Deutscher Pavillon auf der Biennale Venedig

Das ifa übernimmt seit 1971 im Auftrag des Auswärtigen Amts die maßgebliche Rolle bei der Positionierung des Deutschen Pavillon auf der Biennale Arte di Venezia. Seit 2009 fungiert das ifa zudem als Kommissar des Pavillons und übernimmt damit die Gesamtverantwortung für das Großprojekt.

Der Beitrag des Deutschen Pavillons wurde bereits siebenmal mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet, davon viermal als bester nationaler Beitrag: 1984 Lothar Baumgarten (Kommissar Johannes Cladders), 1986 Sigmar Polke (Kommissar Dierk Stemmler), 1990 Bernd und Hilla Becher, 1993 Hans Haacke / Nam June Paik (Kommissar Klaus Bußmann; bester nationaler Beitrag), 2001 Gregor Schneider (Kommissar Udo Kittelmann; bester nationaler Beitrag), 2011 Christoph Schlingensief (Kuratorin Susanne Gaensheimer; bester nationaler Beitrag) und 2017 Anne Imhof (Kuratorin Susanne Pfeffer; bester nationaler Beitrag).

Deutscher Pavillon 2022

Künstlerin im Deutschen Pavillon 2022: Maria Eichhorn


Maria Eichhorn stellt 2022 im Deutschen Pavillon auf der 59. Biennale Arte in Venedig aus.

„Meiner Meinung nach gibt es nur wenige künstlerische Positionen,
die sich ähnlich vielfältig und intensiv mit der deutschen Geschichte und deren
Auswirkungen auf die Gegenwart beschäftigen wie Maria Eichhorn.“
     Dr. Yilmaz Dziewior, Direktor des Museum Ludwig

Mit der 1962 in Bamberg geborenen und in Berlin lebenden Künstlerin hat der Kurator Yilmaz Dziewior für die 59. Biennale eine international viel beachtete Position ausgewählt, die für ihre konzeptuelle Vorgehensweise ebenso bekannt ist wie für ihren feinsinnigen Humor. Mit visuell minimalen Gesten, räumlichen Eingriffen und prozessual angelegten Werken analysiert Maria Eichhorn nachhaltig institutionelle Machtstrukturen sowie politische und ökonomische Zusammenhänge.


Internationale Beachtung erfuhr das 2017 anlässlich der documenta 14 von ihr gegründete Rose Valland Institut. Das seitdem in Kooperation mit verschiedenen wissenschaftlichen Einrichtungen aktiv fortlaufende Projekt erforscht und dokumentiert die Enteignung der jüdischen Bevölkerung Europas. Eichhorn thematisiert damit auch ungeklärte Eigentums- und Besitzverhältnisse von 1933 bis heute und die bis in die Gegenwart nachwirkenden Folgen des Nationalsozialismus.

Auf der ifa-Ausstellung „Leiblicher Logos. 14 Künstlerinnen aus Deutschland“ war Maria Eichhorn mit drei Arbeiten vertreten. Gudrun Inboden, die 1997 und 1999 die erste Kuratorin des Deutschen Pavillons war, hat in Zusammenarbeit mit René Block die Ausstellung – die auf 15 Stationen weltweit zu sehen war – kuratiert. Aufgrund dieses großen Erfolgs hat das ifa neun Arbeiten von ihr erworben, welche aktuell aufbereitet werden, um sie mit dem gesamten ifa-Kunstbestand online zugänglich zu machen.

Link zur Pressemappe (DE)

Kurator des Deutschen Pavillon 2022: Yilmaz Dziewior


Dr. Yilmaz Dziewior ist der Kurator des deutschen Beitrags für die 59. Biennale di Venezia 2022.
Dziewior ist seit 2015 Direktor des Museum Ludwig in Köln. 2001 bis 2008 war er Direktor des Kunstvereins Hamburg und von 2009 bis 2015 Direktor des Kunsthaus Bregenz. Außerdem arbeitete als freier Kurator in verschiedenen Kunstprojekten.

50 Jahre Deutscher Pavillon und das ifa

Eintauchen in die Geschichte

Die Abteilung Kunst des ifa koordinierte und realisierte in den vergangenen 50 Jahren gemeinsam mit den beauftragten künstlerischen Teams 23 Beiträge Deutschlands zur Biennale.

Ab sofort gibt es ein Archiv der restaurierten Original-Websites  der künstlerischen Positionen der Biennale-Jahre 2007–2019. Diese Beiträge der vergangenen Jahre können nun neu erlebt und recherchiert werden. Im Laufe der kommenden Monate werden sukzessive weitere Materialien zum Deutschen Pavillon (1972-2005) online gestellt.


„Im ifa bündelt sich das umfangreiche Wissen rund um den Deutschen Pavillon. Hier werden die Erfahrungen, Kompetenzen und Geschichten gesammelt und bewahrt, die in 50 Jahren der Koordination des deutschen Beitrags auf der Biennale Venedig erworben wurden. Als Wissensspeicher ist das ifa somit die zentrale Anlaufstelle für Künstlerinnen und Künstler, Kuratorinnen und Kuratoren, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Journalistinnen und Journalisten, die sich mit der Geschichte des Deutschen Pavillons auseinandersetzen. Über die praxisorientierte Forschung zu Biennale-Themen, die Veröffentlichung wichtiger Referenzpublikationen und seine Netzwerkarbeit gibt das ifa darüber hinaus wertvolle Impulse in den Biennale-Diskurs.“ 

     Dr. Ellen Strittmatter, Kommissarin des Deutschen Pavillons und Leiterin der Abteilung Kunst des ifa

„Throwback Thursday“

Im Jubiläumsjahr verstärkt das ifa seine Präsenz in den Sozialen Medien. Auf dem neuen Instagram-Kanal der Kunstabteilung   des ifa wird ein breiteres Publikum auf das Thema „50 Jahre Koordination Deutscher Pavillon durch das ifa“ aufmerksam gemacht:

Bis Dezember wird hier jeden zweiten Donnerstag ein künstlerischer Beitrag des Deutschen Pavillons vorgestellt. Diese „throwbackthursday-Posts“ laden dazu ein, jede zweite Woche zurückzureisen in ein neues Biennale-Jahr und einzutauchen in die historischen Positionen des Pavillons. Darüber hinaus kommen ehemalige Kuratorinnen und Kuratoren sowie Künstlerinnen und Künstler des Deutschen Pavillons zu Wort und berichten über ihre Erfahrungen und Erlebnisse der Venedig Biennale. Und auch das ifa selbst wird der Öffentlichkeit einen Blick hinter seine Kulissen gewähren. Über die Reihe „behind the scenes“ geben ifa-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Einblicke in ihre Arbeit mit und auf der Biennale.

2011
Christoph Schlingensief

kuratiert von Susanne Gaensheimerne Gaensheimer


„Eine Form von Schizophrenie war für meine Arbeit und mein Leben schon immer typisch. Wenn ich nur bei einer Sache wäre, würde ich mich langweilen, käme mein Kopf nicht in Fahrt. Ich muss zwischen der Musik und dem Bild, den Menschen und der Sprache, dem Gesunden und Kranken, dem Lustigen und Traurigen immer die Chance haben, auch das Gegenteil zu behaupten. An die Eindeutigkeit der Welt glaube ich nicht“ (Christoph Schlingensief Mai 2011) Nach dem Tod von Christoph Schlingensief im August 2010 entschieden Kuratorin Susanne Gaensheimer und Aino Laberenz, Ehefrau und langjährige engste Mitarbeiterin Schlingensiefs, das von ihm skizzenhaft angedachte Projekt für den Pavillon nicht zu realisieren, sondern bereits existierende Werke zu zeigen.

Die ausgewählten Werke gaben einen repräsentativen Einblick in sein vielschichtiges Oeuvre. Im mittleren Hauptraum des Deutschen Pavillons wurde die Bühne des Fluxus-Oratoriums Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir installiert, das Schlingensief für die Ruhrtriennale im Jahr 2008 geschrieben hat. In Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir setzt sich Schlingensief mit dem universellen Thema des „Leben wollen, aber Sterben müssen” auseinander. Die Bühne hatte hier mit ihren reichlichen Film- und Videoprojektionen und ihrer Vielzahl von räumlichen und bildhaften Elementen den Charakter einer allumfassenden Rauminstallation. Im rechten Seitenflügel war ein Kino eingerichtet, in dem ein Programm von sechs ausgewählten Filmen aus verschiedenen Schaffensperioden ablief: Menu Total von 1985/86, Egomania von 1986, die Deutschlandtrilogie mit 100 Jahre Adolf Hitler von 1988/89, Das deutsche Kettensägenmassaker von 1990 und Terror 2000 von 1991/92 und United Trash von 1995/96. Der linke Seitenflügel des Pavillons war dem von Schlingensief in Afrika gegründeten Operndorf gewidmet. Neben den Bild- und Dokumentationsmaterialien, die in Afrika bereits entstanden sind, und einem Zusammenschnitt von Via Intolleranza II, Christoph Schlingensiefs letztem Stück, für das er mit Akteuren aus Burkina Faso zusammen gearbeitet hat, enthielt dieser Bereich des Pavillons auch die Projektion von Panoramaaufnahmen der Umgebung der Baustelle. Website 2011

2013
Ai Weiwei, Romuald Karmakar, Santu Mofokeng, Dayanita Singh

Kuratiert von Susanne Gaensheimer

  • Text zur Ausstellung

     

    Kuratorin Susanne Gaensheimer präsentierte in kritischer Auseinandersetzung mit der traditionellen Form nationaler Repräsentation in den Länderpavillons auf der Biennale in Venedig das Format des Länderpavillons als ein offenes Konzept und Deutschland nicht als hermetische nationale Einheit, sondern als aktiven Teil eines komplexen, weltweiten Netzwerkes. Mit Romuald Karmakar, Santu Mofokeng, Dayanita Singh und Ai Weiwei lud sie vier internationale Künstler:innen aus unterschiedlichen Ländern ein, die in unterschiedlicher Form und mit individuellem Fokus – die vermeintliche Eindeutigkeit biografischer, nationaler und kultureller Identität hinterfragten und die Auflösung bestimmter Identitätsvorstellungen im Zuge der Modernisierung und Globalisierung ihrer jeweiligen Lebensrealitäten thematisieren.

    Romuald Karmakar beschäftigt sich seit fast drei Jahrzehnten mit deutscher Geschichte, deutschen Themen, deutscher Identität und zeigt in seinen Filmen, dass politische Ideologisierung nicht mehr innerhalb nationaler Grenzen stattfindet. Dayanita Singhs Bildwelt ist von einer Lebensform geprägt, in der klassische indische Gesellschafts- und Familientraditionen mit dem modernen Dasein aufeinanderstoßen. Das permanente Reisen als Fotografin in allen Teilen der Welt ist die Daseinsform, die ihr Leben und Arbeiten mehr bestimmt als die Verwurzelung mit ihrer Heimatstadt Delhi. In Santu Mofokengs photographischen Serien prallen transnationale Entwicklungen, kulturelle Traditionen und persönliche Schicksale aufeinander. Seine Bilder zeigen, wie sich die restriktive Lebensrealität der Apartheid auch auf die spirituelle Identität der schwarzen Südafrikaner niedergeschlagen hat und sich Trauma und Erinnerung in die Landschaft eingeschrieben haben. Der Verlust der kulturellen Identität durch die Kulturrevolution und de Veränderung der chinesischen Gesellschaft im Zuge der Modernisierung des Landes sind zentrale Themen im Werk von Ai Weiwei.

    Auf Initiative der Auswärtigen Ämter Frankreichs und Deutschlands fand der deutsche Beitrag zum 50-jährigen Jubiläum des Elysée-Vertrags im Französischen Pavillon statt, und umgekehrt. Website 2013

     


2015
Olaf Nicolai, Hito Steyerl, Tobias Zielony und das Künstlerpaar Jasmina Metwaly & Philip Rizk: Fabrik

kuratiert von Florian Ebner

  • Text zur Ausstellung

     

    Die künstlerischen Arbeiten von Olaf Nicolai, Hito Steyerl, Tobias Zielony und des Künstlerpaars Jasmina Metwaly & Philip Rizk verwandelten den Deutschen Pavillon 2015 in eine Fabrik der  reproduzierenden Bilder, welche Wirklichkeit nicht mehr nur repräsentieren, sondern verändern will. Der Begriff der Fabrik verbindet die vier künstlerischen Positionen, die jeweils auf ihre Weise die Begriffe von Ökonomie und Arbeit reflektieren. Sie machen die Verwerfungen unserer vernetzten und globalisierten Welt sichtbar und widmen sich auf unterschiedlichste Weise dem Zirkulieren von Bildern, Waren und Menschen. Dabei halten alle am „Medium Mensch“ fest, als realem Akteur und Protagonisten der Veränderung.

    Die Fabrik verfügte über verschiedene Produktionsstätten: Workshop – Olaf Nicolais Installation und Performance „GIRO“, Print Unit – Tobias Zielonys Arbeit „The Citizen“, Motion Capture Studio – Hito Steyerls Videoinstallation „The Factory of the Sun“ und Rooftop 1&2 – Jasmina Metwaly und Philip Rizk mit der skulpturalen Intervention „Draw It Like This“ und die Film- und Soundinstallation „Out on the Street – Variationen“. Website 2015

     


2017
Anne Imhof: FAUST

kuratiert von Susanne Pfeffer

  • Text zur Ausstellung

     

    Blicke treffen sich, aber keine Kommunikation entsteht. Sie nehmen einen wahr, aber erkennen einen nicht an. Nach Gender, individuell und eigen, zugleich aber stereotyp erscheinen die Menschen in Anne Imhofs Malereien und Szenarien. Geräusche, Klang und Kompositionen rhythmisieren wie synchronisieren Raum und Körper in einer gedehnten Zeit, welche sich lose durch Narrationen gliedert. Die von Körpern wie vom Klang beschriebenen Räume und der architektonischer Raum überlagern sich, schieben sich bis zum kurzen Moment ihrer Kongruenz ineinander, um im nächsten Augenblick wieder auseinanderzubrechen. Das Geschehen ist kontingent, alles kann in jedem Moment auch anders sein. Inhalt und Form der Bewegungen sind oft divergent, wodurch ihre Einübung überhaupt erst sichtbar wird. Sie changieren zwischen zäher Alltäglichkeit und rätselhaften Ritualen, zwischen fremdbestimmten wie schematisierten Abläufen oder individuellen Fehlfunktionen, Uniformität und Punk. In der Gruppe formiert, bleibt die ziellose Individualität bestehen. Auch wenn sie gemeinsam singen, singen sie vom Ich. Die Körper in Anne Imhofs Stück sind Subjekte, die sich im permanenten Kampf gegen ihre Objektwerdung befinden – kapitalisierte Körper wider eine stetige Optimierung. Zum Bersten gespannt oder erschlafft, erscheinen die dressierten und fragilen Körper wie von unsichtbaren Machtstrukturen durchzogenes Material. Zugleich ist den Bio-Techno-Körpern ihre mediale Vermittlung bereits inhärent. Sie scheinen sich permanent in konsumierbare Bilder zu verwandeln; sie wollen zum Bild werden, zur digitalen Ware. Anne Imhof begegnet der Brutalität unserer Zeit mit einem harten Realismus. In ihren Szenarien vergegenwärtigt sie, wie der Körper in materiellen und diskursiven, in technologischen, sozio-ökonomischen und pharmazeutischen Grenzziehungen konstituiert wird. Anne Imhof macht so den Raum zwischen Körper und Realität sichtbar, in dem unsere Persönlichkeit überhaupt erst entsteht. Website 2017

     


2019
Natascha Süder Happelmann: Ankersentrum (Surviving in the Ruinous Ruin)

kuratiert von Franciska Zólyom

  • Text zur Ausstellung

     

    Wie lässt sich Gemeinschaft jenseits von totalitärer Einheit und Gleichförmigkeit denken? Kuratorin Franciska Zólyom setzt zur Reflexion solcher Fragen auf eine Position, die ästhetische Forschung in konkreten gesellschaftlichen Zusammenhängen aktiviert, aber auch soziale, ökologische oder politische Zustände nicht nur analysiert oder kommentiert, sondern diese auch zu gestalten sucht. Sie hat die Künstlerin Natascha Sadr Haghighian ausgewählt, die mit Identitäten spielt, sie in Frage stellt und sich für den deutschen Beitrag Natascha Süder Happelmann nennt. Natascha Süder Happelmann bringt das poetische, imaginäre und kritische Potenzial von Kunst zur Entfaltung und begegnet zu schnellen Deutungsversuchen mit freundlicher Vielförmigkeit. Ihre Arbeit artikuliert sich in Text, Bild, Raum und Sound. Ihre Stimme ist voller Fürsprache, wenn sie Widerspruch einlegt. In ihrer Kunst erzeugt sie eine starke Präsenz, um im Handeln und Sprechen mit anderen als Verstärker in den Hintergrund zu treten. Dabei arbeitet die Künstlerin vornehmlich installativ und performativ. Über kollektive Prozesse thematisiert sie den kollektiven und transdisziplinären Aspekt künstlerischer Arbeit. So haben sechs Musiker und Komponistinnen unterschiedlicher musikalischer Traditionen und Stilrichtungen eigens für die Klanginstallation "tribute to whistle" Beiträge für die Trillerpfeife geschaffen. Die Rhythmen und Sounds sind in sich ständig verschiebenden, immer anders überlagernden Konstellationen zu hören. Drei Videos Natascha Süder Happelmanns markieren die Etappen auf dem Weg zum "Ankersentrum". Sie bezeugen und verknüpfen Orte wie die Ankerzentren in Bayern mit Tomatenplantagen in Apulien und dem Rettungsschiff Iuventa, das im Zollhafen von Trapani festgesetzt ist. Website 2019

     


Veranstaltungen, Ausstellungen und Publikationen

Im Jahr 2021 macht das ifa mit Veranstaltungen und Ausstellungen weltweit und in den ifa-Galerien Stuttgart und Berlin, digitalen Angeboten und einer Publikation auf das 50-jährige Jubiläum aufmerksam. Diese Seite wird über das Jahr hinweg aktualisiert mit aktuellen Hinweisen.

Biennalen-Talk: Das Prinzip Biennale – Boom eines Ausstellungsformats

Mit Franciska Zólyom und Dr. Melanie Vietmeier, Moderation: Prof. Dr. Jörg Scheller
6. Mai 2021, 19 Uhr, ifa-Galerie Stuttgart und als Live-Stream
Alle zwei Jahre finden weltweit groß angelegte Ausstellungen zeitgenössischer Kunst statt. Ob in Ulaanbaatar, Ouagadougou oder São Tomé und Príncipe – das Format der Biennale boomt. Populär ist die älteste Biennale, die seit 1895 in Venedig stattfindet. Sie sollte der Musealisierung der Lagunenstadt entgegenwirken. Doch wie wirksam ist diese Ausstellungsform heute? Biennalen bieten Regionen, die wenig Infrastruktur für Gegenwartskunst haben, eine Alternative zum klassischen Museum. Doch ist das Prinzip Biennale auserzählt? Darüber diskutieren Franciska Zólyom, Kuratorin des deutschen Beitrags der Kunst Biennale in Venedig 2019 und Direktorin der Galerie für zeitgenössische Kunst in Leipzig, Dr. Melanie Vietmeier, Expertin des ifa-Forschungsprogramms zum Thema „Biennalen als Seismografen“ sowie Alya Sebti, die 2020 eine der künstlerischen Leiterinnen und Leiter der Manifesta in Marseille war.

Ausstellung: „Eine natürliche Ordnung der Dinge"

Laufzeit: 10.04 – 27.06.2021 (tbc), ifa-Galerie Stuttgart
Die Schau verbindet Arbeiten von Lothar Baumgarten (1944 – 2018) mit Werken von Gabriel Rossell Santillán (*1977). Beide Künstler arbeiteten mit indigenen Gemeinschaften Amerikas. Ihre künstlerische Feldforschung setzt sich mit alternativen Formen der Aufzeichnung, der Einordnung und des Bildermachens über das Andere auseinander.
Lothar Baumgarten verantwortete den künstlerischen Beitrag Deutschlands auf der 41. Biennale in Venedig 1984. Für seine im Deutschen Pavillon präsentierte Arbeit „America“ wurde er mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.

Link zur Ausstellung

Digitale Angebote

Im Jubiläumsjahr werden verstärkt Ansätze des digitalen Edutainments verfolgt. Die Folge #24 des bestehenden Podcast-Formats „Die Kulturmittler“ erschien unter dem Titel Legendär und kontrovers: Der Deutsche Pavillon in Venedig.
Kolja Reichert, freier Journalist und Kunstkritiker, spricht über die Geschichte und (außen-)politische Bedeutung des Deutschen Pavillons auf der Kunstbiennale in Venedig und wirft einen Blick nach vorn. Wie kann eine postnationalstaatliche Repräsentation in Venedig aussehen? Haben die Länderpavillons eine Zukunft?

Mitte Mai veröffentlicht die Kunstabteilung des ifa ihre biennale stories, ein neues digitales Format zum Deutschen Pavillon. Die Ausgabe #1 Kiesel, Kunst und Kommissare widmet sich dem Sehnsuchtsort Venedig mit der ältesten Kunstbiennale der Welt, den Länderpavillons in den Giardini, darin besonders dem Deutsche Pavillon mit seiner schwierigen Geschichte und Architektur und gibt Einblicke in die Rolle des ifa als Kommissar.

Mit der Reihe Kunstwerk des Monats erweitert das ifa seit über einem Jahr analog und digital den Blick auf seinen Kunstbestand. Im Biennale-Jubiläumsjahr zeigt das ifa in dieser Reihe viele Arbeiten von Künstlerinnen und Künstler, die den Deutschen Pavillon bespielt haben und im Kunstbestand vertreten sind, u.a. Arbeiten von Katharina Fritsch (Januar 2021), Thomas Ruff (Februar 2021), Katharina Sieverding (März 2021), Joseph Beuys, Isa Genzken, Hans Haacke und Gerhard Richter.

Publikationen

Mehr Informationen zur Geschichte der Biennale, bevor das ifa die Koordination des Deutschen Pavillons im Jahr 1971 übernommen hat, gibt es in der ifa-Publikation „Die deutschen Beiträge 1995-2007“ . Sie liefert wissenschaftliche Hintergrundinformationen und ein bebildertes Register zu allen deutschen Beiträgen bis 2007. Eine Fortsetzung als Jubiläumspublikation ist in Planung.

Forschungsarbeit: Biennalen als Seismograph

Inwiefern sind Biennalen zukunftsweisende Formate im internationalen Kunstdiskurs? Die Studie des ifa-Forschungsprogramms nimmt exemplarisch vor allem die in den letzten Jahren gegründeten Biennalen des sogenannten „Globalen Südens“ in den Blick, mit Schwerpunkt auf dem afrikanischen Kontinent, um aktuelle Tendenzen sowie Potentiale für die AKBP und für internationale Kooperationen auszumachen.

ifa-Edition „Kultur- und Außenpolitik“ in Deutsch/Englisch/Französisch online hier  ab 6. Mai 2021.