Deutscher Pavillon auf der Biennale Venedig

Künstlerinnen und Künstler wie Gerhard Richter, Joseph Beuys, Hanne Darboven, Bernd und Hilla Becher, Katharina Fritsch, Rosemarie Trockel, Martin Kippenberger, Candida Höfer, Tino Sehgal, Isa Genzken, Ai Weiwei und Hito Steyerl haben den Deutschen Pavillon auf der Biennale di Venezia bespielt.

Der Beitrag des Deutschen Pavillons wurde bereits siebenmal mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet, davon viermal als bester nationaler Beitrag: 1984 Lothar Baumgarten (Kommissar Johannes Cladders), 1986 Sigmar Polke (Kommissar Dierk Stemmler), 1990 Bernd und Hilla Becher, 1993 Hans Haacke / Nam June Paik (Kommissar Klaus Bußmann; bester nationaler Beitrag), 2001 Gregor Schneider (Kommissar Udo Kittelmann; bester nationaler Beitrag), 2011 Christoph Schlingensief (Kuratorin Susanne Gaensheimer; bester nationaler Beitrag) und 2017 Anne Imhof (Kuratorin Susanne Pfeffer; bester nationaler Beitrag).

Deutscher Pavillon 2022

Aktueller Hinweis: 59. Biennale die Venezia wurde auf das Jahr 2022 verschoben.

Yilmaz Dziewior ist der Kurator des deutschen Beitrags für die 59. Biennale di Venezia 2022. Ulrich Raulff, Präsident des ifa (Institut für Auslandsbeziehungen), sagte anlässlich der Ernennung durch Bundesaußenminister Heiko Maas: "Yilmaz Dziewior ist ein international renommierter, innovativer Kurator, der sich mit aktuellen Fragen der gegenwärtigen Welt auseinandersetzt und Ausstellungen entwickelt, die dank ihrem experimentellen und interdisziplinären Ansatz neue Perspektiven auf die Kunst eröffnen. Wir freuen uns sehr über diese ausgezeichnete Wahl und auf eine gute Zusammenarbeit mit ihm".

Kurator

Dr. Yilmaz Dziewior ist seit 2015 Direktor des Museum Ludwig in Köln. 2001 bis 2008 war er Direktor des Kunstvereins Hamburg und von 2009 bis 2015 Direktor des Kunsthaus Bregenz. Außerdem arbeitete als freier Kurator in verschiedenen Kunstprojekten.

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Yilmaz Dziewior im WDR 3 - Samstagsgespräch

Yilmaz Dziewior spricht im WDR 3 Podcast Samstagsgespräch über einen neuen Blick auf die amerikanische Kunst im Rahmen der aktuellen Ausstellung "Mapping the Collection" im Museum Luwig, über kulturelle Identität in der Kunst, den Museumsalltag während der Pandemie und gibt einen Einblick in erste Ideen für den deutschen Pavillon auf der 59. Biennale di Venezia 2022.

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Deutscher Pavillon 2019

Natascha Süder Happelmann

Wie lässt sich Gemeinschaft jenseits von totalitärer Einheit und Gleichförmigkeit denken? Kuratorin Franciska Zólyom setzt zur Reflexion solcher Fragen auf eine Position, die ästhetische Forschung in konkreten gesellschaftlichen Zusammenhängen aktiviert, aber auch soziale, ökologische oder politische Zustände nicht nur analysiert oder kommentiert, sondern diese auch zu gestalten sucht. Sie hat die Künstlerin Natascha Sadr Haghighian ausgewählt, die mit Identitäten spielt, sie in Frage stellt und sich für den deutschen Beitrag Natascha Süder Happelmann nennt. Natascha Süder Happelmann bringt das poetische, imaginäre und kritische Potenzial von Kunst zur Entfaltung und begegnet zu schnellen Deutungsversuchen mit freundlicher Vielförmigkeit. Ihre Arbeit artikuliert sich in Text, Bild, Raum und Sound. Ihre Stimme ist voller Fürsprache, wenn sie Widerspruch einlegt. In ihrer Kunst erzeugt sie eine starke Präsenz, um im Handeln und Sprechen mit anderen als Verstärker in den Hintergrund zu treten. Dabei arbeitet die Künstlerin vornehmlich installativ und performativ. Über kollektive Prozesse thematisiert sie den kollektiven und transdisziplinären Aspekt künstlerischer Arbeit. So haben sechs Musiker und Komponistinnen unterschiedlicher musikalischer Traditionen und Stilrichtungen eigens für die Klanginstallation "tribute to whistle" Beiträge für die Trillerpfeife geschaffen. Die Rhythmen und Sounds sind in sich ständig verschiebenden, immer anders überlagernden Konstellationen zu hören. Drei Videos Natascha Süder Happelmanns markieren die Etappen auf dem Weg zum "Ankersentrum". Sie bezeugen und verknüpfen Orte wie die Ankerzentren in Bayern mit Tomatenplantagen in Apulien und dem Rettungsschiff Iuventa, das im Zollhafen von Trapani festgesetzt ist.

Deutscher Pavillon 2019

Kuratorin

Die Kunsthistorikerin Franciska Zólyom ist seit 2012 Direktorin der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig. 1997 bis 1999 war sie Kuratorin am Museum Ludwig Budapest. Nach einem Stipendium am Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart in Berlin leitete sie das Institute of Contemporary Art in Dunaújváros

Künstlerin

Natascha Süder Happelmann wurde 1987 in Budapest oder 1968 in Sachsenheim oder 1979 in Australien oder 1979 in München oder 1967 in Teheran oder 1966 in London oder 1953 im Iran geboren. Sie lebt und arbeitet in Berlin, Kassel oder Gütersloh oder in Santa Monica, Kalifornien, USA, oder Cotswolds, Großbritannien.
Natascha Süder Happelmanns Arbeit untersucht, wie Welt gemacht wird und welche bio- und geopolitischen Wechselwirkungen und Verstrickungen dem zugrunde liegen. Dabei misst sie die Bedingungen und Räume für künstlerisches Handeln neu aus und aktiviert ästhetische Forschung in politischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen.
Die Künstler*in arbeitet vornehmlich installativ und performativ sowie mit Text und Klang. Sie lässt ihre Praxis immer wieder in kollektive Prozesse einfließen und thematisiert den kollektiven und transdisziplinären Aspekt von künstlerischer Arbeit.
Anstelle weiterer biografischer Angaben verweist die Künstler*in auf ihre Plattform bioswop.net. Die Tauschbörse existiert online seit 2004 und ermöglicht Kulturschaffenden, Künstlerinnen und Künstlern, ihre CVs zu tauschen oder sie aus vorhandenen Daten zusammenzustellen.

Deutscher Pavillon 2017

Anne Imhof

Blicke treffen sich, aber keine Kommunikation entsteht. Sie nehmen einen wahr, aber erkennen einen nicht an. Nach Gender, individuell und eigen, zugleich aber stereotyp erscheinen die Menschen in Anne Imhofs Malereien und Szenarien. Geräusche, Klang und Kompositionen rhythmisieren wie synchronisieren Raum und Körper in einer gedehnten Zeit, welche sich lose durch Narrationen gliedert. Die von Körpern wie vom Klang beschriebenen Räume und der architektonischer Raum überlagern sich, schieben sich bis zum kurzen Moment ihrer Kongruenz ineinander, um im nächsten Augenblick wieder auseinanderzubrechen. Das Geschehen ist kontingent, alles kann in jedem Moment auch anders sein. Inhalt und Form der Bewegungen sind oft divergent, wodurch ihre Einübung überhaupt erst sichtbar wird. Sie changieren zwischen zäher Alltäglichkeit und rätselhaften Ritualen, zwischen fremdbestimmten wie schematisierten Abläufen oder individuellen Fehlfunktionen, Uniformität und Punk. In der Gruppe formiert, bleibt die ziellose Individualität bestehen. Auch wenn sie gemeinsam singen, singen sie vom Ich. Die Körper in Anne Imhofs Stück sind Subjekte, die sich im permanenten Kampf gegen ihre Objektwerdung befinden – kapitalisierte Körper wider eine stetige Optimierung. Zum Bersten gespannt oder erschlafft, erscheinen die dressierten und fragilen Körper wie von unsichtbaren Machtstrukturen durchzogenes Material. Zugleich ist den Bio-Techno-Körpern ihre mediale Vermittlung bereits inhärent. Sie scheinen sich permanent in konsumierbare Bilder zu verwandeln; sie wollen zum Bild werden, zur digitalen Ware. Anne Imhof begegnet der Brutalität unserer Zeit mit einem harten Realismus. In ihren Szenarien vergegenwärtigt sie, wie der Körper in materiellen und diskursiven, in technologischen, sozio-ökonomischen und pharmazeutischen Grenzziehungen konstituiert wird. Anne Imhof macht so den Raum zwischen Körper und Realität sichtbar, in dem unsere Persönlichkeit überhaupt erst entsteht.

Deutscher Pavillon 2017

Kuratorin

Susanne Pfeffer (* 1973) ist Kunsthistorikerin und Kuratorin. Seit Juni 2013 ist sie Direktorin des Fridericianum in Kassel, wo sie u.a. die Ausstellungen Inhuman (2015), nature after nature (2014) und Speculations on Anonymous Materials (2013) sowie Retrospektiven zu Tetsumi Kudo (2016), Marcel Broodthaers (2015) und Paul Sharits (2014) kuratierte. Auf der 56. Internationalen Kunstausstellung – La Biennale di Venezia kuratierte sie den Schweizer Pavillon mit einer Einzelpräsentation von Pamela Rosenkranz. Zuvor war sie Chefkuratorin des KW Institute for Contemporary Art in Berlin (2007–2012) sowie Kuratorin und Beraterin des MoMA PS1 in New York. Von 2004 bis 2006 arbeitete sie als künstlerische Leiterin des Künstlerhauses Bremen.

Kuratorin: Susanne Pfeffer © Uwe Zucchi
Anne Imhof © Nadine Fraczkowski

Künstlerin

Anne Imhof (* 1978) graduierte 2012 an der Städelschule in Frankfurt am Main. 2015 wurde Imhof mit dem Preis der Nationalgalerie ausgezeichnet und produzierte daran anschließend die Oper Angst, die 2016 in drei Akten in der Kunsthalle Basel, dem Hamburger Bahnhof in Berlin und auf der Biennale de Montréal gezeigt wurde. Ihre Performance- Zyklen Deal, Rage, Aqua Leo und School of the Seven Bells waren u.a. in Einzelausstellungen im MoMA PS1, New York, dem Carré d’Art – Musée d’art contemporain de Nîmes sowie im New Jersey, Basel und dem Portikus, Frankfurt am Main zu sehen. In internationalen Gruppenausstellungen wurden ihre Arbeiten u.a. im Palais de Tokyo, dem Centre Pompidou und dem Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main gezeigt. Anne Imhof war 2015 Gastprofessorin an der Akademie der Bildenden Künste München.

Kontakt

Dorothea Grassmann

Charlottenplatz 17
D-70173 Stuttgart

Telefon: +49.711.2225.179