FABRIK – Venedig, Biennale 2015, Deutscher Pavillon

FABRIK – Venedig, Biennale 2015, Deutscher Pavillon / Florian Ebner (Hg.). – Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König, 2015. – 220 S.

FABRIK – Venedig, Biennale 2015, Deutscher Pavillon / Florian Ebner (Hg.). – Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König, 2015. – 220 S.

Vorwort 

Florian Ebner, Leiter der Fotografischen Sammlung des Museum Folkwang in Essen, ist eingeladen, den deutschen Beitrag auf der 56. Biennale Arte in Venedig zu gestalten. Sein kuratorisches Konzept besticht mit einer Zusammenstellung künstlerischer Arbeiten, die sich dem Thema migrierender Bilder stellen und uns neue Dimensionen des Sehens eröffnen. Diese Werke setzen sich mit widerständigen Bildern in Zeiten digitaler Überbelichtung auseinander.
Gerade weil Bilder und andere Informationen in unserer Gegenwart eine für den Einzelnen nicht mehr nachvollziehbare Dynamik entfalten, versammelt Florian Ebner vier künstlerische Positionen, die auf die Suche gehen nach Resilienz – in Bildern, in Menschen und in der Kunst. Tobias Zielony, Jasmina Metwaly mit Philip Rizk, Hito Steyerl und Olaf Nicolai reflektieren Bilder und Auswirkungen von Migrationen, fragen nach Inklusion und Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen, setzen sich mit Bilderwelten von Metropolen auseinander und entwerfen einen Ort der Freiheit.
Die Geschichte des Deutschen Pavillons zeigt, dass er immer auch ein Ort der kritischen Auseinandersetzung mit Deutschland, ein Ort des Vordenkens, der Reflexion und der Gegennarration war und ist. Mit dem Bezug zur aktuellen Situation in Deutschland und der Welt werden nationale Diskurse um transnationale erweitert und in künstlerischen Prozessen geformt. Auch Florian Ebners Konzept überwindet die Bedeutung der nationalen Pavillons und fordert zu einer dezidiert globalen Perspektive auf. 
Unsere Welt ist geprägt von Bewegungen und Bildern. Migrationen prägen die Geschichte der Menschheit und auch unsere politische wie kulturelle Gegenwart. Konflikte, die zu Ausgrenzung, Flucht, Exil und zu neuen Konflikten führen, sind ebenso hartnäckige anthropologische Konstanten wie Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft und großzügiges Teilen. Doch was bedeutet heute teilen und wie gestaltet sich gesellschaftliche Teilhabe? Teilhabe einzufordern, heißt auch, Diskurse mitzugestalten und mit eigenen Bildern zu prägen. Welche Bilder werden gezeigt? Welche Geschichten werden erzählt? Und welche Geschichten werden durch welche Bilder erzählt? Solche zentralen Fragen der Repräsentation und der Diskursmacht werden hier gestellt.
Die Menschheit erlebt weltweit einen rasanten Prozess der Verstädterung, wie sie ihn bisher noch nicht gesehen hat. Pulsierende Metropolen entstehen, deren Bewohner in einem Zustand andauernder Überbelichtung leben. Was bedeutet eine solche Existenz, die dem Menschen kaum noch Dunkelheit gönnt? Diese Urbanisierung der Welt geht einher mit neuen Herausforderungen, sowohl für die mentale Entwicklung des Menschen wie auch für die architektonische Anordnung der Städte. Die horizontale Ordnung wird von der vertikalen abgelöst. Der Deutsche Pavillon auf der 56. Biennale Arte in Venedig will deshalb eine ganz neue räumliche Erfahrung ermöglichen, die auf einer vertikalen Anordnung beruht. Dem Dach des Pavillongebäudes kommt dabei eine besondere Rolle zu. Als Heterotopie, dem Kosmos zugewandt und entrückt, wird es zum Symbol der Freiheit, zu einem Ort, an dem neues Denken möglich ist. Gerade hier ist erlebbar, wie alle miteinander verbunden sind, wie sich jede Bewegung, jede Geste auswirkt auf die Entwicklung in der Welt, weil jede Regung und Äußerung zurückkehrt wie ein Bumerang.<br/>Verantwortet wird der deutsche Beitrag auf der Biennale Arte in Venedig vom Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) im Auftrag des Auswärtigen Amts und in enger Kooperation mit dem Kurator. Das ifa ist eine Mittlerorganisation und gestaltet internationalen Kunstaustausch als zentrales Moment der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. In diesem Sinne zeigt es weltweit zeitgenössische Kunst aus Deutschland und entwickelt Ausstellungsreihen zur aktuellen internationalen Kunst in den ifa-Galerien in Berlin und Stuttgart sowie auf entsprechenden Internetplattformen. Das ifa fördert internationale Ausstellungsvorhaben; seine Arbeit im Zusammenhang mit der Biennale Arte dokumentierte es im Biennale-Archiv sowie in einer umfangreichen Publikation über die Geschichte der deutschen Beiträge.
Als Auftraggeber garantiert das Auswärtige Amt die Grundfinanzierung des deutschen Beitrags. Darüber hinaus ist der Sparkassen- Kulturfonds des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes zum zweiten Mal Partner des Deutschen Pavillons. Drei Essener Stiftungen unterstützen den deutschen Beitrag auf der 56. Biennale Arte in Venedig ebenfalls maßgeblich. Ich danke unseren Hauptpartnern für das große Engagement und die gute Zusammenarbeit.
Der Freundeskreis des Deutschen Pavillons auf der Biennale Venedig unterstützt den Kurator sowie die Künstler und Künstlerinnen. Für die Begeisterung, Mitwirkung und Unterstützung danke ich sehr. Ebenso möchte ich unseren langjährigen Partnern, den AXA-Versicherungen und der Deutschen Welle, für die Kontinuität in der Kooperation danken.
Das Projektteam des Deutschen Pavillons zeichnet sich durch seine langjährige Expertise im Bereich der zeitgenössischen Kunst aus. Mein herzlicher Dank gilt Tanja Milewsky und Ilina Koralova als Leiterinnen des Projektteams und Hendrik von Boxberg als Leiter der Kommunikation. Allen Autorinnen danke ich für ihre Beiträge sowie den Grafikern für das Kommunikationskonzept des Auftritts wie des Katalogs.
Florian Ebner gilt mein tiefer persönlicher Dank. Sein Wirken für den Deutschen Pavillon ist von Feingefühl und Präzision geprägt. Gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstlern wurde diese Ausstellung im Deutschen Pavillon zu einem besonderen Ereignis. Hito Steyerl, Tobias Zielony, Jasmina Metwaly, Philip Rizk und Olaf Nicolai danke ich von Herzen.

Elke aus dem Moore