The Event of a Thread | Das Ereignis eines Fadens. Globale Erzählungen im Textilen
Heide Hinrichs: Semikörper, 2013; Videoprojektion, Stoffbahn, Pappkartons mit div. Kleinteilen, variabel, ca. 250 x 350 cm, Detail; Foto: Uwe Walther, © Heide Hinrichs
Heide Hinrichs: Semikörper, 2013; Videoprojektion, Stoffbahn, Pappkartons mit div. Kleinteilen, variabel, Detail; Foto: Uwe Walther, © Heide Hinrichs

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen textile Arbeiten und die Frage danach, welche Bedeutungen und Botschaften sie in sich tragen, welchen kulturellen Stellenwert sie besitzen – und wie sie sich "lesen" lassen. In Textilien berühren sich Tradition und Gegenwart, Kunst und Kunsthandwerk, treffen lokale Formen des Wissens und globale Beziehungen aufeinander. In ihnen verknüpfen sich persönliche und ästhetische Geschichten mit jenen über die sozialen und ökonomischen Verhältnisse in einer globalisierten Welt. Es gibt kaum eine Region, in der sich das Textile nicht vielschichtig in die Kultur- und Industriegeschichte eingeschrieben hätte. So erzählt ein Stoff auch davon, welche Materialien wann und wo wichtig wurden, wie Techniken migrierten und sich weiterentwickelten. 

Was erzählt Gewebe von seiner Herkunft, seiner Bedeutung, seiner sozialen Rolle? Unter welchen ökonomischen Bedingungen und gesellschaftlichen Strukturen haben sich Muster und Formensprachen weiterentwickelt? Welche tradierten Techniken haben sich Künstlerinnen und Künstler angeeignet, abstrahiert, verschoben oder wieder ins Leben zurückgeholt?

Die Ausstellung zeigt den vielschichtigen Umgang mit den Eigenschaften von Gewebe und hebt mit ihrer Auswahl sowohl die transkulturelle Dimension hervor als auch die Verwobenheit des Materials mit zeitgenössischen Fragestellungen. Die Bauhaus-Künstlerin Anni Albers beschrieb 1965 "das Ereignis eines Fadens" als etwas multilineares, ohne Anfang und Ende. Eine Möglichkeit, Beziehungen und Zusammenhänge immer wieder neu zu betrachten und zu strukturieren. Diesen neu-ordnenden Blick veranschaulichen die in der Ausstellung versammelten Objekte, Installationen und Videoessays. Die Werke zeigen Kontexte von Textilien, ihre spezifische Qualität und Geschichte – und dabei auch immer, wie das Textile mit den unterschiedlichsten Aspekten unseres Lebens verbunden ist. 

Die Beziehungen von Handwerk und künstlerischem Medium lassen sich insbesondere am historischen Beispiel der Weberei am Bauhaus untersuchen, weshalb für die Ausstellung ein Bauhausraum konzipiert wurde. Der mobile Raum zeigt, wie sich eine Verbindung von den Ansätzen und Errungenschaften der Bauhaus-Künstlerinnen und -künstler zum zeitgenössischem Kunstschaffen knüpfen lässt und stellt ihre Bedeutung für die Gegenwart neu zur Diskussion.

Künstlerinnen und Künstler: Ulla von Brandenburg, Noa Eshkol, Andreas Exner, Uli Fischer, Zille Homma Hamid, Heide Hinrichs, Olaf Holzapfel, Christa Jeitner, Elisa van Joolen & Vincent Vulsma, Eva Meyer & Eran Schaerf, Karen Michelsen Castañón, Judith Raum, Franz Erhard Walther

Die nächsten Termine:

01.09.2017 – 28.01.2018
Dresden, Deutschland

Für die Premiere in Dresden entwickelte Ausstellungen, Workshops, Performances verknüpfen die ifa-Ausstellung mit der Stadt. Künstler: Ch. Jeitner, C. Nowak, A. Rose, A. Schapiro & T. Schnell, L. Schnitger, R. Walch. Kuratiert von Ch. Mennicke-Schwarz.