geschichte erzählte Präsident Erdoğan am 15. November 2014 bei einem Treffen mit einflussreichen lateinamerikanischen Muslimen. Am nächsten Tag berichteten die Medien weltweit über den grandiosen Beitrag zur Geschichte, den der türkische Präsident da geleistet hatte, wobei die Journalisten ihre Belustigung hinter höflichen Formulierungen mit einem gewissen Augenzwinkern verbargen, das besagte: "Natürlich stimmt das Ganze nicht, aber das wissen Sie ja." Weil das noch vor dem Brexit-Referendum und vor Trump geschah, ahnten die westlichen Journalisten nicht, dass sie bald nichts mehr zu schmunzeln hätten, weil sich die Vernunft dann nicht mehr nur gegenüber dem Unsinn eines einzelnen Mannes, sondern auch gegenüber den gebannten Blicken von Millionen, die den Unsinn glaubten, völlig hilflos zeigen würde.

Auf Anfrage hätten die Venezolaner oder die Türken diesen Journalisten alles über den Leidensweg erzählen können, der von einer Moschee auf einem kubanischen Berg zu einem Berg in Ankara führt, von einem Weg, auf dem Unsinn zur offiziellen Geschichte wird und eine ganze Nation erschöpft niedersinkt. Und sie hätten ihnen erzählen können, dass die populistische Maschinerie, die die politische Sprache infantilisieren und die Vernunft zerstören soll, mit den dröhnenden Worten einsetzt: "Wir wissen ganz genau, wer Sokrates ist! Über diesen üblen Kerl lassen wir uns keine Lügen mehr auftischen!" Und dass man daraufhin erwidert: "Moment mal – von Sokrates war doch gar nicht die Rede!"

"Populismus ist in ganz Europa auf dem Vormarsch. Immer häufiger gilt es, sich im gesellschaftlichen Diskurs gegen populistische Standpunkte zu behaupten. Im Seminar lernen die Teilnehmenden anhand praktischer Übungen, besser auf populistische Argumente und Stimmungsmache zu reagieren. Das Seminar gibt den Teilnehmenden konkrete Techniken an die Hand, die dabei helfen, populistische Argumente besser zu verstehen, ihre Stärken und Schwächen schnell zu erkennen, eigene Argumente präzise auf den Punkt zu bringen und Menschen mit populistischem Gedankengut souverän und konstruktiv zu begegnen." Das Zitat stammt von der Website des deutschen Thinktanks Institut für Argumentationskompetenz. Das dort angebotene Seminar nennt sich "Mit Logik gegen Populismus". Offensichtlich hat die Hilflosigkeit von Vernunft und Sprache angesichts der verqueren Logik des Populismus bereits zu einer beträchtlichen Nachfrage auf dem politischen Markt geführt, sodass inzwischen diverse Kampfkunsttechniken gelehrt werden, mit denen man sich dagegen zur Wehr setzen kann. Das Seminar besteht aus einem zweitägigen Workshop, in dem die Teilnehmer von ihren garantiert sehr aufreibenden persönlichen Erfahrungen berichten dürfen.

Würde ich mit meinen im Lauf von 16 Jahren in der Türkei gemachten Erfahrungen dieses Seminar besuchen, würde ich selbst auf die Gefahr hin, dass sich Aristoteles im Grab umdreht, in aller Bescheidenheit vorschlagen, an den Beginn des Anfängerkurses in Sachen populistischer Argumentation den berühmten Syllogismus des Aristoteles zu setzen, der da lautet: "Alle Menschen sind sterblich. Sokrates ist ein Mensch. Also ist Sokrates sterblich."

Obwohl die logischen Fehlschlüsse ziemlich massiv sind, erschienen sie der Hälfte der britischen Bevölkerung überhaupt nicht kindisch, als Boris Johnson und seine Leute in der Konservativen Partei sie während der Leave-Kampagne großzügig einsetzten. Am 16. Oktober 2016 schrieb Zoe Williams im Guardian: "Man erwartet Konsistenz und Kohärenz und erlebt stattdessen das bizarre Spektakel einer Partei, die behauptet, schon immer gegen den europäischen Binnenmarkt gewesen zu sein, weil Michael Gove das irgendwann einmal gesagt hat."

Mit anderen Worten: Argumentum ad ignorantiam. Michael Gove hatte, ganz im Stil des Populisten, der Aristoteles in den Wahnsinn treibt, Folgendes erklärt: "Die Menschen in diesem Land haben die Schnauze voll von Experten!" Aufgrund solcher Äußerungen gelangte die andere Hälfte der Briten zu der Überzeugung, die Pro-Brexit-Argumente wären einfach zu albern, um sie ernst zu nehmen, und nur Kinder würden auf sie hereinfallen. Wie Millionen anderer Europäer dachten sie, man müsste die populistischen Anführer nur immer wieder als infantil darstellen, dann würden sie von niemandem ernst genommen und nie an die Macht gelangen.

"Jeder, wirklich jeder [im Weißen Haus] bezeichnet ihn als kleines Kind." Knapp ein Jahr nach dem Brexit-Referendum griffen auf der anderen Seite des Atlantiks die Amerikaner zur gleichen "Erwachsenen-Strategie". Nachdem "Feuer und Zorn: Im Weißen Haus von Donald Trump" im Januar 2018 auf dem amerikanischen Buchmarkt erschienen war, wiederholte der Autor Michael Wolf oben stehenden Satz in mehreren Fernsehinterviews. Das Kopfschütteln der betroffen, aber gefasst wirkenden Moderatoren in Verbindung mit Wolfs Miene eines Lehrers, der schlechte Neuigkeiten überbringt, erinnerte an Elternabende, bei denen über einen problematischen Schüler diskutiert wird. Weil in jedem Interview Trumps kindliches Verhalten hervorgehoben wurde, begannen die beunruhigten "erwachsenen" Amerikaner, das Ganze zu unterschätzen, und lehnten sich zurück, denn so schlimm war es ja wohl nicht. Er ist nur ein launisches Kind. Wir, die Erwachsenen, wissen es besser. In jedem Land, das den Aufstieg des Populismus erlebt, wird der jeweilige Anführer als kindlich bezeichnet. Es hat etwas Beruhigendes, ein politisches Problem auf die Ebene des Umgangs mit einem unartigen Bengel zu verlagern. Ein großes Problem wird damit wohltuend verniedlicht.

Populistenchefs als kindliche Menschen zu charakterisieren, ist nicht die einzige Falle, in die man leicht tappt. Eine andere weitverbreitete Masche, mit der Kritiker ihre politischen Bedenken beiseiteschieben, besteht darin, die Kindheit populistischer Anführer nach den traumatischen Ereignissen abzusuchen, die so skrupellose Erwachsene aus ihnen gemacht haben, die politische Realität also gewissermaßen in ein medizinisches Mitleid zu packen, um das die Leute selbst gar nicht gebeten haben. Sowohl der frühere polnische Ministerpräsident Jarosław Kaczyński als auch Erdoğan wurden solchen in absentia erfolgten Untersuchungen durch prominente Psychiater unterzogen und als gebrochene Kinder diagnostiziert.

Die angesehene polnische Sozialwissenschaftlerin und Psychologin Elżbieta Sołtys attestierte Kaczyński eine traumatisierende Kindheit, erklärte seine schwach ausgeprägte emotionale Intelligenz in einem Interview mit seiner lieblosen, strengen Erziehung und bezeichnete seinen heutigen Fanatismus als einen Ausbruch nach jahrelanger Unterdrückung. Erdoğan erhielt eine ähnliche Diagnose. Weil ihn sein Vater an den Füßen aufgehängt hat, um ihm das Fluchen auszutreiben, muss jetzt ein ganzes Land unter seinen heftigen Stimmungsschwankungen leiden.

Kritiker, die populistische Anführer infantilisieren und ihre Skrupellosigkeit psychologisieren, tun dies vor allem deshalb, weil sie sich dadurch erwachsener und psychisch gesund fühlen können. Sie schreiben infantile Politik damit ausschließlich dem populistischen Anführer und seinen Anhängern zu, als wären alle anderen (inklusive der Verfasserin und den Leserinnen und Lesern dieses Buchs) völlig immun gegen eine kindliche Weltsicht. So ist es aber nicht, und das wissen Sie auch, oder?

"Ich fahre einen alten VW, der genügt mir vollauf." Im November 2015 sitzt der ehemalige Präsident von Uruguay, José Mujica, auf der Bühne und spricht. Ich moderiere eine Diskussion, die fast legendär werden wird. Die mehr als 5.000 Zuschauer befinden sich größtenteils nicht im Kongressgebäude in Izmir selbst, sondern sehen sich die Veranstaltung auf einem riesigen Bildschirm im Freien an. Uruguay braucht Zerlegemaschinen, erklärt Mujica (weil das Land sein Exportfleisch gemäß den Vorschriften anderer Länder zerteilen muss), doch dem Publikum sind die menschelnden Themen lieber (sein schnuckeliger alter Käfer, sein bescheidenes Häuschen).

Am nächsten Tag wird Mujica in allen Zeitungen gleich dargestellt: "Ein ganz bescheidener Präsident, der einen VW Käfer fährt und in einem kleinen Haus auf dem Land wohnt …" Dass er Sozialist ist, wird nicht erwähnt – das ganze ideologische Blabla, die langweiligen "erwachsenen" Inhalte kommen nicht vor. Ich fühle mich an Bernie Sanders erinnert, der im Vorwahlkampf der Demokraten als kluger, cooler alter Mann porträtiert wurde, oder an Jeremy Corbyn, dessen rotes Fahrrad und selbst gemachte Marmelade mehr Aufmerksamkeit erregten als seine politischen Vorstellungen. Die Derwische unserer Zeit werden auf das Maß von netten alten Märchenonkeln gestutzt und ziehen mit ihren Geschichten die Menschen an, die sich für die Erwachsenen halten und über die "infantilen" Anhänger populistischer Führerfiguren spotten.

Die meisten Bücher über Populismus und Totalitarismus interpretieren das Narrativ vom infantilen Populisten und seinen "getäuschten" Anhängern, die seine Märchensprache gedanklich übernehmen, als eine für diese Leute typische politische Reaktion. Dabei handelt es sich weder um eine Reaktion noch um etwas Typisches, sondern vielmehr um eine logische Konsequenz der Zeiten, in denen wir leben, und um etwas, das uns alle inszeniert. Auch wenn man den Eindruck gewinnt, die derzeit aktiven Rechtspopulisten würden Menschen, die einmal rational und erwachsen waren, mit Hilfe eines Zaubertricks massenweise in ihren Bann ziehen und in Kinder verwandeln, liegt die Verantwortung für die Infantilisierung der politischen Sprache nicht bei ihnen. Diese Entwicklung setzte lange zuvor ein, nämlich 1979, als eine berühmte Handtasche auf der politischen Bühne erschien und alles veränderte. Damals schlug eine Frau einer ganzen Nation mit der Behauptung "Das ist alternativlos!" ihre schwarze Asprey-Tasche um die Ohren. Als Margaret Thatcher Großbritannien von der Bürde der Suche nach Alternativen "befreite", fand dies auf der anderen Seite des Atlantiks begeisterte Zustimmung bei einem Mann, der sein präsidiales Grinsen in Cowboyfilmen perfektioniert hatte.

Während des zehn Jahre anhaltenden Fests der Alternativlosigkeit, das schließlich in einen triumphalen neoliberalen Discotanz auf den Überresten der Berliner Mauer mündete, trennte sich das politische Vokabular des Mainstreams nach und nach von spröden Erwachsenen-Begriffen wie "Solidarität", "Gleichheit", "soziale Gerechtigkeit" und verwandelte sich in eine Spiegelkugel aus Wörtern wie "Vision", "Innovation", "Flexibilität" und "Motivation", denn: "So ist die Welt nun mal".

Zur gleichen Zeit verbannte man in der Türkei nach dem Militärputsch von 1980 die erstgenannten Begriffe zusammen mit hunderten weiterer "linker Wörter" offiziell aus dem Vokabularium des Staats und verbot sie im staatlichen Fernsehen. Der Mainstreamwortschatz, in dem, ganz gleich in welcher Sprache, global über die Welt und unsere Stellung darin nachgedacht wird, wurde gewaltsam oder mittels neoliberaler Überredung in einen Sandkasten umgebaut, in dem wir sicher spielen können, weil er zum einen durch das politisch Undenkbare, den Sozialismus und dessen Gegenüber, den Faschismus, zum anderen durch das moralisch Vernachlässigbare, die Religion und ihr Gegenüber, die Philosophie, abgegrenzt ist.

Die Politik wurde auf reine Verwaltung reduziert, und von nun an kümmerten sich Leute um uns, die alles über Zahlen und Derivate wussten. Sie verwandelte sich in den bitteren Saft, vor dem es Kindern graut; wer aber unbedingt davon kosten wollte, dem schenkte man eimerweise Zahlen ein, um ihm eine Lektion zu erteilen. Kein Wunder, dass Nigel Farage einmal erklärte: "Ich bin der einzige Politiker, der die Flamme des Thatcherismus am Brennen hält." Und obwohl sich viele empörten, als der Thatcher-Biograf Jonathan Aitken sagte: "Ich glaube, sie hätte [Farage] insgeheim applaudiert" – und zwar wegen dessen flüchtlingsfeindlicher Politik. Das kann man sich unschwer vorstellen ganz im Sinne ihres Spitznamens aus den 1970er Jahren (Eiserne Lady) und nach dem Motto "Jeder muss sich erst mal um sich selbst kümmern".

Ähnlich verhielt sich Ronald Reagan, als er im Wahlkampf 1980 den Slogan "Make America great again" erfand. Die infantile politische Sprache von heute, die zu einer Regression des gesamten politischen Spektrums von rechts bis links führt, ist in Wahrheit keine gegen das Establishment gerichtete Reaktion, sondern Folge der ideologischen Sünden des in den 1980er Jahren entstandenen Establishments. Sieht man von der wirtschaftlichen Scheinblüte ab, die die Wegbereiter besser dastehen lässt, als sie tatsächlich waren, und von den Flüchtlingen, deretwegen die derzeitigen Politiker noch unangenehmer wirken, als sie tatsächlich sind, besteht der einzige wichtige Unterschied zwischen den „Pionieren“ und ihren Nachfolgern darin, dass die Stimme der infantilen populistischen Politik heute durch die sozialen Medien verstärkt wird, sodass die Märchen wesentlich größere Verbreitung finden und die Uninformierten behaupten können, auf Augenhöhe mit den Informierten zu sein. Das eröffnet die Möglichkeit eines unbegrenzten Angriffs auf unser politisches Denken und Argumentieren. Und dass die heutigen Politiker wesentlich weniger Wert auf gute Manieren legen, wissen wir auch.

"Die rüde Sprache signalisiert, dass er auf einer Wellenlänge mit den kleinen Leuten liegt, und mit seiner Schonungslosigkeit, die oft die Grenzen überschreitet und in die Beleidigung abrutscht, betont er, wie wichtig ihm die Distanz zum politischen Establishment ist." Man denkt bei diesem Zitat an Trump, Erdoğan, Geert Wilders oder einen beliebigen anderen Populistenchef, doch die beiden italienischen Politikwissenschaftler Fabio Bordignon und Luigi Ceccarini beschreiben hier das Vorgehen von Beppe Grillo, den früheren Komiker und Anführer der italienischen Fünf-Sterne-Bewegung. Er ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Populisten die sogenannte Alltagssprache politisieren, um mit dem Volk direkt kommunizieren zu können.

Sobald diese Verbindung besteht, kann der Anführer förmlich abheben und nicht nur gewissermaßen über der Politik schweben, sondern so hoch fliegen, wie er will – nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Die vermeintliche Ehrlichkeit oder Unverfälschtheit der direkten Kommunikation mit den Menschen und das Image des Anführers als desjenigen, der mit ihnen verschmilzt, bilden das typische politische Ritual des Populismus, das Chávez allwöchentlich in seiner Fernsehsendung "Alo Presidente!" vollführte, Erdoğan mit Hilfe eigener Medien, Grillo auf seiner Website und das Trump mittels seiner berühmten Tweets zelebriert, um den jeweiligen Anhängern ohne den Umweg über die Medienelite ganz nah zu sein.

Der entscheidende Trick besteht darin, den Anhängern zu suggerieren, man würde die elitären Snobs und ihre Medien ablehnen. Dies gelingt, indem man die Medien in die eigene Definition von "politischer Elite" aufnimmt und als Gegner darstellt, obwohl die Verbindung zu den Massen überhaupt erst mit Hilfe der Medien zustande kommt.

Die wenigsten Journalisten sind auf dieses neue politische Spiel vorbereitet. Putin und Trump haben besagten politischen Trick bereits mehrfach angewendet. Am 7. Juli 2017 beugte sich Putin während des Fototermins vor dem gemeinsamen Vier-Augen-Gespräch im Rahmen des Hamburger G20-Gipfels zu Trump hinüber, deutete auf die Journalisten im Raum und fragte: "Sind das die, von denen Sie ständig beleidigt werden?" Trump antwortete wie aus der Pistole geschossen: "Ja, genau, das sind sie." Plötzlich sah es so aus, als würden der Rüpel und der schon etwas länger am Ruder sitzende Rüpel den schwächeren Kindern auf dem Spielplatz im nächsten Moment eine Abreibung verpassen. Die anwesenden Journalisten zeigten sich über den unerwarteten, da beispiellosen Rollentausch schockiert. Nicht nur waren in diesem Moment sie die Nachricht, sondern sie sahen sich obendrein als Gegner auf der politischen Bühne dargestellt. Putins und Trumps Anhänger, für die dieser Augenblick ein Highlight gewesen sein muss, freuten sich wahrscheinlich schon auf einen guten Ringkampf – ob nun im amerikanischen oder im russischen Stil.

Für die Ausführungen des thailändischen Premierministers Prayuth Chan-o-cha anlässlich einer Pressekonferenz am 9. Januar 2018 hätten sich die internationalen Medien wohl kaum interessiert, hätte er damals nicht eine lebensgroße, ihn selbst darstellende Pappfigur vor ein Mikrofon postiert und die anwesenden Journalisten aufgefordert, doch am besten "den da" zu fragen.

Dann verschwand er lässigen Schrittes – ganz der vergnügte Populistenchef, der schon vor dem Mittagessen Enormes geleistet hat. Die zurückgelassenen Journalisten grinsten so betreten, als hätte ein Kind etwas Haarsträubendes angestellt, das die anwesenden Erwachsenen nur verlegen weglächeln können. Das Gleiche ist in der Aufnahme einer Pressekonferenz zu sehen, bei der Trump einen BBC-Reporter mit den Worten "Ach, noch so ein Schätzchen!" unterbricht, woraufhin die anderen Journalisten und Journalistinnen pikiert dreinschauen und wie eingeschüchterte Erwachsene auf dem Schulhof grinsen.

Bei Erdoğan bekommt dieses Verhalten einen nahöstlichen Machotouch, wenn er hin und wieder Mitarbeiter seiner eigenen Medien während einer Liveübertragung abkanzelt und scherzhaft wie kleine Rabauken behandelt, aber eben wie seine kleinen Rabauken, woraufhin sie dann immer brav lachen. Nach Ansicht vieler Kritiker und Analysten zielen populistische Anführer mit dieser Rüpelhaftigkeit auf die Rolle der Medien als integralem Bestandteil der Demokratie. Der Blick auf diverse Beispiele weltweit zeigt jedoch, dass offenbar nur mit solchen gezielten Affronts eine direkte Kommunikation zwischen dem Anführer und seinen Anhängern herzustellen ist und es sich dabei im Übrigen keineswegs um eine Absage an die Medien handelt, sondern um Maßnahmen zu ihrer Vereinnahmung und Nutzung.

Journalisten dienen hier als Prügelknabe, der immer dann verdroschen werden muss, wenn es den Grundsatz "Das hier sind meine Leute, und mir ist scheißegal, was das Establishment über uns schreibt" zu verdeutlichen gilt. Der Anführer muss gar nicht erklären, warum der Loser Sokrates in seinen Augen furchtbar ist; es genügt, den repressiven Aristoteles abzuqualifizieren.

Je stärker sich die Bedeutung progressiven Denkens nach und nach darauf reduziert, in den sozialen Medien oder im Fernsehen gegen den Gegner zu punkten, umso problematischer wird für Populismuskritiker die Frage der Seriosität. Während die populistische Bewegung an Macht gewinnt, steigt die Zahl der Intellektuellen, die sich zu den Populistenchefs gesellen – nicht, weil es inzwischen weniger peinlich wäre, sie zu unterstützen, sondern weil es normal geworden ist. Deshalb erhielt Trump für seine im Januar 2018 gehaltene Rede zur Lage der Nation Standing Ovations im Kongress, was nur ein Jahr zuvor nach seinem Einzug ins Weiße Haus für viele Abgeordnete und Senatoren unvorstellbar gewesen war. Die Macht der auf Quantität beruhenden Normalität führt zum weiteren Rückzug von der Vernunft und erweitert die Grenzen der Vulgarität, bis sie schließlich die gesamte Öffentlichkeit umfassen. Wie fürchterlich die Meinungs- und Redefreiheit darunter leidet, wird einem erst voll und ganz bewusst, wenn man beispielsweise eine wichtige Petition gegen den Populistenanführer startet, kaum prominente Leute findet, die nicht durch den Käfigkampf beschädigt oder von dem ganzen Chaos halb wahnsinnig geworden sind, und am Ende keinen einzigen Namen aufgetrieben hat. Das kritische Wort verwaist in der Öffentlichkeit, und die vielen Andersdenkenden treiben ohne ihre Meinungsführer hilflos dahin wie ein Schiff ohne Leuchtturm. Mit wachsender Verzweiflung wird ihnen klar, dass die Zentrifuge des herrschenden Narrativs diejenigen in sich hineingesogen hat, die sie für klüger gehalten hatten. Gleichzeitig wird der populistische Diskurs in den Medien so sehr verstärkt und so oft wiederholt, dass sogar Andersdenkende den Überblick über die an der Vernunft verübten Serienverbrechen verlieren, und irgendwann ist man selbst viel zu erschöpft, um noch "So war es nicht, und das wissen Sie auch" sagen zu können.

Weil kein Gesetz verhindert, dass die politische Sprache der Populisten in die Öffentlichkeit eindringt und sie zerstört, bleibt den kritischen Stimmen zuletzt nur eines, wenn die Wut sie fast erstickt, wenn die unaufhörlichen Attacken der Parteiapparatschiks sie ausgelaugt und die Wendigkeit des sich ständig verändernden populistischen Diskurses sie halb wahnsinnig gemacht haben: Sie können dann nur noch um grundlegendste ethische Verhaltensweisen betteln und auf der Straße oder in den sozialen Medien "Zeigt doch wenigstens ein bisschen Anstand!" rufen.

Es gab einmal eine Zeit, in der das tatsächlich funktioniert hat. "Haben Sie denn keinen Funken Anstand mehr im Leib?", fragte am 9. Januar 1954 der amerikanische Anwalt Joseph Welch, Chefverteidiger der US Army, gegen die damals vor einem Senatsausschuss wegen kommunistischer Aktivitäten in ihren Reihen ermittelt wurde. In einer der vom Fernsehen übertragenen Sitzungen griff Senator Joseph McCarthy einen jungen Kollegen aus Welchs Bostoner Kanzlei an, und Welch konterte vor den Augen des verblüften TV-Publikums mit dem denkwürdigen Satz, der letztlich das Ende von McCarthys Karriere bedeutete: "Senator, mir wird erst jetzt klar, wie skrupellos und grausam Sie sind." Als McCarthy mit seinen Angriffen fortfuhr, fiel ihm Welch wütend ins Wort. "Hören Sie endlich auf, den jungen Kerl fertigzumachen, Senator! Es reicht." Nach vierjähriger Kommunistenhatz brachte Welchs Frage McCarthys Beliebtheit über Nacht zum Verschwinden.

Seit Joseph Welch den Lauf der amerikanischen Geschichte mit einer simplen Frage beeinflusste, hat sich die Welt verändert. Die Adern der Vernünftigen sind seit Jahrzehnten zorngeschwellt angesichts der vielen vergeblichen Aufforderungen, Scham zu zeigen, während der Populist nur noch breiter grinst und stolz seinen Sieg feiert. Wir haben verloren, was Camus als "das ewige Vertrauen des Menschen" beschrieb, "das ihn immer glauben ließ, man könne bei einem anderen Menschen menschliche Reaktionen hervorrufen, wenn man mit ihm in der Sprache der Menschlichkeit rede". Kein Wunder, dass mehr und mehr Menschen der Müdigkeit des Kindes nachgeben, das endlich ans Ende des Märchens kommen und schlafen will.


Über Ece Temelkuran

Ece Temelkuran, geboren 1973 in Izmir, ist Juristin, Schriftstellerin und Journalistin. Aufgrund ihrer oppositionellen Haltung und Kritik an der Regierungspartei verlor sie ihre Stelle bei einer der großen türkischen Tageszeitungen. Ihr Roman "Was nützt mir die Revolution, wenn ich nicht tanzen kann" (2014) wurde in 22 Sprachen übersetzt. 2015 erschien das Sachbuch "Euphorie und Wehmut. Die Türkei auf der Suche nach sich selbst" und 2017 der Roman "Stumme Schwäne". Dieser Text geht auf ihr Buch "Wenn dein Land nicht mehr dein Land ist oder Sieben Schritte in die Diktatur" zurück, das auf Deutsch 2019 bei Hoffmann & Campe erschienen ist.

Über den Kulturreport

Im Mai erschien der Kulturreport 2020 "Reset Europa" des ifa mit folgenden Themen: 

1: Demokratie in der Defensive – Der Vertrauensverlust der etablierten politischen Kultur 
2: Reset Europa – Die Krise als Chance
3: Die Fragmentierung der Öffentlichkeit – Der Kampf um Deutungshoheit

Das Bild, das Europa derzeit abgibt, könnte kaum widersprüchlicher sein. Zwischen Abschottung, nationalen Egoismen und Skepsis an den EU-Institutionen mischt sich eine neu erblühte Euphorie für die europäische Idee. Braucht Europa einen Neustart? Was es im Moment vor allem braucht ist Orientierung. Demokratiekrise, Klima- und Strukturwandel oder gesellschaftlicher Hass: Die Menschen in Europa benötigen neue Perspektiven für die Lösung drängender Probleme. Kann Kultur dabei helfen, das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen und eine europäische Öffentlichkeit herzustellen? Kann sie für mehr Einigung sorgen und Europas existenzielle Werte verteidigen – das Eintreten für Menschenrechte, Multilateralismus sowie Meinungs- und Pressefreiheit? Antworten suchen die Autorinnen und Autoren des Kulturreports.

Alle Ausgaben des Kulturreports können unter ifa Publikationen gratis heruntergeladen werden.

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