Kulturtransfers #8

Chen Kuen Lee (1915–2003)

Hauslandschaften. Organisches Bauen in Stuttgart, Berlin und Taiwan

Haus Ketterer mit Garten, Süddeutschland, 1954-55; © R.Halbe
Haus Ketterer mit Garten, Süddeutschland, 1954-55; © R.Halbe

Ineinandergeschobene Winkel, kristalline Formen und ein Garten, der bis in den Innenraum geht – der Architekt Chen Kuen Lee gestaltete außergewöhnliche Wohnhäuser, die sich durch ihre aufgesprengte Gestalt, die Verzahnung von Innen- und Außenraum sowie durch die landschaftsplanerische Gestaltung mit Hermann Mattern, Adolf und Hannes Haag auszeichnen. Lee gehörte zur Avantgarde der Nachkriegsarchitektur in Deutschland; vermittelt durch seine Forschung und Tätigkeit mit Hans Poelzig, Hugo Häring und vor allem Hans Scharoun knüpfte er nicht nur an die Konzepte des Neuen Bauens an, sondern entwickelte diese in einem eigenständigen Werk weiter, in dem fernöstliche Philosophie auf Konzepte der europäischen Moderne traf. Die Ausstellung konzentriert sich auf Wohnarchitektur: Unterschiedliche Planungsaufgaben prägen die 20 ausgewählten Gebäude, welche zu verschiedenen Wohnbautypen gehören. Während Lee seit Anfang der 1950er-Jahre ein Büro in Stuttgart unterhielt und sich einen Namen als Villenarchitekt in Süddeutschland machte, sind die Bauten, die er im Märkischen Viertel in Berlin errichtete, für den Massenwohnungsbau ausgelegt. Das Märkische Viertel gehört seit Ende der 1960er-Jahre zu einem der umstrittensten Siedlungsbauprojekte in Deutschland, für das Lee eine Wohnanlage mit 1.240 Wohnungen entwarf und realisierte. Lee, geboren 1915 in Wuxing/China, gestorben 2003 in Berlin, wirkte auch theoretisch durch seine Schriften, die Bau- und Lehrtätigkeit der späten Jahre in Taiwan sowie durch die Gründung des deutsch-chinesischen Werkbundes, den er mit Häring und Scharoun plante und damit einen Kulturtransfer par excellence initiierte.

In der Galerie Sonnenberg, einem der Kettenhäuser Lees, können Sie vom 31. Oktober bis zum 6. Dezember 2015 nicht nur ein Haus von Lee im Original erleben, sondern auch die Ausstellung "Chen Kuen Lee – Das Erleben im Raum" sehen. Korinnaweg 50 A, 70597 Stuttgart-Sonnenberg, Sa/So 14 – 18 Uhr und nach Vereinbarung.
www.galerie-sonnenberg.de

Von Hans Scharouns Schulbauten inspiriert: Chen Kuen Lees Entwurf für Einfamileinhäuser; © AdK
Haus Dr. Gilliar, Nabburg, 1996, Wintergarten mit öffenbarem Dach; Foto: A. Körner, © bildhübsche Fotografie
Hongkong-Bar, Berlin, 1957; © Privatarchiv Yu-Dembski
Chen Kuen Lee, Haus Lin, 1997, Taiwan, © AdK
Haus Dr. Gärtner mit Gartenanlage von Hannes Haag, Bretten-Sprantal, 1979-81, © H. Haag
Apartmenthaus in Berlin-Schlachtensee, 1963-64, © A. Körner, bildhübsche Fotografie
Wohnanlage im Märkischen Viertel, Berlin, 1965-70, Detail des abgestuften Dachs, © A. Körner, bildhübsche Fotografie

Ausstellungskatalog

Chen Kuen Lee (1915-2003)

Hauslandschaften. Organisches Bauen in Stuttgart, Berlin und Taiwan

Stuttgart: Institut für Auslandsbeziehungen (ifa). – 176 S. – (Kulturtransfers #8). – bestellen

ifa-Galerie Berlin

Linienstraße 139/140
10115 Berlin
Tel. +49.30.284491.40
fischer(at)ifa.de

  • Dienstag – Sonntag 14 – 18 Uhr
  • Montags und an Feiertagen geschlossen

22.01.2016 – 24.03.2016

Presseartikel

Der deutsch-chinesische Architekt Chen Kuen Lee

Wie ein Chinese die Tradition des "Neuen Bauens" mitprägte
Magazin des Goethe-Instituts, von Eduard Kögel (Architekturkritiker)