Rosemarie Trockel
Rosemarie Trockel: Ohne Titel, 1996, s/w-Fotografie, © (Rosemarie Trockel) VG Bild-Kunst Bonn, 2003; Foto: Bernhard Schaub
Rosemarie Trockel: Ohne Titel, 1996
s/w-Fotografie
© (Rosemarie Trockel) VG Bild-Kunst Bonn, 2003
Foto: Bernhard Schaub

Zwei identische Porträt-Fotos einer Frau, eines schwarzweiß, das andere farbig, treffen in der Serie o. T., 1988-1996, auf drei einander ähnliche Porträt-Zeichnungen eines Pudels, zwei in Kohle, eine in Kohle und farbigem Buntstift. Die innerhalb jeder Gruppe rasch zur Kenntnis genommenen Ähnlichkeiten werden im Nu übertragen in den paradoxen Ähnlichkeitseindruck zwischen den einander gattungsfremden Frauen und Tieren, die nun plötzlich in einer Zone der Unbestimmtheit kommunizieren. In imaginärer Metamorphose gehen das Wuschelhaar der Frau und der Lockenputz der Hunde ineinander über, und der Betrachter beginnt, mit der denkbaren Möglichkeit des Tier-Werdens zu spielen – mit einem Rollentausch, der, wie die Vermischung der Geschlechter in der B.B./B.B.-Serie, sogleich das befreiende Lachen über die "Gattung" (Porträt, biologische Spezies oder soziale Gruppe bzw. Randgruppe) auslöst, das heißt, das Lachen über die Kategorie der Identität, deren Grenzen sich offenbar so leicht und auf natürliche Weise verwischen. ...

Gudrun Inboden, siehe ifa-Katalog, S. 55