ifa-Präsident

Nachfolgeregelung für Prof. Dr. Martin Roth

Die überwältigende Anteilnahme am Tod von Prof. Dr. Martin Roth hat uns sehr berührt.
Martin Roth hinterlässt für seine Familie und Freunde, aber auch das ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) sowie die Kultur in Deutschland und weltweit eine große Lücke.

Das Amt des Präsidenten des Institut für Auslandsbeziehungen spielt in der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik und der Innenkulturpolitik Deutschlands eine bedeutende Rolle. Das Präsidium des ifa wird sich mit dem Verfahren zur Nachfolgeregelung auf seiner Sitzung am 18. Oktober 2017 befassen.

Bis zum Antritt einer neuen Präsidentin / eines neuen Präsidenten wird Dr. Bernt Graf zu Dohna als kommissarischer Präsident des ifa amtieren. Generalsekretär Ronald Grätz wird ihn hierbei unterstützen.

Prof. Dr. Martin Roth, Präsident des ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) vom 1. Juli bis 6. August 2017; Foto: Alexander Gronsky
Foto: Alexander Gronsky

Zum Tod von Martin Roth

Prof. Dr. Martin Roth, der Präsident des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa), verstarb nach schwerer Krankheit am 6. August 2017 im Alter von 62 Jahren in Berlin.

Martin Roth war einer der herausragenden und erfolgreichsten Kulturmanager, Museumsleiter und  Kuratoren unserer Zeit.

1955 in Stuttgart geboren, studierte Martin Roth an der Universität Tübingen Empirische Kulturwissenschaft. Seine Promotion über den politischen und historischen Hintergrund von Museen und Ausstellungen in Deutschland zwischen 1871 und 1945 legte den Grundstein für eine beispiellose Karriere. Seine internationale Laufbahn begann als Direktor des Deutschen Hygiene-Museums in Dresden, dem folgten die Positionen als Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und Vorsitzender des Deutschen Museumsbundes. Martin Roth war Kurator der Expo in Hannover und schließlich als erster Deutscher Direktor des Victoria & Albert Museums in London, das unter ihm 2016 britisches "Museum des Jahres" wurde. Das Museum erreichte unter seiner Führung mit Ausstellungen zu David Bowie, Bob Dylan und Alexander McQueen Besucherrekorde.
Am 1. Juli 2017 übernahm Martin Roth das Ehrenamt des Präsidenten des Instituts für Auslandsbeziehungen.
Sein Wirken im ifa war leider viel zu kurz, doch wird es Spuren hinterlassen. Martin Roth hat im Vorfeld seiner Präsidentschaft in zahlreichen Gesprächen wichtige Perspektiven eröffnet und Themen formuliert, die für das ifa künftig relevant sein werden: Kunst und Kultur müssen sich politisch einmischen – Kreativität ist eine treibende Kraft zur Zukunftsgestaltung einer Gesellschaft – Kultur bildet maßgeblich die Identität von Menschen. Das waren Leitgedanken, die Martin Roth trieben. Es ging ihm um die Relevanz und die Einmischung  von Kunst in Gesellschaft und Politik. So kritisierte er heftig das mangelnde Engagement der Kulturschaffenden gegen aktuelle Bedrohungen – sei es das auseinanderbrechende Europa oder die Pegida-Bewegung in Dresden. Martin Roth war ein Freund der klaren Worte, Provokation und Polarisierung waren ihm Mittel der Wahrheitsfindung. Ob Kulturgutschutzgesetz, Humboldt-Forum oder der Brexit – er hatte dezidierte Positionen und forderte von der Kultur, Verantwortung für politische Entwicklungen zu übernehmen und einzuschreiten.

Wer Martin Roth kannte, sah voller Bewunderung, dass er bis zuletzt energisch Zukunft entwarf und immer nach den Menschen hinter den Dingen fragte. Es war seine Art des Umgangs mit den Aufgaben und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die jede der von ihm geleiteten Institutionen in ein Zentrum für Innovation und Experiment verwandelte. Er schuf lebendige Orte für Menschen, die sich mit Themen der Zeit auseinandersetzen wollen. Seine Museen bekamen im besten Sinne neben wissenschaftlicher Fundierung und kuratorischer Qualität den Charakter von Treffpunkten. So zog er die Menschen hinein in Häuser, die fortan Publikumsrekorde erlebten. Martin Roth war ein Magnet für Aufklärung, Bildung und Meinungsbildung mittels Kunst und Design. Sein Mut, seine Überzeugungskraft und sein Ideenreichtum begleiten unser Denken und Handeln.

Der Tod von Martin Roth erfüllt uns mit tiefer Trauer und sollte als Auftrag an alle empfunden werden, sein Lebenswerk fortzusetzen.

Unser aufrichtiges Beileid und unsere Anteilnahme gelten auch im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Familie, seiner Frau und seinen Kindern.

Dr. Bernt Graf zu Dohna, Vize-Präsident        
Ronald Grätz, Generalsekretär

Kondolenzschreiben richten Sie bitte an:
Institut für Auslandsbeziehungen
Charlottenplatz 17
70173 Stuttgart
Oder:
generalsekretariat(at)ifa.de

Prof. Dr. Martin Roth

war vom 1. Juli bis 6. August 2017 Präsident des ifa (Institut für Auslandsbeziehungen).

Martin Roth, 1955 geboren in Stuttgart, studierte in Tübingen an der Eberhard Karls Universität empirische Kulturwissenschaften und wurde mit einer Dissertation über den politischen und historischen Hintergrund von Museen und Ausstellungen in Deutschland zwischen 1871 und 1945 promoviert.

Nach einem Forschungsjahr am Maison des Sciences de l'Homme und dem Deutschen Historischen Institut in Paris und einem Forschungsaufenthalt am Getty Research Institute in Los Angeles wurde Martin Roth zunächst Kurator am Deutschen Hygienemuseum in Dresden, 1991 bis 2000 war er dessen Direktor. Von 1995 bis 2003 war er zudem Präsident des Deutschen Museumsbunds, sowie 1996 bis 2003 Präsident der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und 1996 bis 2001 Mitglied des Senior Managements der EXPO in Hannover. Von 2001 bis 2011 war Martin Roth Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Das Victoria and Albert Museum (V&A) in London erzielte unter seiner Führung 2011 bis 2016 Besucherrekorde und wurde 2016 mit dem "Art Fund Prize Museum of the Year" ausgezeichnet.

Er war unter anderem Gastprofessor an der Universität Karlsruhe, an der Universität Dresden, Honorarprofessor an der Universität Moskau, sowie Honorarprofessor für Kulturpolitik und Kulturmanagement an der Technischen Universität Dresden.

Martin Roth war unter anderem Beiratsmitglied des British Council, Mitglied des Goethe-Instituts, der Stiftung Stadtmuseum Berlin, des Royal College of Art, der Stiftung Kunst und Musik für Dresden, des Kunstbeirats der Kunstsammlung Würth, kuratierendes Mitglied des Humboldt-Forums Berlin, Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees Agenda 2020 für Kultur, nicht-geschäftsführender Direktor der Expo 2020 Dubai, Gründungsmitglied der Initiative "Die offene Gesellschaft", sowie Sonderberater für Kultur des Auswärtigen Amts.
2015 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, 2017 die Ehrensenatorwürde der Universität Tübingen.

Zum Tod von Martin Roth

Ein politisches Vermächtnis

Die "Widerrede" von Martin Roth

deutschlandfunk.de | 29.08.2017

"Er wollte Leute aufrütteln"

deutschlandfunkkultur.de | 28.08.2017

Wider das Verpissertum

Interview mit Martin Roth

kontextwochenzeitung.de | 16.08.2017

Abschied von Martin Roth

dw.com | 13.08.2017

Ein Motor für die Weltkultur

berliner-zeitung.de | 07.08.2017

"Die Welt war sein Feld"

Nachruf des Goethe-Instituts

goethe.de | 07.08.2017

Der Museumsmacher

3sat.de | 07.08.2017

Außenminister Gabriel zum Tod von Martin Roth

auswaertiges-amt.de | 07.08.2017
Martin, Mascha, Roman und Clara Roth: Widerrede! Eine Familie diskutiert über Populismus, Werte und politisches Engagement. – Stuttgart: Ed. Evangelisches Gemeindeblatt, 2017. – 96 Seiten

Martin, Mascha, Roman und Clara Roth: Widerrede! Eine Familie diskutiert über Populismus, Werte und politisches Engagement. – Stuttgart: Ed. Evangelisches Gemeindeblatt, 2017. – 96 S.
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