Theodor Wanner – ein Portrait

Generalkonsul Dr. h. c. Theodor G. Wanner, Gründer des DAI, 1949 © Bundesarchiv Koblenz
Generalkonsul Dr. h. c.
Theodor G. Wanner, Gründer des DAI,
1949 © Bundesarchiv Koblenz

Der Stuttgarter Unternehmer Theodor Wanner (1875–1955) hatte die Idee, eine Einrichtung ins Leben zu rufen, welche die deutschen Handelsinteressen im Ausland fördern und die Lebenswirklichkeit, Kultur und Bedeutung der Auslandsdeutschen im Inland vermitteln sollte. Auf seine Initiative geht die Gründung der ifa-Vorläuferorganisation, des Deutschen Ausland-Instituts (DAI), im Jahr 1917 zurück.

Wanner stammte aus einer schwäbischen Kaufmannsfamilie, sein erstes eigenes Geschäft betrieb er in den 1890er Jahren in London, wo er mehrere Jahre lebte. Er kannte sich in der Schweiz und den USA aus, bereiste Polen und den Sudan und amtierte als schwedischer Generalkonsul. Seine Aufenthalte im Ausland bescherten ihm Einblicke in die Tradition, Kultur und Wirtschaft der Gastländer, wo er zahlreiche Geschäftskontakte knüpfte. Motiviert durch diese Erfahrungen begann er, sich zu Hause für Kunst, Kultur und Wissenschaft zu engagieren, immer mit Blick auf Austausch und Vermittlung. So wurde er Gründer des Vereins württembergischer Kunstfreunde, der Württembergischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften und des Süddeutschen Rundfunks. Als aktives Mitglied des Württembergischen Vereins für Handelsgeographie trug er maßgeblich zur Etablierung des Stuttgarter Linden-Museums für Völkerkunde bei.

Mit Gründung des Deutschen Ausland-Instituts wurde Theodor Wanner zum Vorstandsvorsitzenden berufen. Seine Arbeit im DAI und seine Kenntnis des Auslandsdeutschtums machten ihn in der Weimarer Republik zu einem wertvollen Berater der Regierung in Fragen der Einwanderung, Rück- und Auswanderung. Als Vorstandsvorsitzender prägte er das Institut bis 1933, als er von den Nationalsozialisten aus dem Amt gedrängt wurde. Das ifa wählte ihn 1951 zu seinem Ehrenvorsitzenden.

Theodor Wanners Name steht für das bürgerschaftliche Engagement für den Dialog der Kulturen. Aus diesem Grund hat das ifa den Preis nach ihm benannt, mit dem seit 2009 Persönlichkeiten gewürdigt werden, die sich in herausragender Weise für interkulturellen Dialog, Frieden und Völkerverständigung einsetzen.

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