Buchtipps

Von Schorlemer, Sabine: Kulturgutzerstörung. Die Auslöschung von Kulturerbe in Krisenländern als Herausforderung für die Vereinten Nationen. – Baden-Baden: Nomos, 2016. – 1025 S.

Von Schorlemer, Sabine: Kulturgutzerstörung. Die Auslöschung von Kulturerbe in Krisenländern als Herausforderung für die Vereinten Nationen. – Baden-Baden: Nomos, 2016. – 1025 S.

ifa-Signatur 37/206

Weltweit werden Kulturgüter durch Krisen, Kriege und Konflikte vernichtet. Zerstörtes Kulturgut ist oft irreparabel und meist für immer verloren. Diese Tatsache rückt immer stärker in den Fokus der Vereinten Nationen und der Unesco. Sabine von Schorlemer stellt im vorliegenden Band die aktuelle Situation von bedrohtem Kulturerbe detailliert dar und erklärt, wie neben Kriegen und Krisen auch Not, Armut, fehlende Bildung, Hass und ideologisch motivierte Ausgrenzung zur Gefahr werden können. Um Kulturgüter zu schützen, fordert sie eine Schnittstelle zwischen Menschenrechten, Völkerrecht und Strafrecht. Vor allem die Vereinten Nationen, die Unesco und weitere Schutzakteure spielen für sie eine zentrale Rolle beim Schutz von Kulturgütern. Doch auch Strafgerichte seien für den Schutz von gefährdetem Kulturgut entscheidend. In ihrem umfassenden Werk nennt sie rechtliche und politische Herausforderungen, vor denen die Vereinten Nationen stehen, und analysiert potenzielle Möglichkeiten, mit denen illegaler Kunst- und Antikenhandel bekämpft werden kann. So bietet ihre Arbeit einen umfassenden Über- und Ausblick zur aktuellen Problematik der Kulturgutzerstörung und regt zu einem bewussten Umgang mit den Herausforderungen im Kulturgutschutz heutzutage an. (LM)

Buchcover

Herdin, Thomas: Werte, Kommunikation und Kultur. Fokus China. – Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft, 2018. – 742 S.

ifa-Signatur: 38/173

Die Volksrepublik China entwickelte sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu einer weltweit führenden Wirtschaftsmacht. Die so entstandene globale Mobilität führte zu einem soziokulturellen Wandel innerhalb des Landes. Für ihn sind Kommunikation, Kultur und Werte in diesem Prozess eng miteinander verbunden. Thomas Herdin setzt sich in seiner Habilitationsschrift für eine dynamische Werteauffassung ein. Die Grundlage von Kultur ist für ihn nicht an Territorien festzumachen, sondern an gemeinsamen Werten, Lebensformen und Deutungsmustern. Diese unterliegen einem ständigen Wandel und stellen somit keine feststehenden Einheiten dar. Kulturelle Gegensätze seien vereinbar, wie bei dem taoistischen Yin-Yang-Symbol. Am Beispiel Chinas möchte er die klassische Denkweise, eine Gesellschaft sei entweder kollektivistisch oder individualistisch, durch das "Sowohl-als-auch-Schema" aufbrechen. Dabei will er eine westliche Verzerrung verhindern, indem er auch chinesische Ansätze und Modelle der Kommunikationswissenschaften miteinbezieht. Herdin beschreibt in seinem Werk verschiedene Deutungsmuster transkultureller Phänomene, wie zum Beispiel das Lächeln. So wird dieses unter europäisch Sozialisierten meist als ein Ausdruck von Freude verstanden, in China werde allerdings auch in anderen Situationen, etwa bei Trauer, gelächelt. Im empirischen Teil seines Buches analysiert Herdin aktuelle Wertehaltungen und kulturelle Transformationsprozesse in China. Grundlage hierfür bilden Aussagen leitender Angestellter sowie Studierender in Peking und Shanghai. Es ist Herdin ein Anliegen, den Eurozentrismus zu hinterfragen und das westliche Wissenschaftsverständnis kritisch zu reflektieren. (LL)

Jens Adam, Jens: Ordnungen des Nationalen und die geteilte Welt. Zur Praxis Auswärtiger Kulturpolitik als Konfliktprävention. - Bielefeld: transcript Verlag, 2018. - 301 Seiten.

Adam, Jens: Ordnungen des Nationalen und die geteilte Welt. Zur Praxis Auswärtiger Kulturpolitik als Konfliktprävention. - Bielefeld: transcript Verlag, 2018. - 301 Seiten.

ifa-Signatur: 38/135

Wie formuliert sich deutsche Kulturpolitik, wenn sie sich selbstreflexiv und kollaborativ präsentieren will? Wie eng ist die kulturpolitische Praxis an politische Vorgaben gebunden? Wie funktionieren kulturelle Selbstdarstellung, die Kollaboration mit lokalen Partnern und Akteuren? Wie steuern Institutionen die Kulturpolitik in einer Krisenregion? Welches Wissen wird dabei vermittelt und gesammelt? Diesen Fragen geht Jens Adam in seiner Dissertation nach. Er zeigt, wie Konfliktprävention als neues Ziel der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik (AKBP) seit der Jahrtausendwende in der praktischen Projektarbeit umgesetzt wurde. Am Beispiel der Goethe-Institute in Sarajewo und Ramallah untersucht er, wie das neue politische Ziel von offiziellen Dokumenten in Projektformate, Sprech- und Arbeitsweisen heruntergebrochen und umgesetzt wurde und wie sich innerhalb etablierter Strukturen Verschiebungen ergeben haben. Jens Adam beschreibt, wie sich die Schlüsselbegriffe Deutschlandbild und Dialog flexibel in geänderte Argumentationen und Diskurse einfügen lassen und gleichzeitig zum "stabilen Kern nationaler Repräsentation" passen. Er zeigt, mit welchen Schwierigkeiten projektgeförderte Kulturpolitik zu kämpfen hat, wie sich die Organisationsstruktur des Goethe-Instituts darauf auswirkt, wie versucht wird, Deutschlandbezüge herzustellen und welche Praktiken der Übersetzung angewandt werden. AKBP habe das Potenzial bei der Transformation des Nationalen wirksam zu werden, so der Autor. Sie solle nationale Ordnungen und etablierte Infrastrukturen auflösen, um Erfahrungen vor Ort im Ausland stärker nutzen zu können. Dialog solle auf Augenhöhe stattfinden, um Lösungsstrategien und Handlungsspielräume zu ermöglichen. (CG)

Karl-Heinz Meier-Braun: Schwarzbuch Migration. Die dunkle Seite unserer Flüchtlingspolitik. - München: C.H. Beck, 2018. – 192 S.

Karl-Heinz Meier-Braun: Schwarzbuch Migration. Die dunkle Seite unserer Flüchtlingspolitik. -München: C.H. Beck, 2018. – 192 S.

ifa Signatur: 38/183

"Flüchtlinge sind keine anonyme Masse, sondern Menschen wie Doaa aus Syrien", beginnt Karl-Heinz Meier-Braun sein Buch mit einer Geschichte über die tragische Flucht eines jungen Mädchens. Mit kritischem Blick analysiert und kommentiert der Politikwissenschaftler und Journalist die Flüchtlingspolitik Deutschlands. Obwohl das Land sich für seine Willkommenskultur rühmt, waren die Grenzen 2015 tatsächlich nur wenige Wochen offen. Dass die Flüchtlingskrise hauptsächlich zum Zwecke der politischen Mobilisierung thematisiert wird, ist für ihn offensichtlich. Wie steht es also um Deutschlands Menschlichkeit? Wie ging das Land historisch mit dem Thema Einwanderung um, wie sieht es heute aus? Nach einer aktuellen Bestandsaufnahme zeigt Meier-Braun, dass Deutschland seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland ist. In einem historischen Abriss berichtet er über Asyldebatten aus der Vergangenheit. Besonders auch Deutschlands Position im europäischen Kontext spielt in seinem Buch eine wichtige Rolle. Wie Deutschland im Zentrum von einer europäischen Politik der Abschottung profitiert, erläutert er im vierten Kapitel. Als Hauptursache für Flucht und Migration verweist er auf das Thema globale Ungleichheit. Er betont vor allem die Vielschichtigkeit von Fluchtursachen. Auch die Mitschuld Deutschlands bleibt dabei nicht unbeachtet. Während er am Ende die Bundesregierung zur Abkehr von bloßen Absichtserklärungen ermahnt, appelliert er gleichzeitig an die Bürgerinnen und Bürger "die dunklen Seiten der Flüchtlingspolitik" anzuprangern. (MK)

Buchcover

Rohrbach, Anne: Erinnerungskultur und kultureller Widerstand in den palästinensischen Gebieten. Jenin, "Cinema Jenin" und das "Freedom Theatre". – Bielefeld: transcript, 2017. – 309 S.

ifa Signatur 37/498

2018 ist ein erinnerungsträchtiges Jahr in der östlichen Mittelmeerregion: Zum 70. Mal jährt sich die Gründung des Staates Israel durch Ben Gurion 1948. Gleichzeitig sind 30 Jahre vergangen seit die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO aus dem Exil Palästina als Staat der Palästinenser ausrief. Sehr unterschiedliche Erfahrungen mit Grenzen, Flucht, Fremdherrschaft und Gewalt schafften eine Vielzahl an Erinnerungen und Geschichtsnarrativen. Anne Rohrbach beschäftigt sich in ihrer Dissertation mit dem Zusammenhang von Erinnerung, Märtyrertum und Widerstand. Dabei richtet sie den Blick auf den kulturellen Widerstand als Methode des Erinnerns und Möglichkeit der Aufarbeitung potenziell traumatischer Erfahrungen. In einem Alltag der stetigen Unsicherheit, wie ihn viele Menschen in den palästinensischen Gebieten erleben, entdeckt Rohrbach eine außergewöhnliche Kreativität. Dabei spielen Film und Theater eine zentrale Rolle. Als Beispiel für zivilgesellschaftliche Projekte des kulturellen Widerstandes gegen die israelische Besatzung zieht Rohrbach das "Cinema Jenin" und das "Freedom Theatre" heran. Sie bieten in der Stadt Jenin in der Westbank einen Raum, unterschiedliche Erfahrungen mit Grenzen, Flucht und Hegemonie zu reflektieren. Gleichzeitig sind die beiden Projekte für die Menschen dort Stütze in einer harten Lebensrealität. Das Buch gibt einen Einblick in die sozialen, historischen und politischen Gegebenheiten des Nahostkonflikts. Aus einer neokolonialen Perspektive beleuchtet Anne Rohrbach Lebensrealitäten, Grenzerfahrungen der Menschen in den palästinensischen Gebieten und bildet unterschiedliche Narrative ab. (MK)

Van Beurden, Jos: Treasures in Trusted Hands. Negotiating the Future of Colonial Cultural Objects. – Leiden: Sidestone Press, 2017.

Van Beurden, Jos: Treasures in Trusted Hands. Negotiating the Future of Colonial Cultural Objects. – Leiden: Sidestone Press, 2017. – 290 S.

ifa-Signatur 37/370

Der Umgang mit Kunst- und Kulturgegenständen aus ehemaligen Kolonien ruft sowohl im akademischen Umfeld als auch in der Politik und der Gesellschaft starke Emotionen und kontroverse Diskussionen hervor. Wem gehören diese Gegenstände? Wie wichtig sind sie für die Ursprungsländer, wie wichtig für die Länder der ehemaligen Kolonialherren? Was soll heute, Jahrzehnte nach dem Erreichen der Unabhängigkeit der ehemaligen Kolonien, mit ihnen geschehen? In dem vorliegenden Buch beschäftigt sich Jos van Beurden mit diesen Fragen und den sich darin wiederspiegelnden Grundsatzdebatten über Identität, Machtverhältnisse und Geschichtsnarrative. Dabei wirft er einen Blick auf die verschiedenen Kategorien von Kolonialkulturgütern und die bisherigen Bemühungen von Regierungen, die Besitzregelungen neu auszuhandeln. Ein besonderer Fokus liegt auf den niederländisch-indonesischen Beziehungen. Aber auch andere Aspekte werden beleuchtet, wie die 1970 getroffene Vereinbarung zwischen Belgien und Kongo, der Umgang Dänemarks mit Grönland und Island und der seit 2010 geführte ''Benin-Dialog'' zwischen Nigeria und Großbritannien. Zum Ende seines Buches schlägt van Beurden neue Denkansätze und Methoden vor, wie künftige Verhandlungen über Kolonialkunst erfolgreich geführt werden können. (PB)

Ociepka, Beata: Poland's New Ways of Public Diplomacy. – Frankfurt am Main: Peter Lang GmbH, 2017 – 242 S.

Ociepka, Beata: Poland's New Ways of Public Diplomacy. – Frankfurt am Main: Peter Lang, 2017 – 242 S.

ifa-Signatur 37/415

Neben politischen und wirtschaftlichen Beziehungen bildet ''Public Diplomacy'' das dritte Standbein der Außenpolitik, schreibt Beata Ociepka im vorliegenden Buch. Sie analysiert die Konzeption und die Wirkung von ''Public Diplomacy''-Strategien, die polnische Regierungen zwischen 2004 und 2015 nutzten. In dieser Zeit wurde Polen zunächst von der nationalkonservativen Pis-Partei und später von der bürgerlich-liberalen Bürgerplattform regiert. Beide Regierungen setzten dabei verschiedene Akzente. Die Pis-Regierung betonte ein traditionelles Narrativ der polnischen Geschichte und thematisierte die negativen Entwicklungen nach 1989, wie zum Beispiel die Armut und Ausgrenzung der ländlichen Bevölkerung. Die Bürgerplattform hingegen folgte einem europäischen Narrativ der Modernisierung, das die positiven Seiten der Zeit nach 1989 hervorhob. Zusätzlich zu den Methoden der Regierungen beleuchtet Ociepka auch die Rolle, die Institutionen – wie die Polnische Tourismus Organisation, Universitäten und das Europäische Netzwerk Erinnerung und Solidarität – bei der Darstellung des Landes im Ausland spielen. Sie zeigt, dass diese der offiziellen, staatlichen Strategie entweder entgegenwirken oder diese verstärken können. Die Autorin betrachtet insbesondere die polnische ''Public Diplomacy'' in Bezug auf Deutschland, Russland und die Ukraine. Ociepka thematisiert die verschiedenen historischen und gesellschaftlichen Hintergründe, welche die Beziehungen dieser Staaten prägen, und zieht eine kritische Bilanz der Erfolge und Misserfolge der ''Public Diplomacy''-Strategien Polens. (PB)

Buchcover der Publikation Im Schatten der Versöhnung: deutsch-französische Kulturmittler im Kontext der europäischen Integration. Schwarz-weiß-Foto, auf dem Kopf

Nicole Colin, Joachim Umlauf: Im Schatten der Versöhnung: deutsch-französische Kulturmittler im Kontext der europäischen Integration - Göttingen: Steidl, 2018. - 223 S.

ifa Signatur: 38/85

Ob Finanzkrise, Flüchtlingspolitik, Rechtspopulismus, oder nationale Egoismen – die Europäische Union befindet sich in keinem guten Zustand. Weil es den Europäern an einer gemeinsamen Vision für eine gute Zukunft mangelt, haben sich Themen wie staatliche Souveränität und nationale Identität in den Vordergrund gedrängt. Wie verhält sich die Kultur in dieser Polarität zwischen nationalen Rückzugssehnsüchten und Erfordernissen der multilateralen Zusammenarbeit? Welche Rolle kommt den Mittlerorganisationen der Auswärtigen Kulturpolitik wie dem Goethe-Institut oder dem ifa in so einer Situation zu? Können Kulturmittler zwischen unterschiedlichen Identitäten eine Brückenfunktion einnehmen? In der Publikation "Im Schatten der Versöhnung" widmen sich Nicole Colin und Joachim Umlauf diesen Fragen. Sie untersuchen das Phänomen des Mittlers als Kulturübersetzer nach 1945 methodisch systematisch und stellen dies anhand von bekannten und weniger bekannten Beispielen dar. Damit füllen sie eine Forschungslücke und stellen eine Typologie der Kulturmittler auf, die sie am Beispiel der deutsch-französischen Mittler und im Kontext der europäischen Integration erläutern. Dabei handelt es sich um Institutionen oder Persönlichkeiten, die sich intensiv und nachhaltig für Austausch und Verständigung zwischen den Nationen engagieren und damit den politischen und zivilgesellschaftlichen Annährungsprozess vorantreiben. Besonders hervorzuheben ist, dass sich Colin und Umlauf in ihrer Studie nicht nur mit dem staatlich finanzierten Netz der Mittlerorganisationen befassen, sondern auch mit den zivilgesellschaftlichen Mittlern – Publizisten, Wissenschaftlern, Schriftstellern und Filmemachern –, denen in der Politikwissenschaft bisher nur wenig Interesse entgegengebracht wird. Im Mittelpunkt der Analyse stehen nicht nur die geglückten Vermittlungsprozesse, sondern auch die Interferenzen und Konkurrenzverhältnisse, Krisen und das Scheitern sowie jene fruchtbaren Missverständnisse, welche jeden Transfer begleiten. (RG)

Perspektiven europäischer Gastlichkeit. Geschichte – Kulturelle Praktiken – Kritik. / Burkhard Liebsch … (Hrsg). – Weilerswist …: Velbrück Wissenschaft, 2016. – 786 S.

Perspektiven europäischer Gastlichkeit. Geschichte – Kulturelle Praktiken – Kritik. / Burkhard Liebsch … (Hrsg). – Weilerswist …: Velbrück Wissenschaft, 2016. – 786 S.

ifa-Signatur: 36 / 383

Gastfreundschaft und Gastlichkeit wurden in den letzten drei Jahren in Deutschland vor allem unter dem Begriff ''Willkommenskultur'' diskutiert. Sind wir Fremden gegenüber zur Gastlichkeit verpflichtet? Müssen wir Schutzbedürftigen Türen und Grenzen öffnen? Was können wir von unseren Gästen im Gegenzug erwarten? Und was bedeutet Gastlichkeit im Wertebild Europas? Die Autoren des vorliegenden Sammelbandes nähern sich diesen Fragen aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven. Sie zeigen, dass Gastfreundschaft und Gastlichkeit in der Menschheitsgeschichte omnipräsent sind – ob auf den Handelsrouten des Mittelalters, im von Nazi-Deutschland besetzten Frankreich oder bei türkischen Gastarbeitern in den 1970er Jahren. Die Perspektive des Bandes ist gesamteuropäisch. Immanuel Kants ''Allgemeine Hospitalität'', Hannah Arendts ''Weltlosigkeit'' und Jacques Derridas ''Gesetze der Gastfreundschaft'' bilden die theoretische Grundlage für die Fallstudien und historischen Betrachtungen. Das Buch bietet eine weitreichende Sammlung verschiedener Zugänge zum Thema Gastlichkeit und stellt ein umfassendes Werk für die aktuelle Debatte um Asyl und die Aufnahme von Geflüchteten dar. (PB)

Cover des Buches "Grenzverläufe – Migration, Museum und das Politische." von Patricia Deuser, – Münster: Lit, 2016. – 309 S.

Deuser, Patricia: Grenzverläufe – Migration, Museum und das Politische. – Münster: Lit, 2016. – 309 S.

ifa-Signatur: 36 / 406

Zwei Museen, ein Ziel, zwei unterschiedliche Herangehensweisen. Patricia Deuser vergleicht in ihrem Buch "Grenzverläufe –Migration, Museum und das Politische" ein Pariser und ein New Yorker Migrationsmuseum. Das Ziel beider Museen ist es, die Bedeutung der Einwanderer für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Landes ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rufen. Durch den direkten Vergleich wird dem Leser verdeutlicht, wie der Aufbau und die Organisation einer Ausstellung die Wahrnehmung der Besucher beeinflussen können. Die Cité nationale de l'histoire de l'immigration (CNHI) stützt ihre Dauerausstellung beispielsweise auf Statistiken und Zahlen. Der Besucher erfährt, aus welchen Ländern welche Bevölkerungsgruppen zu welcher Zeit eingewandert sind. Ausgestellt werden vor allem Kunstwerke, Bücher oder andere künstlerische Werke, die Einwanderer in Frankreich geschaffen haben. Im Gegensatz dazu steht das Museum auf Ellis Island. Statt Fakten stehen hier die Menschen im Vordergrund, die zwischen 1918 und 1924 in die USA kamen. In Audioaufnahmen erzählen sie von ihren Wünschen und Träumen und warum sie in die USA einwanderten. Während die CNHI aufzeigt, was Einwanderer für Frankreich geleistet haben, geht das Museum auf Ellis Island der Frage nach, wer die Menschen sind, die in die USA kamen. Mit ihrem Werk verdeutlicht Deuser, wie unterschiedlich ein Thema aufgegriffen und dargestellt werden kann und welche Auswirkungen dies auf den Betrachter haben kann. (MN)

Alex, Tessa: Kunst und Menschenrechte 1994 – 2012. Der Beitrag von Künstlern und Kuratoren in der Auseinandersetzung um die Universalität der Menschenrechte. – Hamburg: Verlag Dr. Kovač, 2016. – 344 S.

Alex, Tessa: Kunst und Menschenrechte 1994 – 2012. Der Beitrag von Künstlern und Kuratoren in der Auseinandersetzung um die Universalität der Menschenrechte. – Hamburg: Verlag Dr. Kovač, 2016. – 344 S.

ifa-Signatur 36 / 512

1948, drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, verabschiedeten die damaligen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen in ihrer Generalversammlung die ''Allgemeine Erklärung der Menschenrechte''. Heute, fast 70 Jahre später, bekennen sich mehr als 170 Länder weltweit zu der Deklaration. Dennoch verletzen auch Staaten, die die Vereinbarung ratifiziert haben, sie teilweise systematisch, schreibt Tessa Alex im vorliegenden Buch, das eine überarbeitete Fassung ihrer Dissertation aus dem Jahr 2015 ist. Im Mittelpunkt stehen die Beziehung zwischen Kunst und Menschenrechten und die Frage, welche Rolle zeitgenössische Kunstformen bei der Durchsetzung der Menschenrechte spielen. Die Autorin untersucht dafür unter anderem die Ausstellungen ''Newtopia. The State of Human Rights'', die 2012 im belgischen Lechelen gezeigt wurde, und ''El Dorado. Über das Versprechen der Menschenrechte'', eine Schau, die 2009 in Nürnberg zu sehen war. Zudem betrachtet sie die Arbeiten einzelner Künstler und Künstlergruppen zum Thema Menschenrechte. Anhand der Beispiele analysiert Alex künstlerische Vermittlungsstrategien und geht auf unterschiedliche Motivationen und Ansprüche der Künstler und Kuratoren ein. Gleichzeitig zeigt sie das Spannungsfeld auf, in dem sich die Universalität der Menschenrechte und das Recht auf kulturelle Vielfalt und Freiheit gegenüberstehen. (SGR)

Dittrich van Weringh, Kathinka: Wann vergeht Vergangenheit? – Weilerswist-Metternich: Dittrich, 2017. – 624 S.

Dittrich van Weringh, Kathinka: Wann vergeht Vergangenheit? – Weilerswist-Metternich: Dittrich, 2017. – 624 S.

ifa-Signatur: 37/594

"Ich habe gesehen, wie sich Grenzen öffneten, Menschen ein ihnen fremdes Europa entdeckten, sich mit Tränen in den Augen in den Armen lagen", mit diesen Worten beschreibt Kathinka Dittrich van Weringh den Prozess der europäischen Einigung. 27 Jahre lebte und arbeitete die Kulturpolitikerin in verschiedenen Ländern. In ihrem Buch blickt sie auf ein bewegtes Leben zurück. Für das Goethe-Institut zog es die promovierte Historikerin und Politikwissenschaftlerin ab 1969 immer wieder an die unterschiedlichsten Orte auf der Welt. Sie lebte in Barcelona, New York, Amsterdam und Moskau. 1990 gründete sie nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion das erste Goethe-Institut in Moskau. Seit 1994 lebt sie in Köln. Dort war sie bis 1998 als Kulturdezernentin tätig. In ihrem neuen Buch berichtet Kathinka Dittrich van Weringh sehr persönlich von ihren Erlebnissen und Erfahrungen im In- und Ausland und von ihren Begegnungen mit Menschen aus Politik, Kunst, Film, Literatur und Musik. Sie erzählt, wie sie den russischen Filmhistoriker Naum Ichiljewitsch Kleiman und den niederländischen Schriftsteller Geert Mak traf und bringt ihre Meinung zu Ereignissen der Zeitgeschichte zum Ausdruck. Aus subjektiver Perspektive beschreibt sie beispielsweise den neuen Nationalismus in Polen sowie Litauens Integration in die Europäische Union. Sie geht auf die Zukunft Europas und der westlichen Welt ein, bei der die Zivilgesellschaft ihrer Meinung nach eine wichtige Rolle einnimmt. "Just all diese engagierten Menschen bauen Europa 'von unten' auf. Instinktiv versöhnen sie die Vergangenheit mit der Gegenwart", schreibt sie in ihrem Nachwort. Zugleich zeigt sich Kathinka Dittrich van Weringh offen für neue Ideen und Denkweisen. Sie "hoffe auf Antworten – die doch immer neue Fragen aufwerfen". Das Buch erzählt die Geschichte einer besonderen Frau und gibt zugleich einen umfassenden Überblick über kultur- und gesellschaftspolitische Entwicklungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. (KS)

Saunders, Robert A.: Popular Geopolitics and Nation Branding in the Post-Soviet Realm. – New York …: Routledge, 2017.

Saunders, Robert A.: Popular Geopolitics and Nation Branding in the Post-Soviet Realm. – New York …: Routledge, 2017. – 265 S.

ifa-Signatur: 36 / 354

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion traten Anfang der 1990er Jahre 15 neue Staaten in den ''Supermarkt der Nationen'' ein, schreibt Robert A. Saunders im vorliegenden Buch. Er analysiert, wie sich die postsowjetischen Staaten selbst wahrnehmen, welchen Fremdbildern sie sich ausgesetzt sehen und auf welche Weise sie versuchen, ihr Bild nach außen selbst zu formen. Dabei bezieht er sich sowohl auf die Umbruchzeit der 1990er Jahre als auch auf die heutige Situation. Zunächst fasst er den aktuellen Stand der verschiedenen Konzepte von Nationalismus und nationaler Identität zusammen und beschreibt das Konzept des ''national image''. Im Anschluss wendet er dieses auf die verschiedenen geopolitischen Regionen der ehemaligen Sowjetunion an, vom Baltikum, über den Kaukasus, die westlichen Republiken und Russland bis hin zu Zentralasien, und kategorisiert verschiedene Darstellungen des ''homo post sovieticus'' in der amerikanischen und anglophonen Popkultur. Die Kategorisierung beinhaltet sowohl ''Schurken'' als auch ''komische Charaktere'', wie zum Beispiel Borat, über den 2006 in einer Persiflage Kasachstan parodiert wurde. Im letzten Kapitel betrachtet Saunders Strategien, mit denen sich Nationalstaaten selbst nach außen vermarkten und vergleicht, wie effektiv diese das ''national image'' beeinflussen konnten. Dabei legt er ein besonderes Augenmerk auf die Tourismus- und Wirtschaftsbranche sowie die Auswärtige Kulturpolitik. Seine Forschung veranschaulicht er mit vielen Beispielen aus Russland und den baltischen Staaten, sowie aus der Popkultur, insbesondere aus Film und Fernsehen. (PB) 

Cover des Buches Kann Kultur Europa retten? / Ronald Grätz (Hrsg.). – Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, 2017. – 234 S.

Kann Kultur Europa retten? / Ronald Grätz (Hrsg.). – Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, 2017. – 234 S.

ifa-Signatur: 37 / 493

Finanzkrise, Flüchtlingspolitik, nationale Egoismen – die Europäische Union befindet sich im Dauerkrisenmodus. Schon während der Eurokrise sind Risse zwischen den EU-Mitgliedstaaten deutlich zu Tage getreten. Inzwischen sind aus den Rissen Gräben geworden, der Zusammenhalt Europas ist in Gefahr. Wie stark ist die gemeinsame kulturelle Basis, auf die sich die Kulturpolitik in Europa stützen kann? Kann Kultur dazu beitragen, die emotionale Dynamik des Nationalstaates mit der Logik der europäischen Zusammenarbeit in Einklang zu bringen? Diesen Fragen gehen in der vorliegenden Publikation Künstler, Kulturschaffende und Wissenschaftler nach. Sie fragen nach dem "Common Ground", nach den Gemeinsamkeiten, die die Menschen in Europa über wirtschaftliche Interessen hinaus verbinden könnten. In ihren Beiträgen beschäftigen sie sich unter anderem mit der europäischen Geschichtspolitik, einem gemeinsamen Bildungskanon, dem digitalen Wandel, Demokratie und Recht, der Zukunft der Regionen in Europa, dem Islam in Europa sowie Flucht und Migration im Comic. (Cz)
→ Bestellen

Saehrendt, Christian: Kunst im Kampf für das "Sozialistische Weltsystem". Auswärtige Kulturpolitik der DDR in Afrika und Nahost. – Stuttgart: Franz Steiner Verlag, 2017. – 164 S.

Saehrendt, Christian: Kunst im Kampf für das "Sozialistische Weltsystem". Auswärtige Kulturpolitik der DDR in Afrika und Nahost. – Stuttgart: Franz Steiner Verlag, 2017. – 164 S.

ifa-Signatur 37 / 327

Nicht nur im wirtschaftlichen, auch im kulturellen Bereich pflegte die Deutsche Demokratische Republik Kooperationen zu Ländern in Afrika und im Nahen Osten. Mit dem Ziel, einen Gegenentwurf zur kapitalistischen Kunstidee des Westens zu schaffen und ein sozialistisches System in den instabilen Ländern zu etablieren, setzte die Regierung Kultur als außenpolitisches Instrument ein. Die Strategie der DDR, Kunst als diplomatisches Mittel zu nutzen, macht Christian Saehrendt zum Thema seines aktuellen Buches. Im Fokus seiner Studie stehen die kulturpolitischen Beziehungen des sozialistischen Landes zu Syrien, Palästina, Äthiopien, Angola, Mosambik und zum Irak. Eine der grundlegenden Fragen dabei ist, ob und inwieweit Kunst zum Werden einer Nation, dem sogenannten "Nation Building", beitragen kann. Ausgehend davon untersucht der Kunsthistoriker, welchen Einfluss Kunst in ihrer Funktion als außenpolitisches Instrument hat. Kritisch hinterfragt er den möglichen Missbrauch von Kunst für Propagandazwecke und wie sinnvoll der Kulturaustausch zwischen Staaten mit erheblichen Systemunterschieden ist. Mit seinem Werk stellt Saehrendt grundsätzliche Fragen und kommt zu dem Ergebnis, dass sich Kunst trotz ihrer Formbarkeit nicht jedem politischen System unterordnen lässt. (LG)

Auer, Claudia: Theorie der Public Diplomacy. Sozialtheoretische Grundlegung einer Form strategischer Kommunikation. – Wiesbaden: Springer VS, 2017. – 537 S.

Auer, Claudia: Theorie der Public Diplomacy. Sozialtheoretische Grundlegung einer Form strategischer Kommunikation. – Wiesbaden: Springer VS, 2017. – 537 S.

ifa-Signatur 37 / 197

Claudia Auer entwickelt eine Theorie der "Public Diplomacy", die handlungstheoretische Ansätze mit makrosoziologischen Perspektiven zusammenführt. Detailliert analysiert sie einen bislang kaum erforschten Bereich kommunikativen Handelns und zeigt gleichzeitig, dass mit der sozialtheoretischen Grundlegung nicht nur "Public Diplomacy", sondern verschiedene Formen strategischer und öffentlicher Kommunikation theoretisch erfasst werden können. Ihre Überlegungen zum Entwurf einer Theorie der PR und des Journalismus lassen erkennen, dass diese auch in solchen Forschungsfeldern zu neuen und weiterführenden Erkenntnissen führen können, die bereits durch Sozialtheorien gut erfasst worden sind.Der Inhalt: Empirische Rekonstruktion der "Public Diplomacy" – Berufspraxis in Deutschland; Analyse der "Public Diplomacy"-Forschung; Sozialtheoretische Grundlegung von "Public Diplomacy"; Überlegungen zur Übertragbarkeit der Theorie auf PR und JournalismusDie Zielgruppen: Dozierende und Studierende der Medien- und Kommunikationswissenschaft, Politikwissenschaft sowie Soziologie; Praktikerinnen und Praktiker aus dem Bereich Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik. (Springer)

Cover von Global Mobilities. Refugees, Exiles, and Immigrants in Museums and Archives. / Amy K. Levin (eds). – New York …: Routledge, 2017.

Global Mobilities. Refugees, Exiles, and Immigrants in Museums and Archives. / Amy K. Levin (eds). – New York …: Routledge, 2017. – 475 pp.  

ifa-Signatur: 37 / 47

Flüchtlingsunterkünfte, Jobcenter, Deutschschulen – diese Orte kommen einem in den Kopf, wenn man an "Flüchtlinge" denkt. Aber auch kulturelle Räume, wie beispielsweise Museen, können Orte für Migranten sein. Im Buch "Global Mobilities" geht es darum, wie Museen, Archive, digitale Sammlungen und Bibliotheken mit Migranten arbeiten. Das Buch schildert die Rolle von öffentlichen Institutionen bei der Integration von Minderheiten und dem Erhalt von kultureller Diversität. Es beschreibt den Umgang dieser Einrichtungen mit ethnischen Minderheiten und präsentiert verschiedene Studien aus allen Teilen der Welt, die die Wichtigkeit von kulturübergreifendem Wissen und Austausch hervorheben. Die Studien veranschaulichen, dass der Umgang mit Flucht, Migration und kultureller Diversität Konfliktpotenzial mit sich bringen kann. Dabei zeigen die Autoren jedoch nicht ausschließlich Probleme auf, sondern geben gezielte Ratschläge, wie Konflikte entschärft werden können. Nach einer theoretischen Einführung in das Thema berichten sie von ihren Recherchen in Museen, die sich mit Migrationsgeschichte befassen. Beispielsweise wird über das jüdische Flüchtlingsmuseum in Shanghai geschrieben oder ein polnischen Museum in den Vereinigten Staaten, dessen Arbeit sich identitätsstiftend auf die in die USA eingewanderten Polen auswirkte. Neben den verantwortlichen Museumsleitern kommen Künstler, Besucher und illegale Einwanderer zu Wort, woraus ein vielschichtiger Blick in die Museumsarbeit entsteht. (PL)

Cover des Fachbuchs "Public Diplomacy and the Implementation of Foreign Policy in the US, Sweden and Turkey"

Sevin, Efe: Public Diplomacy and the Implementation of Foreign Policy in the US, Sweden and Turkey. – Cham: Palgrave Macmillan, 2017. – 207 S.

ifa-Signatur: 37 / 175

Sei es ein Basketballspiel zwischen dem US-amerikanischen Präsidenten und jungen russischen Basketballtalenten, eine Karikatur-Ausstellung zum Thema Klimawandel in Albanien oder die Vergabe des Titels "Kunst- und Kulturhauptstadt der türkischen Welt" – all diese Initiativen zielen im Rahmen von "Public Diplomacy" auf die Durchsetzung verschiedener außenpolitischer Ziele ab. Das Buch erleichtert den Einstieg in die "Public Diplomacy" durch eine umfassende Definition des Themenbereichs. Sevin fasst bisherige wissenschaftliche Erkenntnisse zusammen und arbeitet diese strukturiert auf. Mit Blick auf Wirkungsbereiche, die öffentliche Meinung, Beziehungsdynamiken und öffentliche Debatten stellt Sevin in seinem Buch mögliche Auswirkungen von "Public Diplomacy"-Projekten auf die Außenpolitik dar. Diese dienen als Rahmen für die im Buch aufgeführten Länderstudien zu den "Public Diplomacy"-Strategien der USA, Schwedens und der Türkei. Hierbei stellt Sevin bewusst auch nicht US-amerikanische Projekte in den Vordergrund, um den wissenschaftlichen Fokus der Thematik internationaler zu gestalten. "Public Diplomacy funktioniert! Aber wie?" – mit seinem Buch bietet Sevin ein theoretisches Gerüst welches gleichermaßen zur Entwicklung sowie zur Analyse von "Public Diplomacy"-Projekten genutzt werden kann. (LP)

Fabian Wolff: Interkulturelle Kompetenz durch Auslandsaufenthalte. Längsschnittanalyse der Wirkung dreimonatiger Auslandserfahrungen. – Wiesbaden: Springer Fachmedien, 2017. – 366 S.

Wolff, Fabian: Interkulturelle Kompetenz durch Auslandsaufenthalte. Längsschnittanalyse der Wirkung dreimonatiger Auslandserfahrungen. – Wiesbaden: Springer Fachmedien, 2017. – 366 S.

ifa-Signatur 37 / 436

In einer der größten Längsschnittstudien dieser Art liefert der Autor einen empirischen Nachweis für die positive Wirkung bildungsbezogener Auslandsaufenthalte auf die Entwicklung interkultureller Kompetenzen. Erstmalig wird aufgezeigt, dass der Zugewinn interkultureller Kompetenzen weitgehend unabhängig von der Gestaltungsform der Auslandsaufenthalte auftritt. Weitere Analysen beziehen die Konstrukte Offenheit für Erfahrungen, Extraversion, Lebenszufriedenheit und allgemeine Selbstwirksamkeit ein. Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Migrationsbewegungen diskutiert.
Der Inhalt: Konzeptualisierung interkultureller Kompetenz, Erfassung interkultureller Kompetenz, Interkulturelle Kompetenz und Auslandserfahrungen
Die Zielgruppen
: Dozierende und Studierende der Fachgebiete Psychologie, Pädagogik, Kommunikationswissenschaft, Management und Kulturwissenschaft; Praktikerinnen und Praktiker in internationalen Austauschdiensten und Vermittlungsagenturen bildungsbezogener Auslandsprogramme, Bildungspolitiker, Personaler und Interkulturelle Trainer. (Springer)

Pisarska, Katarzyna: The Domestic Dimension of Public Diplomacy. Evaluating Success through Civil Engagement. – London: Palgrave Macmillan, 2016. – 207 pp.

Pisarska, Katarzyna: The Domestic Dimension of Public Diplomacy. Evaluating Success through Civil Engagement. – London: Palgrave Macmillan, 2016. – 207 pp.

ifa Signatur: 36 / 546

"Public Diplomacy" ist bereits seit mehr als 50 Jahren im politikwissenschaftlichen Diskurs bekannt. Klassischerweise assoziiert man den Begriff mit einer staatlichen Einflussnahme auf die ausländische Öffentlichkeit, die das Image des eigenen Landes verbessern soll. Doch inwieweit hat diese vielleicht zu vereinfachte Definition in globalisierten Zeiten an Aktualität verloren? Katarzyna Pisarska, Professorin an der Warsaw School of Economics, erweitert in ihrem Buch den Begriff zu "New Public Diplomacy" und verleiht ihm eine neue, nunmehr inländische Dimension. Ihre Einschätzung: Es sind nicht länger allein Regierungen, die Public Diplomacy gestalten, sondern vielmehr die nicht-staatlichen nationalen Akteure.  Dieser neuen Diplomatie liegt ein Paradigmenwechsel zugrunde, der sich von Monolog über Dialog hin zu Kollaboration vollzieht. Doch was sind die Ziele dieser neuen Politik? Welche Rolle spielt dabei die ausländische Zivilgesellschaft? Diesen und weiteren Fragen geht Pisarska mithilfe von länderspezifischen Fallstudien und Interviews auf den Grund. Dabei illustriert sie sowohl gelungene als auch gescheiterte Modelle der neuen Diplomatie. Hinterfragend, kritisierend und vorwärtsdenkend wirft die Autorin einen Blick hinter klassische Perspektiven der Politikwissenschaft. Geeignet ist das Buch nicht nur als Inspiration für staatliche Akteure, die eine adäquate Außenpolitik betreiben wollen, sondern ebenso für an Diplomatie interessierte Leser der Zivilgesellschaft. (LG)

Zhang, Guozuo: Research Outline for China’s Cultural Soft Power. - Singapur: Springer, 2017. - 128 S.

Zhang, Guozuo: Research Outline for China's Cultural Soft Power. – Singapur: Springer, 2017. – 128 pp.

ifa-Signatur: 37 / 120

"Soft Power" als besondere Form der Machtausübung – fast drei Jahrzehnte sind vergangen, seitdem der US-amerikanische Politikwissenschaftler Joseph S. Nye den Begriff geprägt hat. Als Gegenstück zu traditioneller "Hard Power" ist sie ihm zufolge gekennzeichnet durch diplomatische Überzeugungs- und Anziehungskraft der Akteure. Ausgehend von den USA hat sich das Konzept der "Soft Power" schnell in den westlichen Nationen verbreitet und einen Platz sowohl in der politischen Praxis als auch im wissenschaftlichen Diskurs gefunden. Etwas länger gedauert hat es damit in China: Erst seit einigen Jahren wird dort zum Thema kulturelle "Soft Power" im Land geforscht. Was fehlt, ist eine umfassende theoretische Grundlage, ein systematischer Überblick und ein gemeinsames Verständnis dieses Konzepts. Dies bietet das Buch von Guozuo Zhang. Der Autor analysiert darin die Handlungsbereiche Politik, Religion, Kulturwirtschaft, Medien, Literatur und Bildung sowie zentrale Fragen – so zum Beispiel die nach dem Zusammenhang zwischen Chinas kultureller "Soft Power" und dem "chinesischen Traum". Mit seinem Buch möchte Zhang zu weiterer Forschung auf diesem Gebiet anregen. Zu einem ersten Fazit gelangt er jedoch bereits jetzt: Chinas kulturelle und die von Nye proklamierte "Soft Power" unterscheiden sich radikal voneinander. (KS)

Cultural Transfer and Political Conflicts. Film Festivals in the Cold War.  / Andreas Kötzing & Caroline Moine (Hrsg.). – Göttingen: V&R unipress GmbH, 2017. – 165 S.

Cultural Transfer and Political Conflicts. Film Festivals in the Cold War.  / Andreas Kötzing … (eds.). – Göttingen: V&R unipress GmbH, 2017. – 165 pp.

ifa-Signatur: 37 / 406

Starre Strukturen und festgefahrene Konflikte: Diese Vorstellung von der Zeit des Kalten Krieges hat sich im kollektiven Gedächtnis verankert. Dabei war das jahrzehntelang anhaltende Kräftemessen auch geprägt von einer Dynamik der Konfrontation, des Wettbewerbs und der zeitweiligen Annäherung. Besonders deutlich wird dies, wenn man sich mit der Kultur im Kalten Krieg auseinandersetzt. Filmfestivals spielten dabei eine zentrale Rolle und geben Aufschluss über (kultur-)politische Prozesse der damaligen Zeit. Sie können sowohl als Plattform für Filmemacher und deren Wahrnehmung der Realität als auch als Orte der Geselligkeit und des Austausches verstanden werden. Nicht selten wurde eine Veranstaltung zum Politikum. Genau damit befasst sich der Sammelband von Andreas Kötzing und Caroline Moine. Inwiefern stellten Filmfestivals tatsächlich Schnittpunkte zwischen dem "Osten", dem "Westen" und dem "Süden" dar? Welche Institutionen waren für die Organisation zuständig? Können Filmfestivals als Bühnen für (trans-)nationale Politik gesehen werden? Das sind Fragen, mit denen sich im vorliegenden Sammelband zehn junge internationale Wissenschaftler beschäftigen. Entstanden sind Essays und Case Studies, die mit unterschiedlichen Forschungsperspektiven und Methodenansätze einen kritischen Blick auf die Geschichte wagen und zugleich die große Bedeutung von Filmfestivals für den kulturellen Austausch hervorheben. (KS)

Manuela Sato-Prinz: Deutschlandbilder und Studienaustausch. Zur Veränderung von Nationenbildern im Rahmen von Studienaustauschaufenthalten am Beispiel japanischer Austauschstudierender in Deutschland.

Sato-Prinz, Manuela: Deutschlandbilder und Studienaustausch. Zur Veränderung von Nationenbildern im Rahmen von Studienaustauschaufenthalten am Beispiel japanischer Austauschstudierender in Deutschland. – München: IUDICUM Verlag , 2017. – 295 S.

ifa-Signatur: 37 / 75

Wie verändern sich die Bilder eines Landes, wenn ein Auslandsemester in diesem Land absolviert wird? Welche Faktoren spielen eine Rolle? Und wenn ja, unter welchen Bedingungen verändern sich die Bilder der Studierenden von einem Land? Manuela Sato-Prinz präsentiert die Ergebnisse ihrer empirischen Studie. Gegenstand ihrer Studie war eine Gruppe japanischer Austauschstudierender in Deutschland und wie sich deren Bild Deutschlands verändere. Zu drei verschiedenen Zeitpunkten füllten die Studentinnen und Studenten einen Fragebogen aus und stellten sich in einem relativ offenen Interview verschiedenen Fragen. Das Ergebnis der Studie ist – unter anderem –, dass die Bilder der Studierenden inhaltlich vielfältiger und individueller werden. Auch geht der Trend dahin, nicht mehr nur in den in sich geschlossenen Kategorien das ist "deutsch" und das ist "japanisch" zu denken, sondern es findet immer mehr eine Verwischung der Grenzen statt. Die Autorin leitet aus den Ergebnissen der Studie klare Handlungsempfehlungen ab. So können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Universitäten, Lehrpersonen von Deutsch als Fremdsprache und andere Personen, denen eine wichtige Rolle im Austauschaufenthalt zukommt, Möglichkeiten ableiten, um die Erfahrungen der Studierenden positiv zu gestalten. (PL)

Nida-Rümelin, Julian: Über Grenzen denken. Eine Ethik der Migration.

Nida-Rümelin, Julian: Über Grenzen denken. Eine Ethik der Migration. – Hamburg: Edition Körber Stiftung, 2017. – 199 S. 

ifa-signatur: 37 / 198

Die Flüchtlingskrise scheint überwunden. Doch wie wahr ist der Schein? Millionen Menschen hoffen darauf, ihr Land zu verlassen, und die Fluchtursachen Armut, Hunger, Unterdrückung und Krieg existieren noch immer. Wie soll der Westen auf die Herausforderungen reagieren – Grenzen auf oder zu? Der Philosoph Julian Nida-Rümelin fordert mit dem vorliegenden Essay dazu auf, über die Rolle nationaler Grenzen nachzudenken. In Anbetracht der aktuellen Situation sollte Migration, seiner Meinung nach, unter Berücksichtigung politscher und ethischer Fragen beurteilt werden. Die gegenwärtige Migrationsbewegung erfordert verantwortungsbewusstes Handeln. Das Buch beschreibt und erläutert zunächst den Verantwortungsbegriff und dessen verschiedene Interpretationsmöglichkeiten. Sprechen wir noch von globaler Verantwortung? Gibt es internationale Gerechtigkeit? Wie lässt sich die grundsätzliche politisch-philosophische Frage nach der ethischen Legitimation staatlicher Grenzen beantworten? Dazu nennt der Autor die globalen Herausforderungen. Einerseits die ethischen Aspekte der Armuts- und Wirtschaftsmigration sowie andererseits die der Kriegs- und Bürgerkriegsmigration. Die Erfüllung ethischer Pflichten sowie politisches Handeln nach humanitären Werten, sind für ihn zentrale Grundlage für zukunftsträchtige Entscheidungen. Im Hinblick auf die Zukunft versucht Nida-Rümelin abschließend anhand seiner Argumentation eine Liste mit Kriterien zu erstellen, die der Migrationspolitik in Deutschland,  Europa und global Orientierung geben können. Offene Grenzen lehnt der Autor strikt ab, weil sie keine langfristige Lösung für die humanitären Skandale unserer Zeit darstellen. (SL)

Ben Garner: The Politics of Cultural Development. Trade, cultural policy and the UNESCO Convention on Cultural Diversity

Garner, Ben: The Politics of Cultural Development. Trade, cultural policy and the UNESCO Convention on Cultural Diversity. – Oxford: Routledge, 2016. – 248 pp.

ifa-Signatur: 36 / 438

Bis in die späten 1990er Jahre war Kultur kaum ein Thema in der Entwicklungspolitik von Staaten und internationalen Institutionen. Doch ab dem neuem Jahrtausend setzte sich international die Überzeugung durch, dass die Kultur eine wichtige Rolle in der langfristigen Entwicklung von Ländern einnimmt. Mit der Einführung der 2005 verabschiedeten "UNESCO-Konvention zum Schutz und Förderung der kulturellen Vielfalt" wurde ein jahrelanger Prozess abgeschlossen. Sie bildet das Fundament für die Rolle der Kultur in der nachhaltigen Entwicklungspolitik. In seinem Buch beschäftigt sich Ben Garner mit der Frage, ob die UNESCO-Konvention ein Vorzeigemodel für kulturelle Entwicklung ist. Garner befasst sich im ersten Teil des Buches mit den theoretischen und politischen Debatten um die Konvention, während der zweite Teil praktische Auswirkungen des Vertrages nennt. Er geht der Frage nach, welche aktiven Akteure und internationalen Institutionen einen großen Einfluss auf die Konvention hatten und welche Motivationen dahinter standen. Abgeschlossen wird das Buch durch eine Vielzahl von Analysen und Fallbeispielen aus der Europäischen Union, der Karibik und China. Ein ausführliches Kapitel ist der Partnerschaft zwischen der EU und Ländern aus der Karibik, genannt "EU-CARIFORUM Economic Partnership Agreement" gewidmet. (PL) 

Faath, Sigrid...: Herausforderungen in arabischen Staaten. Die Friedrich-Ebert-Stiftung im Nahen Osten und in Nordafrika. – Bonn: Dietz, 2016. – 407 S.

Faath, Sigrid...: Herausforderungen in arabischen Staaten. Die Friedrich-Ebert-Stiftung im Nahen Osten und in Nordafrika. – Bonn: Dietz, 2016. – 407 S.

ifa-Signatur: 36 / 48

Mehr als 100 Auslandsbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) gibt es heute weltweit. Rund zehn Prozent davon befinden sich in der Region des Nahen Ostens und Nordafrikas (MENA). Doch auf eine reibungslose Entwicklung der Stiftungsarbeit lässt sich in der MENA-Region nicht zurückblicken. Vielmehr muss man insbesondere die Anfangsphase der Friedrich-Ebert-Stiftung dort als holprig beschreiben. Welche Hindernisse hatte die FES in ihren Anfangsjahren in der MENA-Region aus dem Weg zuräumen? Welchen Herausforderungen steht die Stiftungsarbeit aktuell bezüglich der Auswirkungen des sogenannten "Arabischen Frühlings" gegenüber? Diese Fragen und die geschichtlichen Zusammenhänge zwischen der Stiftungsarbeit vor Ort sowie weltpolitischen und regionalen Ereignissen beleuchtet das vorliegende Buch. Zwei langjährige Referatsleiter der FES geben einen Überblick vom Start der Stiftungsarbeit Anfang der 1960er Jahre bis ins Jahr 2016. Ergänzt wird der geschichtliche Rückblick durch die genauere Betrachtung Tunesiens und Ägyptens im Kontext des "Arabischen Frühlings". Die Länderexpertinnen Sigrid Faath und Sonja Hegasy zeigen auf, wie unterschiedlich sich die Entwicklung zweier im Mittelpunkt des "Arabischen Frühlings" stehender Länder vollziehen kann. Die gesellschaftliche Grundstimmung und die politische Lage vor Ort sind auch aktuell noch unbestimmbare Größen und gleichzeitig die Grundlage für die Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung im Nahen Osten und Nordafrika. Wer mehr über die Stiftungsarbeit in der MENA-Region sowie die Kooperationsstrukturen vor Ort erfahren will, findet in diesem Buch Antworten. (LP)

Jason C. Parker: Hearts, Minds, Voices. US Cold War Public Diplomacy and the Formation of the Third World. - New York: Oxford University Press, 2016. – 240 S.

Parker, Jason C. : Hearts, Minds, Voices. US Cold War Public Diplomacy and the Formation of the Third World. – New York: Oxford University Press, 2016. – 240 pp.

ifa- Signatur: 36 / 457

Während des Kalten Krieges versuchten die USA, die "Herzen und Köpfe" der Menschen für ihre Sicht der Welt zu gewinnen. Die verschiedenen Maßnahmen der Public Diplomacy erreichten nicht nur die Menschen an den direkten Konfliktgrenzen in Europa. In dem vorliegenden Buch untersucht der amerikanische Geschichtsprofessor Jason C. Parker die Strategie der Vereinigten Staaten im globalen Süden. Im Fokus des Buches steht die Frage, wie die Public Diplomacy der USA auf Menschen in Afrika, Asien und in der Karibik, im Spannungsfeld von Armut, Rassenkonflikten, Entkolonialisierung, und antiimperialistischen Strömungen wirkte. Kernthese des Buches ist es, dass die öffentliche Kampagne, die "Herzen und Köpfe" der Menschen zu gewinnen, unbeabsichtigt den Beginn der transnationalen, imaginären Gemeinschaft der "Dritten Welt" initiierte. Schon vor dem Kalten Krieg existierten Probleme wie die fehlende wirtschaftliche Entwicklung, Spannungen zwischen Ethnien und das Streben nach nationaler Souveränität. Die meisten Länder der so genannten "Dritten Welt" erlebten den Konflikt nicht als blutige, gewalttätige Intervention, sondern als Medienkrieg. Der Autor argumentiert, dass die Ablehnung des Kalten Krieges die Länder der Dritten Welt intellektuell und geografisch vereinigte. Diese Reaktion des globalen Südens auf den Kalten Krieg hat dazu beigetragen, eine internationale Debatte über die "Dritte Welt" entstehen zu lassen. (PL)

Abderrezak, Hakim: Ex-Centric Migrations. Europe and the Maghreb in Mediterranean Cinema, Literature, and Music. – Bloomington: Indiana University Press, 2016. – 255 S.

Abderrezak, Hakim: Ex-Centric Migrations. Europe and the Maghreb in Mediterranean Cinema, Literature, and Music. – Bloomington: Indiana University Press, 2016. – 255 pp.

ifa-Signatur: 36 / 292

Menschen in überfüllten Booten auf dem Mittelmeer, verlassene Schwimmwesten an der Küste. Jeder kennt diese Bilder. In europäischen Medien erzählen sie die Geschichte der Migration von Afrika nach Europa. Doch neben dieser Darstellung in den etablierten europäischen Medien, gibt es noch weitere Erzählweisen der Migrationsbewegung zwischen dem globalen Süden und dem globalen Norden. Um eine dieser Erzählweisen geht es in "Europa and the Maghreb in Mediterranean Cinema, Literature, and Music". In dem Buch untersucht der Autor Hakim Abderrezak, wie die Migrationsbewegung in nordafrikanischen Büchern, Filmen und Musik dargestellt wird. Der Fokus des Bandes liegt auf Nordafrika und der Überquerung des westlichen Mittelmeers. Dabei geht es nicht nur um die illegale Überfahrt Richtung Norden, sondern auch um die Rückkehr nach Nordafrika sowie um die Weiterfahrt von Frankreich in andere europäische Länder und in den Nahen Osten. Mit seinem Ansatz zeigt Abderrezak, inwiefern sich die Rolle Frankreichs in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat: Trotz der Verbundenheit durch Kolonialisierung und Sprache ist Frankreich heute nicht mehr das primäre Einwanderungsland für Menschen aus dem Maghreb. Die Filme, Bücher und die Musik zeigen oft vergessene Aspekte und Hintergründe von Migration auf. Durch die künstlerisch-kulturelle Perspektive ermöglicht der Autor eine andere Wahrnehmung der Migration, thematisiert die Sehnsucht nach den Herkunftsländern und führt neue Begriffe in den politischen Diskurs ein. (CB, SG)

Engagierte Migranten. Teilhabe in der Bürgergesellschaft.  / Torsten Groß ... (Hrsg). – Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag, 2017. – 254 S.

Engagierte Migranten. Teilhabe in der Bürgergesellschaft.  / Torsten Groß ... (Hrsg). – Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag, 2017. – 254 S.

ifa-Signatur:  37 / 12

Engagierte Menschen mit Migrationshintergrund sind nicht mehr aus den Arenen des bürgerschaftlichen Engagements wegzudenken. Dabei gilt es die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sie Chancengerechtigkeit ermöglichen und Zugangsbarrieren ausräumen. Dieser Sammelband bildet den Stand der Fachdiskurse ab. Er ist entstanden aus den langjährigen Diskussionen der Arbeitsgruppe "Migration, Teilhabe, Vielfalt" des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (BBE). Das erste Kapitel beschäftigt sich mit der "Zuwanderungs- und Integrationspolitik der vergangenen 20 Jahre in Deutschland". Im Mittelpunkt des zweiten Kapitels stehen "Migrantenorganisationen", die in jüngster Zeit vermehrt von Politik und Öffentlichkeit wahrgenommen und anerkannt werden. Das dritte Kapitel widmet sich dem Schwerpunkt "Interkulturelle Öffnung". Im vierten Kapitel werden einige "Engagementbereiche", in denen Menschen mit Migrationshintergrund engagiert sind, näher beleuchtet. Das abschließende Kapitel nimmt "Engagementformen, -kontexte und -förderung" in den Blick. (Wochenschau Verlag)

Christian Tatje: Die Rolle des Schulbuchs bei der Vermittlung der Europäischen Union.  – Wiesbaden: Springer VS, 2017. –177 S.

Tatje, Christian: Die Rolle des Schulbuchs bei der Vermittlung der Europäischen Union.  – Wiesbaden: Springer VS, 2017. –177 S.

ifa-Signatur: 37 / 246

Christian Tatje untersucht zum einen die tatsächliche Nutzung (Häufigkeit und Funktionen) vom Politikschulbuch und dessen Bestandteile durch Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler (vor, während und nach dem Unterricht). Zum anderen analysiert der Autor, wie die Schulbücher und ihre EU-Kapitel von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften bewertet werden. Dabei konnte eruiert werden, dass Politikschulbücher nach wie vor eine bedeutende Rolle im Unterricht spielen – keine der 52 befragten Klassen arbeitete gänzlich ohne Schulbuch. Neben deskriptiven Analysen wurden latente Regressionen zum Einfluss von Hintergrundvariablen und verschiedenen Lehrer- bzw. Schülerdispositionen durchgeführt. (Springer VS)

The Romance of Crossing Borders. Studying and Volunteering Abroad. / Neriko Musha Doerr … (eds.). – New York …: Berghahn Books, 2017. – 286 pp.

The Romance of Crossing Borders. Studying and Volunteering Abroad. / Neriko Musha Doerr … (eds.). – New York …: Berghahn Books, 2017. – 286 pp.

ifa-Signatur: 37 / 187

Schwärmen, sich schämen, entdecken, neugierig sein: Emotionen spielen eine zentrale Rolle bei der Begegnung mit dem "kulturell Anderen".  Welche Art von Emotionen Menschen verbindet, wie wir verhindern können, dass unsere Neugier auf das Exotische zu Voyeurismus wird und wie wir Gefühle nutzen können, um Begegnung in globalen Prozessen menschlich zu gestalten, wird im vorliegenden Sammelband untersucht. Im Mittelpunkt stehen Studierende amerikanischer Colleges und Universitäten, die während ihres Studiums einen Aufenthalt in einem anderen Land absolvieren. Die verschiedenen Aufenthaltsorte der Untersuchungsgruppe sind weit gefasst: von Mexiko, Afrika und Spanien bis nach Paris und Kyoto. Die theoretischen Ansätze stammen aus verschiedenen Disziplinen, darunter die Ethnologie, Geographie, Bildungswissenschaft, Fremdsprachenbildung und die Psychoanalyse. Neben dem Bildungskontext und dem Erlernen einer neuen Sprache spielen Aspekte wie die Konstruktion von Unterschieden und ungleiche Machtbeziehungen eine Rolle bei der Emotionsanalyse im globalen Kontext. Im Fokus stehen zudem die Fragen, wie Emotionen mobilisiert und geleitet werden und wie sie Subjektivitäten formen. Mit ihrem Buch wollen die beiden Herausgeberinnen, Neriko Musha Doerr und Hannah Davis Taïeb, Anregungen liefern, mit denen man nicht nur die Praxis des Auslandsstudiums reflektieren, sondern auch Einfluss auf die Erfahrungen der Studierenden nehmen kann.  (SG)

Philippe Lane: Présence francaise dans le monde. L’action culturelle et scientifique

Lane, Philippe: Présence francaise dans le monde. L’action culturelle et scientifique. Paris: La Documentation Française, 2016. 129 S.

ifa-Signatur: 37 / 48

Rund 100 Instituts Français, 900 Einrichtungen der Alliance Française und fast 500 französische Gymnasien unterhält Frankreich in der Welt. Wo liegen die Aktionsfelder der französischen Kulturdiplomatie? Welche Prioritäten werden gesetzt? Mit welchen Mitteln werden die Ziele verfolgt? Diesen Fragen geht der Autor in der zweiten Auflage seines Überblickswerks über die französische Außenkulturpolitik nach. Philippe Lane gibt einen Überblick über die Entwicklung der französischen Kulturdiplomatie seit dem Ancien Régime und präsentiert die Ergebnisse der Reform von 2010, in deren Folge CampusFrance, Institut Français und France Expertise international eingerichtet wurden. Daneben stellt er die beteiligten französischen Ministerien vor und geht auf die Schlüsselrolle des Ministère des Affaires Etrangère et du Développement international ein. Weitere Kapitel behandeln die einzelnen Bereiche der französischen internationalen Kulturpolitik wie Darstellende und Bildende Künste, die Architektur, Literatur, Audiovisuelles, Kulturerbe und Archäologie sowie Außenwissenschaftspolitik und internationale Kooperationen im Bildungswesen. Den Abschluss des kompakten Bandes bildet eine Übersicht über die finanzielle und personelle Ausstattung der französischen Kulturdiplomatie. (Cz)

Shaping International Public Opinion. A Model for Nation Branding and Public Dipliomacy. / Jami A. Fullerton … (eds.). – New York …: Peter Lang Publishing, 2017. – 281 pp.

Shaping International Public Opinion. A Model for Nation Branding and Public Diplomacy. / Jami A. Fullerton … (eds.). – New York …: Peter Lang Publishing, 2017. – 281 pp

ifa-Signatur: 37 / 122

Was beeinflusst das Bild eines Landes in der Öffentlichkeit? Wie nehmen Menschen andere Länder wahr? Diesen Fragen gehen die Autorinnen und Autoren des vorliegenden Sammelbandes nach. Im Mittelpunkt dabei steht die Anwendung des Modells des "Country Concept", das die Vielfalt an Einflüssen berücksichtigt, die das Image eines Landes bestimmen. Das "Country Concept" wurde von den beiden Herausgebern des Buches, Jami. A. Fullerton und Alice Kendrick, entwickelt. Es soll einen Überblick über die Variablen in der Meinungsbildung geben. Es bezieht unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen ein, darunter Politik- und Kommunikationswissenschaft. Die einzelnen Faktoren, die das Bild eines Landes im Ausland bestimmen, können dabei sehr unterschiedlich sein: Sie reichen von Filmen, Beiträgen in Social Media, internationalen Bildungsaustauschprogrammen, Tourismus und Kulturbeziehungen bis hin zu ausländischen Waren. Die quantitativen und qualitativen Studien des vorliegenden Bandes überprüfen das "Country Concept" und erklären anhand eines ausgewählten Faktors, wie Menschen auf der ganzen Welt ihre Haltung gegenüber anderen Ländern entwickeln. So wird beispielsweise untersucht, ob Filme mit Gewaltszenen ein negatives Bild von einem Land bei den Menschen hinterlassen. Eine andere Studie geht der Frage nach, ob das Image eines Landes auch seine Konsumprodukte attraktiver macht. (PL)

Henze, Raphaela: Einführung in das Internationale Kulturmanagement. – Wiesbaden: Springer VS, 2017. – 228 S.

Henze, Raphaela: Einführung in das Internationale Kulturmanagement. – Wiesbaden: Springer VS, 2017. – 228 S.

ifa-Signatur:  36/476

Dieses Buch erläutert, wie Kulturmanager in über 40 Ländern der Welt auf Globalisierung und Digitalisierung reagieren und wie sich Kulturinstitutionen zunehmend internationalisieren. Um diese Prozesse angehenden Kulturmanagern zu verdeutlichen und sie auf Tätigkeiten in internationalen und transkulturellen Kontexten vorzubereiten, ist ein Verständnis der wesentlichen Begrifflichkeiten und ein Überblick über die Aufgaben und die Herausforderungen, die Kulturmanager in ihrer täglichen Arbeit meistern, unabdingbar. Im Fokus stehen das Lernen von den Erfahrungen zahlreicher Praktiker und der internationale Vergleich, der durch die Globalisierung bedingten Herausforderungen. In der Praxis geübte Verhaltensweisen und Prozesse werden kritisch gewürdigt. Zahlreiche Wiederholungs- und Vertiefungsfragen sowie kurze Fallstudien und Erfahrungsberichte sollen dabei helfen, eigene Lösungsideen zu entwickeln. (Springer VS)

Geflüchtete und Kulturelle Bildung. Formate und Konzepte für ein neues Praxisfeld. / Maren Ziese, Caroline Gritschke (Hrsg.). – Bielefeld: transcript Verlag, 2016. – 439 S.

Geflüchtete und Kulturelle Bildung. Formate und Konzepte für ein neues Praxisfeld. / Maren Ziese ... (Hrsg.). – Bielefeld: transcript Verlag, 2016. – 439 S.

ifa-Signatur:  37/3

Wie können Menschen, die auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung, Hunger und wirtschaftlicher Not in Deutschland ankommen, ihre Rechte auf Bildung und gesellschaftliche Teilhabe wahrnehmen? Was sind geeignete Formate der Kulturellen Bildung, um auf die Realität der Geflüchteten aufmerksam zu machen und um Vernetzung und Solidarisierung herzustellen? Die Beiträge des Bandes gehen diesen Fragen nach und zeigen: Die Kulturelle Bildung ist ein Feld, in dem viele ambitionierte Projekte mit Geflüchteten realisiert werden. Das Phänomen Flucht bietet so Möglichkeiten für eine macht- und differenzsensible Veränderung von Kultur- und Bildungsinstitutionen und eröffnet Chancen für die Revision etablierter Handlungsroutinen. (transcript Verlag)

Politische Dimensionen internationaler Begegnungen. / Gottfried Böttger, Siegfried Frech, Andreas Thimmel (Hrsg.). – Schwalbach: Wochenschau Verlag, 2016. – 141 S.

Politische Dimensionen internationaler Begegnungen. / Gottfried Böttger, Siegfried Frech, Andreas Thimmel (Hrsg.). – Schwalbach: Wochenschau Verlag, 2016. – 141 S.

ifa-Signatur:  36/470

Im Mittelpunkt binationaler und internationaler Bildungsveranstaltungen steht vornehmlich die Begegnung. Politische, soziale und ökonomische Aspekte hingegen werden allzu selten thematisiert. Die politische Dimension kann zwar als Hintergrundfolie mitschwingen, wird in der Praxis jedoch nicht immer für eine kritische Reflexion zur Gewinnung politischer Urteilsfähigkeit genutzt. Die Potenziale der politischen Bildung werden generell nicht ausgeschöpft. Der vorliegende Band regt anhand von vier Fragen eine konzeptionelle Weiterentwicklung internationaler Jugendbegegnungen an:
1. Worin liegt der politische Gehalt internationaler Jugendbegegnungen?
2. Wie kann das politische Profil von Jugendbegegnungen gestärkt werden?
3. Welche Angebote gibt es, die diesen Ansprüchen gerecht werden?
4. Müssen spezifische Angebote mit einem entsprechenden Profil entwickelt werden?
(Wochenschau Verlag)

Klein-Zimmer, Kathrin: Transformationen. Junge Erwachsene im Kontext von Generation und Migration.  – Weinheim: Beltz Juventa Verlag, 2016. – 336 S.

Klein-Zimmer, Kathrin: Transformationen. Junge Erwachsene im Kontext von Generation und Migration.  – Weinheim: Beltz Juventa Verlag, 2016. – 336 S.

ifa-Signatur: 36/408

Die biographisch-ethnographische Studie zu jungen Erwachsenen mit indischer Migrationsgeschichte rekonstruiert entlang der Dimensionen Migration und Generation multiple Formen grenzüberschreitender Handlungs- und Zugehörigkeitspraktiken junger Erwachsener und betont – eine transnationale Perspektive einnehmend – den veralltäglichten Charakter dieser Transformationen als zentralen Erfahrungsraum ihres jungen Erwachsenen-Seins. Die Lebenswelten von jungen Erwachsenen sind multidimensional und gehen mit unterschiedlichen Transformationsprozessen einher. Über einen biographisch-ethnographischen Zugang untersucht die Studie die Alltagswelten von jungen Erwachsenen mit einer indischen Migrationsgeschichte und zeigt die veralltäglichten Handlungs- und Zugehörigkeitspraktiken der jungen Erwachsenen auf, die unter anderem unterschiedlichste national-geographische sowie national-kulturelle Grenzen überschreiten. Eine transnationale Perspektive einnehmend verdeutlicht die Studie, inwieweit die jungen Erwachsenen ihre Lebenswirklichkeiten entlang der Dimensionen von Generation und Migration aushandeln und dabei vielfältigste Transformationen herstellen, die zentrale Charakteristika ihrer – nationale Grenzen überschreitenden – Erfahrungsräume sind. (Beltz Juventa)

Die exotisierte Stadt. Kulturpolitik und Musikvermittlung im postmigrantischen Prozess.  – Hildesheim: Georg Olms Verlag, 2016. – 458 S.

Gaupp, Lisa: Die exotisierte Stadt. Kulturpolitik und Musikvermittlung im postmigrantischen Prozess.  – Hildesheim: Georg Olms Verlag, 2016. – 458 S.

ifa-Signatur: 36/534

Hip Hop, Rap, Problemviertel und Jugendliche mit Migrationshintergrund: Wie kann Musik zur Integration von sozial benachteiligten jungen Menschen beitragen? Lisa Gaupp untersucht in ihrer Dissertation die musikalischen Identitäten von Jugendlichen und das damit verbundene kulturpolitische Umfeld. Mithilfe ethnologischer Methoden analysiert sie den Zusammenhang von außerschulischer Musikvermittlung und der Entstehung von Jugendkulturen in einem institutionalisierten Rahmen und deckt Identitätsmythen sowie ethnische Klischees auf. Ihr besonderes Interesse liegt in der Darstellung der Jugendlichen durch die Kulturämter und der Frage, inwiefern Kulturpolitik einschränkend oder fördernd auf die jungen Menschen wirkt. In Hamburg, einem urbanen Raum mit zahlreichen sozialen Brennpunkten, begegnen sich Jugendliche mit verschiedenen kulturellen Hintergründen. Ihre musikalische Identität wird häufig dazu genutzt, soziale Probleme zu lösen. Gegenstand der Untersuchung sind institutionell organisierte Vereine und Gruppen sowie kulturpolitische Tagungen. Laut Gaupp ist es wichtig, dass sich Kultureinrichtungen an die sich stetig verändernde Gesellschaft anpassen sowie individualisiert und grenzüberschreitend arbeiten. Dadurch soll die exotisierende Wirkung einer fremdbeschreibenden Kulturpolitik verhindert und den Jugendlichen die Entwicklung einer persönlichen musikalischen Identität ermöglicht werden. (CB)

Migration – Religion – Identität. Aspekte transkultureller Prozesse. / Kerstin Kazzazi… (Hg.). – Wiesbaden: Springer VS, 2016. – 297 pp.

Migration – Religion – Identität. Aspekte transkultureller Prozesse. / Kerstin Kazzazi… (Hrsg.). – Wiesbaden: Springer VS, 2016. – 297 S.

ifa-Signatur: 36/252

Welche Aushandlungsprozesse finden im Rahmen von Migration statt? Wie werden Identitäten und Zugehörigkeiten konstruiert? Welche Rolle spielen Sprache und Religion bei transnationaler Mobilität? Aus den Perspektiven von Sprach- und Politikwissenschaft, Ethnologie, Migrationsforschung und anderen Disziplinen betrachten die Beiträge des vorliegenden Sammelbandes verschiedene Aspekte von Migrationsprozessen. Grundlage dafür sind Studien, deren Untersuchungsgegenstand von den deutschen Einwanderervereinen in Argentinien ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis hin zur Sprachidentität der zweiten Generation ex-jugoslawischer Migranten in Deutschland reicht. Sie erforschen den Alltag und die Lebenswelten von Menschen mit Migrationserfahrungen in unterschiedlichen Regionen und Zeiträumen, thematisieren Spannungen und Konflikte und zeigen Strategien der Abgrenzung und des Dazugehören-Wollens auf. Im Fokus der Beiträge, die im Rahmen der Abschlusskonferenz des Graduiertenkollegs "Migration im Kontext von Religionen und Kulturen im Rahmen der Globalisierung" erarbeitet wurden, stehen die Themen Religion, Sprache und Identität. Grundlage des Kollegs ist ein Verständnis von Kultur, bei dem diese nicht als strukturell abgeschlossene Einheit, sondern als prozesshaft und dynamisch verstanden wird. Die Herausgeber des Bandes fordern eine konsequent kritische Sicht auf Identitäts- und Ethnizitätskonzepte im öffentlichen Diskurs. Boris Nieswand, Juniorprofessor für transnationalen Kulturvergleich und Migration in Tübingen, gibt im letzten Kapitel des Bandes zudem einen Ausblick auf eine Migrationsforschung, die migrantische, post-migrantische und nicht-migrantische Gruppen nebeneinander als Teil einer Gesellschaft betrachten. (SG)

Surowiec, Paweł: Nation Branding, Public Relations and Soft Power. Corporatising Poland. – London …: Routledge, 2017. – 215 pp.

Surowiec, Paweł: Nation Branding, Public Relations and Soft Power. Corporatising Poland. – London …: Routledge, 2017. – 215 pp.  

ifa-Signatur: 36/401

Wie haben sich staatliche "Soft Power"-Aktivitäten in Polen verändert? Welchen Einfluss haben neue Akteure auf die Kommunikationspraxis in der auswärtigen Politik?  Wie hängen politische Ökonomie und Nation Branding zusammen? In der vorliegenden Monographie untersucht der Autor Paweł Surowiec die Beziehung zwischen kollektiven Identitäten, Nation Branding und der Steuerung von "Soft Power" in Polen. Der bis 1989 sozialistische Staat ist für den Autor ein spezieller Fall: Das Spannungsverhältnis zwischen der "sowjetischen Vergangenheit" und der "neoliberalen Gegenwart", die Konsolidierung von Demokratie sowie die Rolle Polens in Zentral- und Osteuropa prägen die (auswärtige) Kommunikation des Landes. An seinem Beispiel lasse sich die Veränderung von Nation Branding in besonderer Weise aufzeigen. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Beziehung zwischen dem polnischen Staat und der Wirkungsmacht von neuen Akteuren auf dem Feld der Soft Power. Der Autor diskutiert führende empirische Forschungsansätze und Theorien über die Verbindung von Nationalismus, Medien, Macht und Globalismus. Auf der Grundlage von Pierre Bourdieus Theorien untersucht er die Bedingungen für Veränderungen der polnischen "Soft Power", analysiert den Habitus verschiedener Akteure, die in den Diskurs involviert sind, und beschreibt die Narrative des "Polnisch-Seins". (SG)

Van Herpen, Marcel H.: Putin's Propaganda Machine. Soft Power and Russian Foreign Policy. – Lanham … Rowman & Littlefield, 2016. – 319 pp.

Van Herpen, Marcel H.: Putin's Propaganda Machine. Soft Power and Russian Foreign Policy. – Lanham … Rowman & Littlefield, 2016. – 319 pp.

ifa-Signatur: 36/218   

Ende 2016 kündigte Facebook an, aktiv gegen Fake-News vorzugehen: Falschmeldungen sollen entlarvt und gekennzeichnet werden. Immer wieder fällt bei der Debatte um Fake-News der Name des russischen Präsidenten. Laut US-Geheimdiensten habe Wladimir Putin angeordnet, in den amerikanischen Wahlkampf einzugreifen. Viele befürchten, dass auch die Wahlen in Deutschland und Frankeich manipuliert werden könnten. Für Van Herpen sind Fehlinformationen und Desinformationskampagnen Teil einer russischen "Soft-Power"-Offensive, die der Kreml Anfang des 21. Jahrhunderts ins Leben gerufen habe. Der Autor des vorliegenden Bandes spricht von einem Informationskrieg, den Putin führe, um das ehemals sowjetische Gebiet zu "rekolonialisieren" und zu "reimperialisieren". Der Kreml habe Joseph Nyes Konzept der "Soft Power" uminterpretiert und nutze es als Instrument im geopolitischen "Hard Power"-Wettbewerb. In seinem Buch analysiert der Direktor der niederländischen Cicero-Stiftung die russische Definition von "Soft Power" und nimmt verschiedene Strategien des Kremls unter die Lupe. Mehrere Kapitel widmet er der russisch-orthodoxen Kirche: Mit dem Argument, traditionelle Werte zu verteidigen, trage sie dazu bei, eine russische Ideologie zu verbreiten. Ein weiterer Fokus des Bandes liegt auf Putins Erfolgen in Frankreich und Deutschland. Für den Autor geht es nicht mehr nur um einen "Soft-Power"-Wettbewerb von Russland und dem Westen: "(…) in the end, it is about safeguarding peace and security in Europe as well as in the world as a whole." (SG)

Seib, Philip: The Future of #Diplomacy. – Cambridge …: Polity Press, 2017. – 154 pp.

Seib, Philip: The Future of #Diplomacy. – Cambridge …: Polity Press, 2017. – 154 pp.

ifa-Signatur: 36/355

Elitär, männlich und für die Öffentlichkeit unzugänglich: Diese Eigenschaften charakterisierten lange Zeit die Welt der Diplomatie. Diplomatische Gespräche wurden in Hinterzimmern geführt, ihre Ergebnisse erst Wochen später bekannt gegeben. Doch moderne Kommunikationstechniken, die zunehmende Bedeutung nichtstaatlicher Akteure und neue Erwartungen seitens der Bevölkerung stellen Diplomaten vor Herausforderungen, die ihre bisherige Praxis verändern. Wenn Philip Seib über die aktuelle Entwicklung der Diplomatie schreibt, benutzt er Worte wie Teilhabe, Transparenz, Schnelligkeit und Egalität. Im vorliegenden Band stellt der Professor für Journalismus, Public Diplomacy und Internationale Beziehungen die Frage nach der Zukunft der Diplomatie. Eine zentrale Rolle nimmt für ihn dabei die Public Diplomacy ein. Durch neue Medien und die exponentielle Verbreitung von Nachrichten erwarteten Menschen einen "Fluss an Informationen und keinen Rinnsal", so Seib. Dazu kommt: Die Bevölkerung ist nicht mehr nur Empfänger von Informationen. Sie kann Nachrichten verbreiten, kommentieren und selbst produzieren. Medienkompetenzen und die professionelle und schnelle Nutzung von Social Media würden daher zu den „professionellen Pflichten“ von Diplomaten gehören. Auch nichtstaatliche Akteure gewinnen durch ihre Mediennutzung und Öffentlichkeitsarbeit an Bedeutung. Ihre Einbeziehung ist für Seib neben der Public Diplomacy ein weiterer wichtiger Aspekt der zukünftigen Diplomatie. (SG)

Africa's Media Image in the 21st Century. From the "Heart of Darkness" to "Africa Rising". / Mel Bunce … (eds.). – London …: Routledge, 2017. – 239 pp.

Africa's Media Image in the 21st Century. From the "Heart of Darkness" to "Africa Rising". / Mel Bunce … (eds.). – London …: Routledge, 2017. – 239 pp.

ifa-Signatur: 36/402

Hitze, Hunger, Gewalt und die Missachtung von Menschenrechten: Lange Zeit war das mediale Bild des afrikanischen Kontinents von negativen Zuschreibungen und Vorurteilen geprägt. Doch strukturelle Veränderungen der Medienwelt, neue Technologien und das Aufkommen neuer, internationaler Medienorganisationen verändern die Berichterstattung. Das Budget für Auslandskorrespondenten sinkt. Lokale Journalisten treten an ihre Stelle. Twitter und andere soziale Medien ermöglichen den Menschen, auf stereotype Aussagen und Berichte zu reagieren. Haben diese Veränderungen dazu geführt, dass sich das Bild von Afrika in den Medien des 21. Jahrhunderts geändert hat und neue Akteure zu Wort kommen? Wie prägen Geschichten über Hilfe und Entwicklung die Berichterstattung über Afrika? Und welchen Einfluss haben politische und geopolitische Interessen? In aktuellen Forschungsergebnissen und Essays von Journalisten und Autoren zeigt der vorliegende Band, welches Bild internationale Nachrichtenmedien über den afrikanischen Kontinent aktuell verbreiten und von welchen Faktoren sie beeinflusst werden. Dabei finden sowohl kritische als auch konstruktive Ansätze Beachtung. Von anthropologischen Reflexionen der "authentischen" Beschreibung über die Rolle von Instagram in Südafrika bis zur Medienstrategie der Boko Haram - die Analysen und Beiträge des Bandes zeigen, wie unterschiedlich die Darstellung Afrikas heute sein kann und dass auch lokale, indigene Medien ähnliche Fehler machen wie ihre ausländischen Pendants. (SG)