© Goethe-Institut Ramallah/ Wenzl

"Fragen und Hinterfragen" - Impressionen vom Workshop in Ramallah

"Fragen und Hinterfragen" – so lautete der Titel eines Workshops von Wiebke Trunk, der anlässlich der ifa-Ausstellung Musik ungeklärter Herkunft von Sigmar Polke in Ramallah stattfand. Ziel war es, die Teilnehmer für die Uneingeschränktheit von Lesarten und Auslegungen von Kunstwerken zu sensibilisieren. 

Ein Bericht von Wiebke Trunk

Die Herangehensweise von Sigmar Polke (1941 – 2010), der das Rätselhafte, das Infragestellen und den Zufall in die Entstehung seiner Arbeiten einbaute, hat seinen Ausgangspunkt in den 1950er Jahren. Polke ist in der "westlichen" Kunstwelt gut bekannt, aber wie sieht das in anderen Regionen aus? Das ifa wollte zusammen mit der Kunstwissenschaftlerin Wiebke Trunk  wissen, wie Kunststudentinnen und Kunststudenten in Ramallah Polkes Werk diskutieren.

Der Workshop wurde für Studierende der International Academy of Art Palestine konzipiert und war Teil ihres Ausbildungsprogramms. Im ersten Teil des Workshops sollte ein Stück Stoff auf seine spezifische Beschaffenheit analysiert werden. 

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Die Ergebnisse wurden auf großen Blättern Papier notiert. Danach galt es, sich die anderen entstandenen "Notizzettel" durchzulesen und mit jeweils neuen Partnern weiterzuarbeiten. 

Die zweite Aufgabe bestand darin, das bereits Notierte zu ergänzen, zu kommentieren oder zu kritisieren und gegebenenfalls weitere Fragen oder Antworten hinzuzufügen. Die Analysen der Stoffe, die Notizen zu Bild und Stoff im Vergleich und die hinzugekommenen Kommentare wurden anschließend diskutiert.

Das zunächst als rätselhaftes Material erscheinende Stück Stoff schaffte Zugang zu Polkes Werk, zu seiner kompromissfreien Art, sämtliche Standards der Kunst zu unterlaufen – vor allem durch die Verwendung bestimmter Techniken und Materialien.

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Die Notizen und Assoziationen wie Vernetzung, Verflechtung und Beweglichkeit führten am Ende zu einer lebhaften Diskussion gesellschaftlicher und politischer Fragen – angeregt durch die 40 Gouachen des Künstlers. Ganz nach einem Bildtitel Polkes in der Ausstellung: "Macht mit und gewinnt!"