Wolfgang Laib
Durchgang - Übergang
In der Löwenzahnwiese, 1999; Foto: Wolfgang Laib
In der Löwenzahnwiese, 1999
Wolfgang Laib: Reismahlzeiten, 1993, 15 Messingschalen, Reis
Reismahlzeiten, 1993
Wolfgang Laib: Milchstein, 1987/1988, Weißer Marmor und Milch, Installationsansicht Atelier, Foto: Wolfgang Laib
Milchstein, 1987/1988
Fotos: Wolfgang Laib

Wolfgang Laib zieht sich gern von den weltlichen Geschäften zurück. Dann beschränkt er seinen Umgang auf die Natur. Sie ist Ausgangspunkt für sein Werk. Aus ihren Dingen und Vorgängen sucht er sich die Motive für seine Kunst. Ihr entstammen nicht nur alle Stoffe, die er verwendet. Er lebt und arbeitet auch eingefügt in ihren Jahreslauf: mit Hochzeiten der Arbeit, wenn Löwenzahn, Haselnuss oder Kiefern blühen, und mit Zeiten der Ruhe im Winter, wenn er im Atelier den Marmor für einen Milchstein poliert. So konzentriert der Künstler sein Werk auf wenige, auserwählte Stoffe: Blütenstaub, Milch, Bienenwachs, Marmor, Reis und Siegellack. Aus jeder Materialwahl entspringt eine Werkfamilie, die sich langsam, aber stetig entfaltet: 1975 entstehen die ersten Milchsteine, 1977 sammelt Wolfgang Laib den ersten Blütenstaub, 1983 arbeitet er erstmals mit Reis und 1987 mit Bienenwachs. Es scheint, als müsse er erst jedes Material in eingehender Wesensbetrachtung befragen, um ihm die Form zuzumessen, die er dann in Variationen immer wieder neu ausprägt. Deshalb schließt Wolfgang Laib auch keine seiner Werkgruppen endgültig ab. Sie bestehen gleichwertig und gleichgewichtig nebeneinander.

Betritt der Besucher einen von Wolfgang Laibs Ausstellungsräumen, so taucht er ein in eine andere Seinsordnung. Jenseits der Alltagswelt wird er eingefangen von der auratischen Botschaft der einfachen Werke, deren natürliche Substanzen am kosmischen Glanz teilzuhaben scheinen. Wolfgang Laibs Werke ermöglichen eine Erlebnisweise, die unserer Zeit fremd geworden ist. Sie eröffnen Erfahrungstiefe und führen den Blick meditativ in Bereiche, die unsere Zivilisation wahrzuhaben sich scheut.

Die meisten Installationen Wolfgang Laibs bestehen nur für begrenzte Zeit, weil sie fragil oder wie im Falle des ausgestreuten Blütenstaubes, fast flüchtig und immateriell sind. Auch der eingegossene Milchstein hat als solcher keine Dauer. Ihre temporäre Erscheinung macht sie für eine Tourneeausstellung geeignet und schwierig zugleich: denn jeder Aufbau, jede Inszenierung der Werke wiederholt notwendig das Ritual ihrer Entstehung als Wiedererstehung. Die Herstellungsdauer findet eine Entsprechung in der Zeit ihrer Inszenierung.

Die Arbeiten Wolfgang Laibs entfalten ihren Zauber jeweils neu und anders in wechselnden räumlichen Umgebungen. Um dem Rechnung tragen zu können, hat sich das ifa zusammen mit dem Künstler darauf verständigt, einen Grundstock an Arbeiten aus seinen Werkgruppen anzukaufen, der immer Teil der Ausstellung sein wird. In Absprache mit Wolfgang Laib ist es dem jeweiligen Museum dann möglich, die Ausstellung mit Leihgaben zu ergänzen.

Zum Grundstock der Ausstellung gehört ein Milchstein aus dem Jahr 1977. Mit diesen flachen, weißen, nur millimetertief ausgeschliffenen Marmorsteinen, die mit Milch zu einer waagrechten Form aufgefüllt werden, beginnt Wolfgang Laibs Arbeit. Dazu kommen drei Gläser Kiefernblütenstaub zum Ausstreuen (eines bleibt als Reserve), Reismahlzeiten aus dem Jahr 1993, ein Bienenwachshaus, zwei Reishäuser aus Marmor und die Installation "Durchgang-Übergang" mit sieben Wachsschiffen auf einem Holzregal. Je nach Möglichkeit kann an jeder Ausstellungsstation auch eine Bienenwachszikkurat gebaut werden, für welche ca. 1200 kg Bienenwachs verarbeitet werden.

Ausstellungskatalog

Wolfgang Laib. Durchgang – Übergang – Stuttgart: Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), 2000. – 123 S.

Wolfgang Laib

Durchgang – Übergang. – Stuttgart: ifa, 2000. – 123 S. – bestellen

Auszeichnung

Wolfgang Laib erhält den Praemium Imperiale

Mit dem Praemium Imperiale werden Künstler ausgezeichnet, deren Werk international große Wirkung entfaltet und die Weltgemeinschaft bereichert. Wolfgang Laib erhält den Preis in der Rubrik „Bildhauerei“.
Der Praemium Imperiale seit 1989 wird von der Japan Art Association verliehen. Die Preisverleihung findet am 21. Oktober in Tokio statt.

Die nächsten Termine:

Provisorischer Zeitrahmen
14.01.2017 – 01.03.2017
Secretariat
Yangon (Rangun), Myanmar