Barbara Klemm – Helldunkel. Fotografien aus Deutschland

Öffnung des Brandenburger Tors, Berlin, 22. Dezember 1989

Barbara Klemm: Öffnung des Brandenburger Tors, Berlin, 22. Dezember 1989; © Barbara Klemm

Das Brandenburger Tor markierte die Grenze zwischen den Staaten des Warschauer Paktes und der Nato. Es galt als Symbol für den Kalten Krieg. Am 21. Dezember begannen auf DDR-Seite Arbeiter mit dem Abbruch der Mauer. Am Tag darauf wurde in Anwesenheit von Bundeskanzler Kohl und DDR-Ministerpräsident Hans Modrow das Brandenburger Tor geöffnet. 300.000 Menschen waren gekommen.

Die vorliegende monografische Ausstellung präsentiert Fotografien einer der bedeutendsten Fotografinnen Deutschlands. Barbara Klemms Arbeiten aus vierzig Jahren geben Zeugnis der historischen Entwicklung und der Gegenwart in einem jahrzehntelang geteilten Land. Viele ihrer Bilder sind zu "Ikonen der Zeitgeschichte" geworden und prägen das kulturelle Gedächtnis mehrerer Generationen. Es ist ein fotografisches Werk, das auf in der deutschen Presse selten anzutreffende Weise Dokumentation und künstlerische Inspiration miteinander verbindet, denn Barbara Klemm fügt dem vermeintlich Objektiven des Dokumentarischen die eigene Perspektive hinzu und folgt in ihren Bildkompositionen den Gestaltungsregeln der Kunst.

Obwohl diese Fotografien zumeist im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung entstanden – für die Barbara Klemm seit 1959 als Laborantin und bei der Klischeeherstellung, ab 1970 als Redaktionsfotografin mit den Schwerpunkten Politik und Feuilleton arbeitete –, sind sie doch weit mehr als für den Tag gemachte Reportagebilder. Sie führen in die wichtigsten Bereiche des gesellschaftlichen Lebens der Bundesrepublik Deutschland, der DDR und des Auslands. Einen deutlichen Schwerpunkt der Ausstellung bilden jene Fotografien, die in Deutschland Ost und West vor und nach der Vereinigung entstanden sind. Es sind Bilder aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, aus Politik, Kultur und Wirtschaft, von prekären wie alltäglichen Situationen sozialer Wirklichkeit, von Demonstrationen, Protesten und dem Leben der Einwanderer ebenso wie von kulturellen Ereignissen, Massenveranstaltungen und städtischen Räumen. Dabei gelingt es Barbara Klemm immer wieder, Menschen in den besonderen, kostbaren Momenten gelösten Seins zu porträtieren.

Barbara Klemms Fotografien stehen gleichsam paradigmatisch für konkrete gesellschaftliche Situationen. Mit sicherem Gespür für Wesen und Wesentliches erfasst die Fotografin darin Augenblicke, die weit mehr erzählen als das, was sie unmittelbar darstellen. Sie zeigen die "Verdichtung einer Handlung" (B.K.) und somit die Verdichtung von Geschichte. Die Bilder vom Mauerfall und der Vereinigung sind ein dramatischer Höhepunkt dieser Erzählung, der sich in früheren Bildern ankündigt und dessen Folgen sie seither genau beobachtet.

Ausstellungskatalog

Barbara Klemm. Helldunkel. Fotografien aus Deutschland – Stuttgart: Institut für Auslandsbeziehungen e. V. (ifa), 2009. – 196 S.

Barbara Klemm

Helldunkel. Fotografien aus Deutschland. – Stuttgart: ifa, 2009. – 196 S. – bestellen

Extra

Von der Kunst, sich selbst zurückzunehmen

Barbara Klemm in der ifa-Galerie Stuttgart © ifa

ifa | Ein Gespräch mit Barbara Klemm

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