Folge 7: Manuel Reinartz

1. Auf der Biennale Venedig 2015 waren Sie als Technischer Leiter für den Deutschen Pavillon tätig. Was waren dabei Ihre Aufgaben?

Manuel Reinartz in Beirut, 2017. Foto: Siri Gögelmann
Manuel Reinartz in Beirut, 2017. Foto: Siri Gögelmann

Manuel Reinartz: Im Team des damaligen Kurators Florian Ebner war ich sowohl für die technische Planung im Vorfeld als auch für den Aufbau und die Koordination vor Ort zuständig. Ich war sozusagen die Schnittstelle zwischen Kurator, Architekt und Künstlern. Vor allem die Arbeiten von Hito Steyerl und Olaf Nicolai habe ich schon in der Entstehungsphase mitbetreut, ihre installative Umsetzung mitentwickelt und -gestaltet. Daher begann meine Arbeit für den Beitrag des deutschen Pavillons schon lange vor dem eigentlichen Beginn des Aufbaus und somit war ich schon früh mit Florian Ebner wegen der Planung in Kontakt.

2. Wie wird man Technischer Leiter für den deutschen Beitrag auf der Biennale Venedig?

Aufbauarbeiten im Deutschen Pavillon, 2015. Foto: Manuel Reinartz
Aufbauarbeiten im Deutschen Pavillon, 2015. Foto: Manuel Reinartz

Manuel Reinartz: In meinem Fall war es Learning By Doing. Ich habe unter anderem Kunst und Fotographie in Leipzig studiert, wo ich auch Florian Ebner kennenlernte. In der Klasse von Timm Rautert, in der ich studierte herrschte eine rege Ausstellungstätigkeit. So gab es immer eigene Ausstellungen, Ausstellungen von Kommilitoninnen und Kommilitonen oder Klassenprojekte in Leipzig und in anderen Städten, an denen ich mitgearbeitet habe. Diese haben auch immer wieder andere Lösungen verlangt. Das hat sich dann nach meinem Studium fortgesetzt und sich zu einem wichtigen Teil meiner beruflichen Tätigkeit entwickelt. Ich sehe mich bei dieser Arbeit nicht als eine Art Veranstaltungstechniker, sondern habe eher eine künstlerisch-pragmatische Sichtweise. Man sollte nicht nur rein technisch an die Sache herangehen, denn das schränkt die Möglichkeiten von vornherein zu sehr ein. Von Herstellern hört man oft: ''Das geht auf gar keinen Fall!'' Solche Ratschläge muss man zwar bis zu einem gewissen Grad annehmen, aber manche Ideen sollte man trotzdem umsetzen. Man muss also auch einmal anders an Dinge herangehen und braucht eine Art kindliche Lust am Basteln. Und genau das macht Spaß, besonders wenn Ideen, die zunächst unmöglich erscheinen, dann auch wirklich funktionieren.

3. Welche Herausforderungen und Momente Ihrer Biennale-Tätigkeit sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Aufbau von Hito Steyerls Installation, 2015. Foto: Manuel Reinartz
Aufbau von Hito Steyerls Installation, 2015. Foto: Manuel Reinartz

Manuel Reinartz: Besonders schön war, als wir das erste Mal das Leuchtgrid von Hito Steyerls Installation anschalteten und der beabsichtigte Effekt des räumlichen Eindruckes tatsächlich so funktionierte wie wir uns das erhofft hatten. Diese Arbeit war ein wahrhafter Kraftakt, verbunden mit viel Aufwand und einigen Schwierigkeiten, die während des Aufbaus hinzukamen. Und nach all dieser Arbeit dann zu sehen, dass es wirklich so funktionierte, war wirklich schön. Venedig ist ein spezieller Ort, der aufgrund seiner Beschaffenheit einige logistische Herausforderungen birgt. Auch der Pavillon selbst bringt Schwierigkeiten mit sich: Er ist nicht beheizt und im Frühjahr, wenn es in Venedig mitunter noch sehr kalt ist, sitzt man dann zwischen kalten Steinblöcken und ohne Toiletten.

3 ½. Die Ausstellung, die 2015 in Venedig gezeigt wurde, geht nun auf Weltreise. Erste Station ist das Sursock Museum in Beirut, wo Sie wieder als Technischer Leiter tätig sind. Was ist anders als in Venedig? Und wie geht es danach für Sie weiter?

Aufbauarbeiten im Deutschen Pavillon, 2015. Foto: Manuel Reinartz
Aufbauarbeiten im Deutschen Pavillon, 2015. Foto: Manuel Reinartz

Manuel Reinartz: Die Arbeiten mussten wegen des verfügbaren Platzes vor Ort und wegen ihrer Größe und ihres Umfangs etwas verändert werden. Zum Beispiel können die großen Prints von Tobias Zielony nicht in vollem Umfang gezeigt werden. Andere Arbeiten müssen komplett umgestaltet werden wie die Bumerang-Performance von Olaf Nicolai, die eigens für den Deutschen Pavillon konzipiert wurde. In Venedig hatten wir Kameras an den Bumerangs befestigt. Aus diesem Material entstandene Videos werden jetzt in Beirut gezeigt. Ob ich auch bei anderen Stationen der Wanderausstellung dabei sein werde, steht noch nicht fest. Die Arbeiten sind technisch vorbereitet und der Aufbau wird dokumentiert, sodass er künftig von erfahrenen Ausstellungskräften, auch ohne meine Beteiligung, übernommen werden kann.

Folge 1: Florian Ebner

Florian Ebner © Museum Folkwang
Florian Ebner, Kurator des Deutschen Pavillons 2015 © Museum Folkwang

Folge 3: Susanne Gaensheimer

Susanne Gaensheimer kuratierte den Deutschen Pavillon 2011 und 2013 Foto: Renato Ribeiro Alves
Susanne Gaensheimer kuratierte den Deutschen Pavillon 2011 und 2013 Foto: Renato Ribeiro Alves

Folge 5: Julian Heynen

Julian Heynen, Kurator des Deutschen Pavillons 2003 und 2005; Foto: Jeanne Hofer
Julian Heynen, Kurator des Deutschen Pavillons 2003 und 2005; Foto: Jeanne Hofer

Folge 2: Nicolaus Schafhausen

Nicolaus Schafhausen © Kunsthalle Wien 2014, Foto: Sabine Hauswirth
Nicolaus Schafhausen © Kunsthalle Wien 2014, Foto: Sabine Hauswirth

Folge 4: Udo Kittelmann

Udo Kittelmann kuratierte den Deutschen Pavillon 2001 © Juliane Eirich
Udo Kittelmann kuratierte den Deutschen Pavillon 2001 © Juliane Eirich

Folge 6: Clemens Kusch

Clemens Kusch, seit 2002 zuständig für die architektonischen Umsetzungen der Ausstellungen im Deutschen Pavillon; Foto: Michele Mascalzoni
Clemens Kusch, seit 2002 zuständig für die architektonischen Umsetzungen der Ausstellungen im Deutschen Pavillon; Foto: Michele Mascalzoni

Manuel Reinartz, 1973 in Neuss geboren, ist freiberuflicher Künstler und war 2015 Technischer Leiter des Deutschen Pavillons der Biennale Venedig. Von 1995 bis 2000 studierte er Theaterwissenschaften und Philosophie an der Universität Leipzig und anschließend Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Potsdam. Ab 2000 besuchte er die HGB Leipzig und war ab 2002 Schüler bei Prof. Timm Rautert, bei dem er 2006 sein Diplom und von 2006 bis 2008 auch ein Meisterschülerstudium absolvierte. Er betreute die erste Station der Tourneeausstellung ''Fabrik. Deutscher Pavillon on Tour'' in Beirut.