Jasmina Metwaly & Philip Rizk: Out on the Street, 2015; Filmstill; © Jasmina Metwaly & Philip Rizk
Jasmina Metwaly & Philip Rizk: Out on the Street, 2015; Filmstill; © J. Metwaly & P. Rizk
Jasmina Metwaly & Philip Rizk: Out on the Street, 2015; Filmstill (2); © Jasmina Metwaly & Philip Rizk
Jasmina Metwaly & Philip Rizk: Out on the Street, 2015; Filmstill; © J. Metwaly & P. Rizk
Jasmina Metwaly & Philip Rizk: Out on the Street, 2015; Filmstill (3); © Jasmina Metwaly & Philip Rizk
Jasmina Metwaly & Philip Rizk: Out on the Street, 2015; Filmstill; © J. Metwaly & P. Rizk
Jasmina Metwaly & Philip Rizk: Out on the Street, 2015; Filmstill (4); © Jasmina Metwaly & Philip Rizk
Jasmina Metwaly & Philip Rizk: Out on the Street, 2015; Filmstill; © J. Metwaly & P. Rizk

Jasmina Metwaly & Philip Rizk: Out on the Street, 2015

Video- und Soundinstallation: HD-Video Einkanal-Projektion, Loop, 1+6+1+8 Audiokanäle, 8 Scheinwerfer, 8 Stühle (Soundinstallation in Zusammenarbeit mit Max Schneider)

Draw It Like This, 2015

Ortsspezifische Skulptur, Fotografien

In den Räumen Rooftop 1 und Rooftop 2 zeigen die in Kairo lebenden Künstler und Filmemacher Jasmina Metwaly und Philip Rizk eine Film- und Soundinstallation sowie eine skulpturale Arbeit. Out on the Street ist ein Werk der Fiktion. Die Haltung, die Metwaly and Rizk gegen neoliberale Prozesse in Ägypten einnehmen, führt nicht in eine dokumentarische Bestandsaufnahme, vielmehr verfolgt das Künstlerduo mit seinem Filmprojekt eine Form des Theaters. Auf die Dachterrasse eines Kairoer Wohnblocks luden sie eine Gruppe von Arbeitern ein, um die Privatisierung einer Fabrik in Szene zu setzen, durchsetzt mit den alltäglichen Erfahrungen der Akteure. Ein großes Zelt auf dem Dach wurde zur Bühne ihres Films, sie betrieben dort keine reine Nachinszenierung (re-enactement), sondern improvisierten ein eigenes Stück (enactment). Die gemeinsam erarbeiteten emblematischen Szenen bringen die in Ägypten wirksamen Mechanismen der Macht und deren Sprache, die alltäglichen Demütigungen durch Vorgesetzte und die Willkür der Polizei zum Ausdruck.
Für die skulpturale Arbeit Draw It Like This im zweiten Seitenraum haben Metwaly und Rizk die Bodenfliesen des Kairoer Dachs verlegt, auf denen die Grundrisse der imaginären Fabrik nachgezeichnet sind. Die Fliesen zeugen von dem, was zuvor auf ihnen stattfand; jetzt, herausgerissen aus ihrer ursprünglichen Konstellation, haben sie ihre einstige Funktion verloren. Als ortspezifische Installation – im Besonderen als Bodenarbeit –lassen sie sich auch als Referenz an frühere Arbeiten im Deutschen Pavillon lesen. Draw It Like This ist kein Werk der Fiktion, es ist eine Karte, die nicht nachgezeichnet werden kann.

Biografien

Jasmina Metwaly & Philip Rizk; Foto: J. Metwaly & P. Rizk
Foto: J. Metwaly & P. Rizk

Jasmina Metwaly, geboren 1982, lebt und arbeitet als Künstlerin in Kairo. Sie studierte Malerei an der Universität der Künste Poznań. Sie ist Mitbegründerin des Medienkollektivs Mosireen, das sich während der Revolution 2011 in Ägypten formierte mit dem Zweck, eine Plattform für den Bürgerjournalismus und ein Archiv der Revolution zu etablieren. Metwalys Arbeiten wurden bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin (Berlinale) und beim Internationalen Film Festival Rotterdam gezeigt.
Mit ihren Beiträgen für Mosireen war sie auf der 7. Berlin Biennale (2012) und in der Ausstellung Kairo. Offene Stadt. Neue Bilder einer andauernden Revolution in Braunschweig, Essen und Hamburg (2012/13) vertreten sowie mit individuellen Arbeiten in Galerien und Kunsträumen in Kairo, Ramallah, London und Wrocław. Seit 2010 arbeitet sie regelmäßig mit Philip Rizk zusammen. In ihren gemeinsamen Arbeiten geht es um neue Wege der Partizipation des Menschen als Subjekt seiner Geschichte und um neue Formen der filmischen und politischen Repräsentation.

Philip Rizk, geboren 1982, lebt und arbeitet als Filmemacher und Autor in Kairo. Er studierte Philosophie und Anthropologie. Seit 2009 arbeitet er mit Video, sein erste Filmarbeit ist der Dokumentarkurzfilm This Palestinian Life (2009). 2010 schloss er die Kurzfilmserie Sturm ab, eine Zweikanal-Arbeit, die den Niedergang der Landwirtschaft und Industrie in Ägypten untersucht. Zusammen mit Jasmina Metwaly gründete Rizk 2011 das Videokollektiv „intifadat intifadat“ und produzierte eine Reihe von Videos mit dem Titel Remarking January 25; er ist außerdem Mitglied des Medienkollektivs Mosireen.
Seine Texte sind in verschiedenen Sammelbänden, im Journal of Human Geography und auf den Websites jadaliyya.com und roarmag.org erschienen. Seine Filmarbeiten wurden in der Ausstellung Kairo. Offene Stadt. Neue Bilder einer andauernden Revolution in Braunschweig, Essen und Hamburg gezeigt sowie bei verschiedenen Filmfestivals in Europa und Nahost, unter anderem bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin (Berlinale). Seit 2010 arbeitet er regelmäßig mit Jasmina Metwaly.

Florian Ebner: Meditation über die materielle und politische Natur der Bilder unserer digitalen Gegenwart

Zum Konzept des Deutschen Pavillons auf der Biennale Venedig 2015.

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