The Event of a Thread | Das Ereignis eines Fadens

Der Bauhausraum

Der gestaltete Raum ist der historischen Textilwerkstatt am Bauhaus gewidmet und veranschaulicht in sechs Kapiteln die außergewöhnliche Erfolgsgeschichte der Weberei. Dabei sprechen insbesondere die Stoffe selbst: Neu gewebte Annäherungen an Gebrauchsstoffe des Bauhauses können betrachtet und ertastet werden. Sie erzählen davon, wie die einzelnen Weberinnen eine ausgeprägt künstlerische Auffassungs- und Arbeitsweise mit handwerklichem Können verbanden. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei zum einen Gunta Stölzl, der ersten Werkmeisterin und späteren Leiterin der Textilwerkstatt am Bauhaus in Dessau, sowie der Textilgestalterin Otti Berger, die über "Stoffe im Raum" nachdachte.
Die am Bauhaus entstandenen Textilien haben sich mit der wechselnden Programmatik der jeweiligen Direktoren weiterentwickelt. Stellte man anfangs "Bilder aus Wolle" her – so Gunta Stölzl rückblickend – wurde später vor allem an Gebrauchsstoffen und Wandbehängen gearbeitet. In dieser gesuchten Nähe zur Industrie drückte sich der soziale Gedanke aus, gut gestaltete Produkte für möglichst viele zu schaffen. An der Weberei wurden aber auch die Widersprüche des Bauhauses, vor allem in Hinblick auf die Geschlechterfrage und die Berufsmöglichkeiten für Frauen im beginnenden 20. Jahrhundert, deutlich.

Nachweben eines Möbelstoffes von Gunta Stölzl in der Webereimanufaktur der Burg Giebichenstein, Kunsthochschule Halle; Foto: Susanne Weiß
Nachweben eines Möbelstoffes von Gunta Stölzl in der Webereimanufaktur der Burg Giebichenstein, Kunsthochschule Halle; Foto: Susanne Weiß
Visuelles Archiv mit textilen Replikaten
Konzept und künstlerische Recherche: Judith Raum in Zusammenarbeit mit Jakob Kirch, Pascal Storz und den Architekten s.t.i.f.f.