Zwei Pilze umgeben von Laub
Anne Duk Hee Jordan, "Staying with the Trouble", 2019. Video-Standbild. Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin, © Anne Duk Hee Jordan
08. September2021-24. Oktober2021zum Kalender hinzufügen

Momenta Biennale: Sensing Nature

AusstellungMOMENTA Biennale de l'image Montreal
Zwei Pilze umgeben von Laub
Anne Duk Hee Jordan, "Staying with the Trouble", 2019. Video-Standbild. Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin, © Anne Duk Hee Jordan

Gefördert: Anne Duk Hee Jordan, Sandra Mujinga und Susanne M. Winterling

Diese Edition von MOMENTA kann auf mehrere Arten gelesen werden. Einerseits geht sie von einem Menschen aus, der die Natur wahrnimmt, indem er vielleicht eine im Wald gepflückte Blaubeere in der Hand hält und verschiedenen Wahrnehmungsarten ausgesetzt ist: Sehen, Riechen, Schmecken, Hören und Tasten. Auf der anderen Seite wird angenommen, dass die Natur den Menschen auch wahrnimmt. 

Kuratiert von Stefanie Hessler in Zusammenarbeit mit Camille Georgeson-Usher, Maude Johnson, und Himali Singh Soin.

Der deutsche Beitrag wird durch das Programm Ausstellungsförderung des ifa unterstützt.

Geförderte Künsterinnen

Anne Duk Hee Jordan: "Intimacy of Strangers"
Montreal Museum of Fine Arts

Die Videoinstallation "Intimacy of Strangers / Intimité de l'inconnu" entführt uns in eine hybride terrestrisch-aquatische Zukunftswelt, in der Amphibien, Insekten, Bakterien, Pilze, Observatorien und kinetische Objekte Seite an Seite leben. Die Wände der Galerie, die in einem umhüllenden ozeanischen Blaugrün gehalten sind, bilden den Hintergrund für die Abenteuer einer winzigen Krabbe, die sich in einer Meereslandschaft versteckt, und mikroskopisch kleine Sporen, die durch Schichten von totem Laub fliegen und aufsteigen. Wir werden Zeuge von Szenen des komplexen Zusammenlebens verschiedener Arten – Szenen, in denen gemeinsames Leben manchmal auch gemeinsames Sterben bedeutet. Jordan verwebt diese sinnlichen, symbiotischen oder wechselseitigen Beziehungen zu einer Erzählung, indem sie die Idee einer dauerhaften Partnerschaft und Verbundenheit zwischen verschiedenen Wesen erforscht. Sie stellt sich eine Welt vor, in der alle Lebewesen, einschließlich der Menschen, Symbionten sind. Durch die spekulative Perspektive der Science-Fiction und den Realismus eines dokumentarischen Ansatzes thematisiert "Intimacy of Strangers / Intimité de l'inconnu" die Vielfalt und Fluidität der Existenz durch Gemeinschaft und Gleichberechtigung zwischen den Spezies. Indem er etablierte Vorstellungen von Natur, Kultur und Technologie in Frage stellt, stellt Jordan mögliche Wege für ein Zusammenleben, ein "Miteinander" auf einem beschädigten Planeten vor.

 

Sandra Mujinga in "Worldmaking Tentacles"
Fonderie Darling

Mit den skulpturalen Werken "Nocturnal Kinship" und der Videoinstallation "Disruptive Pattern" erschafft Mujinga ein taktiles Universum, das von zoomorphen Kreaturen bewohnt wird. Sie verbindet Texturen, indem sie die Formbarkeit von Haut und Textilien mit quallenartigen, transparenten Bildern kombiniert, um Gebilde zu formen, die auf halbem Weg zwischen Mensch und Tier liegen. Die unter dunklen Kapuzenmänteln verborgenen, hoch aufragenden Figuren in "Nocturnal Kinship" tragen Fortsätze, die an die Arme eines Kraken oder den Rüssel eines Elefanten erinnern. Umgekehrt entziehen sich die durchscheinenden Silhouetten, die sich auf den Bildschirmen der Disruptive Pattern-Videos bewegen, dem Sichtbaren, indem sie sich wie der Glastintenfisch durch den Kontakt mit Licht selbst auslöschen. Diese Arbeiten beziehen sich auf die Überlebensstrategien bestimmter Tiere, darunter Tintenfische und Elefanten, die für ihre Homochromie – eine Art der Tarnung, die die Farben der Umgebung imitiert – und ihr Nachtverhalten bekannt sind, mit dem sie sich der Wilderei entziehen können. Die Skulpturen erzeugen eine Spannung zwischen Körper und Sicht, indem sie die Vorstellung von Unsichtbarkeit als Überlebensmodus und konzeptionellem Hebel für marginalisierte Menschen heraufbeschwören. So wie der Kapuzenpulli zu einem aussagekräftigen Symbol für die Erstellung von Rassenprofilen geworden ist, werden die Kostüme, Felle und Oberflächen hier zu Symbolen des Protests gegen Gewalt und Diskriminierung, wobei die Akte der Selbsttarnung und des Verschmelzens mit der Landschaft komplexer werden. In "Nocturnal Kinship" und "Disruptive Pattern" bringt Mujinga Afrofuturismus und Posthumanismus in einer kritischen Auseinandersetzung mit der Politik der Sichtbarkeit zusammen und zeigt die Entfremdung und Handlungsfähigkeit auf, die sich daraus ergeben können.

 

Susanne M. Winterling in "Wet Futures"
VOX, centre de l'image contemporaine

In der Installation "Planetarische Oper in drei Akten", die durch die Strömungen unterteilt sind, taucht Winterling in eine hypnotische Welt ein, in der sich seltsame, leuchtende Kreaturen tummeln. Sanft umhüllt von einem Unterwassersoundtrack – den Geräuschen schlüpfender Schildkrötenpanzer, aneinander reibender Krabbenscheren und anderen ozeanischen Klängen – schlängelt sich eine uralte Form von Mikroalgen namens Dinoflagellaten wie leuchtende Spindeln ins Bild und wieder heraus. Wenn diese winzigen Organismen von einem Fisch gestreift oder von einer Welle gestreichelt werden, senden sie durch eine chemische Reaktion, die Biolumineszenz genannt wird, Licht aus. Für das bloße Auge fast unsichtbar, sind sie eine lebenswichtige Nahrungsquelle für viele andere Arten, und ihr Vorhandensein ist ein Zeichen für die Gesundheit eines marinen Ökosystems. Eine plötzliche Algenblüte an der Wasseroberfläche ist ein Anzeichen dafür, dass das Wasser ernsthaft aus dem biologischen Gleichgewicht geraten ist. Der undurchsichtige Schild, den die Wasserpflanzen bilden, ist keine willkürliche oder zerstörende Verunreinigung, sondern das Zeichen einer komplexen und poetischen Allianz zwischen den Arten, von der Winterling empfiehlt, dass wir andere Schlussfolgerungen ziehen. Die "Planetarische Oper in drei Akten", die durch die Strömungen geteilt wird, ist zugleich eine Umkehrung des Maßstabs und eine Ausweichlösung für die anthropozentrische Logik und lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das Wirkprinzip der Natur und die Übertragung auf digitale Technologien. Dinoflagellaten reagieren wie Touchscreens, die mit einem Fingerdruck aktiviert werden, auf Berührung. Anhand einer der frühesten Lebensformen auf der Erde lässt Winterling Wissenschaft und Fantasie, Natürliches und Synthetisches, miteinander in Kontakt treten, indem sie deren Zusammenspiel aus einer nicht-binären Perspektive beleuchtet.

Ausstellungsförderung

Das Programm Ausstellungsförderung unterstützt zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler dabei, Kunstprojekte im Ausland zu realisieren.

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Kontakt

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