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Total Glokal. Stuttgarter Weltgespräche

Grenzen des Mitleids?

4. Oktober 2017, 19:00 Uhr
Evangelisches Bildungszentrum Hospitalhof
Büchsenstrasse 33, 70174 Stuttgart

Täglich sterben Menschen auf der Flucht nach Europa. Die europäische Politik fühlt sich bei der Suche nach Lösungen sowohl von rechts als auch von links in Bedrängnis gebracht. Statt Solidarität und gerechter Lastenteilung erleben wir in Europa gegenseitige Schuldzuweisungen und politisches Kalkül. Welche moralische Verpflichtung haben wir, selbst zu handeln und von welchen Gefühlen lassen wir uns dabei leiten? 
Bereits seit Aristoteles wird Mitleid als Gefühl begriffen, das von Nähe oder zumindest starker Anschaulichkeit des Anderen geprägt ist. Käte Hamburger kommt in ihrem 1985 erschienenen Buch "Das Mitleid" jedoch zur Überzeugung, dass das Mitleid ein unpersönlicher Affekt sei und dabei das Leiden der Anderen nicht als eigenes Leiden empfunden wird. Welche Rolle spielt Mitleid aber im Ringen um ein humanes Handeln? Seitdem sich jedes Jahr tausende von Menschen auf gefährlichen Fluchtrouten über Land oder Wasser aus dem Süden in den Norden bewegen, sind wir ganz direkt mit der ethischen Frage konfrontiert: Was tun? Was machen wir mit dem Wissen über das Leiden der Anderen? Trägt die Tatsache, dass wir Mitleid empfinden, nicht zur Bestätigung unserer Menschlichkeit bei? Oder sind es die Geflüchteten selbst, die den Europäern die Gelegenheit geben, sich selbstgefällig auf Ethik und Moral zu berufen? Ist dieses Gefühl letztlich auch politisch verlässlich und hat es etwas damit zu tun, ob wir uneigennützig helfen? Diesen Themen sowie Fragen nach einer möglichen Kontinuität zwischen Kolonialismus und gegenwärtigen Deutungshoheiten zur Migrationsproblematik widmet sich die indische Wissenschaftlerin Nikita Dhawan in einem Vortrag. Der anschließende Dialog mit dem Publikum wird von Elisabeth Conradi moderiert.

Es diskutieren:

  • Nikita Dhawan, Professorin für Politikwissenschaft, Universität Innsbruck
  • Elisabeth Conradi, Professorin für Gesellschaftstheorie und Philosophie, Duale Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart.

Das ifa und der Hospitalhof Stuttgart behalten sich das Recht vor, die fotografische und filmische Dokumentation der Veranstaltung, in Form von print, online und audiovisuellen Formaten, zu veröffentlichen.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation zwischen dem ifa (Institut für Auslandsbeziehungen), dem evangelischen Bildungszentrum Hospitalhof und dem Internationalen Zentrum für Kultur und Technikforschung (IZKT) der Universität Stuttgart und wird mit freundlicher Unterstützung der Robert Bosch Stiftung und der Stadt Stuttgart durchgeführt.

Bitte melden Sie sich an unter: dialogundforschung(at)ifa.de

Das ifa feiert 2017 sein 100-jähriges Bestehen. Das Leitthema des Jubiläumsjahrs 2017 lautet "Kulturen des Wir"

Prof. Dr. Nikita Dhawan, Universität Innsbruck, Foto: Andreas Friedle

Nikita Dhawan ist Professorin für Politische Theorie mit thematischer Akzentuierung im Feld der Frauen- und Geschlechterforschung sowie Direktorin der Interfakultären Forschungsplattform Geschlechterforschung: Identitäten – Diskurse – Transformationen an der Universität Innsbruck. Ihre Forschungs- und Interessenschwerpunkte liegen in den Bereichen des Transnationalen Feminismus, der Globalen Gerechtigkeit, der Menschenrechte sowie der Demokratie und Dekolonisierung.

1 Prof. Dr. Elisabeth Conradi, Duale Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart, Foto: privat

Elisabeth Conradi ist Professorin für Philosophie und Gesellschaftstheorie an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart und lehrt am Institut für Politikwissenschaft der Eberhard Karls Universität Tübingen. Ihr Forschungsinteresse gilt lokalen und globalen Formen politischen Handelns, Klassikerinnen des politischen Denkens, dem Theorie-Praxis-Verhältnis sowie demokratietheoretischen Fragen: Citoyenneté und Partizipation, Marginalisierung und Exklusion, Deliberation und die Kultur der Debatte. Darüber hinaus analysiert sie das Verhältnis von Ethik und Politik sowie Fragen historischer Verantwortung.

Über "Total Glokal. Stuttgarter Weltgespräche"

In der Reihe "Total Glokal. Stuttgarter Weltgespräche" greift das ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) aktuelle Fragestellungen zur Wechselwirkung von Globalem und Lokalem auf und richtet die Aufmerksamkeit auf positive Beispiele der Kooperation, eigene Gestaltungsspielräume und soziale Innovationen. In einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen Globalisierungseffekten und deren Kehrseite hilflos ausgesetzt fühlen, wird transnationale Zusammenarbeit noch wichtiger.
Welche Rolle spielen Städte für die Entwicklung zukunftsträchtiger Lösungen? Reicht unser Empathievermögen? Worauf können und worauf sollten wir uns vorbereiten angesichts einer absehbar noch weiter zunehmenden globalen Dynamik? Internationale Experten diskutieren mit Akteuren und dem Publikum vor Ort.

Die ifa-Reihe "Total Glokal. Stuttgarter Weltgespräche" findet mit freundlicher Unterstützung der Robert Bosch Stiftung und der Stadt Stuttgart statt.

Die einzelnen Veranstaltungen der Reihe werden mit unterschiedlichen Kooperationspartnern durchgeführt. Dazu zählen: Stadt Stuttgart, vhs stuttgart, Evangelisches Bildungszentrum Hospitalhof, BMBF- und DAAD-Netzwerk "Literary Cultures of the Global South" der Universität Tübingen und IZKT der Universität Stuttgart.

V.l.n.r.: Manfred Heinfeldner (Moderator), Josefine Fokdal (Universität Stuttgart), Timo Aarrevaara (Universität Lappland), Daniele Vieira (UNESCO Institute for Lifelong Learning, UNESCO Global Network of Learning Cities); Foto: ifa

Den Auftakt machte das Thema "Lernende Stadt – Lernen in der Stadt" am 12. Juli 2017 in der vhs Stuttgart. Wie kann die kollektive Intelligenz, die sich in der Stadt ballt, dauerhafte Lernprozesse anstoßen? Welche Rolle spielen Kunst, Kultur, Teilhabekonzepte und Lebenslanges Lernen für ein vernetztes Handeln? Wie müsste die Zusammenarbeit verschiedenener Institutionen einer Stadt organisiert sein, um den negativen Effekten von Urbanisierung entgegenzuwirken? Diese und weitere Fragen diskutierten Timo Aarrevaara, Professor für Public Management an der Universität Lappland, Daniele Vieira, Mitglied des Koordinationsteams des UNESCO Global Network of Learning Cities, und Josefine Fokdal, Mitarbeiterin am Institut für Internationalen Städtebau der Universität Stuttgart.

Kooperationspartner

Hospitalhof Stuttgart
Internationales Zentrum für Kultur- und Technikforschung
100 Jahre ifa

Unterstützt durch

Robert Bosch Stiftung
Landeshauptstadt Stuttgart