26.01.2018 – 27.01.2018 | ACUD Studio, Berlin

Riots: Dissent and Spectres, Control and Ruptures

Vorträge, Künstlergespräche, Screenings und Performance

Kategorie: Berlin, kv Berlin, Kunstvermittlungen, kunst, Deutschland  
Ricardo Gomez Angel (CC0 1.0), via unsplash

Ricardo Gomez Angel (CC0 1.0), via unsplash

Hinter dem Phänomen des "riots" – einem Begriff, der mit "Aufruhr" nur eine unscharfe Übersetzung findet – verbirgt sich eine gewisse Gespenstigkeit und Negativität, die meist als überwältigende Zerstörung beschrieben wird. Als politisches Ereignis und gesellschaftliche Form ist der "riot" deshalb eine diffamierte und kriminalisierte Struktur innerhalb des progressiven und konservativen politischen Diskurses geblieben. Wie ist das revolutionäre Potenzial der Forderungen von Aufrührer/-innen im Kontext der jüngeren Geschichte und der heutigen Gesellschaft zu verstehen? Die gleiche Frage gilt für die grenzüberschreitenden Muster der öffentlichen Rebellion, mit deren Hilfe aus einem "riot" oder Aufruhr größere Revolten, Aufstände und systemischer Wandel hervorgehen. "Riots" oder Ausschreitungen bilden einen Ausnahmezustand. Sie gelten als Beweis für gescheiterte Verhandlungen und als Raum außerhalb der reglementierten Normalität von Demokratie und gesellschaftlicher Ordnung. Sie schaffen neue Formen des Dissens und haben die Tendenz, die Grundpfeiler der modernen Demokratie zu untergraben: die Achtung der Ordnung und den Schutz des Lebens, des Eigentums und des kapitalistischen Kreislaufs. Daher ist nur allzu oft infolge von "riots" keine Aussicht auf Gerechtigkeit gegeben. Die Haltung in Bezug auf die hinter dem Aufruhr stehenden Kräfte ist hierfür symptomatisch. Die Aufrührer/-innen werden mit verschiedenen Namen bezeichnet, wie z. B. "widerspenstiger Mob", "undemokratische Masse" oder "Plünderer". 

Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Spaltungen und der damit einhergehenden wachsenden Angst vor den Massen betrachtet das begleitende Programm das Thema "riots" in einer Reihe von Gesprächen, Performances und Filmvorführungen in einem neuen Licht. Dabei geht es um die Frage, wie Aufstände den Status quo in globalen Metropolen bestimmen und neu verhandeln, während sie sich gleichzeitig zum Testfeld eines militarisierten Urbanismus entwickeln, der schutzbedürftige und ethnisierte Gruppen ins Visier nimmt.

Kuratiert von Natasha Ginwala, Gal Kirn und Niloufar Tajeri
Kuratorische Assistenz: Krisztina Hunya 

Veranstaltungsort
ACUD Studio, Veteranenstraße 21, 10119 Berlin

PROGRAMM

Freitag, 26. Januar 2018

18:00 Uhr 
Einführung
Natasha Ginwala, Gal Kirn, Niloufar Tajeri

18.15 Uhr
Demos Noir: Coveting Crowds and Fearing Riots 
Vortrag von Dilip Gaonkar

19.15 Uhr 
Against Forgetting: Re-enactments and Dis/Assembling of the Multitude
Künstlergespräch mit Chandragupta Thenuwara und Ala Younis, moderiert von Natasha Ginwala  

20:30 Uhr 
Dead the Ends: Reading the Text of the 2011 Riots 
Filmpräsentation und Gespräch mit Benedict Seymour

21:30 Uhr 
Performance
Zena Edwards

Samstag, 27. Januar 2018

15:00 Uhr
Revolts, Resentment, Resignation. Negative Dialectics and Post-Marxist Socialism 
Vortrag von Thomas Seibert 

16:00 Uhr 
12 Years After the 2005 Revolts in French Banlieues: Decolonial Reflections on the Concept of "Riots"
Vortrag von Dariouche Kechavarzi-Tehrani 

17.30 Uhr 
Riots: On Surplus Population / Housing / Monuments 
Vortrag von Gal Kirn und Niloufar Tajeri 

18.30 Uhr 
The Colonial Logic of Grenfell 
Vortrag von Nadine El-Enany 

20:00 Uhr 
No One Leaves Delilah-A (W)rap on Riots 
Künstlergespräch mit Vaginal Davis, moderiert von Natasha Ginwala

Veranstaltung in englischer Sprache
Eintritt frei! 


ifa-Galerie Stuttgart
Ausstellung "Riots: Allmähliches Aufkündigen der Zukunft"