Kulturleben
Was anderswo ganz anders ist
| Pico Iyer Was man in Japan am Valentinstag schenkt  |

| Nicole Graaf Was die Farbe Türkis in Tibet bedeutet  |

| Gerald Asamoah Wie man in Ghana um Verstorbene trauert  |

Pico Iyer
Was man in Japan am Valentinstag schenkt
Die Japaner beschenken sich wie wild. Niemand scheint sich mit einem Freund auch nur auf eine Tasse Tee zu treffen, ohne ein exquisit verpacktes Geschenk mitzubringen. Dennoch ist das Beschenken im sozial komplexen Japan nicht bloß ein Handeln aus reiner Freundlichkeit heraus, sondern es verpflichtet den Empfänger dazu, etwas zurückzugeben. Am 14. Februar, dem japanischen "Barentain Day" (von "Valentine’s Day"), schenken die Frauen (und nur die Frauen) den Männern ihres Lebens Schokolade. Die Tafeln erstehen sie in den unteren Etagen der Kaufhäuser, wo eine verwirrende Vielzahl kleiner Läden belgische, Schweizer und deutsche Schokolade verkaufen. Von diesem Brauch sind nicht etwa die Ehemänner oder Partner betroffen, sondern eher Chefs und Abteilungsleiter, was manchmal bis zu zwanzig und mehr Einkäufe bedeutet. An jedem 14. März, genau einen Monat später, am japanischen Feiertag namens "Howeito" (White Day), sind nun die Männer (und nur die Männer) angewiesen, den Frauen ihres Lebens noch teurere Schokolade zu schenken. Auf diese Weise gibt jeder etwas, erhält jeder etwas, und die Schokoladenhersteller profitieren von beiden! Es ist daher nicht verwunderlich, dass das japanische Wort für "Dankeschön" – arigato – wörtlich übersetzt heißt: Das ist eine schwierige Sache. Auf jede Handlung in Japan gibt es eine gleichwertige, entgegengesetzte Reaktion.
Pico Iyer wurde 1957 in Oxford geboren. Der Autor und Essayist lebt in Kalifornien und Japan. Auf Deutsch erschien zuletzt "Sushi in Bombay, Jetlag in L.A." (Frankfurt, Fischer 2002).

Nicole Graaf
Was die Farbe Türkis in Tibet bedeutet
Die Tibeter lieben Farben. Das zeigt sich nicht nur in der Ausstattung ihrer Tempel, sondern auch an ihrer Kleidung. Einer der beliebtesten Schmucksteine ist der Türkis, der an Ketten, im Haar oder als Verzierung an Messern getragen wird. Da das Prinzip der Balance in Tibet wie in vielen Teilen Asiens sehr wichtig ist, wird der Türkis meist mit tiefroten Korallen kombiniert. Besonders wertvoll sind die ganz tief türkisblauen Steine. Laut einem volksreligiösen Glauben verblasst ein Türkis, wenn sein Träger krank wird oder bald stirbt, erhält seine ursprüngliche Farbe jedoch zurück, wenn er auf einen neuen Besitzer übergeht. Auch wird der Stein in der tibetischen Medizin als Heilmittel verwendet. Seine Farbe lässt auf seine Wirkung schließen. Er besitzt die Eigenschaft "kühl" und ist daher Bestandteil von Arzneien gegen "heiße" Krankheiten wie Leberbeschwerden.
Türkis ist auch eine der wenigen Farben, die einen Kontrast zum Graubraun des kargen tibetischen Hochplateaus bilden. Dort gibt es zahlreiche Hochgebirgsseen, in denen sich bei gutem Wetter der Himmel türkisblau spiegelt. Einige Seen, die innerhalb der Glaubenswelt der Tibeter eine besondere Rolle spielen, tragen den Beinamen "yumtso" (Türkissee). Dieser Zusatz bezieht sich aber nicht nur auf ihre Farbe. Damit soll auch ausgedrückt werden, dass sie für die Religion so wertvoll und selten sind wie ein Türkisstein.
Nicole Graaf wurde 1977 geboren. Die Tibetologin und Journalistin lebt in Leipzig und Berlin.

Gerald Asamoah
Wie man in Ghana um Verstorbene trauert
Beim Stamm der Ashanti in Ghana wird ein ganzes Wochenende lang von den Verstorbenen Abschied genommen. Freitags trauert nur die Familie, und es geht sehr ruhig zu. Es ist das so genannte wake keepin’, bei dem auch in der Nacht Totenwache gehalten wird. Samstags kommen dann Gäste, es wird Musik gespielt, allerdings nicht getanzt. Als meine Urgroßmutter starb, kam fast das ganze Dorf. Sie war sehr bekannt gewesen dort, denn sie hatte ein Restaurant im Dorf gehabt. Sie lag nach örtlichem Brauch aufgebahrt auf einem Bett. Man hatte ihr ihren Schmuck angelegt und sie geschminkt.
Die Gäste machen der trauernden Familie Geschenke, meist Schmuck, Kleidung oder Stoffe. Sonntags findet die Beisetzung statt. Die ganze Trauergemeinde geht hinter dem Sarg her, die engsten Familienmitglieder zuerst. Anschließend gibt es ein Fest, bei dem die Gäste zu landestypischer Musik tanzen, für die eine Band engagiert wird. Die jungen Leute tragen häufig Weiß, die übrigen Rot oder Schwarz. Die Familie erhält zu dieser Feier Geldgeschenke. Der Tod des Verstorbenen und die Beisetzung können einige Zeit auseinanderliegen. Wenn die Familien über die nötigen finanziellen Mittel verfügen und ihre Angehörigen längere Reisen unternehmen müssen, um nach Ghana zu kommen, werden die Verstorbenen in Leichenschauhäusern aufgebahrt.
Gerald Asamoah wurde 1978 in Mampong in Ghana geboren. Der Fußballer spielt derzeit bei Schalke 04 im Sturm und ist Mitglied der deutschen Nationalelf.
© KULTURAUSTAUSCH 1/2007