Tee La Rosa: Kolmanskop (CC BY-ND 2.0) via Flickr

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On Colonial Legacies and Contemporary Societies

Kolmanskop Dream

Pascale Marthine Tayou schafft mit seiner Installation "Kolmanskop Dream" eine mentale Skulptur der Stadt Kolmanskop, einer ehemaligen deutschen Kolonie und heutigen Geisterstadt in der Namib-Wüste. Die Häuser in Kolmanskop sind heute vom Sand der Wüste verschluckt. Aber unter dem Sichtbaren und Offensichtlichen existieren noch immer die verborgenen kolonialen Strukturen in Form von Erinnerungen, Wissensbeständen, sozialen und kulturellen Beziehungen, Denkweisen und Praktiken.

Pascale Marthine Tayou: Maske I, 2014; courtesy of the artist and Galleria Continua; Foto: ©We Document Art
Pascale Marthine Tayou: Maske II, 2014; courtesy of the artist and Galleria Continua; Foto: ©We Document Art

Pascale Marthine Tayou verwebt vergessene Geschichten, verborgene Erinnerungen und zeitgenössische Phantasien. Er untersucht die kolonialen Wunden und deren heutige Topographien sowie ihre Plätze in unseren individuellen und kollektiven Erinnerungen.Pascale Marthine Tayou
Der Künstler spielt mit exotisierenden Stereotypen und spiegelt den Blick auf Afrika zurück. So lässt er Kristallmasken von seiner Installation "Zweige des Lebens" hängen. Er bezieht sich damit auf die über den Westen verbreiteten afrikanischen Masken, die als imaginierte Güter, als "Voodooisierung des Alltags" (1) benutzt werden – erdachte "Machtfiguren", die sich auf keine bestimmte Kultur beziehen. In einer traditionellen Manufaktur in der Toskana aus Kristall hergestellt sind sie kostbare und verletzliche Objekte.
Tayou bringt immaterielle Eindrücke und Materialien zusammen, Fragmente von Momenten, die er an den Orten sammelte, die er bewohnt hat – sei es für eine Stunde oder zehn Jahre. "Pascale Marthine Tayous Welt", verkörpert, so Bernard Blistène, was der Dichter und Philosoph Edouard Glissant eine "Philosophie der Verbundenheit" (2) nennt, den Gedanken an eine globale Verwandtschaft, den Gedanken der Tout-Monde.
Mit seinen Installationen erschüttert Tayous lautes Lachen die kolonialen Mauern und zeigt, dass das Argument der Stärksten nicht unweigerlich das Beste ist – "La raison du plus fort est-elle toujours la meilleure?". Da jeder von uns, jenseits der kolonialen Trennung, die Ganzheit der Welt in sich trägt, kann es den immer Stärksten gar nicht geben.

(1) Gemma Rodrigues: The voodooization of everyday life. Pascale Marthine Tayou. – In: World Share: Installations by Pascale Marthine Tayou. – Los Angeles: Fowler Museum at UCLA, 2016. – 88 S.

(2) Pascale Marthine Tayou: Always All Ways / Musée d'art contemporain Lyon. – Pistoia: Gli Ori, 2011. – 346 S.

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31. März – 11. Juni 2017

Kooperationspartner

Institut français
Centre Marc Bloch
Scott Webb, via Unsplash