Olaf Nicolai: Giro, 2015, Performance; © Olaf Nicolai, VG Bild-kunst, Bonn, 2015
Olaf Nicolai: Giro, 2015, Performance; © Olaf Nicolai, VG Bild-kunst, Bonn, 2015
Olaf Nicolai: Giro, 2015, performance (2); © Olaf Nicolai, VG Bild-Kunst, Bonn, 2015
Olaf Nicolai: Giro, 2015, Performance; © Olaf Nicolai, VG Bild-kunst, Bonn, 2015
Olaf Nicolai: Giro, 2015, Performance (3); © Olaf Nicolai, VG Bild-Kunst, Bonn, 2015
Olaf Nicolai: Giro, 2015, Performance; © Olaf Nicolai, VG Bild-kunst, Bonn, 2015
Olaf Nicolai: Giro, 2015, Performance (4); © Olaf Nicolai, VG Bild-Kunst, Bonn, 2015
Olaf Nicolai: Giro, 2015, Performance; © Olaf Nicolai, VG Bild-kunst, Bonn, 2015

Olaf Nicolai: Giro, 2015

Für die Dauer der Biennale Arte 2015: Performative Aktion und Installation auf dem Dach des Deutschen Pavillons

Lucarne, 2015

Industrielles Dachfenster mit Motor, Holz und Weißglas, 100 x 120 cm

Während der Biennale halten sich drei Personen auf dem Dach des Deutschen Pavillons auf. Ungesehen von den Besuchern gehen sie dort einer rätselhaften Arbeit nach, einer Schattenökonomie unter gleißender Sonne. Sichtbar werden die Akteure erst, wenn sie von Zeit zu Zeit an den Rand des Daches treten, um Bumerangs zu werfen. Sie suchen nach einer geeigneten Flugkurve und der dafür idealen Form des Wurfobjekts. Die Bumerangs stellen sie in einer Werkstatt her, deren Umrisse allenfalls aus der Ferne auszumachen sind.

Giro bezieht seine Spannung aus diesem dialektischen Zusammenspiel des Exponierens und Sich-Entziehens der Akteure, aus der Funktionalität ihres Tuns und der ästhetischen Dimension ihrer Choreografie. Die archaische Geste des Wurfs geht einher mit der zur Schau gestellten Möglichkeit des Scheiterns. Eine von Olaf Nicolai eingesetzte industrielle Dachluke im ersten Stock des Pavillons, die unter anderem die Funktion der Belüftung erfüllt, lenkt zugleich die Blicke der Besucher nach oben und erinnert an das Geschehens auf dem Dach.

Nicolais Aktion ist auch eine Meditation über Formen von Ökonomie; die künstlerischen Artefakte, die als Teil der Aktion entstehen, entziehen sich der sofortigen Umwandlung in rentable Kunstobjekte. Stattdessen wandert jede Woche eine Anzahl der fertigen Objekte an fliegende Händler, eine andere Schattenwirtschaft der Stadt.

Biografie

Olaf Nicolai; Foto: © Hans-Günther Kaufmann
Foto: © Hans-Günther Kaufmann

Olaf Nicolai, geboren 1962, lebt und arbeitet als Künstler in Berlin. Er entwickelt vielfältige interdisziplinäre Projekte, welche die elementaren Erfahrungen von Raum, Zeit und Körperlichkeit hinterfragen. Sei es ein Science-Fiction-Roman, ein Musikstück oder Prozesse des Industriehandwerks: Nicolai handelt als Mittler zwischen gegebenem Raum und Ideenformen, um soziales Verhalten in der Spannung zwischen konkreter Erfahrung und abstrahierender Kontextualisierung zu thematisieren. Indem er mit Wiederholungen und Sequenzierungen arbeitet, entwickelt er eine eigene Repräsentationskritik und macht unbekannte Kontexte sichtbar. Durch das Herstellen künstlicher Landschaften, die archivarisches Gedächtnis, Handwerkspraxen und fiktionale Szenarien mit alltäglichen Konstellationen kombinieren, betont er die Variabilität der Konzeption von Natur.
Nicolai ist Professor für Bildhauerei und Grundlagen des dreidimensionalen Gestaltens an der Akademie der Bildenden Künste München. Seine Arbeiten waren zuletzt zu sehen in: Anticipation 4, Fondation Lafayette, Paris (2014), Le pigment de la lumière, Innengestaltung für die neuen Meisterhäuser Gropius und Moholy-Nagy, Bauhaus Dessau (2014), (Innere Stimme), Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main (2013), Escalier du Chant, Musée du Louvre, Paris (2013). Er nahm an der Biennale di Venezia 2001 und 2005 und an der documenta X (1997) teil.

Florian Ebner: Meditation über die materielle und politische Natur der Bilder unserer digitalen Gegenwart

Zum Konzept des Deutschen Pavillons auf der Biennale Venedig 2015.

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