Enad Marouf: Time Of The Angel. © Courtesy of the artists, video still Enad Marouf
03. Jun2022-07. Aug2022zum Kalender hinzufügen

Zones of Kinship, Love, and Playbour

AusstellungShedhalle ZürichSeestraße 3958038 Zürich
Enad Marouf: Time Of The Angel. © Courtesy of the artists, video still Enad Marouf

Orte fürs Ausruhen und einfach Sein

Wenn sich das ganze Leben um die Arbeit dreht – wie wäre es dann, wenn arbeiten ein bisschen mehr wie leben, oder wie etwas Lebendiges wäre? Protozone7 in der Shedhalle Zürich widmet sich dem Bereich der Nicht-Arbeit und beherbergt unsichtbare Prozesse, die dann stattfinden, wenn man sich ausruht, lacht, liebt und nicht arbeitet. Solche Orte sind zu einer gefährdeten Spezies geworden. Ihre Ökologien leben von Überfluss und Großzügigkeit. Sie wollen nichts vom Menschen.

Diese Orte sind nichts als sich selbst, voller Fülle und doch nie vollständig, ein Geflecht an Möglichkeiten, das Stille, Innehalten und Ruhe zulässt. Zeit ist generell Mangelware, doch seltsamerweise gibt es hier mehr als genug davon. Die hier gezeigten künstlerische Praktiken gehen mit der oft schmerzhaften, aber immer noch romantisieren Vermischung von Leben und Arbeit um.

"Playbour" = Play + Labour

In den letzten zwei Jahren stellen sich verstärkt Fragen nach den Infrastrukturen rund um Arbeiten und Leben. Während Produktionsweisen wie etwa das ‘Homeoffice’ vermehrt eingeführt werden, erinnern Begriffe wie ‘playbour’ an das Versprechen einer Verschmelzung von Arbeit, Spiel und Freizeit als einer einzigen Tätigkeit, die nicht bloß die Kehrseite übermäßiger persönlicher Erschöpfung mit sich bringt. Während ‘playbour’ sich innerhalb der Arbeitsstätten sogenannter “immaterialler Arbeit” abspielt, sind diese Arbeitsweisen auch eng mit der materiellen Abschöpfung und Ausbeutung von Arbeitskräften und mehr-als-menschlichen Ressourcen auf globaler Ebene verkoppelt.

Verknüpfung zur Vergangenheit des Ausstellungsortes

Die Wände der Shedhalle tragen ihre Vergangenheit der Produktionsstätte für mechanische Seidenfabrikation im ausgehenden 19. Jahrhundert in sich, als vormals hochqualifiziertes manuelles Handwerk aus der Heimarbeit in industrielle Fertigungshallen zog. Protozone7 greift diese Momente und Zeitsprünge zwischen Heimarbeit, Playbour, Ausbeutung und Homeoffice auf, auf um alte Fragen erneut zu stellen, etwa: Wie kann alles Lebendige und das Leben selbst vor totaler Abstraktion und Finanzialisierung bewahrt werden?

Die eingeladenen Künstler:innen haben ihre Arbeiten während der Pandemie entwickelt. Wie viele erlebten sie Momente der Krise, der Depression, der Krankheit, des Verlusts und der Entbehrung. Sie fanden Wege, um Verhältnisse zu fördern, die diese Arbeiten unterstützen, ohne sich einer ausbeuterischen Logik des Gewinns zu beugen. Diese Zone beherbergt ihre spezifischen und oft langsamen Praktiken, ihre fortwährende Beziehungspflege und ihren sorgfältigen Umgang mit den Materialien. "Zones of Kinship, Love, and Playbour" wird kuratiert von Lucie Tuma.

Diese Ausstellung wird durch das Programm Ausstellungsförderung unterstützt.

Gefördert wurden die Künstler:innen Claudia Hill, Kiran Kumār, aLifveForms (fed and cared for by JP Raether) und Enad Marouf.

Ausstellungsförderung

Das Programm Ausstellungsförderung unterstützt zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler dabei, Kunstprojekte im Ausland zu realisieren.

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