100 Jahre Deutscher Werkbund 1907 | 2007
Peter Behrens: Elektrische Tee- und Wasserkessel, 1909; © Die Neue Sammlung – The International Design Museum Munich (Foto: A. Laurenzo); © (Peter Behrens) VG Bild-Kunst Bonn, 2009
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Peter Behrens: 'Werkbund-Paket', Verpackung für Bahlsen-Kekse, 1914; © Bahlsen-Archiv, Hannover; © (Peter Behrens) VG Bild-Kunst Bonn, 2009
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Hermann Gretsch: Kaffee- und Teeservice '1382', 1931; © Die Neue Sammlung – The International Design Museum Munich (Foto: A. Laurenzo)
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Walter Gropius, Marcel Breuer: Gesellschaftsraum, Ausstellung des Deutschen Werkbundes in Paris, 1930; © Bauhaus-Archiv, Berlin (Foto: Photo Illustration Paris); © (Walter Gropius) VG Bild-Kunst Bonn, 2009
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Der Deutsche Werkbund

Im Oktober 1907 schlossen sich zwölf Künstler und Architekten, darunter Peter Behrens, Josef Hoffmann und Richard Riemerschmid sowie zwölf Firmen in München zum Deutschen Werkbund zusammen. Als Zweck des Bundes formulierten die Gründungsmitglieder "die Veredelung der gewerblichen Arbeit im Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Handwerk, durch Erziehung, Propaganda und geschlossene Stellungnahme zu allen einschlägigen Fragen". Die Zielsetzung, die gesamte industrialisierte Lebenswelt "Vom Sofakissen bis zum Städtebau" (Hermann Muthesius) nach künstlerischen Gesichtspunkten zu "veredeln" und mit "gut" geformten Objekten die Bevölkerung kulturell zu "erziehen", bestimmte die Arbeit des Deutschen Werkbunds bis ins letzte Drittel des 20. Jahrhunderts. Wenn sich heute Unternehmen um ein einheitliches Erscheinungsbild, eine Corporate Identity, bemühen, und wenn weltweit ein allgemeines Verständnis für die Gestalt von Industrieprodukten vorhanden ist und "industrial design" an Hochschulen unterrichtet, von Wirtschaftsunternehmen entwickelt und in Museen ausgestellt wird, dann ist dies in erster Linie ein Verdienst des Deutschen Werkbunds.

Dem Werkbund gehörten einige der berühmtesten deutschen Künstler und Architekten des 20. Jahrhunderts an, Werkbundausstellungen wie "Die Form" (1924), "Film und Foto" (1929) oder die Werkbundsiedlungen waren Meilensteine in der Entwicklung neuer Formen einer durch Industrie und Technik veränderten Welt. Die vom Werkbund organisierte Weißenhofsiedlung in Stuttgart 1927 mit Bauten von Le Corbusier, Mies van der Rohe, J.J.P. Oud oder Hans Scharoun zählt bis heute zu den bedeutendsten und international berühmtesten Beispielen moderner Architektur des 20. Jahrhunderts. In der Nachfolge des Stuttgarter Wohnexperiments entstanden mit den Werkbundsiedlungen in Brünn (1928), Breslau (1929), Prag (1932), Neubühl (1932) und Wien (1932) weitere Wohn- und Städtebaumodelle für den modernen Menschen.

In den zwanziger Jahren war der Deutsche Werkbund an führender Stelle an den wichtigsten Experimenten zur Formfindung für die kommende von Technik, Internationalität und Mobilität gekennzeichnete Welt beteiligt. Nach der "Gleichschaltung" während der Zeit des Nationalsozialismus konnte bereits 1949 eine große Werkbundausstellung in Köln organisiert werden, die Maßgaben und Maßstäbe für den Wiederaufbau liefern sollte. Hier wurde als Beitrag des Schweizerischen Werkbunds die richtungsweisende von Max Bill zusammengestellte Schau „Die gute Form“ gezeigt, die einen Leitbegriff für die nächsten Jahrzehnte lieferte. Internationale Anerkennung fand das vom Werkbund entwickelte Konzept für den deutschen Pavillon auf der Weltausstellung in Brüssel 1958.

Auf der Werkbundtagung über "Die große Landzerstörung" 1959 in Marl wandte sich der Deutsche Werkbund den Themen "Zersiedelung" und "Umweltzerstörung" zu und gab damit als erster entscheidende Anstöße für die Entwicklung eines öffentlichen Bewusstseins für Ökologie und die Folgen eines ungebremsten Wirtschaftswachstums. Zunehmend wandte sich nun das Interesse des Werkbundes von den Fragen der Produktion zu den Problemen des Gebrauchs, nicht mehr die "gute Form", sondern der richtige Umgang mit Produkten und den Folgen des Konsums standen im Vordergrund. Der Werkbund wandelte sich von einer "Gesinnungsgemeinschaft" zu einer "Aktionsgemeinschaft", die bis heute mahnend und anregend wirkt.

Die Ausstellung "100 Jahre Deutscher Werkbund", die das Architekturmuseum der TU München in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Darmstadt, Fachgebiet Geschichte und Theorie der Architektur (GTA), der Neuen Sammlung – Staatliches Museum für angewandte Kunst I Design in der Pinakothek der Moderne, München und dem Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), Stuttgart 2007 in München zeigte,  präsentierte anhand von circa 1000 Exponaten eines der bedeutendsten Kapitel der deutschen Kultur- und Wirtschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Plakate, Modelle, Möbel, Design, Zeichnungen und Fotografien vermittelten ein anschauliches Bild der Leistungen des Deutschen Werkbundes.

Das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) übernahm den  Nukleus dieser Ausstellung – das sind Tafeln mit Abbildungen, Informationen und Texten zu Geschichte, Aktivitäten und Personen des Deutschen Werkbunds. Das Architekturmuseum stellte einige Originalexponate und Modelle als Leihgaben zur Verfügung. Auch die Modelle der Universität Darmstadt, Prof.Werner Durth, und die Modelle der Universität Stuttgart, Martin Hechinger, wurden dem ifa ebenfalls langfristig zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus wurden weitere Exponate, die sich ebenfalls für eine langjährige Auslandstournee eignen, vom ifa angekauft. Organisiert und koordiniert vom ifa kann die Ausstellung nun für mehrere Jahre auf Auslandstournee gehen.

Bildnachweis

1 | Peter Behrens: Elektrische Tee- und Wasserkessel, 1909; © Die Neue Sammlung – The International Design Museum Munich (Foto: A. Laurenzo); © (Peter Behrens) VG Bild-Kunst Bonn, 2009
2 | Peter Behrens: 'Werkbund-Paket', Verpackung für Bahlsen-Kekse, 1914; © Bahlsen-Archiv, Hannover; © (Peter Behrens) VG Bild-Kunst Bonn, 2009
3 | Walter Gropius, Marcel Breuer: Gesellschaftsraum, Ausstellung des Deutschen Werkbundes in Paris, 1930; © Bauhaus-Archiv, Berlin (Foto: Photo Illustration Paris); © (Walter Gropius) VG Bild-Kunst Bonn, 2009
4 | Hermann Gretsch: Kaffee- und Teeservice '1382', 1931; © Die Neue Sammlung – The International Design Museum Munich (Foto: A. Laurenzo)

 

Ausstellungskatalog

100 Jahre Deutscher Werkbund 1907 | 2007 – Stuttgart: Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), 2007. – 379 S.

100 Jahre Deutscher Werkbund 1907 | 2007

Stuttgart: ifa, 2007. – 379 S. – bestellen

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